St. Nikolaus wird voraussichtlich bis Ostern 2024 geschlossen bleiben. Foto: Beatrice Tomasetti

Vor drei Jahren hatte sich ein 2.314 Gramm schwerer Stein aus dem Turm von St. Nikolaus gelöst und damit die Komplettsanierung der Bensberger Pfarrkirche ins Rollen gebracht. Damals war kaum absehbar, wie sehr sich das auf das Gemeindeleben auswirken würde. Nun muss die Kirche für den zweiten Bauabschnitt ab dem 22. Mai komplett geschlossen werden. Für viele Monate.

Im Dezember waren die anderthalb Jahre andauernden Bauarbeiten am Turm von St. Nikolaus beendet worden; samt neuem Glockenstuhl erstrahlt er längst wieder über Bensberg in neuem Glanz. Doch die fachgerechte Begutachtung und Prüfung der gesamten Kirche hatte auch ziemlich schnell ergeben, dass das Mittelschiff, die Seitenschiffe und der Chor mit denselben Problemen – Undichtigkeiten an Dach, Fenstern und Mauerwerk durch Erosionsschäden und Materialmüdigkeit – zu kämpfen haben. Damit wurden weitere umfassende Arbeiten an dem neuromanische Bau von 1883 fällig.

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Denn immer häufiger regnet es aufgrund des bröselnden Schiefers durch die durchlässigen Stellen im Dach auf den Dachstuhl, so dass sich wegen der ins Kircheninnere eindringenden Nässe stellenweise der Putz von der Gewölbedecke löst und es feuchtigkeitsbedingt zu immer mehr Schäden kommt.

Seit Februar ist St. Nikolaus komplett eingerüstet. Foto: Beatrice Tomasetti

Mit der äußeren Einrüstung des gesamten Kirchenschiffs hat daher Anfang Februar der zweite Bauabschnitt der Sanierung begonnen. Montag nach Christi Himmelfahrt – an diesem Feiertag finden traditionell die Erstkommunionfeiern in St. Nikolaus statt – wird die Kirche dann für mindestens acht Monate geschlossen.

Denn von da an soll auch der Innenraum eingerüstet werden, damit in dieser Phase so zügig wie möglich sämtliche Vorhaben Schritt für Schritt realisiert werden können.

Mit einer Festmesse wird an diesem Sonntag, 21. Mai, um 11.30 Uhr die Schließung von St. Nikolaus eingeläutet. In feierlicher Prozession werden nach dem sakramentalen Segen und dem Te Deum die Nikolaus-Ikone aus dem Chorraum, die Reliquien aus dem Reliquienschrein und das Allerheiligste aus der Kirche hinausgeleitet. Außerdem werden zuvor in der Kirche alle Kerzen gelöscht und entfernt. Der Altar wird entblößt.

Im Anschluss findet auf dem Kirchplatz der traditionelle „Klön an der Kirchtür“ statt. Um 19 Uhr singt der Kirchenchor unter der Leitung von Thomas Kladeck einen Evensong, mit dem der Tag ausklingt.

Zunächst war im Vorfeld mit dem Zülpicher Architekten Max Ernst eine Teilschließung mit Abhängung eines der Seitenschiffe bzw. die Sanierung bei laufendem Betrieb diskutiert worden. Dieser Plan wurde allerdings nach eingehender Abwägung wieder verworfen, weil die Renovierungsarbeiten dann erheblich länger gedauert und auch zusätzliche Kosten, die die Gemeinde aus eigener Tasche hätte aufbringen müssen, verursacht hätten.

Also haben sich die Gemeindegremien dagegen entschieden. Entsprechend hofft Michael Müller-Offermann, Vorsitzender vom Bauausschuss des Kirchenvorstandes, dass die Maßnahmen innerhalb des angedachten Zeitrahmens zügig vorangebracht werden und die für Ostern 2024 geplante Wiedereröffnung von St. Nikolaus auch stattfinden kann. 

Zur Zeit wird das Dach der Bensberger Pfarrkirche saniert. Foto: Michael Müller-Offermann

Inzwischen wird der gesamte Schiefer, der in den letzten vier Jahrzehnten zunehmend porös geworden ist, vom Dach abgetragen. Eine Spezialfirma entfernt die gesundheitsschädigende Glasfaser-Dämmung im Dachraum über dem Gewölbe. Dann wird zur Abdichtung eine Unterdeckbahn auf die Holzschalung gelegt und das Dach des Hauptschiffes neu geschiefert.

Über den Seitenschiffen wird die neue Dacheindeckung aus Kupferblechen bestehen. Bis zum Spätherbst soll dann der Rückbau des Dachgerüstes erfolgt sein, was gerade um die Türmchen herum filigrane Handarbeit bedeutet, wie Dr. Alfons Daubenbüchel, ebenfalls Mitglied im Bauausschuss, erläutert.

Gleichzeitig wird am Mauerwerk der Fassaden gearbeitet. Danach sind die Fenster dran. Hier wiederholen sich die Arbeitsschritte, die auch schon am Turm notwendig waren: Defekte Steine werden ausgewechselt, und mit einer komplett neuen Verfugung des Mauerwerks wird die alte Hydrophobierung unterbrochen, so dass die eindringende Nässe jetzt wieder problemlos nach außen diffundiert und die Wände vor einer erneuten Zersetzung durch Feuchtigkeit geschützt werden. 

Noch bevor es schließlich an die Sanierung im Inneren der Kirche geht, muss diese vollständig leer geräumt werden, weil dann auch hier eine komplette Einrüstung vorgenommen wird. Die Kirchenbänke werden dafür eigens in ein Depot des Erzbistums nach Bad Münstereifel ausgelagert, während die Orgel eingehaust wird.

Auch eine neue Heizungsanlage mit Wärmepumpe wird installiert sowie die gesamte Elektrik mit ihren Stromverteilern erneuert. Auf der Wunschliste des Bauausschusses steht außerdem eine Modifizierung der Innenbeleuchtung; diese müsste allerdings – genauso wie Veränderungen des Inventars – von der Gemeinde selbst finanziert werden. 

Am 16. Juni um 16 Uhr bietet der Bauausschuss eine Führung im neu sanierten Turm an. Interessenten können sich im Bensberger Pfarrbüro unter 02204/ 5 24 24 melden.

Apropos Kosten: Von den 2,3 Millionen Euro an Bau- und Baunebenkosten der Turmsanierung muss die Gemeinde ein knappes Viertel selbst stemmen; 1,6 Millionen trägt das Erzbistum und 150. 000 Euro werden aus der Denkmalförderung von Bund und Land beigesteuert.

Auch beim zweiten Teil der Sanierungsarbeiten muss die Pfarrgemeinde noch einmal tief in die Tasche greifen: Auf rund 5,7 Millionen Euro werden die Kosten dieser Phase beziffert. Davon übernimmt das Erzbistum 4,38 Millionen, 817. 000 Euro gehen auf das Konto der Denkmalpflege und mit weiteren 500 000 Euro wird die Gemeinde belastet.

Ein schwerer finanzieller Brocken – auch wenn er anteilig nur etwa 9 Prozent an den Gesamtkosten ausmacht und somit noch vergleichsweise gering ausfällt.

Läuft alles planmäßig, sollen schließlich auch die Chorfenster ausgebaut und außen mit einer neuen Schutzverglasung versehen werden. Alle anderen Fenster werden gereinigt und bekommen zur Sicherung neue Bleistege.

Es freut mich, dass unsere Pfarrkirche gründlich saniert und als markantes kirchliches Zeichen mit Fernwirkung für zukünftige Generationen erhalten bleibt.Michael Müller-Offermann

An Gewölbe und Wänden wird der Putz ausgebessert, und ein neuer Anstrich soll der Kirche schließlich wieder zu einem frischen Erscheinungsbild verhelfen. Wie das farblich im Detail aussehen werde, so Müller-Offermann, hänge auch davon ab, welche ursprüngliche Farbschicht die Restauratoren des Bistums, die an diesem Prozess beteiligt seien, freilegen würden.

Denn gerade auch die Säulenkapitelle mit ihren Blattwerkornamenten seien nicht immer in diesem Altrosa gefasst gewesen, so dass hier auch durchaus eine Alternative denkbar sei, die mehr an das Original heranreiche.

„Seit 1982 steht St. Nikolaus unter Denkmalschutz“, betont Daubenbüchel, „so dass wir uns bei diesen Fragen auch von der Denkmalschutzbehörde der Stadt Bergisch Gladbach, dem Landschaftsverband Rheinland und den Bauexperten des Bistums begleiten lassen, uns außerdem bei jeder Entscheidung zuallererst einmal eng mit unserem Architekten Max Ernst abstimmen.“ 

Stemmen mit viel ehrenamtlichem Engagement im Kirchenvorstand eine riesige Baustelle: Michael Müller-Offermann und Dr. Alfons Daubenbüchel. Foto: Beatrice Tomasetti

Die Gottesdienste werden während der Zeit der Schließung in der Moitzfelder Kirche St. Joseph, in der evangelischen Nachbarkirche und in der Edith-Stein-Kapelle im Kardinal-Schulte-Haus stattfinden. Allein der Raum unter dem Turm von St. Nikolaus bleibt während der gesamten Bauzeit als Gebetsraum zugänglich und soll dafür entsprechend umgestaltet werden. Taufen, Trauungen und Exequien werden ab der kommenden Woche ebenfalls in St. Joseph gefeiert.

ist freie Journalistin und ehrenamtlich für die Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph tätig.

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