Private Investoren wollen in den Stadtteilen Schildgen und Katterbach ein schnelles Glasfasernetz aufbauen – wenn 40 Prozent der Haushalte vorab einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Das Projekt wird von der Stadt unterstützt, ist aber kein Selbstläufer, wie ein ähnlicher Versuch in Nussbaum zeigt.

Ein schnelles Internet ist in Zeiten von Digitalisierung und Home Office wichtiger denn je, bislang in Bergisch Gladbach aber eher die Ausnahme als die Regel. Daher setzt die Stadt auf private Anbieter, die in den einzelnen Stadtteilen großflächige Glasfasernetze bauen – und damit die alten Kupferkabel ablösen.

+ Anzeige +

Damit sich diese Investitionen lohnen ist jedoch eine große Anzahl von Haushalten, die sich beteiligen, erforderlich. Daher fahren die privaten Anbieter Kampagnen, um in der Regel mindestens 40 Prozent der potentiellen Nutzer schon im Vorfeld zu einer Vertragsunterzeichnung zu bewegen.

Einen ersten Versuch dieser Art hatte Netcologne im Sommer in Nussbaum gestartet. Das ursprüngliche Ziel war, bis Ende September mindestens 40 Prozent der Nutzer zu überzeugen. Die Frist ist zweimal verlängert worden und läuft jetzt bis Ende Oktober, laut Netcologne-Website liegt die Quote bislang bei 38 Prozent. In Odenthal war ein Projekt nach diesem Muster mangels Resonanz gescheitert.

Dennoch versucht jetzt ein weiterer Investor einen weiteren Versuch: Primevest Capital Partners will gemeinsam mit dem Internetanbieter novanetz Schildgen und Katterbach mit Glasfaseranschlüssen bis in die Häuser versorgen, teilt die Stadt jetzt mit.

Auch hier gilt als Bedingung, dass die sogenannte Vorvermarktungsquote rund 40 Prozent erreicht.

Bürgermeister wirbt für das Vorhaben

Die Stadt unterstützt das Projekt. „Wir begrüßen die Bereitschaft der beiden Investoren, hier bei uns in Bergisch Gladbach eine zukunftsfähige Breitbandversorgung errichten zu wollen. Jetzt sind die Anwohnerinnen und Anwohner in Schildgen und Katterbach gefragt, ihr Interesse zu bekunden und so den Netzausbau zu ermöglichen. Nutzen Sie diese Chance für ein zukunftssicheres Bergisch Gladbach!“, so Bürgermeister Frank Stein.

Novanetz wird die betroffenen Haushalte in den nächsten Wochen informieren. Im ersten Schritt finde eine Interessenbekundung statt. Sobald ein positive Signal aus dem Ort komme, dass der Ausbau erwünscht ist, plane novanetz weitere Schritte zur Quotenerreichung, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Wird die Vorvermarktungsquote erreicht, investiert der Primevest Communication Infrastructure Fund in das passive Kommunikationsnetz. Der Anbieter novanetz betreibt das aktive Glasfasernetz. Sollte diese Projekt erfolgreich starten sei geplant, weitere Ortsteile in die Vorvermarktung aufzunehmen.

Außendorf: Jede Milchkanne erschließen

Auch der lokale Bundestagsabgeordnete Maik Außendorf, digitalpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, begrüßt das Vorhaben. Die Ampel-Koalition in Berlin habe sich „darauf verständigt, die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser in Deutschland voranzutreiben und jede Milchkanne mit schnellem Internet zu erschließen.“ Weil klar sei, dass die Digitalisierung der Gesellschaft und die digitale Teilhabe aller nur mit schnellen Internet erreicht werden könne. 

Sollte die erforderliche Quote nicht erreicht werden, so Außendorf weiter, stünden Förderprogramme des Bundesministerium für Digitales und Verkehr bereit.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

17 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Grundsätzlich absolute Zustimmung, Herr Lingmann!
    Auch ich bin, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen geopolitischen Gegebenheiten der Meinung, dass es eine staatliche Aufgabe ist, eine moderne, leistungsfähige und nachhaltige Infrastruktur zu schaffen.
    Nur leider ist es beim Thema Breitbandausbau in Deutschland damit nicht weit her. Man sieht ja auch hier, wie laut die Zweifler in unserer Gesellschaft sind und die Förderlandschaft in Deutschland trotz vielem Geld dies faktisch untermauert.
    Daher halte ich es einfach opportunistisch: Wir bekommen so ein nachhaltiges Netz für nahezu null Kosten auf Kundenseite (Wir können für 2-3 Euro monatlichen Aufschlag zum jetzigen Vertrag abschließen) und eine ordentliche Wertsteigerung unserer Immobilien.
    Super!

  2. Infrastruktur muss vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Wir fragen ja auch nicht die Bürger*innen, ob eine Straße zu ihrem Haus gebaut werden soll, dass die aber nur geteert wird, wenn mindestens 40% sich an den Kosten beteiligen. Glasfaser ist die Infrastruktur von morgen, und wir müssen sie heute legen. Klar reichen heute 100 Mbit/s, wie hier mehrfach kommentiert wurde. Aber morgen?

    Wenn Herr Außendorf jede Milchkanne mit Internet versorgen will, was komplett richtig ist, dann kann ich ihm nur zurufen: Auf geht’s! Setzen Sie sich dafür ein, dass die komplett lächerlich niedrige Breitbandgarantie der Regierung auf ein Maß angehoben wird, das heute den Ausbau des Glasfasernetzes forciert!

  3. ich bin auch 60+, aus Schildgen und habe noch keine Benachrichtigung erhalten. Habe ich die Internetseite richtig verstanden, dass ich mit der Zusage einen Vertrag über 45 € monatlich abschließe?

    1. Genau darauf läuft es hinaus, liebe Gabi. Die Zusage erfolgt in Form der Bestellung des Anschlusses und den damit ggfs. verbundenen Wechsel des Kommunikationsanbieters (seit 1995 ist es bei mir Netcologne) zu einem für mich höheren Preis. Eine Hürde, die nicht ganz niedrig ist. Die Bestellung wird natürlich nur wirksam, wenn die Quote erfüllt ist.

  4. Ich hoffe, daß für Schildgen die Quote erreicht wird. novanetz hat die Haushalte angeschrieben und bittet um Rückmeldungen. Ich bin gespannt.

    Ich gehöre auch zur Gruppe 60+ und genau deshalb möchte ich ja gute Kommunikationswege haben.

  5. .Ehrlich gesagt was der moderne Mensch so alles braucht um glücklich durch die Welt zu kommen überfordert mich. Doch man muss diese rastlose Zeit durchleben ob man will oder nicht. Was habe ich da für eine glückliche Zeit gehabt. Als wir 1940 nach Lückerath zogen, gab es im Ort ein Telefon und da musste man sich anmelden. Natürlich musste man zuerst einmal zu Fuß hin und sich anmelden. Aber wir hatten ja noch Zeit und keine Hast. Ich denke gerne an diese Zeit zurück.

    1. Wow, das ist mal eine Aussage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute gerne an die Zeit um 1940 zurückdenken. Ich lebe dann doch lieber in der heutigen Zeit.

      1. an Sebastian: Wenn Sie das Jahr 1940 meinen, gebe ich Ihnen Recht. Da zogen wir nicht zuletzt des Krieges wegen nach Lückerath. Es war in der Tat eine sehr arme und karge Zeit. Doch meine Aussage bezog sich auf meine gesamte Jugend. Und, da sage ich, trotz der ärmlichen Zeit war ich glücklich und zufrieden.

  6. Bei allen lautstark Digitalisierung fordernden Personen und Institutionen muss man sich immer fragen, wie sehr sie mit den Firmen verbandelt sind, die diese Maßnahmen durchführen, auch und vor allem, wenn es sich um gewählte Volksvertreter handelt. Dass hier auf einmal die Verantwortung für die Installierung von Infrastruktur den einzelnen Bürgern aufgebürdete wird, halte ich für eine neue Dimension. Und das wiederum mit „zu vielen älteren Menschen“ zu erklären, für eine Frechheit. Schon vor Jahren wurde mir von einem Telekom-Mitarbeiter erklärt, die Forderung nach verständlichen Gebrauchsanweisungen würde sich bald erledigen, wenn noch lebende ältere Menschen gestorben seien.

    1. So, so, muss man sich das fragen? Ich denke, Sie wollen einfach nur eine andere Meinung delegitimieren, indem Sie derartige Unterstellungen in die Welt setzen.

      Auch die Annahme, dass die Verantwortung für die Installation von Infrastruktur Bürgern „aufgebürdet“ werde, ist ein wenig verschroben. Die Glasfasernetze werden von privatwirtschaftlich handelnden Firmen aufgebaut. Und die brauchen eine gewisse Planungssicherheit, denn der Aufbau ist teuer. Genau deshalb sind sie auf Vorbestellungen angewiesen. Und wenn sie dann auf eine ungute Melange aus Besserwisserei und Ignoranz treffen, dann lassen Sie es bleiben. Chance vertan.

      Übrigens bekommt man einen Glasfaseranschluss nie wieder so günstig wie in diesen Vorbestellphasen, denn dann werden die Anschlüsse ins Haus in einem Aufwasch mit dem Netzaufbau verlegt. Später für einen einzelnen Anschluss eine Fachfirma zu engagieren, kostet ein Mehrfaches.

      Die Argumente gegen Glasfaservernetzung, die hier bisher zu lesen sind, zeigt nur eins: Die jeweiligen Autoren haben sich bislang nicht allzu intensiv mit dem Thema befasst, trauen sich aber ohne weiteres ein Urteil darüber zu. So wie man das vom Stammtisch gewohnt ist.

      Derweil ist aber eins ganz klar: Hier geht es um die Zukunft der Kommunikationsinfrastruktur für die nächsten Jahrzehnte. Die Dynamik, mit der sich dieser Bereich in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt hat, wird nicht nachlassen. Sich dann hinzusetzen und zu sagen: Nö, lass mal, wir haben jetzt doch genug Bandbreite, ist kurzsichtig und, ja, man kann sagen: dumm.

      1. Man kann eine Technik nur auf Grundlage der Vergangenheit und der Gegenwart bewerten, weil man die Zukunft nicht kennt. Insofern sind die im Beitrag genannten Begriffe „zukunftsfähige Breitbandversorgung“ und „zukunftssicheres Bergisch Gladbach“ Plastikwörter ohne Inhalt.

        Wenn man davon ausgeht, dass sich die Dynamik der letzten Jahre fortsetzen wird, würde man sich wohl dazu entschließen. Allerdings muss das nicht so sein. Es gibt aus der Vergangenheit auch Beispiele, wo man die Dynamik vollkommen falsch eingeschätzt hat. So hat Pan Am Buchungen für Flüge zum Mond angenommen. Man ging auch davon aus, dass Strom zu billig werden würde, um den Verbrauch zu messen. Mittlerweile kann man bei Pan Am Garnichts mehr buchen. Und der Messwert beim Stromverbrauch ist heute wichtiger denn je.

        Nicht dumm wäre es, wenn man bei seiner Entscheidung für oder gegen Glasfaser einige schlaue Fragen von Neil Postman für sich selbst beantworten würde:

        1. Was ist das Problem, welches durch Glasfaser gelöst werden soll?
        2. Wessen Problem ist das?
        3. Welche neuen Probleme können auftreten, wenn man Glasfaser installiert?
        4. Welche Personen, Gruppen oder Institutionen erleiden Schaden durch Glasfaser?
        5. Welche Änderungen der Sprache werden durch Glasfaser gefördert?
        6. Welche Änderungen im wirtschaftlichen und politischen Gefüge sind mit Glasfaser zu erwarten?
        7. Welche alternativen Medien könnten aus Glasfaser entstehen?

  7. Oh je, wenn das tatsächlich so schleppend läuft, dann darf sich niemand mehr über die hinterherlahmende Digitalisierung und die veraltende technische Infrastruktur in Deutschland beschweren. Denn dann ist klar: Es liegt offenbar an den Bürgern, wenn nichts vorangeht.

    Ich gehöre selbst zur Altersgruppe 60+, aber wenn ich sehe, wie hier offenbar ein echter technischer Fortschritt mit Potenzial für die nächsten 50 Jahre durch Ignoranz und Kurzsichtigkeit ausgebremst wird, dann keimt in mir der Verdacht, dass in Bergisch Gladbach zu viele ältere Menschen leben.

  8. Beim Glaserfaserausbau geht es ja primär um eine Investition in die Zukunft. Natürlich reichen heutzutage 100 Mbit aus dem Kupfernetz für die meisten Anwendungen aus. Aber vor 15 Jahren reichten vielleicht 2 Mbit aus. Und in 5 oder 10 Jahren werden halt andere Datenraten zum neuen Normal. Die Investitionen erst dann in Angriff zu nehmen, ist einfach zu spät.
    Ein Glaserfaserausbau sichert am Ende auch Arbeitsplätze und den Standort Bergisch Gladbach.

  9. In meinen Augen lohnt sich Glasfaser nur für Unternehmen / Behörden die darauf angewiesen sind in Echtzeit große Datenmengen auszutauschen.

    Eine 100 MB Leitung ermöglicht heute schon, dass eine Familie Videochatten, Spiele spielen und Filme schauen können. Daher gebe ich da meinem Vorredner recht, warum hier viel Geld investieren.

    1. Wie man so schön sagt: „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.“ Die IBM-Chefs meinten in den 60er-Jahren, dass es in den gesamten USA vielleicht einmal ein Dutzend sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für Computer geben würde. Bill Gates war in den 90er-Jahren der Meinung, niemand würde jemals mehr als 64 kB RAM in einem PC brauchen.

      Man sieht: Technische Aussagen, die wir heute treffen, können schon in wenigen Jahren ein Witz sein.

      Infrastruktur erst dann auszubauen, wenn die vorhandene nicht mehr ausreicht, ist extrem kurzsichtig.

  10. Das Beispiel Nussbaum zeigt doch exemplarisch die Einstellung unserer Gesellschaft zum Glasfaserausbau. Wir wollen es nicht! Die Gründe hierfür sind vielschichtig: unsere überalterte Gesellschaft ist vielerorts satt und zufrieden mit dem was sie im Bezug auf Internetleistung hat; warum 200,-€ für 1 GB ausgeben, wenn die 150/200 MBit schon megaschnell und ausreichend sind und dafür nur ein viertel bezahlt werden muss. Wen interessiert die Highspeed Videokonferenz einer Firma im Gewerbegebiet mit China. Warum wieder die Strasse für Glasfaser aufreissen lassen mit allem negativen was dazugehört und evtl. auch noch im Haus die Anschlüsse legen lassen, weil jeder meter Kupferkabel ja total einbremst. Und das auch noch in so unsicheren Zeiten, politisch und finanziell. Summa summarum kommt der Glasfaseranschluß 20 Jahre zu spät, auch hier hinkt Deutschland anderen europäischen Ländern weit hinterher.

    1. Wenn Sie heute einen 100-MBit-Anschluss haben und auf Glasfaser umsteigen, können Sie auch dafür einen 100-MBit-Vertrag abschließen, zahlen kaum mehr, haben aber eine deutlich stabilere Leitung. Und was in ein paar Jahren benötigt wird, kann heute niemand sagen. Dumm, wenn es dann technisch nicht möglich ist, die Bandbreite zu erhöhen, weil man unter früheren, technisch anderen Umständen mit wenig zufrieden war.

      Und aufgraben muss man in vielen Fällen nichts mehr. Die Leerrohre für die Glasfaser kann man überwiegend unterirdisch vorantreiben und braucht nur an Knotenpunkten und Abzweigungen einen Zugang von oben.