Zum Start stimmte ein Chor der Jahrgangsstufe 6 im Forum der IGP „We are the world, we are the children“ an.
Der Friedenstag an der IGP startet im Plenum. Das Foto zeigt den Autakt im vergangenen Jahr - aktuelle Fotos reichen wir nach. Foto: Redaktion

Politische Bildung beginnt in der IGP in der 5. Klasse – und so verbrachte Bürgermeister Frank Stein diesen Vormittag damit, sehr sehr viele Fragen von Fünftklässler:innen zu beantworten. Politische, persönliche – und einige dazwischen. Die älteren Schülerinnen und Schüler diskutierten bei diesem Friedenstag der IGP mit vielen Gästen gewichtige Themen: vom Erstarken der AfD über die aktuelle Bedeutung der Schoa bis zur Frage, wie Frieden geschaffen werden kann.

Der Friedenstag der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP) hat eine lange Tradition und bot zum 50. Jubiläum der Schule am Donnerstag ein sehr substanzielles Programm. „Das Erleben von Demokratie“ stehe im Mittelpunkt, erläuterte Koordinator Burkhard Müsken.

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Demokratie erleben, das konnte die Schülerschaft aller Altersstufen in den Gesprächen mit Bürgermeister Frank Stein, in einer intensiven Podiumsdiskussion mit Partei-Vertreter:innen, in einer Debatte mit Vertretern der Bundeswehr und der Friedensbewegung oder auch im Gespräch mit dem Geschäftsführer der Synagogengemeinde Köln.

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Hertie-Stiftung empfiehlt Friedenstag der IGP für Demokratiebildung

Seit über drei Jahrzehnten gibt es an der Integrierten Gesamtschule Paffrath den „Friedenstag“. Das Projekt sollte Schule machen, findet die Hertie-Stiftung – und hat es in ihre neu entwickelte „Toolbox Demokratiebildung“ aufgenommen. Als Empfehlung, wie Demokratiekompetenz an Schulen vermittelt werden kann. Die Stiftung hat jetzt umfangreiche Empfehlungen für mehr Demokratiebildung an Schulen herausgegeben.

Bürgermeister Frank Stein verbrachte den Vormittag im „IGP-chen“, dem ehemaligen Verwaltungstrakt der Flüchtlingsunterkunft, in der die fünften Klassen ihr Refugium haben. Er zog durch alle Klassen, traf auf sehr gut vorbereitete Schüler:innen – und starke Autogrammwünsche.

„Macht Ihnen Ihr Job in dieser Zeit eigentlich Spaß“, wollte ein Schüler gleich zum Start bringen. Spaß, so Stein, sei der falsche Begriff – aber Freude erlebe er durchaus, „wenn wir Dinge hinbekommen“. Was er gar nicht leiden könne, so die Antwort auf die nächste Frage, seien Streit und Vorteile.

Autogramme des Bürgermeisters waren sehr begehrt

Frage folgt auf Frage, und die Neugierde, wie Demokratie funktioniert, ist spürbar: „Was haben Sie gemacht, um die Wahl zu gewinnen?” (von Tür zu Tür gezogen und mit sehr vielen Menschen gesprochen), „Was halten Sie von den Demonstrationen?”, und einiges mehr wurde angesprochen.

Die Schüler:innen nutzen die Gelegenheit aber auch, um dem Bürgermeister ihre Wünsche mitzugeben: Die reichten vom öffentlichen Bolzplatz mit Kunstrasen über einen Skatepark, besseren Straßen und vor allem Radwegen bis hin zur Forderung, dass „Bergisch Gladbach schöner wird“.

Deutlich wurde aber auch, wie weit die Macht des Bürgermeisters in einer Demokratie reicht, oder eben auch nicht. Wünschen nach einer Preisbremse für Döner (drei Euro), einem Kino, einem Sportgeschäft oder weniger Plastikmüll stimmte Stein zwar (weitgehend) zu, wies aber darauf hin, dass er das allenfalls befürworten und unterstützen könne, die Entscheidungen aber von Unternehmen getroffen werden. Den Wunsch nach einem Autogramm erfüllte er dagegen sofort.

In den höheren Jahrgangsstufen wurde in den mehrstündigen Workshops intensiv diskutiert. Zum Beispiel über die Frage „Frieden schaffen und sichern – aber wie?“, zu der ein Jugendoffizier der Bundeswehr und ein Vertreter der Deutschen Friedensgesellschaft in die Schule gekommen waren, die miteinander, vor allem aber mit der Schülerschaft, sehr tierschürfend über die aktuellen Kriege debattierten.

Die Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen der etablierten Parteien aus Land- und Bundestag drehte sich zunächst sehr lange um das Erstarken der AfD und anderer rechtsextremer Kräfte – und wie die Politik, aber auch die Bevölkerung, damit umgehen müsse. Klare Kante müssten alle demokratischen Parteien zeigen und die Demokratie gegen ihre Gegner energisch verteidigen, darüber herrschte auf dem Podium Konsens, was von den Jugendlichen mit Applaus begrüßt wurde.

Auf dem Podium: Nicole Westing, MdB der FDP, Hermann-Josef Tebroke, MdB der CDU, Dilek Engin MdL der SPD, Maik Außendorf, MdB Grüne, Kathrin Vogler, MdB der Linken

Die Schüler:innen, die die Debatte sehr gut moderierten, hatten zuvor entschieden, die AfD als rechtsextreme Partei nicht einzuladen – stellten das aber selbst zur Diskussion. Die Politiker:innen respektierten die Entscheidung, hätten es aber genauso begrüßt, sich auf offener Bühne mit AfD-Verteter:innen auseinanderzusetzen.

Dieser Beitrag kann nur einen kleinen Ausschnitt des Programms wiedergeben, daher dokumentieren wir die gesamte Themenliste:

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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