Am westlichen Ende des Zanders-Areals liegt das Gelände der ehemaligen Kartonfabrik Weig, dort sollte eine Grundschule gebaut werden. Foto: Stefan Krill

Ein erstes vorgezogenes Neubauprojekt am Rande des Zanders-Areals ist gescheitert: Der angedachte Standort liegt im Hochwassergebiet, alte Gebäude und Boden sind mit Schadstoffen belastet. Daher würde eine Grundschule an diesem Ort nicht 30, sondern 130 Millionen Euro kosten, ergab eine Machbarkeitsstudie. Nun sucht die Stadt mit Hochdruck nach einem neuen (Interims-)Standort für die Schule 21.

Wir dokumentieren eine Mitteilung der Stadt Bergisch Gladbach.

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Der perspektivische Mangel an Schulplätzen in Bergisch Gladbach ist bereits länger bekannt. Daher plant die Stadt den Bau einer neuen Grundschule unter dem Arbeitstitel „GS 21“. Geplant war diese am Rande des Zanders-Areals an der Cederwaldstraße entstehen zu lassen. Um Möglichkeiten und Risiken für die Umsetzung zu prüfen, wurde die Schulbau GmbH beauftragt, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu gegeben. Die Ergebnisse liegen nun vor. Ein möglicher Bau der Schule an der angedachten Stelle ist deutlich schwieriger und aufwendiger zu realisieren, als angenommen.

Zudem wurden enorme Kosten zur Realisierung der Schule an dieser Stelle prognostiziert. Es stehen hier, insbesondere wegen der Lage in einem Hochwasserschutz- und Überschwemmungsgebiet, wegen der Bodenbeschaffenheit und vorhandener Schadstoffbelastungen Kosten von über 130 Millionen Euro im Raum. Um aber weiterhin die angestrebte Eröffnung einer neuen Schule im Jahr 2026 zu ermöglichen, soll der Fokus nun stärker auf der Suche nach einem Standort für einen Interimsbau gelegt werden.

Großer Bedarf an Schulplätzen in Gronau

„Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie,“ so der zuständige Beigeordnete für den Schulbau und Stadtkämmerer Thore Eggert, „bringen uns zu der Erkenntnis, dass die Weiterführung der Planung zu einem Bau einer Grundschule auf dem ehemaligen Weig-Gelände keinen Sinn macht“.

Laut Integrierten Schulentwicklungsplan (ISEP) besteht insbesondere im Bereich der Stadtmitte und Gronau Bedarf für eine weitere Grundschule. Ursprünglich war auch Gegenstand der Untersuchung die Prüfung der Realisierbarkeit einer Kita. In der Studie sollten einerseits die Verortung des Nutzerbedarfs mithilfe von Massenstudien und die Erarbeitung eines pädagogischen Konzeptes, Funktionsschemas und Raumprogramms untersucht werden, andererseits aber auch die planungs- und baurechtliche Zulässigkeit sowie Restriktionen geprüft werden.

Die Machbarkeitsstudie prognostiziert nun Gesamtkosten von mindestens 130 Millionen Euro für die Schule, und somit ein Vielfaches der vorerst angedachten 32 Millionen Euro, die rein für Baukosten angesetzt waren.

Grund dafür ist auch die Grundstückssituation mit restriktiven Randbedingungen. Die Lage an der Strunde macht das Schulgelände zum Überschwemmungsgebiet und zur Starkregengefahrenzone, da es sich in einer topographischen Senke befindet. Das Gebäude gelte es für den Hochwasserfall baulich zu sichern.

Der Boden, auf dem die Schule entstehen sollte, ist nicht tragfähig und nur mit erheblichen Vorbereitungen und Eingriffen für den Bau eines Gebäudes geeignet. Auch Schadstoffe in bestehenden Gebäuden und Altlasten im Boden erschweren die Realisierung des Baus enorm. Darüber hinaus müsste erst das passende Baurecht geschaffen werden, da der aktuelle Bebauungsplan noch ein Industriegebiet auf dem Gelände vorsieht.

Interiumsschule soll 2026 in Betrieb gehen

„Der Bedarf nach Schulplätzen ist weiterhin groß und wir werden bis 2026 Schulplätze schaffen müssen. Da eine langfristige Lösung auf dem ehemaligen Weig-Gelände nicht möglich ist, fokussieren wir uns unter Anbetracht des steigenden Zeitdrucks nun auf eine Interimslösung. Bis zum nächsten Ausschuss im September wollen wir einen Vorschlag für einen geeigneten Ort und eine Errichtungsweise unterbreiten“, erklärt Thore Eggert, Beigeordneter für den Immobilienbetrieb.

Die neue Schulgemeinschaft könnte sich in einem Interimsgebäude gründen und dann zu einem späteren Zeitpunkt in den neuen, dauerhaften Schulbau ziehen. „Wir suchen mit höchster Priorität nach dem geeigneten Standort, um unser Ziel der Schulöffnung nach den Sommerferien 2026 zu erreichen“, so Eggert weiter.

Die Inhalte der Machbarkeitsstudie werden den politischen Vertreterinnen und Vertreter im Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft am Mittwoch, den 19. Juni vorgestellt.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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  1. Genau Drucker so ist es.
    Da sind Altlasten in den Gebäuden und im Boden.
    Und da geht eine Verantwortung für die Menschen einher.

    Und nicht umsonst ist es ja noch ein Industriegebiet.
    Sprich man hat die Grundschule nicht bauen können weil die Altlasten da sind.
    Sie sind ev. Gesundheitsschädlich ? Fragen über Fragen.

    Gebäude kann man abreißen. Aber so einen Boden.
    Und wenn Ich dann lese das jahrelang der Müll falsch entsorg wurde und das so andere Ding passiert sind….
    Dann ist die umwelt eventuell noch geschädigter als bisher angenommen

    Daher könnte es sein das das Areal giftiger ist oder noch belasteter ist als angenommen.
    Ich meine das es kein saubere Wiese war war uns allen klar. Aber Ich erinnere mich noch wie hier große Diskussionen geführt wurden was man alles machen kann…. noch vor wenigen Wochen
    Das könnte sich als schwer erweisen.
    Bin mal gespannt wie sich das entwickelt.

    1. Da muss man keine langen Überlegungen anstellen, das Vorgehen in so einem Fall ist Routine und zu großen Teilen gesetzlich festgelegt. Zuerst kommt die Analyse, dann die Sanierung. Das kostet bei einem solch großen Areal leicht einen höheren Millionenbetrag, und den zahlt der Grundstückseigentümer, ggf. auch ein Voreigentümer und falls greifbar der Verursacher. Die Behörden können da auswählen, wen sie als Kostenträger heranziehen, oft wird der gewählt, der am solventesten ist.

      1. Hallo Drucker, Ihre Kommentare lese ich immer sehr gerne. Da sie mit Verstand und Kenntnis geschrieben sind. Herzlichen Dank.

    2. Wir reden hier von 200 Jahren Industriestandort. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hat sich “niemand” (außer vielleicht ein paar Nachbarn) dafür interessiert, was in den Boden, in die Luft oder in die Strunde gelangt ist. Dass das Zanders-Areal hochgradig mit Schadstoffen belastet ist, ebenso der Bahndamm und das Zinkhütten-Gelände (sagt ja schon der Name), ist eine absolute Binsenweisheit. Die Frage ist nur, ob Teile des Areals etwas weniger belastet sind als andere und daher mglw. eher für eine Grundschule in Frage kommen.

  2. Zanders war jahrzehnte lang der größte Arbeitnehmer in Bergisch Gladbach. Grösster Gewerbsteuereinzahler.
    Da kann ich mir durchaus vorstellen dass die Stadt mildtätig darüber hinweggesehen hat welche Umweltsauereien dort entstanden sind.

    1. Herr Greinus,

      Es ist wichtig und richtig das Sie den Umweltaspekt nennen.

      Aber eben habe sie anscheinend vom Unternehmen Moritz J Weig Kartons gesprochen. Das gibt es heute immer noch übringens.
      Zitat Wikipedia (vom Geschichtsverein):
      Wegen mangelnder Ausdehnungsmöglichkeiten wurde 1956/57 ein Zweigwerk WEIG in Mayen in der Eifel errichtet, wohin 1972 die gesamte Produktion verlagert wurde. Das alte Betriebsgelände diente noch längere Zeit als Altpapiersammelstelle, ehe es die Firma J. W. Zanders übernahm.

      Und hier ist der Springende Punkt: Vor 40 Jahren war 1984.
      So und da war das ein Altpapierlager für die Entsorgung.
      Die Sache ist aber es entsorgte das was es selber in Prozess gebracht hat.

      Wenn wie sie schreiben jede Woche eine Tonne Fremdmüll ungeprüft da rein geschmissen wird. A la über den Zaun. Dann wäre im Nachhinein schwierig zu gucken was es wirklich war.

      So etwas schadet auch dem Unternehmen und der Umwelt.
      Zumal Druckerzeugnisse nicht Druckerzeugnisse sind.

      Im Nachhinein kann man nur mutmaßen. Das Unternehmen tut mir jedenfalls leid.
      Es wollte Kartons entsorgen und irgendwelche Leute schmeißen Ihren Müll da hin. Ungeprüft. Einfach so über den Zaun. Schnee von Gestern. Klar.
      Und verjährt.
      Aber es waren ja grooße Mengen. Das war kein Teenager der die Zeitungen heimlich ins Gebüsch geschmissen hat.
      So wie Sie schreiben wurde ja richtig viel dort illegal entsorgt.

      Aber vielleicht sollte man mal wirklich gucken ob damals Schadstoffe in die Umwelt oder den Boden gelangt sind.
      Halte Ich zwar für Unwahrscheinlich aber man sollte es tun.
      Noch vor wenigen Jahren hat man Autoreifen ins Meer geschmissen in anderen Ländern um angeblich Korallenriffe zu bauen. Wohl eher um illegal zu entsorgen. Und die sind erst in ca 100.000 Jahren weg. Na super

      Das Gelände hat so viel Potenzial. Ich hoffe das es sauber ist und das die Menschen in Zukunft Mülltrennung mal ernster nehmen.

      Ich denke aber das das Gelände sauber ist. Sonst hätten die spätestens ab den 90ern was gemerkt.
      Hoffentlich. Das Areal sollte zum Wohle Aller Dienen

      1. Von den praktischen Auswirkungen her ist da aber nichts verjährt. Wenn sich auf einem Grundstück Altlasten befinden, ist der Grundstückseigentümer voll dafür verantwortlich. Da kommt er auch nicht raus.

  3. Firma Weig,
    ich kann mich noch daran erinnern, ist gut 40 Jahre her, es gab damals noch keine Mülltrennung.
    Jemand gab uns den Tipp: Wenn du Altpapier loswerden willst fährst du zur Firma Weig und wirfst das da einfach über den Zaun. So lief das damals, an meinem Arbeitsplatz kam jede Woche eine Mülltonne Nutzlospapier an.
    Das waren ja keine weisse Blätter, war ja alles bedruckt. Was man so im Briefkasten findet aber gar nicht haben möchte.
    Und da ist das Problem: Papier lässt sich recyceln, wohin mit den Schadstoffen durch den Druck?

    Ich weiss nicht wie sie es gemacht haben, es gab ja mehrere Drucktechniken mit verschiedenen Materialien.
    Wahrscheinlich haben sie es einfach verbrannt, es gab noch keine gesetzlichen Auflagen

    1. Guten Morgen Herr Greinus,

      Zum Glück gibt es heute Mülltrennung
      Zum wohle der Wirtschaft, Umwelt und Sicherheit. Und nicht zuletzt weil es im Sinne eines Kreislaufgesetz ist.
      Bei illegaler Mülltrennung oder Entsorgung ist nicht mit zu spaßen !

      Das sind nicht immer Ordnungswiedrigkeiten sondern Straftaten wenn es ein schwerer Fall ost oder Gefahrgüter im Spiel sind. Z.b. Asbest

      Wenn Sie also wirklich Hinweise haben das Altbestände oder Giftstoffe im Areal sind würde Ich Sie bitten alles zusammen zu tragen was sie darüber wissen und zur Behörde zu gehen.

      Die könen dann Messungen machen. Ähnlich wie eine Feuerwehr die Luft nach einem großen Brand misst.

      Wenn es nur Papier war denke ich wird es nicht schlimm sein und der Boden wird nicht “verseucht” sein.
      Aber wenn Sie Informationen über gefährliche Stoffe haben die sie damals entsorgt haben oder gar davon wussten und es als Mitarbeiter hingenommen haben.

      Dann würde ich sie bitten Sich an die Behörden zu wenden.
      Wer weiß vielleicht ist der Boden ja wirklich vergiftet oder kontaminiert.

      Bitte überlegen Sie ob auch gefährlichdfe Materialien dort entsorgt wurden/ verbrannt wurden.
      (Batterien, Dämmmittel, Lacke, Druckerpatronen, Glühröhren, Wände, Chemische Abfälle usw)
      Und wenn Sie es wissen bitte sofort melden.

      Mit Altlasten und illegaler Müllentsorgung ist nicht mit zu Spaßen siehe der Fall Köln
      Auch für die Politik wäre so etwas für die Planung wichtig.

      Bei kleinem Papier denke ich mal ist nichts mehr da

      Nette Grüße

      Herr Flosbach

      1. Meine Fräse, Herr Flossbach,
        das ist alles über 40 Jahre her,
        Dokumente bei mir im Keller? Nicht mehr vorhanden.
        Es gibt auch Verjährungsfristen,
        au Weia, Yesterday Man

  4. Ist der (ehemalige) Zanders-Parkplatz besser geeignet, oder sind hier dieselben Probleme zu erwarten?
    (Mich überrascht etwas, dass so lange untersucht wurde: Schadstoffbelastung und Hochwassergefährdung des Geländes sind doch allgemein bekannt…?)