Auch die Gebäude der beiden Berufsschulen in Heidkamp sind so desolat, dass der Kreis einen Umsiedlung auf das Zanders-Gelände anstrebt. In Schritten, aber mit einem ersten großen Schritt so schnell wie möglich. Der Standort auf dem Areal ist bereits ausgeguckt – und soll den Kern eines künftigen „Campus für berufliche Bildung“ bilden.

Neben Wohnen, Arbeit, Kultur und Freizeit soll auch die Bildung auf dem Zanders-Areal eine große Rolle spielen, das steht schon lange in den Konzepten für das riesige Konversions-Gelände. Mit einem einstimmigen Beschluss des Kreistags wird diese Absicht nun konkret: Die Kreisverwaltung wird beauftragt, eine „zeitlich drängende Auslagerung von zunächst Teilbereichen der Berufskollegs auf Zanders zu prüfen.“ Der Zanders-Ausschuss der Stadt befasst sich am heutigen Dienstag mit einer Mitteilungsvorlage zum Thema.

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Langfristig soll ein großer „Campus für berufliche Bildung“ entstehen, aber das könnte noch 15 Jahre dauern. Da der Bedarf der Berufskollegs so dringend ist soll ein erster Abschnitt („Exzellenzbaustein) für ein Drittel der insgesamt fast 3000 Berufsschüler:innen jedoch möglichst schon in fünf Jahren zur Verfügung stehen.

Die „Kompensationsfläche“ soll den ersten Baustein des Campus für berufliche Bildung, der nördlich an die Bensberger Straße grenzt und auch die große Halle der Papiermaschine PM3 umfasst.

Der Rheinisch-Bergische Kreis hatte die Trägerschaft der beiden Berufskollegs an der Bensberger Straße in Heidkamp übernommen und ist nun (statt wie bislang ein Zweckverband der Kommunen) Mieter der Stadt Bergisch Gladbach.

Im Vorfeld hatte die Kreisverwaltung bereits festgestellt, dass der Bauzustand v.a. des Kaufmännischen Kollegs „als kritisch eingestuft“ werden muss. In der Politik war zuletzt die Sorge gewachsen, ob und wie lange dort überhaupt noch Unterricht zu verantworten ist.

Im Mietvertrag hatten Kreis und Stadt bereits festgelegt, dass eine Sanierung der alten Gebäude keinen Sinn macht – und so schnell wie möglich Alternativen gesucht werden müssen.

Das Berufskolleg Kaufmännische Schulen. Foto: Thomas Merkenich

Der langfristige Plan: Bildungscampus

Im Sommer 2023 einigten sich Landrat Stephan Santelmann, Bürgermeister Frank Stein und Marcus Otto als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in einer Absichtserklärung, die Berufskollegs und das benachbarte Berufsbildungszentrum der Handwerker als Teile eines künftigen „Campus für berufliche Bildung“ auf das nur wenige Hundert Meter entfernte Zanders-Gelände zu verlegen (siehe Dokumentation unten).

Hintergrund: Die Ziele des Bildungscampus

Alle Beteiligten (neben Kreis, Stadt und Kreishandwerkerschaft auch die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft RBW, das Rheinisch-Bergische Technologiezentrum und die Regionale 2025 Agentur) wollen die berufliche Bildung als Zukunftsmodell der Fachkräftegewinnung einsetzen. Zudem soll die als Motor für den Transfer von Technologien in die Unternehmen dienen: Unternehmen der Region sowie junge Gründer:innen sollen dort Technologien und Ideen erproben.

Jetzt laufen konkrete Untersuchungen an, welche Anforderungen moderne Berufskollegs haben – und wie sie auf Zanders umgesetzt werden sollen. Ein erstes Raumkonzept soll im kommenden Frühjahr dem Kreistag vorgelegt werden. Das Büro kadawittfeldarchitektur hat eine erste Machbarkeitsstudie erstellt.

Die Fläche für den Bildungs-Campus ist bereits ausgeguckt worden. Er soll im nördlichen Bereich des Zanders-Geländes an der Bensberger Straße entstehen, im Bereich der riesigen PM3-Halle sowie der in Richtung Schnabelsmühle angrenzenden Hallen, die früher für die Anlieferung und Vorbereitung des Zellstoffs genutzt worden waren (siehe Foto und Luftbild oben).

Vom Haupteingang aus führt der Weg links am „Museum“ vorbei zur Ausgleichsfläche für die Berufsschulen. Foto: Stefan Krill / panomedia

Der kurzfristige Notfallplan

Allerdings kann die konkrete Beplanung und Bebauung dieser Flächen nach Einschätzung der Stadt Bergisch Gladbach erst 2031 oder gar 2033 beginnen, führt die Kreisverwaltung in ihrer Vorlage für den Kreistag aus. Eine Fertigstellung wäre damit erst 2037 realistisch – und für die notleidenden Berufskollegs viel zu spät.

Daher wird auch im Fall der Berufsschulen jetzt über eine Interimslösung nachgedacht. Kreis und Stadt haben sich laut Vorlage bereits darauf geeinigt, schon innerhalb von fünf Jahren „kurzfristige Lösungen“ für die Auslagerung von Teilen der Berufskollegs im vorderen Teil des Zanders-Areals zu schaffen. Dabei sprechen sie von einem „Exzellenzbaustein“.

In diesem Areal soll der Exzellenzbaustein berufliche Bildung entstehen. Fotos: Thomas Merkenich

Der Blick vom Schornstein fällt auf das alte Verwaltungsgebäude (links oben) und „Altstadt“ (Mitte). Darüber befinden sich die alten Hallen, die früher für die Anlieferung und Vorbereitung des Zellstoffs genutzt worden waren, rechts schließt sich die PM3-Halle an. Foto: Stefan Krill / panomedia

Im Gegensatz zu den hinteren Flächen sei dieser Bereich besser erschlossen. Er grenzt direkt an den sogenannten Office-Bereich des Zanders-Geländes, das in Teil als Bürofläche genutzt wird.

Ein erstes Standortgutachten habe gezeigt, dass hier bereits ein gutes Drittel aller Berufsschüler:innen untergebracht werden könnten. Dabei hätte das Kaufmännische Kolleg Vorrang, schreibt die Kreisverwaltung in ihrer Vorlage.

Später soll dieser Teilbereich den ersten Bauabschnitt des Campus für Berufliche Bildung bilden. In der Halle direkt daneben soll das Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft seinen Platz finden, in der dahinter liegenden PM3-Halle sollen die Berufskollegs endgültig unterkommen.

Dabei betont die Stadtverwaltung, dass der Bildungscampus nicht in Konkurrenz zu den grundlegenden Zielen für die Nutzung des Zandersareals stehe: Bei der Festsetzung der Zielgrößen (3.000 Arbeitsplätze sowie ca. 3.000 Einwohnende) seien die Flächen für die Bildungseinrichtungen bereits berücksichtigt worden.


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Dokumentation: Letter of Interest

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.