Das neu gegründete junge Kollektiv des Theas Theaters „BERG:KOSMOS²⁵“ entführt in ein modernes Fantasie-Märchen. Am Samstag ist Premiere. Wer hingeht, erlebt kein Märchen von gestern, sondern junge Menschen, die ihre Fragen in Kunst verwandeln.

Prinzessin Erika ist verwirrt und so gar nicht romantisch gestimmt. Dabei soll sie morgen heiraten. Die Torte ist fertig. Die Glocken läuten. Das Hochzeitskleid wartet. Aber die Prinzessin trägt sich mit ganz anderen Gedanken: „Wer bin ich überhaupt? Bin ich überhaupt eine Frau? Will ich wirklich heiraten?“ Das königliche Elternpaar sitzt auf dem Thron und winkt ab: „Ach so ein Quatsch … wiedermal so eine Phase der Tochter.“ Für so etwas sei jetzt wirklich keine Zeit. Basta.

Doch was wie eine märchenhafte Komödie klingt, ist in Wirklichkeit eine verdammt ernste Identitätssuche: Zwölf Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren schreiben und improvisieren Szenen über das, was ihnen wirklich auf der Seele brennt – Identität, Selbstfindung, Mobbing, Verlust. Luise Rückamp (alias Erik*a) und Solveig Huniar  (Robbie) hatten die Idee, und herausgekommen ist das erste selbstgeschriebene Stück des frisch gegründeten Jugendtheaters BERG:KOSMOS²⁵.

Hintergrund: Was BERG:KOSMOS²⁵ bedeutet

Der Name „BERG:KOSMOS²⁵ ist Programm. Berg ist doppeldeutig: Bergisch Gladbach als Heimat, lokale Verwurzlung aber auch Aufstieg, Überwinden von Hindernissen. Kosmos steht für globale Horizonte, kulturelle Werte.

Auch die Typographie zeigt ein bewusstes Branding: Der Doppelpunkt suggeriert: Das ist kein abgeschlossenes Wort, sondern ein Ausgangspunkt, eine Öffnung. „:“ wird daher beim Gendern benutzt. Er lädt zur Erweiterung ein (Kosmos nach dem Berg).

Die hochgestellte 25 funktioniert wie ein mathematisches Symbol: Potenzierung, Zukunft, Jahrgangsmarkierung. Es bringt einen wissenschaftlich-coolen Touch, ein bisschen Techno-Ästhetik, die üblich in Jugendkulturen (Gaming, Science-Fiction, Social-Media-Handles) ist.

Im ersten Akt türmt Erik*a erstmal aus dem elterlichen Schloß in den Wald. Hier ruft es ja bekanntlich so heraus, wie man hineinruft. Und auf die Frage von Erik*a und ihrer/seiner Schwester: „Wer bin ich?“ folgen nur Gegenfragen einer unbekannten Stimme des Waldes: „Wer seid ihr?“, „Warum seid ihr so wie ihr seid?“,„Was ist normal?“

Foto: Philipp J. Bösel

Wenn Erwachsene nicht zuhören

Eine Antwort, ein wertschätzendes Gespräch finden die Sprösslinge der Könige weder bei den Eltern noch im Therapeutenwald. Erwachsene scheinen immer etwas viel Wichtigeres zu tun. Genau hier wird die pädagogische Dimension spürbar: Die Jugendlichen spielen, wie es sich anfühlt, nicht gehört zu werden – und schaffen sich im Theater, so sagt es die Intendantin der Theas Theaterschule und Theater e.V. Claudia Timpner, selbst Gehör.

Auch die Bühne spricht: Königsthron, Märchenwald, Glitzerperücken, silberne Knieschoner, Accessoires, die aussehen wie aus „Raumschiff Enterprise“. Spiegelnde Symbole einer Suche und Spiegelung in Anderen: Wer bin ich?

Es spielen: Juri Brandies, Micah Chourbaji, Marla Golubovic, Lukas Hansmann, Solveigh Huniar, Emma Imhof, Phineus Lang, Michail Meletiadis, Luise Rückamp, Theresa Weber, Lucie Wilms 

Ensemble Leitung: Mandy Kieroth  

Die Jugendlichen haben mitreißende Texte geschrieben. „Ich war sehr berührt von euren Texten“, sagt die Leiterin des Ensembles, Mandy Kieroth. „Viele Themen, die euch wichtig sind, werden von Erwachsenen oft gar nicht wahrgenommen. Ich denke, es geht bei euch um Menschlichkeit.“

Und das Ende? 

Bleibt geheim. Nur so viel: Es gibt ein Happy End. Aber wie es dazu kommt, verrät niemand. Vielleicht, weil die Fragen größer sind als jede Antwort. Vielleicht, weil das Publikum selbst nachdenken soll.

Eins ist sicher: Wer hingeht, wird nicht nur eine Prinzessin erleben, die keine Lust auf Märchen hat, sondern Jugendliche, die ihre eigene Geschichte schreiben – frech, ernsthaft, sehr klug, humorvoll und mit einer ordentlichen Portion Glitzer.

Ob die Eltern am Ende endlich zuhören? Tja. Das erfährt man nur im Theater.

Foto: Philipp J. Bösel

Tickets & Termine

Sa 20.09., 18 Uhr, PREMIERE  
So 21.09., 18 Uhr   

Eintritt 16 Euro /erm. 10 Euro   

Kartenverkauf online
Reservierungen: 
theater@theas.de 
02202 / 92765015  

THEAS Theaterschule und Theater e.V.  
Jakobstraße 103 
51465 Bergisch Gladbach  
www.theas.de 

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die Diplom-Betriebswirtin ist Journalistin und Theaterpädagogin.

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