Eingang des Evangelischen Krankenhauses auf dem Quirlsberg. Foto: EVK

Auch die Krankenhäuser in Bergisch Gladbach leiden unter dem Personalmangel. Vor allem die Pflege ist betroffen, wie eine kurze Umfrage des Bürgerportals zeigt. Die Auswirkungen auf die Gesundheitsleistungen seien dennoch minimal. Sowohl die GFO Kliniken RheinBerg als auch das Evangelische Krankenhaus steuern dagegen, setzen Leihpersonal ein, rekrutieren im Ausland oder locken mit Aktionen wie der 4-Tage-Woche.

„Im ärztlichen Bereich sind wir mit Ausnahme des Bereiches Anästhesie im Soll”, sagt Sebastian Haeger, Geschäftsführer im Evangelischen Krankenhauses (EVK). Dort seien zwei bis drei nicht besetzt. Durch den Einsatz von ärztlichem Leihpersonal gebe es dadurch aber nur „in Ausnahmefällen kleinere Einschränkungen,” so Haeger.

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Auch in der Pflege behelfe sich das EVK mit Leihpersonal. Grundsätzlich sei dies jedoch im Vergleich zu festangestellten Mitarbeitern sehr viel kostspieliger, „was in Deutschland bereits viele Krankenhäuser vor finanzielle Herausforderungen stellt”, stellt er klar.

Interne Ausbildung auf dem Quirlsberg

Einschränkungen im Betrieb gebe es nicht, „die Menschen in der Region müssen sich keine Sorgen um die Gesundheitsversorgung machen“. Dennoch der Appell an die Politik: „Wir als EVK begrüßen eine Krankenhausreform, die jetzt aber auch zum Ergebnis kommen muss. Wir brauchen Planungssicherheit.”

Im Bereich der Pflege setzt das EVK auf die interne Ausbildung, hier wurde die Zahl der Ausbildungsplätze „vor einigen Jahren” schon auf 150 verdoppelt. Die meisten Absolventen würden übernommen. Zudem rekrutiere man im Ausland und habe man die Ausbildung für Pflegefachassistenten gestartet. Zur Personalgewinnung habe man mittlerweile eine Vollzeitstelle etabliert.

GFO: Termine mit Vorlauf

Dr. Stefan Machtens, ärztlicher Direktor des Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach
Dr. Stefan Machtens, ärztlicher Direktor des MKH im Verbund der GFO-Kliniken Rhein-Berg

Ähnlich die Lage an den GFO Kliniken Rhein-Berg mit den Standorten Marien-Krankenhaus und Vinzenz Pallotti Hospital: „Auch wir haben – wie alle Kliniken – aktuell personelle Engpässe. Der Fachkräftemangel betrifft insbesondere die Pflege, der Markt ist wie leergefegt”, schildert Stefan Machtens, Ärztlicher Direktor im Marien-Krankenhaus.

Im ärztlichen Bereich sei die Situation nicht so angespannt, es würden sich immer wieder gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte melden. „Stationär können wir aufgrund der Situation in der Pflege jenen Patienten, die sich in unseren Sprechstunden und Ambulanzen vorstellen, mitunter nur Termine mit Vorlauf statt wie gewohnt sofort anbieten”, berichtet Machtens. Die Notfallversorgung in den GFO Kliniken Rhein-Berg sei aber jederzeit gesichert.

4-Tage-Woche

Auch an den GFO Kliniken wirbt man mit Initiativen um Arbeitskräfte. So gebe es eine Schnellbewerbungsfunktion für Jobs in der Pflege, Recruiting-Kampagnen, Präsentationen auf Berufs- und Ausbildungsmessen.

Für internationale Fachkräfte hat der Klinikverbund zudem die Aktion „Mitarbeitende bieten Starthilfe für Pflegende aus dem Ausland an“ zur Bereitstellung von Wohnraum gestartet. Ab Januar 2024 läuft zudem das Projekt „4 Tage-Woche in der Pflege“ auf einer ausgewählten Station an. Bei Erfolg könnte es auf andere Stationen ausgeweitet werden.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. 1.) Anstatt Gehaltsforderungen für den gesamten öffentlichen Bereich zu fordern, hätte es gereicht, im bestehenden Tarif den Pflegern einfach eine Stufe mehr zu geben. Diese werden immer nur vorgeschoben. Dass es zehntausende im ruhigen Büro ebenfalls betrifft, hört man in den Diskussionen selten heraus.
    Also nur eine Tarif-Stufe höher zur Förderung des Berufs, keine Tarifanpassung für alle.

    2.) Anstatt Entgelterhöhung vielleicht besser Arbeitszeitreduzierung bei gleichem Lohn, dafür aber mehr Personal einstellen. Erholung ist besser in diesem Berufsfeld als etwas mehr Gehalt.

    3.) Mehr Werbung für die Berufe. Fachkräfte im Altenheim sind schon bei 3.500-4.000 EUR, das ist bei den meisten Interessenten sicherlich noch nicht angekommen.

    4.) Die Pauschale, wenn der Notaufnahme-Besuch unnötig war, ist vielleicht gar nicht schlecht, wenn man sieht, was dort los ist. Ein Großteil könnte auch auf einen Termin beim Hausarzt oder Facharzt warten.

    Wenn man sieht, was aktuell in den Krankenhäusern und Pflegeheimen los ist, kippt man besser direkt um, als dort zu landen.

    1. Hallo Dr. Alban,
      ich glaube der von Ihnen unter 1. beschriebene Vorschlag wäre eine sehr gute Umsetzung. Und das gekoppelt mit der unter 2. benannten Arbeitszeitreduzierung.
      Viele Beschäftigte in der Pflege können garnicht mehr Vollzeit arbeiten, da die Belastung zu hoch ist. Aber bei dem Gehalt ist man zum Teil gezwungen, einen Vollzeitjob auszuüben mit der Konsequenz, sich dann immer wieder aufgrund einer Belastungsstörung arbeitsunfähig zu melden.