Foto: Philipp J. Bösel

Das szenische Hörspiel „Die Innenseite des Glücks” von Heinz-D. Haun hat sich eine Verlängerung verdient. Nach ausverkaufter Premiere ist es jetzt wieder im THEAS zu sehen und geht dann auf Tournee. Ganz unverhofft – denn das eindringliche Stück über Trennung und Liebe von Hauns Eltern während des Zweiten Weltkriegs hat das Interesse verschiedener Veranstalter geweckt. Dabei kehrt das Stück gar an den Ort zurück, wo die Liebe der Protagonisten ihren Anfang nahm.

Die Innenseite des Glücks − Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen“ – so lautet der Titel des szenischen Hörspiels, das Heinz-D. Haun mit seiner Theaterwerkstatt Wirkstatt für neuen Wind im vergangenen Jahr im THEAS auf die Bühne gebracht hatte.

Das Stück handelt von der Liebe seiner Eltern, die sich im Zweiten Weltkrieg in einem Tanzssal in Leverkusen kennenlernen. Krieg und Gefangenschaft trennen das Paar für zehn Jahre. Bevor sie sich im August 1949 endlich in die Arme fallen und eine Familie gründen.

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Eine Liebe im Krieg: Heinz-D. Haun inszeniert die Geschichte seiner Eltern

Vom Liebesglück seiner Eltern im 2. Weltkrieg erzählt der Theatermacher Heinz-D. Haun ist seinem neuen Bühnenstück „Die Innenseite des Glücks”. Zu Beginn findet deren Beziehung vor allem auf dem Papier statt: Das szenische Hörspiel lässt mit Auszügen aus Briefen und Postkarten die Sehnsucht des Paares lebendig werden. Und deren Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft – trotz zehnjähriger Trennung.

Die Premiere im THEAS war ausverkauft, am kommenden Wochenende ist das Werk an zwei Abenden nochmals auf der Bühne in der Jakobstraße zu sehen. In der Originalfassung, ergänzt um weitere Fotos der Mutter sowie einen fiktiven Dialog zwischen Haun und seiner Mutter im Himmel.

Die Innenseite des Glücks − Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen  
Szenisches Hörspiel von Heinz-D. Haun
Samstag, 29. April, 20 Uhr und Sonntag, 30. April, 18 Uhr
THEAS-Theater
Karten: 18 Euro/erm. 12 Euro, online buchen

Die Produktion muss wohl einen Nerv treffen. Denn anschließend geht das Hörspiel auf Tournee, mit Haun als Erzähler und dem Musiker Holger Faust-Peters am Cello. Ein schöner Erfolg, der sich auch für Haun ganz unverhofft eingestellt hat.

Heinz-D. Haun und Holger Faust-Peters bei Proben 2022, Foto: Philipp-J. Bösel

„Nach der Premiere erhielt ich Anfragen aus verschiedensten Bereichen”, erklärt Heinz-D. Haun. Er habe wohl ein Thema aufgegriffen, das in jedem arbeite. Die Nachfrage nach der Produktion sei hoch, freut sich der Dramaturg.

So organisiert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Tournee in der Eifel und am Niederrhein. Los geht es am 27. Mai in der Galerie am Schloss in Brühl. Geplant sind zudem Aufführungen in Düsseldorf, Remscheid, auf der Ordensburg Vogelsang sowie in Üdem oder Weeze.

Auch die Bundeswehr in Aachen habe sich gemeldet und erwäge das Hörspiel aufzuführen. Im Herbst nimmt das Kunsthaus Seelscheid von Burkard Sondermeier die Produktion ins Programm.

Die Eltern von Haun; Foto: Heinz-D. Haun

Die Bethe-Stiftung unterstützt die geplanten Aufführungen ebenfalls. Die Stifter engagieren sich schon länger mit der Aufarbeitung der Kriegshistorie in der Region Minsk – dort war auch Hauns Vater zu Kriegszeiten stationiert.

Sie werden die Einnahmen aus dem Crowdfunding, welches zur Premiere des Stücks 5.250 Euro einbrachte, verdoppeln. Und dafür Sorge tragen, dass es bei der anstehenden Tournee keine Defizite bei den Künstlerhonoraren geben wird.

Zurück zu den Anfängen

Am 24. September ist das szenische Hörspiel zudem im Saal Norhausen in Leverkusen Rheindorf zu sehen. Es ist ein besonderer Ort – denn hier hatten sich Hauns Eltern bei einer Tanzveranstaltung kennengelernt.

„Ich selbst war oft dort als Jugendlicher”, erinnert sich Haun. Die Böden im Saal seien noch wie früher, „das Holz der Bodendielen ist dünn geworden, das wurde einfach weggetanzt.”

Im Saal Norhausen in Leverkusen lernten sich die Eltern von Haun kennen. Foto: Heinz-D. Haun

Positive Resonanz der Zuschauer:innen

Nicht nur Veranstalter standen bei Haun auf der Matte. Auch Theaterbesucher sowie Leser:innen der Rezensionen hätten sich gemeldet.

“Ich telefonierte eineinhalb Stunden mit einem Unbekannten, der mir seine Familiengeschichte erzählte.” Manche meldeten sich per handgeschriebenem Brief, andere per Email.

Stimmen von Besucher:innen

Wilfried Bröckelmann – Du erzählst über Deine Eltern, aber Du erzählst auch über jeden von uns.

Harald Mohr – Sicher hat es viele vergleichbare Geschichten und Ereignisse gegeben – und es gibt sie immer noch – aber nur sehr wenige dürften so umfänglich und persönlich dokumentiert sein.

Monika Seeger – Leider hat mein Vater nie mit mir gesprochen, schon gar nicht über den Krieg. Jetzt habe ich mehr erfahren als in 66 Jahren zuvor.

Gerda und Werner Went – Deine persönlich geprägte Erzählung hat die Türen geöffnet über unsere eigenen Erfahrungen nachzudenken und uns zu fragen, wie unsere Eltern die Kriegs- und Hitlerzeit erlebt und verarbeitet haben.

Tenor der Rückmeldungen: Das Stück animiere dazu die eigene Familiengeschichte zu reflektieren. Die Vergangenheit des Krieges wirke in jedem von uns individuell und kollektiv nach. „Letztlich steht die Geschichte meiner Familie stellvertretend für viele andere Familien”, stellt der Theatermacher fest. Auch für Familien, die heute durch Kriege voneinander getrennt seien.

Oft würde dieses Thema in Familien totgeschwiegen. Dabei wäre es wertvoll, die Geschichte gerade den Jüngeren zu zeigen. Die Traumata des Krieges würden offen oder verdeckt in der Generation der „Kriegskinder” schlummern, da sie noch nicht aufgearbeitet seien – weder persönlich noch gesellschaftlich.

„90 Minuten szenisches Hörspiel ersetzen ein Jahr Geschichtsunterricht an der Schule”, bringt Haun es auf den Punkt.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. Zweimal war und bin ich vom szenischen Hörstück tief berührt, beim zweiten Mal mit im Thema engagierten Freunden. H.D.Haun und dem unermüdlichen TheasTheater sei dank für solche wichtigen Impulse.

    Ich habe nicht nur das Glück der (kriegsfreien) sogenannten „Gnade der späten Geburt“, auch dass mein Vater zwischen 1933 bis 1945 „zum Glück“ als Exportkaufmann in Asien war und somit nicht zum (Kriegs-)Verbrecher wurde/werden „musste“. Niemand hatte mir als (Ober-)Schüler erklärt, warum (Kriegstraumen!) meine Lehrer am Gymnasium so zahlreich verhaltensgestört waren.

    Dem Stifterehepaar Bethe sei dank, alles dafür zu tun, die nachfolgenden Generationen durch Aufklärung (Gedenkstättenfahrten usw) zu „immunisieren“.