Die Teilnehmer:innen des Energiegipfels. Foto: RBK/Rieger

Ein möglicher Gasnotstand treibt auch in Rhein-Berg Verwaltung und Politik, Unternehmen und Verbände um – deren Vertreter:innen sich zu einem Energiegipfel im Bergischen Löwen trafen. Dabei zeigte sich, dass im Moment nicht das Gas das drängendste Problem ist, sondern die massive Kostensteigerung. Kreative Ideen gab es auch, unter anderem aus Wermelskirchen.

Rund 50 Vertreter:innen aus der Politik, den kommunalen Verwaltungen, der Wirtschaft und der Gesellschaft aus dem ganzen Kreis hatte Landrat Stephan Santelmann zu einem halbtägigen Energiegipfel nach Bergisch Gladbach eingeladen – und es gab viel zu besprechen. Gerade die Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven in einem Saal habe den Wert dieser Veranstaltung ausgemacht, bilanzierten die Teilnehmer:innen im Anschluss.

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Dass natürlich auch der Rheinisch-Bergische Kreis von einem Gasmangel getroffen werden könne, machte Ulrich Groß, Geschäftsführer der Rheinischen Netzgesellschaft klar. Ob, wann und in welchem Ausmaß könne niemand sagen.

Immerhin, wenn es gelinge, insgesamt 20 Prozent des Gasverbrauchs einzusparen, könnte das Land ohne Gasmangellage durch den Winter kommen, sagte der Bundestagsabgeordnete Maik Außendorf (Grüne) – aber auch in den Folgejahren könnten wir erneut vor dem gleichen Problem stehen.

Noch mehr Energie einsparen

Mittelfristig, das war Konsens, helfe nur ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien – und kurzfristig möglichst effektive Sparmaßnahmen. „Wir sind uns alle einig, dass durch staatliche Unterstützung und ein energiebewussteres Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern, Verwaltung und Wirtschaft in der Summe ein größerer Beitrag zur Energieeinsparung geleistet werden muss, als bisher geschehen“, sagte Santelmann. 

Konkret bedeute das zum Beispiel ein Ausbau der Energieberatungen, die bereits überlastet seien. Da aber auch hier das Personal fehle seien kreative Lösungen notwendig, so Santelmann.

Kostenexplosion belastet Unternehmen

Notwendig seien aber auch unbürokratische Hilfestellungen, zum Beispiel für Unternehmen, die kurzfristig den Energieträger wechseln müssen, ergänzte der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Lucke. Selbst dann, wenn der Umstieg von Gas auf Öl erfolge.

Sehr viel unmittelbarer als ein womöglich eintretender Gasmangel seien jedoch die Belastungen, die schon jetzt durch die steigenden Kosten spürbar sind. Für die Kommunen selbst, für die Unternehmen und für die Bevölkerung.

Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, führte das Beispiel eines Bäckers an, dessen monatliche Energiekostenvorauszahlung von 2.400 auf 12.500 Euro in die Höhe gesprungen sei.

Belastungen offenlegen, Hilfen anbieten

Mit Kostensteigerungen kämpfen auch die Bürger:innen, gravierende soziale Folgen seien schon jetzt spürbar. Daher würden sich die Sozialverwaltungen, das Jobcenter und soziale Verbände zusammen schließen, sagte Santelmann. Niemand dürfe aus dem Blick geraten.

Das sei ein wichtiges Signal an die Bevölkerung, ergänzte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann-Josef Tebroke: es kommen Belastungen auf alle zu. Umso wichtiger sei es, konkrete Hilfestellungen aufzuzeigen.

Nach diesem ersten Energiegipfel mit einer Bestandsaufnahme der Sachlage und der Handlungsbedarfe solle nun in Arbeitsgruppen weiter gearbeitet werden. Ob und wann der Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises aktiviert werde, ließ Santelmann auch auf Nachfrage offen. Das werde derzeit innerhalb der Verwaltung geprüft – aber im Gegensatz zu Metropolen wie Köln sei die Lage in den Landkreisen noch nicht so kritisch.

In Bergisch Gladbach hatte sich der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“, das städtische Pendant eines Krisenstabs, vor zwei Wochen mit dem Energiethema befasst und einen operativen Stab eingerichtet, der nun an Maßnahmen arbeitet. Sie sollen am 30. August im Stadtrat vorgelegt werden.

Das Beispiel Wermelskirchen

Wie kreative Lösungen schnell umgesetzt werden können, das zeigte Wermelskirchens Bürgermeisterin Marion Lück auf.

Die Stadt habe bereits am 5. Juli den SAE aktiviert. Wermelskirchen habe rasch erkannt, dass es vor allem darum gehe, die Bevölkerung für das Sparen zu sensibilisieren, und mit Handlungshilfen zu versorgen.

„Weil die meisten von uns Mangel nicht kennen sind wir schlecht vorbereitet“, erkannte Lück – und legte los.

Schon am 13.7. startet die Stadt eine Kampagne unter dem Motto „Wermelskirchen dreht ab“. Zunächst belächelt, aber dann oft kopiert worden seien die „Duschuhren“, die die Stadt ausgab: kleine Sanduhren, die plastisch machen, wie schnell drei Minuten um sind. Diese Uhren hatte Lück auf dem Markt verteilt.

Auch Wermelskirchen hat zu wenig Energieberater:innen, daher sollen Pensionäre mit fachlichem Hintergrund in der VHS rasch fortgebildet werden. Stromsparchecks der Caritas werden in Wermelskirchen über die Tafeln ausgegeben.

Überhaupt, berichtet Lück, kooperiere und spreche die Stadt mit allen möglichen Multiplikatoren, Verbänden und Institutionen, um die Sparbotschaft rasch und nachhaltig zu verbreiten.

Und die Botschaft komme an, wenn sie richtig erklärt will: „Keiner will, dass die kommunalen Steuern steigen, dass es der Stadt schlecht geht“, sagt Lück.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Ich fasse es nicht. Stromspartips für den Bürg:enden. Jeder hat doch gespart bisher. Bäcker haben Backöfen genutzt, die Energie sparen. Wenn die 20% Energie sparen sollen, gibt es weniger Brot. Wer das nicht versteht, hat in Mathe nicht aufgepasst.
    Ich hätte mir hier schon einige kritische Fragen gewünscht.
    Hauptsache, Artikel ist gegendert.