Im gesamten Arbeitsleben von Frank Stugg spielen Papier und Feuer eine zentrale Rolle. Erst als Papiermacher bei Zanders, später als Leiter der Werksfeuerwehr. Jetzt wacht er über Sicherheit und Brandschutz auf dem Areal. Im Gespräch lässt er die Jahre Revue passieren und erzählt, warum die Papierfabrik eine eigene Feuerwehr und wie er das abrupte Ende der Produktion erlebt hatte.

Frank Stugg sitzt in seinem Büro auf dem Zanders Gelände, mit Blick auf den Parkplatz Gohrsmühle und die Innenstadt. An der Wand hängt das Foto eines Feuerwehrfahrzeugs, eine Feuerwehrjacke am Haken. Ein altes Schild mit rostigen Bohrlöchern mahnt: „Arbeiten auf dem Dach nur im Beisein der Werksfeuerwehr!“

Wir treffen uns, um über sein Arbeitsleben bei der Firma Zanders zu sprechen. Als Papiermacher und später als Leiter der Werksfeuerwehr – Papier und Feuer. Die Insolvenz des Papiergiganten hat auch in seiner Vita tiefe Spuren hinterlassen.

Nun ist er im dritten Kapitel seiner Karriere angekommen: Seit Sommer 2021 ist Frank Stugg Mitarbeiter der Stadt im Bereich Liegenschaftsmanagement auf dem Zanders Areal. Als Teamleiter Brandschutz und Sicherheit.

Beinah-Crash mit Norbert Blüm

Wie bei vielen Menschen in der Stadt ging es auch im Arbeitsleben von Frank Stugg mit Papier los. „Ich wollte unbedingt an die PM3″ erzählt der 53-jährige, an die 1992 gebaute gigantische Papiermaschine. Da ist er auch gelandet, nachdem er im September 1987 zunächst eine Lehre als Papiertechnologe bei Zanders absolviert und an der PM1 und PM2 eingesetzt wird.

Beim Aufbau und Anfahren der gigantischen PM3 ist er dann hautnah dabei. Bis 2010 wird er an der schicksalsträchtigen Papiermaschine arbeiten, zuletzt als Maschinenführer. „Bei der Eröffnung der PM3 bin ich fast mit dem damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm zusammengestoßen”, erinnert er sich schmunzelnd.

Er musste rasch eine Störung beheben, rannte eine Treppe hoch und prallte in Eile unversehens auf einen Besuchstross aus Politik und Wirtschaft. Eigentlich hätte er seinen Posten nicht verlassen dürfen, „damit die Hallen leer sind“. Die PM3 galt als weitgehend automatisiert, die eigentlich nur vom Führerstand aus überwacht wurde.

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Ein Koloss für eine Milliarde D-Mark

Die Papiermaschine PM 3 steht für Superlative. Sie ist gigantisch, ihre Halle ist halb so groß wie der Kölner Dom, pro Minute spuckt sie genug Papier aus, um ein Fußballfeld zu bedecken. Vor 33 Jahren markierte sie den Übergang des Familienunternehmens Zanders zum internationalen Konzern – und damit auch den Anfang des Untergangs. Im zweiten Teil der Zanders-Serie schauen wir uns die Geschichte von Gebäude und Maschine an, bevor der Koloss in seine Einzelteile zerlegt wird.

Hobby wird Beruf

In seiner Freizeit engagiert sich Stugg bei der Freiwilligen Feuerwehr, „erst beim Löschzug Stadtmitte, dann in Kürten-Bechen“. Macht Lehrgänge, wird als Gruppenführer eingesetzt. Und engagiert sich – zunächst nebenamtlich – in der Werksfeuerwehr bei Zanders.

Die gibt es nach Angaben von Stugg schon seit dem 19. Jahrhundert auf Zanders, hieß früher jedoch Betriebsfeuerwehr. Aus rechtlichen Gründen wurde daraus 2007 eine Werksfeuerwehr – im Falle von Zanders eine „anerkannte Werksfeuerwehr”.

Finanziert durch das Unternehmen, mit sieben hauptamtlichen und bis zu 120 nebenamtlichen Feuerwehrleuten: Mitarbeiter von Zanders, die zugleich Mitglieder umliegender freiwilliger Feuerwehren waren. Im Einsatzfall konnten sie – wie Frank Stugg – auf dem Zandersgelände zu Löscharbeiten hinzugezogen werden.

Großbrand bei der Papierfabrik J.W. Zanders im Juli 1976, Foto: Albert Günther, (C) Stadtarchiv Bergisch Gladbach

2010 kommt dann ein Angebot an Papiermacher Stugg: Die Werksfeuerwehr sucht einen stellvertretenden Leiter. „Wann hat man schon Gelegenheit, sein Hobby zum Beruf zu machen”, denkt sich Stugg und greift zu. Schlägt damit das zweite Kapitel seiner Karriere auf. 23 Jahre Papiermacher sind passé, jetzt geht es ums Feuer.

Aus dem damit verbundenen, willkommenen Abschied vom leidigen Schichtdienst macht er auch keinen Hehl.

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Frank Detering machte eine Lehre als Papiermacher bei Zanders, arbeitete zuletzt an der riesigen PM 3, produzierte dort das letzte Papier in der Geschichte des Unternehmens. Am Ende des eigenen Arbeitslebens hilft er nun beim Rückbau seines alten Arbeitsplatzes. Und hat einen sehnlichen Wunsch, was die Zukunft des Areals betrifft.

Monatelanger Einsatz

Warum überhaupt eine Werksfeuerwehr auf Zanders? Reicht es nicht wenn im Einsatzfall die städtische Feuerwehr anrückt? „Das hat mit dem Charakter der Störfälle zu tun”, erklärt Frank Stugg. Abgesehen von Bagatell-Fällen wie ausgelaufenem Öl oder brennenden Motoren hätten große Einsätze in der Papierfabrik meist Tage oder gar Wochen gedauert.

Wie der Großbrand im Hochlager im Februar 2013, „mein erster Großeinsatz als stellvertretender Leiter.“ Knapp 8.000 Tonnen Papierrollen gehen in Flammen auf, fünf Tage dauert der Einsatz auf dem Gelände.

Einmal trat ein Brei aus Wasser und Zellstoff aus dem Abwasserkanal aus und floss Richtung Hauptpforte, berichtet Stugg. Das war nicht wenig, schließlich rauschten 70.000 Liter Zellstoff-Wassergemisch pro Minute durch die PM3. Das ausgetretene Gemisch wurde hart, die Reinigung dauerte ewig.

Brand einer Lagerhalle der Firma J. W. Zanders am 14. März 1986. Die ehemalige Pappenfabrik, ein rotes Backsteingebäude, das seit 1985 als Lagerhalle für Verpackungsmaterial und Maschinenersatzteile genutzt wurde, brannte bis auf die Grundmauern ab. Feuerwehrkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bergisch Gladbach und der Berufsfeuerwehren Bergisch Gladbach und Bensberg bei den Löscharbeiten. Foto: Albert Günther, (C) Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Oder der Großbrand im Kohlesilo, der Monate anhielt. Weil die glimmende Kohle nach und nach verfeuert wurde, während die Werksfeuerwehr den Brand unter Kontrolle hielt. „Das war sinnvoller als die glühende Kohle auf den Hof zu fahren und zu löschen.” Mit solch langen Einsätzen könne man die städtische Feuerwehr nicht binden, da würde eine Werksfeuerwehr Sinn machen, unterstreicht Stugg.

Ganz zu schweigen von den 111 Sprinklerstationen, 17 CO2-Löschanlagen, 2.500 Feuerlöscher, den unzählige Brandklappen für den baulichen Brandschutz. Pflege und Wartung – auch eine Aufgabe der Werksfeuerwehr.

Gespenstische Szenen

2015 befindet sich Stugg im Urlaub in Kroatien, als ihn ein Anruf erreicht: Ob er nicht die Leitung der Werksfeuerwehr übernehmen wolle. Der Feuerwehrmann greift zu. Bis 2018 die erste Insolvenz den Konzern erschüttert.

Aus der Werksfeuerwehr wird die Abteilung Brandschutz, und die städtische Feuerwehr übernimmt nach und nach die Aufgaben der Werksfeuerwehr von Zanders. Deren Personaldecke sei nach der ersten Insolvenz einfach zu dünn für den Dauerbetrieb gewesen, erinnert sich der Feuerwehrmann.

Die Aufgaben von Stuggs Leuten verlagern sich ins Administrative. „Wir haben mit den Kollegen der städtischen Feuerwehr die Rettungspläne abgestimmt, über die kritische Infrastruktur gesprochen, Ortskenntnisse vermittelt.” Wissen, das für Einsätze unentbehrlich ist.

Am 30. April 2021 gehen dann endgültig die Lichter auf Zanders aus. „Uns wurde ja immer vermittelt, dass es irgendwie weitergeht”, erinnert sich der Feuerwehr-Chef. Der Stop im Frühjahr 2021 scheint die Mitarbeiter auf dem Gelände kalt zu erwischen, mitten im Produktionsprozess.

„Das waren gespenstische Szenen: Auf den Tischen standen noch Kaffee und die Stullen, in den Kesseln dümpelte das Produktionsmaterial. Aber die Hallen waren menschenleer. Ich dachte: Gleich gehen die Türen auf, und es geht weiter mit der Papierproduktion.”

Foto: Thomas Merkenich

Wasser ablassen

Die Türen blieben jedoch zu, und die Mitarbeiter zuhause. Das Team von Frank Stugg hatte mehr Glück und konnte teilweise für den Insolvenzverwalter arbeiten.

„Ohne Produktion waren die Sprinkleranlagen nicht mehr notwendig.” Die Anlagen wurde runtergefahren, das Wasser abgelassen, die Leitungen zurückgebaut. Die CO2-Anlage gegen eine Fehlauslösung gesichert. Die Feuerwehrfahrzeuge – Eigentum von Zanders – bis auf den Gerätewagen für Gefahrgut (GWG) verkauft.

Das Wissen der Werksfeuerwehr war indes weiter gefragt: „Wir haben ein Sicherheits- und Brandschutzkonzept für das Werksgelände entwickelt”, so Stugg. Er saß auch am Runden Tisch mit Investoren, Insolvenzverwalter und Kommune, vermittelte zwischen städtischer Feuerwehr und den neuen Herren auf Zanders.

Hier lernte er auch den früheren NRW-Innenminister Ingo Wolf kennen. Ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Moderator sei ihm in guter Erinnerung geblieben, erzählt Stugg: „Das war ein Mann von Format, dem man gerne zuhörte.” Und der für den Fortbestand von Zanders gekämpft habe.

Balance halten

Seit September 2021 ist er nun Mitarbeiter der Stadt. Der Arbeitgeber hat gewechselt, die Aufgaben sind – bis auf die Einsätze – in etwa gleich geblieben: Sicherheit und Brandschutz auf Zanders sicherstellen.

Er habe Glück gehabt, bilanziert Stugg. Immer in guten Teams gearbeitet, dafür sei er dankbar. Und er blickt nach vorne: „Es wäre schön, wenn der Ausbildungscampus hier auf dem Gelände Realität würde.” Dort, wo früher Generationen von Menschen ihre Ausbildung im Papermacherhandwerk absolviert hätten, sollten künftig die Berufsschulen ihren Platz finden. Das fände er gut.

Foto: Thomas Merkenich

„Ansonsten wäre ein Kino in der Stadtmitte schön”, denkt er laut nach. Und es sei ihm wichtig, die Balance in der Stadt zu halten: „Das Zanders-Gelände sollte so gestaltet werden, dass der Rest der Stadt nicht kaputt geht.”

Zanders sei ja ein komplettes Stadtviertel, die Neugestaltung könnte eine unschöne Sogwirkung zu Lasten anderer Viertel ausüben. „Was passiert dann mit Flächen wie dem Marktplatz?” fragt er.

Einmal Feuerwehr…

… immer Feuerwehr. Auch im neuen Job bei der Stadt schlägt das Herz von Frank Stugg immer noch für die Feuerwehr. Er hat nicht nur einen Piepser auf dem Schreibtisch stehen, der ihn über Einsätze rund um Zanders informiert.

„Ich würde auch glatt nochmals tagsüber mit auf einen Einsatz fahren”, sagt er mit leuchtenden Augen. Vielleicht müsse er dann nicht ganz vorne dabei sein, aber reizen würde es ihn in jedem Fall.

Derweil fährt er in seiner Freizeit jedoch noch andere Missionen. Und war bereits dreimal mit einem Hilfskonvoi aus der Stadt inButscha. Aber das ist schon wieder ein anderes Kapitel in seinem Leben.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. Liebe Verantwortliche des Zanders Gelände
    Macht aus der Schönen Zandersfesthalle eine Markthalle so wie im Süden , wo man frische Waren Einkaufen kann aber auch Kleinigkeiten direkt am Stand gemütlich essen und trinken das wäre das richtige Konzept für Bergisch Gladbach und Zanders und die Markthalle dann Hans Wolfgang Zanders Halle zu nennen
    Mit freundlichen Grüßen
    Harald Schmidt

  2. Sehr interessanter Bericht, aber es heißt WERKFEUERWEHR und nicht Werksfeuerwehr. Diese Bezeichnung gibt es nur in Österreich.

      1. Ja, das ist ausnahmsweise mal eindeutig, da sich in der Werksfeuerwehr ein Genitiv versteckt, im Werkstudenten aber nicht. Aber wie der „Zwiebelfisch“ schon richtig anmerkt, hat sich in der gewachsenen Sprache auch allerhand entwickelt, was sich einer strengen Systematisierung entzieht.