Gloria Lück, Pflegerin mit Leidenschaft.

„Wir pflegen und es macht mir mega Spaß.“ So beschreibt Gloria Lück ihren Beruf – und sie weiß, wovon sie spricht. Seit 20 Jahren arbeitet sie bereits in der Altenpflege, wie schon ihre Mutter und ihre Tante. Nach einem einjährigen Praktikum war für sie klar: Ich möchte in die Pflege. Im Gespräch zeigt sich schnell, dass Lück für ihren Beruf lebt. Eine Aufgabe, bei der Leben und Tod eng miteinander verbunden sind. 

Loslassen von geliebten Menschen, das ist eines der schwersten Themen. Aber nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für die Pfleger:innen. Gloria Lück arbeitet im Haus Quirlsberg und pflegt Demenzerkrankte. Dabei lerne man diese Menschen gut kennen und versuche, sie bestmöglich auf ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Der Sterbeprozess sei einer der härteren Bereiche für einige Kolleg:innen, berichtet Lück. Aber die Dankbarkeit der Patient:innen und Angehörigen sei einzigartig: „Ein einfaches Lächeln oder ein Dankeschön sind viel wert.“

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Gloria Lück ist seit 20 Jahre Pflegerin und arbeite jetzt als stellvertretende Leitung des Wohnbereichs B im Haus Quirlsberg, einer Einrichtung von Quirlsberg Pflege & und Wohnen auf dem diakonischen Gesundheitscampus Quirlsberg. Sie kennt das negative Image ihres Berufs nur zu gut, die vielen schlechten Nachrichten über Personalmangel und Überlastung. Dem möchte sie ihre persönliche Erfahrung entgegensetzen.

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Krankenhäuser kämpfen mit Fachkräftemangel in der Pflege

Auch die Krankenhäuser in Bergisch Gladbach leiden unter dem Personalmange. Vor allem die Pflege ist betroffen, wie eine kurze Umfrage des Bürgerportals zeigt. Die Auswirkungen auf die Gesundheitsleistungen seien dennoch minimal. Sowohl die GFO Kliniken RheinBerg als auch das Evangelische Krankenhaus steuern dagegen, setzen Leihpersonal ein, rekrutieren im Ausland oder locken mit Aktionen wie der 4-Tage-Woche.

Auch Lück betont, dass man die harten Seiten des Berufs nicht unterschätzen darf. Neben körperlichen Anstrengungen müsse man das mitunter aggressive Verhalten der Heimbewohner:innen ertragen. Die Menschen seien in manchen Situationen durch ihre Demenz so verwirrt, dass sie jegliche Unterstützung ablehnen, teilweise auch mit Gewalt. Hier sei es wichtig, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Situationen zu entschärfen.

Dabei sei der Zusammenhalt innerhalb des eigenen Teams besonders wichtig. Ein enger Austausch zwischen den Mitarbeiter:innen, auch über die Einrichtung hinweg. So gebe es häufig die Möglichkeit, schwere Erfahren gemeinsam zu verarbeiten und künftig besser mit solchen umgehen zu können. Dafür sorge auch die Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten, die Mitarbeiter:innen von Quirlsberg Pflege & Wohnen belegen können und müssen. 

Ein Blick in den Eingangsbereich des Hauses Quirlsberg.

Diese enge Zusammenarbeit mit Menschen und das direkte Feedback der betreuten Personen machen den Beruf besonders, sagt Gloria Lück: „Es gibt 365 neue Tage im Jahr, an dem keiner ist wie der nächste.“

Bei der Arbeit mit Demenzerkrankten sei es besonders wichtig, sie ihren eigenen Rhythmus leben zu lassen und nicht an die festen Normen des „üblichen“ anzupassen. „Wenn ein Patient schon um 6 Uhr frühstücken möchte, obwohl die Küche erst um 8 öffnet, dann machen wir ihnen eine Tasse Kaffee und schmieren ein Brot,“ erzählt die Pflegerin. 

Warum sollte ich überlegen, einen Pflegeberuf zu erlernen?

Zu dieser Frage fällt Gloria Lücke einiges ein, ihre spontane Antwort lautet: „Wo soll ich anfangen?“ 

Das Besondere an der Pflege ist das sofortige Feedback. Wenn man den Job gut macht, wird dies positiv quittiert, andersherum aber auch negativ. So einen direkten und ehrlichen Kontakt zu Menschen findet man in kaum einem Berufsfeld. 

Man lotet die eigenen Grenzen aus und lernt, damit umzugehen. Dabei gibt das Arbeitsumfeld einen soliden Rückhalt. Aber auch die vielfältigen Möglichkeiten sprechen für die Pflege: Vom FSJ über eine Ausbildung zur Pflegekraft, bis hin zur Einrichtungsleitung oder sogar einem Job in der Forschung.

Dabei wachse man auch persönliche so Lück: Aus jungen, meist unerfahrenen Menschen werden echte Profis, die viel für ihr eigenes Leben lernen. 

Das Problem mit den Medien 

Auf die Frage nach der Personalnot hat Lück eine auf den ersten Blick überraschende Antwort: „Ab und an gibt es zwar Flauten. Zum Beispiel, wenn ein oder mehrere Kollegen in Elternzeit gehen, sonst ist das aber kein wirkliches Problem.“ Der größere Verbund des Gesundheitscampus Quirlsberg, zu dem unter anderem auch das EVK gehört, führe dazu, dass man bei akuten Notständen sofort mit Umschichtungen reagieren und die größten Probleme lösen könne. Nachwuchsprobleme werden dadurch aufgefangen, dass das Unternehmen über die Quirlsberg Akademie selbst ausbilde.

Dennoch herrscht Bedarf an weiteren Mitarbeitern, was ein Blick auf zur Zeit neun ausgeschriebenen Stellen im Haus Quirlsberg zeigt. 

Als Problem empfindet Gloria Lück die Berichterstattung über die Pflege. Dort werde häufig nur auf die negativen Punkte geschaut und anhand von Extrembeispielen das gesamte Berufsfeld schlecht gemacht. Dagegen fehlten Informationen über die positiven Seite des Berufs: „Was bringt es mir, wenn die Menschen klatschen, später aber wieder über die schlechten Pflege- und Arbeitsbedingungen klagen.“

Zum Beispiel würden immer wieder die Arbeitszeiten kritisiert. Aber gerade mit den Arbeitszeiten ist Lück sehr zufrieden. Wer in der Nachtschicht arbeitet sei in der Lage, sieben Tage die Woche mit den eigenen Kindern zu verbringen. Daher appelliert die Pflegerin an die Menschen: „Bevor jemand den Beruf verurteilt und kritisiert, soll man sich selbst ein Bild machen.“

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  1. Ihren Vornahmen tragen Sie zu recht. In Zeiten , in denen ALLES immer nur schlecht geredet wird (konkrete Kritiken aber berechtigt) ist Ihre Freude an Ihrer Arbeit und Ihr Eintreten für die Pflege eine WOHL-TAT