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Am Rande von Moitzfeld hat der Bauunternehmer Oliver Vogt auf dem Gelände der Grube Weiß nicht nur eine ungewöhnliche Eventhalle geschaffen, sondern auch ein stilvolles Atelierhaus für eine bunte Mischung von Kreativen aus der Region. Wir haben ihnen einen ersten Besuch abgestattet und kurz die Nase in ganz viele neue Ateliers gesteckt.

Text: Holger Crump. Fotos: Thomas Merkenich

„Wir haben jetzt eine Adresse mit Farbe im Namen“, freut sich Wolfgang Buyna, und der Schalk blitzt aus seinen Augen. Das passt doch für Kreative. Er sitzt gemeinsam mit den anderen Künstlerinnen der „neuen“ Grube Weiß im Magazin, dem großen Eventsaal des Kulturzentrums am Rande von Moitzfeld.


Sie sind jetzt Mieter des Investors und Bauherren Oliver Vogt im „Atelierhaus“, wie sie es nennen. Neun gehören dem Arbeitskreis der Künstler Bergisch Gladbach e.V. an, der ebenfalls umgezogen ist und im Haus einen „meeting room“ hat. Die anderen sind frei organisiert. Gemeinsam ist jedoch allen, dass sie hellauf begeistert waren, als sie von dem neuen Atelierhaus erfuhren.

Gisela Schwarz, Vorsitzende des AdK, mit Rosemarie Bruchhausen.

„Wir haben lange auf solche Ateliers gewartet“, heißt es unisono. „Es ist ein Lottogewinn“, sagt Birgit Voos-Kaufmann.

Viele arbeiteten zuvor in unschönen Arbeitsräumen mit wenig Atmosphäre. Im Mai 2021 geht die Kunde von den Ateliers rund, ein Jahr später sind bereits alle unter Dach und Fach.

Das Atelier von Chistiane Klapdor und Wolfgang Buyna

Man spürt die Freude über die Arbeitsmöglichkeit. Das Treffen der Kreativen im Magazin hat etwas von einer munteren Klassenfahrt. Alle wollen von ihren Erfahrungen mit dem Atelierhaus berichten.

Die Künstlerinnen und Künstler der Grube Weiß
Name (mit Link zur Webseite falls vorhanden) / Genre / Atelier-Nummer Grube Weiß

Arbeitskreis der Künstler Bergisch Gladbach e.V., www.adkgl.de, Atelier 1
Rosemarie Bruchhausen – Bildhauerei, Atelier 1
Christine Burlon – Malerei, Collagen, Atelier 17 bis 19
Wolfgang Buyna – Malerei, Atelier 11 bis 15
Lydia Czeranski – Malerei, Atelier 9
Marijan Dadic – Malerei, Atelier 18 bis 20
Gisela Eich-Brands – Acrylmalerei, Mischtechniken, , Atelier 7
Sigrid Fischer – Ölmalerei, Kunstbücher, Atelier 8
Eva K. Günther – Fotografie, Objekte, Atelier 5
Christiane Klapdor – Druckgrafik, Acrylmalerei, Skulptur, Atelier 11 bis 15
Mechthild Kober – Acrylmalerei, Atelier 14
Verena Kupper – Malerei, Objekte, Atelier 4
Heike Peppler – Malerei, Objekte, Atelier 16
Kathrin Raschke – Textilkunst, Atelier 5
Beatrix Rey – Skulpturen, Objekte, Atelier 17 bis 19
Antje Schlenker Kortum – Medienkunst, Atelier 17 bis 19
Renate Schmidt – Malerei, Atelier 2
Margret Schopka – Malerei, Objekt, Kunstbücher, Atelier 3
Birgit Voos-Kaufmann – Malerei, Zeichnung, Collage, Atelier 10 bis 12

Grube Weiß 18, Moitzfeld
Besuch nur nach Terminvereinbarung!

Der Hahn kräht

„Hier sind wir auf dem Land“, freut sich Gisela Eich-Brands. Renate Schmidt berichtet vom Hahn der gegenüber kräht. „Das ist einmalig!“

Die Fotografin Eva K. Günther zog als erste ins Atelierhaus und nutzt Arbeitsräume gemeinsam mit Kathrin Raschke. „Die kreative Atmosphäre ist großartig!“ sagt Günther.

Das betont auch Künstlerin Beatrix Rey. Sie brauche eine kreative Atmosphäre. Im alten Atelier in Holweide sei es dunkel gewesen. Dachpappe habe es sehr muffig gemacht.

Das Atelierhaus während der Renovierung. Foto: Eva K. Günther

Davon kann im Atelierhaus keine Rede sein. Alte, wertig aufgearbeitete Holzböden, freiliegende Balken und Wände mit Ziegeln sorgen für den Wohlfühlfaktor. Sprossenfenster bringen genügend Licht in die Räume.

Türen auf!

Die Freude der Künstlerinnen und Künstler hat sicher auch mit den Konditionen zu tun. Die Mietkosten werden nicht genannt. Aber die meisten Kreativen erklären dass die Atelierräume hier günstiger in der Miete liegen als die alten Arbeitsräume.

Günstiger wird es sicher auch durch Gemeinschaftsateliers. Manche der Künstlerinnen und Künstler teilen sich die Räume, oder haben Kontakt durch Mauerdurchbrüche.

Auch sonst ist man nah beieinander. Dafür sorgen schon die kurzen Wege: Sämtliche Ateliers sind neben- und übereinander im ersten und zweiten Geschoss des Gebäudes untergebracht.

„Jeder arbeitet anders“, sagt eine Künstlerin. Wenn man Ruhe wolle, dann habe man sie. Aber es sei auch immer ein offene Ohr da. „Wer im Atelier ist lässt die Türen auf“, bringt es Birgit Voos-Kaufmann auf den Punkt.

Der Austausch, der scheint wichtig. Von Konkurrenz untereinander ist nichts zu spüren.

Atelier als Exponat

Die Grube Weiß, das wird bei diesem ersten Gang durch die Räume immer wieder deutlich, ist gewissermaßen selbst zum Kunstwerk geworden, ein Exponat für sich. Mit all den Zitaten aus der Industriekultur, die sich in Baustoffen und Einrichtungsgegenständen finden. Kombiniert mit einer hohen Wertigkeit des Innenausbaus.

Stört das nicht in der künstlerischen Arbeit? Muss man nicht gegen die bestechende Wucht des Gebäudes arbeiten?

„Gute Frage“, meint Christine Burlon. „Das Gebäude braucht eigentlich nichts.“ Man müsse schon mit Umsicht vorgehen, wenn man Bilder oder Objekte im Magazin platziere.

Umgekehrt hilft der Raum den Kreativen: „Im Produktionsprozess unterstützt die Situation im Atelierhaus ungemein“, ist sich Renate Schmidt sicher.

Künstlerische Gebrauchsspuren

Nun kann es also losgehen, mit all den Künstlerinnen und Künstlern aus Bergisch Galdbach, Köln und dem Rheinisch Bergischen Kreis, die hier unter einem Dach versammelt sind.

Noch ist es – für Ateliers – ziemlich aufgeräumt und sauber. Es finden sich kaum Farbspuren auf dem Boden oder an der Wand. Vom kreativen Chaos ist man ziemlich weit weg.

„Das kommt noch“, ist sich die Truppe sicher. Immerhin seien „künstlerische Gebrauchsspuren“ laut Vermieter ausdrücklich gestattet.

Die werden nicht zuletzt in der Eingangshalle sichtbar, neben dem Konferenzraum „ohne Namen“. Bauherr Oliver Vogt hat an der Wand einen Platz für das „Bild des Monats“ geschaffen. Das geht nun reihum, jede Künstleirn und jeder Künstler ist einmal an der Reihe.

Und natürlich will man sich auch der Öffentlichkeit präsentieren. Die Vorbereitungen für die ersten „offenen Ateliers“ laufen auf Hochtouren. Am Wochenende 9. bis 11. September öffnet das Atelierhaus seine Tore, dann können sich neugiere Besucherinnen und Besucher von der kreativen Atmosphäre der Grube Weiß überzeugen und die Arbeiten der Kunstschaffenden erleben.

Wolfgang Buyna scheint jetzt schon sicher: „Die Grube Weiß könnte für Bergisch Gladbach eine kulturelle Institution werden.“


Hinweis der Redaktion: Wir haben es bei unserem ersten Besuch nicht geschafft, alle Künstler:innen im Atelierhaus zu fotografieren, einige waren auch gar nicht vor Ort. Aber das war definitiv nicht unser letzter Besuch!

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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