Suchen Sie noch Weihnachtsgeschenke? Wie wäre es mit diesen Büchern: Einem besonderen Thriller à la Patricia Highsmith, einem spannenden Schmöker über Rentiere und Samen, oder einem literarischen, historischen Roman über eine unvergessliche Heldin.

Chris Power: Ein einsamer Mann.
Ullstein 2022, € 22,99.

Was haben zwei Briten in Berlin und ein toter russischer Oligarch gemeinsam? Was hat der Geheimdienst damit zu tun? Einbildung, Wahn, Paranoia? Die Grenzen sind fließend in diesem Buch, den der Verlag als Roman kategorisiert, den wir aber eher als Thriller empfinden. Mit subtiler Spannung entführt uns der Autor in eine Welt des schönen Scheins, in der sich Abgründe auftun. Patricia Highsmith hätte ihre Freude daran gehabt.

Robert, ein britischer Schriftsteller, lebt schon längere Zeit mit seiner Familie in Berlin. Er leidet seit mehr als einem Jahr an einer Schreibblockade. Das verunsichert ihn zunehmend und er versucht, sich soviel Anregungen wie möglich holen. Auf einer Lesung lernt er Patrick kennen, ebenfalls ein britischer Schriftsteller. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut, auch wenn Patrick auf dem ersten Blick etwas seltsam erscheint. Angeblich war er Ghostwriter eines inzwischen ermordeten russischen Oligarchen, der erklärter Feind des Kremls war. Deshalb ist ihm jetzt, so meint er, der russische Geheimdienst auf den Fersen.

Der bodenständige Robert ist hin- und hergerissen. Er weiß nicht, was er von dieser Geschichte halten soll. Zugleich fasziniert und abgestoßen beobachtet er, wie Patrick zunehmend in eine Art Verfolgungswahn abdriftet, der paranoide Züge aufweist. Auf der anderen Seite sieht er durchaus auch die Möglichkeiten, die sich ihm bieten, um seine Schreibblockade endlich zu überwinden.

Die Story hat viel Potential und je mehr merkwürdige Dinge passieren, um so interessanter wird sie. Doch auch Robert wird unmerklich immer mehr in diese anderen Welten hineingezogen. Was ist noch Wirklichkeit und was ist Wahn?

Dieser Roman beginnt eher ruhig, aber zwischen den Zeilen knistert es bereits. Die Handlung entwickelt sich auf eine derart subtile Weise, dass sie schnell und fast unmerklich nach dem Leser greift und ihn gefangen nimmt. Hochspannung der etwas anderen Art, psychologisch pointiert mit einer großen erzählerischen Kraft bis zum unerwarteten Ende. Zwei komplett unterschiedliche Protagonisten, die beide durchaus auch eine dunkle Seite haben. Gekonnt lotet der Autor die menschlichen Abgründe aus, die extreme Situationen hervorrufen können.

Literarisch ambitioniert, ausgesprochen spannend und sehr unterhaltsam erzählt, kurzum ein besonderer Thriller zum Genießen zwischen den Weihnachtsfeiertagen! 

(Sylvia Jongebloed)

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Ann-Helen Laestadius: Das Leuchten der Rentiere.
Hoffmann und Campe 2022, € 25,00.

Weihnachtszeit ist Rentierzeit! Aber was wissen wir eigentlich über diese Tiere und den Menschen, mit denen sie seit Jahrhunderten leben? Die gebürtige Samin Laestadius berichtet aus eigenen Erfahrungen vom friedlichen Miteinander der Tiere und dem Volk der Samen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Wilderer den Erhalt der Art gefährden und Rassismus das Leben der Samen bedroht.

Polarkreis 2008: Das Sami-Mädchen Elsa ist erst neun Jahre alt, als sie zusehen muss, wie ihr geliebtes Rentierkalb von einem Wilderer brutal abgeschlachtet wird. Vom Täter mit dem Tode bedroht und zum Schweigen verurteilt, schleppt sie dieses einschneidende Erlebnis noch Jahre mit sich herum, ohne sich jemandem anzuvertrauen.

Zehn Jahre später ist Elsa zu einer jungen Frau herangereift, deren Angst sich immer mehr in Wut und Kraft umgewandelt hat. Sie beschließt, für den Erhalt ihrer Kultur zu kämpfen, sie möchte eine eigene Rentier-Herde besitzen und das zu ihrer Lebensaufgabe machen. Das wiederum führt zu Konflikten mit alten Traditionen, weil Frauen in ihrem Kulturkreis immer noch eine untergeordnete Rolle spielen. Jungen, selbstbewussten Frauen bleibt dann nur die Möglichkeit, in große Städte abzuwandern. Wie wird Elsa sich entscheiden?

Elsa und ihre Familie gehören dem indigenen Volk der Samen an, die früher als Nomaden mit ihren Rentier-Herden durch den Norden Skandinaviens zogen. Inzwischen sind sie sesshaft geworden, leben aber immer noch von der Rentierzucht. Sie wohnen in ihren Dörfern unter sich und werden von einem Teil der einheimischen Bevölkerung angefeindet und ausgegrenzt.

Neben dem Rassismus und dem Abschlachten der Tiere ist auch der Klimawandel ein großes Thema dieses Buches. Es geht immer mehr Weidefläche für die Rentiere verloren, was sich wiederum nachteilig auf die Zucht und letztendlich auf die Lebensgrundlage der Samen auswirkt. 

Ohne jede romantische Verklärung erzählt die Autorin von ihrer Welt, wie sie heute noch ist. Dabei prangert sie nicht nur Konflikte von außen an, sondern geht auch mit ihrer eigenen Kultur kritisch um. Mitreißend und spannend erzählt sowie mit einer sympathischen Protagonistin bleibt dieses Buch lange im Gedächtnis. Auch fantastische Landschaftsbeschreibungen kommen nicht zu kurz.

Es entsteht eine Atmosphäre von Winter pur und der Schnee beginnt förmlich auf der Haut zu kribbeln. Ein Weihnachtsbuch der anderen Art, perfekt für diese Jahreszeit mit einem Glas Glühwein und Zimtsternen unter dem Tannenbaum zu genießen! 

(Sylvia Jongebloed)

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Lauren Groff: Matrix.
Claassen 2022, € 24,00.

Diese Geschichte spielt zwar im Hochmittelalter, ist aber im eigentlichen Sinn kein historischer Roman, sondern eine Utopie. Das Leben der Poetin Marie de France ist historisch verbürgt, leider sind nur wenige Fakten über sie überliefert. Das wiederum hat sich die Autorin zu Nutze gemacht und eine faszinierende Geschichte um diese schillernde Figur gewebt, die so durchaus hätte sein können. Der Titel kommt von dem lateinischen Wort Mater für Mutter.

London im 12. Jahrhundert: Marie wächst als eines der vielen unehelichen Kinder des Königs auf. Sie ist von ungelenker Gestalt, für eine Frau sehr groß und entspricht so gar nicht dem damaligen Schönheitsideal. Ihre Halbschwester, Eleonore von Aquitanien, sieht wenig Chancen auf eine standesgemäße Verheiratung, möchte sie deshalb schnell loswerden und verbannt sie in ein altes Kloster.

Die erst 17-jährige Marie, die abgöttisch an ihrer Schwester hängt, macht sich nur widerwillig auf den Weg. So landet sie schließlich in einem heruntergekommenen Kloster, wo nicht nur Hunger der tägliche Begleiter ist, sondern an allen Ecken und Kanten Missstände herrschen.

Schon bald steigt Marie zur Äbtissin auf. Durch ihre scharfe Beobachtungsgabe hat sie schnell die Schwachstellen erkannt, die zu diesen desolaten Zuständen führten. Unmerklich reift in ihr der Entschluss, alles anders und besser machen zu wollen als ihre Vorgängerin.

So teilt sie als erstes die Arbeiten anders ein. Weiterhin modernisiert sie Ackerbau und Wasserwirtschaft. Sie lässt eine Art Labyrinth um das Kloster bauen, das vor Gefahren von außen schützen soll. Sie baut eine kluge und besonnene Führungsriege auf, die vor Neid und Missgunst innerhalb der eigenen Reihen schützen soll. So prosperiert das Kloster zu Reichtum und Ansehen innerhalb der Kirche und auch Eleonore kann sich einer neidvollen Bewunderung nicht entziehen.

Die Autorin spannt den Bogen über neun Jahrhunderte bis in die heutige Zeit. Ihre Protagonistin macht vor, wie man ein Unternehmen humanistisch, gleichberechtigt und stringent führen kann. 

Die Geschichte packt und begeistert von der ersten Seite an. Die sehr besondere und wunderschöne Sprache ist einfach ein Lesegenuss. Literarisch auf hohem Niveau, bunt und schillernd und mit einer unvergesslichen Heldin bleibt dieser Roman noch lange in unserer Erinnerung haften. Ein ganz besonderes Leseerlebnis gerade in unseren heutigen unsicheren Zeiten, herausragend!

(Sylvia Jongebloed)

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Viel Spaß beim Lesen,

Ihre Birgit Lingmann und Pia Patt

Pia Patt und Birgit Lingmann führen die Buchhandlung Funk

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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