Mit aufwändigen Zugversuchen wurde die Standfestigkeit der Robinien geprüft.

Vor rund 30 Jahren waren im Stadtteil Frankenforst in der Kiebitzstraße Robinien einer speziellen Sorte gepflanzt worden. Nun hat sich herausgestellt, dass diese Bäume zu wenig Haltewurzeln ausbilden. Bei Sturm könnten sie umfallen. Nach gründlichen Untersuchungen müssen nun neun Robinien gefällt werden. Dafür sollen 17 Bäume nachgepflanzt werden – doch dafür sind zunächst umfangreiche Bauarbeiten notwendig.

Die Kiebitzstraße im Stadtteil Frankenforst wird für einige Zeit ihr Aussehen grundsätzlich verändern, da nahezu alle Bäume gefällt werden müssen. Grund ist die mangelnde Standsicherheit der Einblättrigen Robinie, die dort als Straßenbaum vor rund 30 Jahren angepflanzt worden ist. Die exakte Sortenbezeichnung lautet Robinia pseudoacacia ‚Unifoliola‘ (ehemals: Robinia pseudoacacia var. Monophylla).

Im Juni haben die zuständige Abteilung StadtGrün sowie ein Gutachter die neun Bäume untersucht. Mit Zugversuchen wurden starker Wind und Sturm simuliert. Das Ergebnis: Es besteht eine erhebliche Gefahr ausgehend von den rund 15 bis 20 Meter hohen Bäumen.

Daher ist vor der anstehenden Herbstsaison die Fällung der Bäume terminiert, die Arbeiten beginnen am Mittwoch, den 31. August 2022. Die Baumarbeiten wurden per Anwohnerschreiben angekündigt. Zeitweise ist mit temporären Straßensperrungen und Halteverboten zu rechnen.

Aufwendige Zugversuche führen zum Aus

Christian Nollen als Leiter der Abteilung erläutert, woher die Experten die Entscheidung herleiten, dass die Fällung alternativlos ist: „Die Stadt Bergisch Gladbach kontrolliert ihre Bäume zur Wahrung der Verkehrssicherheit regelmäßig und durch speziell hierfür ausgebildetes Personal. Rein visuell machen die Robinien in der Kiebitzstraße einen sehr vitalen Eindruck”, so der Fachmann.

Die Baumkontrolleure der Stadtverwaltung sind aber speziellen Anzeichen für eine mangelhafte Standsicherheit nachgegangen und haben Zugversuche an ein externes Sachverständigenbüro vergeben.

Der Zugversuch ist ein seit vielen Jahren etabliertes, wissenschaftlich geprüftes und computergestütztes Messverfahren. Dabei werden spezielle Sensoren (Elastometer und Inclinometer) am Stamm angebracht und über ein Stahlseil wird eine simulierte Windlast angelegt. So kann mit einer Spezialsoftware eine Aussage zur individuellen Standsicherheit gegeben werden.

Kein einziger Baum ist standsicher

Dieses Verfahren wurde Ende Juni 2022 zuerst an einer der Einblättrigen Robinien durchgeführt und dabei festgestellt, dass die Standsicherheit bei weitem nicht den erforderlichen Wert erreicht. Da die Mindestwerte deutlich unterschritten werden, kann in diesem Fall auch durch Einkürzen der Baumkrone – und damit des Windsegels – die Standsicherheit nicht wiederhergestellt werden.

Hintergrund: Die Einblättrige Robinie ist ein Straßenbaum, der besonders in den 1980er Jahren vielfach gepflanzt wurde. Es zeigt sich nun, dass bei dieser speziellen Sorte das Wurzelsystem nur über unzureichende Haltewurzeln verfügt und die geringe bis unzureichende Standsicherheit ein allgemeines Problem ausschließlich der Sorte ‚Unifoliola‘ ist. Die Gewöhnliche Robinie (auch Schein-Akazie genannt; botanisch: Robinia pseudoacacia) ist davon nicht betroffen.

Eine Fällung ist zeitnah durchzuführen, so das Gutachten. Bei einem zweiten Termin wurden auch andere Bäume getestet. Mitte Juli war das Ergebnis klar: kein Baum war standsicher.

Der Gutachter stellt fest, dass die massiv beeinträchtigten Bäume vorsorglich zeitnah zu entfernen sind, denn die nötigen Mindestwerte in der Kategorie ‚Standsicherheit‘ konnten nicht erreicht werden.

Die schwarzen Punkt bezeichnen die Standtorte der Robinien

Bürgermeister gibt Einverständnis

Da es sich um eine ganze Straße und damit das Ortsbild in der Kiebitzstraße handelt, wurde auch Bürgermeister Frank Stein im Vorfeld informiert und gab mit Bedauern sein Einverständnis zur notwendigen Maßnahme. Für die unumgänglichen Baumfällungen wurden zudem auch Abstimmungen mit dem Artenschutz des Rheinisch Bergischen Kreises aufgenommen.

„Die Fällung aus Gründen der Verkehrssicherheit tut allen Kolleginnen und Kollegen von StadtGrün leid, ist hier allerdings leider nicht zu verhindern“, betont Christian Nollen im Namen aller beteilligten Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Grünflächenunterhaltung.

Das sehr robuste Robinienholz soll übrigens im Sinne der Nachhaltigkeit einer dauerhaften Verwendung insbesondere im Bereich der Spielplätze zugeführt werden.

17 neue Bäume geplant

Im Rahmen der Baumschutzsatzung besteht die Pflicht zu Ersatzpflanzungen. Daher werden 17 Bäume neu gesetzt. Ob die neuen Bäume an Ort und Stelle wieder gepflanzt werden können, steht aktuell noch nicht fest. Geplant ist, dass alle beteiligten Abteilungen eine bestmögliche Begrünung der Kiebitzstraße wiederherstellen wollen.

Dafür müssen allerdings die alten und zu kleinen Baumscheiben von den alten Baumstümpfen befreit werden. Voraussichtlich müssen die Baumscheiben neu geplant und umgebaut werden, sodass die zukünftig zu pflanzenden Bäume nach den „anerkannten Regeln der Technik“ ausreichend Wurzelraum bekommen.

Dafür sind eine detaillierte und umfangreiche straßenbauliche Planung sowie möglicherweise auch umfassende Tiefbauarbeiten Voraussetzung. Auch andere unterirdische Infrastruktur, wie beispielsweise Gasleitungen, Kanäle oder Wasserleitungen, darf nicht hinderlich sein oder speziell vor dem zukünftigen Wurzelwachstum geschützt werden. Der Straßenuntergrund muss daher gründlich untersucht werden.

Denkbar wäre eine Umsetzung der neuen Baumpflanzungen als Herbstpflanzung in 2023.

Weitere 28 Robinien in der Stadt werden geprüft

Das Problem der mangelnden Standsicherheit ist über die besagte Sorte ‚Unifoliola‘ hinaus nicht auf weitere Arten der Gattung Robinia – also andere Schein-Akazien – und auch nicht auf andere Baumgattungen übertragbar. Die auf städtischen Liegenschaften stehenden Einblättrigen Robinien werden durch die Baumkontrolleure ab jetzt intensiver kontrolliert und gegebenenfalls stichprobenartig weitere Zugversuche durchgeführt.

Aktuell führt StadtGrün noch 28 weitere Bäume dieser Sorte im städtischen Baumkataster. Insgesamt gibt es über 16.000 Bäume im Kataster.

Weitere Informationen über die Fällarbeiten in der Kiebitzstraße sind online abrufbar.

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Pressestelle Stadt BGL

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