Mit einer Petition will der Elternbeirat der AWO-Kita in Schildgen bei den Landtagsabgeordneten und der Stadt auf die Finanzmisere bei Kitas und OGS aufmerksam machen. Obwohl ihre Kita in der Altenberger Domstraße von Kürzungen der Betreuungszeiten gar nicht betroffen ist. Die Sorge vor einer Reduzierung bei den Eltern ist dennoch groß – mit Blick auf die Konsequenzen für ihre Jobs, das Einkommen und die Bildung der Kinder.

Auslöser der Resolution aus Schildgen sei der Streik der Erzieher:innen im Oktober vor dem Landtag in Düsseldorf gewesen. „Wir als Elternbeirat der AWO Kita Schildgen haben überlegt, wie wir etwas dazu beitragen können, um weiter auf die nicht ausreichende Finanzierung der Kitas aufmerksam zu machen”, sagt Stefanie Cramer.

Kurzerhand haben die Eltern Anfang Dezember eine Petition aufgesetzt: „Finanzierung der Kitas und OGS für 2024 nicht gesichert!” Knapp 1.300 Personen haben das Anliegen bereits unterzeichnet. „Wir hoffen auf 5.000 bis 10.000 Stimmen, die Petition läuft noch bis Ende Februar”, berichtet Cramer.

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Finanzkrise toppt Kita-Krise: 250 Vertreter:innen der Freien Wohlfahrtspflege des Kreises protestieren am Donnerstag in Düsseldorf gemeinsam mit anderen Betroffenen aus NRW gegen einen aus ihrer Sicht drohenden Kollaps der sozialen Infrastruktur. Durch hohe Tarifabschlüsse gerate die Finanzierung in extreme Schieflage, heißt es. Betreuungsplätze, Einrichtungen, gar die Zahlungsfähigkeit von Verbänden stünden auf dem Spiel.

Darin geht es um mögliche Konsequenzen für die Familien, sollten die Betreuungszeiten eingeschränkt oder oder gar Kitas und OGSen geschlossen werden. Die Petition soll den Landtagsabgeordneten im Rheinisch-Bergischen Kreis sowie im Oberbergischen Kreis sowie der Stadt Bergisch Gladbach übergeben werden.

Alltagshelfer bleiben

„Unsere Kita ist bislang nicht betroffen”, betont Cramer. Das bestätigt auch die Einrichtungsleiterin Isabelle Schönfeld: „In unserer Einrichtung sind alle Stellen besetzt, es gab daher bisher keine Einschränkungen bei der Betreuung.”

Und sie zerstreut die Bedenken der Eltern, wonach sogenannte Alltagshelfer zur Linderung der Peronsalnot schon bald wieder abgeschafft werden könnten: „Das Programm der Alltagshelferinnen und Alltagshelfer ist bis ins Jahr 2026 vom Land NRW verlängert worden”, sagt die Leiterin und verweist auf eine Info des Familienministeriums NRW.

Das Konzept scheint rund zu laufen: „Die Helfer entlasten uns im Kita-Alltag und im hauswirtschaftlichen Bereich, sodass wir uns auf unsere pädagogische Arbeit konzentrieren können”, macht Schönfeld klar.

Finanzkrise bei Kita und OGS: Das fordert die AWO

Isabelle Schönfeld, Einrichtungsleitung der AWO Kindertagesstätte Altenberger-Dom-Straße:

„Die Kindertagesbetreuung ist eine kommunale Selbstverwaltungsaufgabe. Wenn wir als Trägerin diese Aufgabe mitübernehmen, sollte das angemessen finanziert werden. Kritisch ist es für uns als Trägerin, dass sich die Pauschalen des Landes für die Kindertagestätten erst ab dem August 2024 erhöhen.

Die von der Landesregierung angekündigte Übergangsfinanzierung deckt dabei nur ein Drittel der Kosten, die wir mit den Tariferhöhungen leisten. Dabei halten wir diese Erhöhung der Tarife für wichtig, da die Fachkräfte in den Kitas einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Bildung der Kinder leisten.

Gefordert sind tatsächlich aber auch Unternehmen als Arbeitgebende, die mit Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten ihren Mitarbeitenden bei der Kinderbetreuung entgegenkommen können.“

Gefühl von Unsicherheit

Dennoch sind einige Eltern besorgt. Denn sollte es zu Kürzungen bei den Betreuungszeiten kommen, sind die Konsequenzen drastisch: „Die Eltern können ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen, müssen die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren, haben dadurch weniger Geld zur Verfügung”, zeigt Cramer auf. Zudem bliebe die Förderung der Kinder auf der Strecke, die Chancengleichheit für die Kinder wäre nicht mehr gegeben.

Der Elternbeirat befürchtet einen Abwärtsspirale: „Wir sorgen uns dass aufgrund schlechter werdender Bedingungen immer mehr Erzieher abwandern und sich beruflich umorientieren, die Personalnot ist jetzt schon riesig.” Auch nehme dadurch das Interesse neuer Erzieher am Beruf weiter ab, Nachwuchs würde fehlen.

„Die AWO engagiert sich sehr stark in der Ausbildung, mit praxisintegrierter Ausbildung, Plätzen für Anerkennungspraktikanntinnen und Dual-Studierenden”, entgegnet Schönfeld. Ob der Träger dies jedoch weiterhin leisten könne angesichts nicht ausreichender Kindpauschalen des Landes – das sei fraglich.

In 2023 habe die AWO angesichts des Personamangels zudem ein Konzeptpapier zur Umstrukturierung des Kita-Systems entwickelt und der Politik vorgestellt (Dokumentation am Beitragsende). So könnte beispielsweise die Hinzunahme weiterer Berufsgruppen an Kitas für Entlastung sorgen, Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte ausgebaut werden.

Geld für Kinder

Derweil läuft die Petition weiter. Hierzu habe es durchweg positives Feedback gegeben, aber bei den Unterschriften sei noch Luft nach oben, sagt Cramer. Nur ein Bruchteil der erreichten Eltern hätten das Ansinnen bislang unterschrieben. „Das zeigt deutlich, dass das Thema noch nicht präsent genug ist und für viele daher wahrscheinlich noch nicht wichtig oder dringlich genug”, sagt Cramer.

Würden die Etern direkt betroffen, sei es meist schon zu spät etwas zu bewirken. „Daher wollen wir jetzt viele Stimmen sammeln und unser Anliegen an die Politiker weiterleiten.“ Damit gegensteuert und Geld für die Betreuung der Kinder zur Verfügung gestellt wird.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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