Zwei Verlängerungsoptionen hatte der Insolvenzverwalter für die Räumung des Zanders-Geländes bereits genutzt, spätestens Ende April sollte er auch die restlichen Gebäude und Areale besenrein an die Stadt zurückgeben. Das hat nicht geklappt, schon im Dezember hat die Stadt den Überlassungsvertrag still und leise um weitere zehn Monate verlängert. Kurzfristige Pionier- und Zwischennutzungen des Areals sind weiterhin nicht möglich.

Das Zanders-Areal gehört der Stadt, doch der Insolvenzgesellschaft obliegt die Pflicht, die früher von der Papierfabrik genutzten Hallen und Areale komplett zu räumen. Inklusive des Rückbaus von Maschinen und der Beseitigung von Rest- und Schadstoffen. Eigentlich bis November 2022, bei der Nutzung von zwei Verlängerungsoptionen spätestens bis zum 30.4.2023.

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Auch dieser Termin ist verstrichen – und bislang ist noch nicht einmal die mehrfach angekündigte Räumung der Halle der großen Papiermaschine PM3 abgeschlossen. Vor allem aber stehen noch der Rückbau und die Reinigung der Papierveredelung, der Kläranlage und des Kraftwerks in großen Teilen aus. Das teilte die Stadtverwaltung jetzt auf Nachfrage des Bürgerportals mit.

Bekannt ist der erneute Verzug der Stadt bereits seit dem vergangenen Jahr. Denn schon vor der Jahreswende sei „ein Nachtrag zum Vertrag geschlossen, der es dem Insolvenzverwalter erlaubt, die Räumung bis maximal Februar 2024 auszudehnen“, verrät die Stadt jetzt auf Nachfrage. Der Insolvenzverwalter habe „nachvollziehbar dargelegt, warum und dass er mehr Zeit zur Erfüllung seines Auftrages benötigt“.

Es ist davon auszugehen, dass die Stadtverwaltung eine so weitreichende Vereinbarung nur nach Genehmigung durch den Stadtrat geschlossen hat. Allerdings nicht-öffentlich. Wann und von wem das beschlossen wurde hat die Verwaltung auch auf erneute Nachfrage bislang nicht offengelegt.

„Massive und komplizierte Eingriffe“

Als Begründung für die erneute Fristverlängerung führt die Verwaltung jetzt an, dass die gewaltige Aufgabe eben nicht – wie zunächst angenommen – innerhalb von knapp zwei Jahren zu erledigen sei. Es seien, so die Stadt, „massive und komplizierte Eingriffe“ erforderlich. Auch die Tatsache, dass Zanders den Betrieb von einem Tag auf den anderen eingestellt hatte und es keine „Ausproduktion“ gab, erschwere die Räumung.

Zusätzlich seien bei der Reinigung und beim Rückbau durch verschiedene Dienstleister nicht vorhersehbare Schwierigkeiten aufgetreten, die zu weiteren Verzögerungen führten.

Prominentes Beispiel ist die gigantische Papiermaschine PM3. Zwar ist der eigentliche Abbau der in die Türkei verkauften Maschine erstaunlich rasch erfolgt – doch der Abtransport der Teile stockte, weil nicht ausreichen Lastwagen verfügbar waren.

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Wie ein Koloss klein gemacht wird

5500 Tonnen ist die Papiermaschine PM 3 von Zanders schwer, 200 Meter lang, acht Meter hoch. Das heißt, sie war es. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass der Koloss in den letzten drei Monaten in seine Einzelteile zerlegt wurde, ein großer Teil ist bereits auf dem Weg in die Türkei. Bis zum 17. Dezember soll das Herzstück der ehemaligen Papierfabrik Zanders ganz aus Bergisch Gladbach verschwinden.

Eigentlich hätte die Halle noch vor Weihnachten übergeben werden sollen, aber noch immer werden Restarbeiten durchgeführt, bestätigt die Stadt jetzt. Sie gehe davon aus, dass dafür weitere drei Monate benötigt werden.

Hinweise der Redaktion: Das Bürgerportal hat den Abbau der PM3 fotografisch dokumentiert. Allerdings untersagt uns die Stadtverwaltung – mit Verweis auf die beteiligten Unternehmen – diese Fotos vor dem Abschluss der Räumung zu veröffentlichen.

Immerhin seien auf dem riesigen Areal viele „Anlagen und Maschinen unter nahezu vollständigem Erhalt der Gebäude aus- und zurückgebaut“ worden, große Teile des Geländes seien übergeben worden.

Für die mittel- und langfristige Entwicklung des Zanders-Areals haben die erneuten Verzögerungen unter Umständen wohl keinen gravierenden Einfluss. Denn dafür werden zur Zeit erst die konzeptionellen Vorarbeiten geschaffen. Bei der nächsten Sitzung des Zanders-Ausschusses stehen dazu Mitteilungen, aber keine Entscheidungen an.

Kaum Aussicht auf Zwischennutzungen

Anders sieht es dagegen bei den eigentlich angestrebten Zwischennutzungen aus. Zwar hat die Stadtverwaltung für den 13. Mai ein „BürgerForum“ auf dem Zanders-Gelände angekündigt, bei dem zum ersten Mal Teile des Geländes geöffnet werden, die ohne Anmeldung frei begangen werden können.

Eine nachhaltige Absicherung und damit auch Öffnung von Teilen des Geländes durch einen neuen Zaun ist aber bislang nicht möglich. Die Fördermittel für den Zaun seien – ebenso wir für eine Möblierung des öffentlichen Raums – bislang nicht bewilligt worden, teilt die Stadt mit.

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Wie die Stadt den 1. Teil des Zanders-Areals öffnen und nutzen will

Nach dem Beschluss für einen offenen Strukturplan werden die Konzepte für die neue Nutzung des Zanders-Areals jetzt allmählich fassbarer. Unter dem Titel „Zanders 1.0“ legt die Stadtverwaltung ein Konzept vor, wie ein Teil des Areals vorläufig nutzbar gemacht werden kann. Dazu gehören einige neue Projekte, gleichzeitig drohen den Planer aber einige Abstriche aus Kostengründen.

Grundsätzlich sieht es nach wie vor schlecht für die sogenannten Pionier- und Zwischennutzungen aus, mit denen das Zanders-Projektteam wenigstens einige Gebäude und Flächen für Aktivitäten zur Verfügung stellen will – ohne schon jetzt ein spätere Nutzung festzulegen.

Zwar seien ein paar Nutzungen vereinbart worden, berichtet die Stadt, „die allermeisten allerdings sind reine Lagernutzen“. Darüber hinaus hatte die Stadt einer Künstlerin bereits im Oktober 2022 weitgehend unbemerkt ein Atelier auf dem Gelände überlassen.

Weitergehende Pläne, so die Stadt, scheiterten „in der Regel an den aktuellen Zutrittsbeschränkungen durch den Rückbau, dem baulichen Zustand vieler Hallen und Gebäude (insbesondere durch den fehlenden baulichen Brandschutz) sowie der fehlenden Infrastruktur (Strom, Wärme, Wasser, Abwasser)“.

An diesen Realitäten sind offenbar auch spezialisierte Firmen mit dem entsprechenden Know-how gescheitert. Diese hatten angeboten, Teile des Geländes mit kreativen Freizeit- und Kulturangeboten zu bespielen.

Der Gleisharfen-Park als Vision des Büros Karres und Brands.

Es sei zwar die feste Absicht, Pioniernutzungen zu ermöglichen – doch dafür seien Investitionen erforderlich, betont die Stadtverwaltung jetzt. Diese Investitionen hatte der Stadtrat im August 2022 drastisch zusammengestrichen, von beantragten 1,95 auf 0,7 Millionen Euro.

Immerhin, der von den Planer:innen lange in Aussicht gestellte Biergarten im sogenannten Gleispark soll beim Bürgerforum am 13. Mai realisiert werden. Aber nur als Pop-up-Version – und damit am späteren Abend wieder abgeräumt werden.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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