In fast allen Stadtteilen wird verdichtet, neue Prognosen werfen die Frage auf, wieviel Wachstum Bergisch Gladbach noch verkraften kann. Foto: Thomas Merkenich

Die Stadtverwaltung legt dem Planungsausschuss in dieser Woche eine neue Bevölkerungsprognose vor, mit einem Schrumpfungsszenario und drei Wachstumsvarianten. Die zwei Berechnungen mit den höchsten Zuwachsraten beinhalten auch die Nutzung von Arealen, die im Flächennutzungsplan ausgewiesen worden waren. Ein Umstand, der bei der FWG auf Widerstand stößt.

Wir dokumentieren eine Mitteilung der FWG, ergänzt durch einen redaktionellen Hinweis

In dieser Woche wird im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss eine Studie „Ergebnisse Bevölkerungsprognose Bergisch Gladbach 2023 bis 2038“ vorgestellt. Sie wurde von der Stadtverwaltung beim CIMA-Büro für Regionalwirtschaft in Auftrag aufgegeben. Darin werden im Wesentlichen vier Varianten von Bevölkerungswachstums-Szenarien bis 2038 für Bergisch Gladbach dargestellt. 

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In zwei dieser Varianten werden die im Flächennutzungsplan (FNP) vorgesehenen Siedlungsflächen als Zuzugspotenzial in die Berechnungen fest eingepreist: In der sogenannten „Ausschöpfungsvariante“ wird bis 2038 von fast 4.000 neuen Wohneinheiten ausgegangen. Die Bevölkerung Bergisch Gladbachs würde damit um rund 13.500 Bewohner ansteigen. 

FWG-Vorsitzender Benno Nuding: „Das ist absolut nicht verkraftbar. Die FWG lehnt deshalb alle Planungsvarianten ab, die von einer Bebauung der FNP Gebiete ausgehen.“ Die geplante und gerade von der FWG befürwortete urbane Wohnbebauung auf Zanders biete ein völlig ausreichendes Potential für den bestehenden Wohnbedarf.

Unsere Stadt bekommt die aktuellen Probleme im Bereich Verkehr, Schulen, KiTa schon jetzt kaum gelöst. Und die Verkehrssituation wird mit der Bebauung auf Zanders und dem Wachendorffgelände ohnehin schwieriger zu lösen sein.

Hinweis der Redaktion: Das externe Büro hatte vier Szenarien berechtet:

1) Basisvariante: Ausschließlich natürliche Bevölkerungsentwicklung (Geburten und Sterbefälle) ohne Berücksichtigung von Wanderungen und somit Fort- und Zuzügen: Rückgang der gesamtstädtischen Bevölkerung von minus 9,2 % (103.806 Einwohner) innerhalb von 15 Jahren

2) Trendvariante: Natürliche Bevölkerungsentwicklung sowie Berücksichtigung der Wanderungen und somit Zu- und Fortzüge: Zuwachs von 3,5 % (118.261 Einwohner).

3) Entwicklungsvariante: Trendvariante mit zusätzlich 50 % Realisierung der Wohnbaupotenziale. Hierbei wurden die Projekte auf dem Zandersgelände sowie Wachendorff priorisiert. Weitere Potenziale zur Ausschöpfung der 50 % waren anschließend auf bereits ausgewiesenen Flächen oder letztlich FNP-Flächen mit rechtskräftigem oder sich in Aufstellung befindendem Bebauungsplan: Zuwachs von 7,7 % (123.098 Einwohner).

4) Ausschöpfungsvariante: Trendvariante mit zusätzlich Ausschöpfung aller zum aktuellen Zeitpunkt bestehenden Wohnbaupotenzialen auf Flächen mit Bebauungsplan sowie vorgesehenen Wohnbauflächen im Flächennutzungsplan (rund 3.965 geschätzte Wohneinheiten): 11,8 % Zuwachs (127.754 Einwohner)

Daraus leitet die Stadt ab: „Die Verwaltung hält (…) den Korridor zwischen Bevölkerungsvariante 2 und 3 am wahrscheinlichsten. Für zukünftige Planungen innerhalb der Fachbereiche sollen daher diese beiden Varianten als Grundlage dienen.“ Quelle: Ratsinformationssystem

Die Planungsvarianten unter Einschluss des FNP sind aber auch mit dem soeben beschlossenen Klimaschutzkonzept nicht mehr darstellbar. Dort wird ausdrücklich eine Verminderung der Versiegelung im städtischen Bereich, die Beibehaltung von Naturflächen, die Aufrechterhaltung von Frischluftschneisen und -entstehungsgebieten gefordert.

Die Bebauung der FNP Flächen würde zu einer massiven Versiegelung von Grünflächen führen. FWG-Vorsitzender Benno Nuding: „Es wundert mich, dass die Hitzesommer und Dürren, aber auch das Starkregenereignis und damit die Bedeutung der Freiflächen bei den Planern so schnell in Vergessenheit geraten können.“

„Höchst politische Frage“

Die FWG wird sich weiter dafür einsetzen, die klimarelevante Natur- und Freiflächen zu schützen. Das ist ein Dauerthema, bemerkt der FWG-Fraktionsvorsitzende.

Befremdlich sei auch, dass solche Planungsüberlegungen lediglich in Form einer Mitteilungsvorlage unterbreitet würden. Einmal mehr fordert die FWG eine Debatte darüber, wohin sich diese Stadt entwickeln soll. Benno Nuding: „Das ist eine höchst politische Frage, die über die Kenntnisnahme statistischen Zahlenmaterials weit hinausgeht.“

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  1. Schön, daß es Planungsvarianten gibt…
    Fragen werden gestellt…
    Infrastruktur
    Verkehr
    Kitas

    DIE REALITÄT muss Einfluss in die Überlegungen haben…

    “…Der Zustrom von Flüchtlingen wird unverändert anhalten und sich je nach Entwicklung der Konfliktherde bzw. das Hinzutreten von neuen sogar noch verschärfen. Unter den ukrainischen Flüchtlingen sind inzwischen Umfragen durchgeführt worden die zum Ergebnis hatten, dass die Mehrzahl derselben keine Absicht hat, in ihre durch den Krieg zerstörte Heimat zurückzukehren..”
    Quelle:
    https://www.tagesschau.de/inland/ukraine-fluechtlinge-bleiben-100.html

    Realistisch diskutieren…!!!
    und Lösungen finden

    1. Wir hatten in den letzten 15 Jahren immer wieder Flüchtlingswellen. Wie hat sich die Bevölkerungszahl in GL und Deutschland entwickelt? Sie stagniert…

      Was Herr Flügge möchte ist, das was er und unser ehemaliger Bürgermeister sowie die CDU mit dem FNP nicht geschafft haben nun über neue Berechnungen doch noch durchsetzen…

      Die alten Berechnungen waren schon massiv fehlerhaft und haben NACHWEISLICH nicht die durch Alterssterblichkeit frei werdenden Wohnraum und die Nutzung von Brachflächen berücksichtigt. Etwas, auf das das Bündnis der Bürgerinitiativen damals immer wieder hingewiesen hat…

      Worum es WIRKLICH geht ist, die Wohnraumprobleme Kölns in Bergisch Gladbach zu lösen und gleichzeitig über Grundstücksverkäufe Geld in die Stadtkasse zu spülen. Die wenigsten Bürger wissen, dass von NEU erschlossenen Flächen die Stadt 25% des Baulands sowie ca. 17-19% für Allgemeinflächen einkassiert! Das heißt, dass die Besitzer ca. 40-45% ihrer Fläche verlieren und die Stadt davon die Hälfte für teueres Geld verkauft. Dazu kommen neue Grundsteuereinnahmen (die ja gerade erst durch den Hebesatz für alle drastisch erhöht wurden) usw. usw.

      Es geht hier also um Geld und Prestige, nicht um echte Wohnflächen Bedarfsermittlung!

      Es gibt in GL genug Bestandsflächen. Daran verdient die Stadt aber zu wenig, deswegen will man immer wieder neue Flächen erschließen…