Die Schossstraße vor der Sanierung

Der Vorschlag der Verwaltung, die Schlossstraße für den Umbau des zentralen Bereichs komplett zu sperren, war in der Bensberger Händlerschaft auf heftigen Protest gestoßen. Sie sehen ihre Existenz gefährdet. Nach der chaotischen Info-Veranstaltung legt die Stadt jetzt Argumente nach, die aus ihrer Sicht für die Vollsperrung sprechen. Und kürzt den anstehenden Bauabschnitt deutlich ein.

Am Mittwochabend hatte die Stadtverwaltung die betroffenen Einzelhändler:innen mit einem neuen Vorschlag für die Umsetzung der Bauarbeiten ab Januar konfrontiert, hatte ihre Argumente für die Vollsperrung aber nur unvollständig vorgetragen. Nun reicht sie eine ergänzten Fassung schriftlich nach.

Gleichzeitig präzisiert die Stadt, wie weit der nächste Bauabschnitt (und damit die Sperrung für den Autoverkehr) reichen soll: Vom Emilienbrunnen an der Einmündung der Nikolausstraße bis zur Hausnummer 42. Also nur bis zum Wendehammer vor Kino und Sparkasse.

Die neue Darstellung kürzt den Bereich des Bauabschnitts, der in der nächsten Phase gesperrt werden soll, deutlich ein.

Damit schrumpft der Bauabschnitt auf 170 Meter zusammen. Auf dem grafischen Bauzeitenplan (s.u.) ist der Abschnitt 350 Meter lang und reicht fast bis zum unteren Wendehammer, etwa bis zur Hausnummer 68. Das sei jedoch immer nur ein grober Anhaltspunkt gewesen, erläutert die Stadt. Die Baustelle „fließe“ ohne feste Marken von West nach Ost durch die Schlossstraße, hieß es bislang.

In der alten Darstellung des Bauzeitenplans ist der zweite Abschnitt (lila) doppelt so lang und recht fast bis zum unteren Wendehammer.

Jetzt ist aber ein exakter Bauabschnitt definiert worden. Der gesamte Bereich vor der Schlossgalerie und dem Rewe fällt heraus und soll zusammen mit dem restlichen Verlauf bis hinab zur Straße Am Stockbrunnen erst später bearbeitet werden.

Die ersten 170 Meter im oberen Abschnitt soll die Baufirma nun in acht Monaten schaffen. Vier Monate können man einsparen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Straße voll und nicht nur halbseitig gesperrt wird.

Das (lange) Reststück vom Kino bis zum Stockbrunnen könnte dann von September bis November in Angriff genommen und in 2025 beendet werden.

Die Nikolausstraße war komplett dicht; auch hier sorgten „unvorhersehbare Funde“ für Verzögerungen. Foto: Stadt GL

Die Vorteile einer Vollsperrung

Die Stadtverwaltung führt in ihrer Pressemitteilung eine Reihe von Argumenten an, die aus ihrer Sicht für eine Vollsperrung sprechen. Sie biete vor allem die Möglichkeit, mit größeren Maschinen und mehr Personal gleichzeitig zu arbeiten. Zudem gebe es so mehr Möglichkeiten, auf unvorhergesehene Störungen zu reagieren und Zeitverluste zu vermeiden.

In diesem Zusammenhang verweist die Stadt auf den ersten Bauabschnitt in der Schlossstraße 1 bis 16: dort hätten „unvorhersehbare Funde“ zu Verzögerungen geführt. Diese Begründung hatte die Stadt auch für den Abschnitt Nikolausstraße genannt.

Allerdings erwähnt die Verwaltung nicht, dass sowohl die Schlossstraße 1 bis 16 als auch die Nikolausstraße während der Bauzeit komplett für den Autoverkehr gesperrt waren und nur die Fußwege ausgespart blieben. Genau diese Lösung schlägt die Stadt jetzt auch für den nächsten Abschnitt vor.

Als weitere Vorteile führt die Stadt an:

  • Behinderungen durch laufenden Verkehr und Einschränkungen der Bautätigkeiten aufgrund kleiner Baufelder könnten vermieden werden.
  • Der Arbeitsbereich für Baumaschinen würde sich vergrößern, wodurch die Arbeitsleistung (Abbruch und Neubau) beschleunigt werden könnte. Ein kleinteiliges Arbeiten führt zu deutlichem Zeitverlust.
  • Zudem können mehr Bauarbeiter auf einem größeren Baufeld eingesetzt werden.
  • „Fertige“ Bereiche könnten früher wieder genutzt werden, da Teilbereiche zusammenhängend fertiggestellt werden, ohne dass zwischendurch die Verkehrsführung innerhalb des Abschnitts geändert werden muss.

Das Verkehrskonzept und die Frage der Anlieferung

Das Verkehrskonzept sieht vor, das Autofahrer von der Richtung „Am Stockbrunnen“ kommend die Schlossstraße bis zu einem provisorischen Wendehammer vor der Schlosstreppe in beide Richtungen befahren können, die Einbahnstraßenregelung würde dafür aufgehoben.

Der Bereich wird als Spielstraße mit Schritttempo deklariert, dann können die Parkplätze nach Angaben der Planer bestehen bleiben. Die fertiggestellte Schlowwstraße 1 bis 16 bliebe ist ohnehin befahrbar und wird über die Kadettenstraße umgeleitet.

Die Möglichkeit der Anlieferung der Geschäfte würde auch im betroffenen Bereich erhalten bleiben. Dafür könnten drei Anlieferzonen bereitgestellt werden. Über eine Schotterstraße könnten die Geschäfts einmal am Tag direkt angefahren werden, hatten die Planer in der Info-Veranstaltung zugesichert, für spezielle Probleme gebe es spezielle Lösung. Alle Geschäfte könnten während der gesamten Bauzeit fußläufig für Kunden erreichbar und geöffnet bleiben, betont die Stadt. 

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Händlerschaft fordern rasche Hilfen

Ziel der Stadtverwaltung sei es, mit diesem Vorschlag „die zeitlichen Belastungen für den Einzelhandel so gering wie möglich halten“.

Die Händlerschaft ist allerdings nach wie vor in großen Teilen nicht überzeugt. Unabhängig vom Zuschnitt der Abschnitte bedeute eine Vollsperrung für die (noch) existierenden Geschäfte eine massive Belastung, sagt zum Beispiel Georg Daubenbüchel, Inhaber des Haushaltswarengeschäfts. Bensbergs Vorteil, die Vielfalt der Fachgeschäfte, sei bedroht.

Daher fordert er – wie bereits andere bei der Infoveranstaltung – eine direkte Unterstützung der betroffenen Unternehmen durch die Wirtschaftsförderung der Stadt. Und zwar jetzt und nicht erst nach der Sanierung der Straße. „Wir sind dann weg“, hatte ein Einzelhändler am Mittwochabend in den Saal gerufen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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