Durch den Umzug der Stadtverwaltung in andere Gebäude werden die Stadthäuser zwischen Gohrsmühle und Konrad-Adenauer-Platz demnächst leerstehen. Anstatt sie abzureißen bringt die FWG einen neuen Vorschlag ein, der den Gebäuden eine neue Funktion gibt, Wohnraum für Auszubildende bereitstellt, eine enge Verbindung zu Zanders aufbaut und die Innenstadt beleben könnte.

Wir veröffentlichen ein Mitteilung der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG).

Das Ensemble der Stadthäuser in der Innenstadt ist ein typisches Beispiel einer Nachkriegsarchitektur, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern, aber auch in Fachkreisen zunehmend als erhaltungswert eingestuft werden.

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Im Rahmen der ursprünglichen Planung, ein neues Stadthaus für die Verwaltung am S-Bahn-Bahnhof zu errichten, hatte ein Kostenvergleich ergeben, dass eine Sanierung der Stadthäuser teurer sein würde als die Errichtung eines neuen Gebäudes. Diese Rechnung wurde aber schnell zur Makulatur, als die Kosten für ein neues Stadthaus sich auf Beträge von 80 bis 100 Millionen steigerten.

Heute muss man sich fragen, ob der damalige Kostenvergleich noch zeitgemäß ist. Er bezog sich auf die Sanierung als Bürogebäude mit hohen technischen Anforderungen und er berücksichtigte nicht ausreichend die Auswirkungen auf eine Klimabilanz, die durch Abriss und Neubau zunächst einmal negativ beeinflusst wird.

Je nach Licht und Perspektive stellen sich die Stadthäuser sehr unterschiedlich dar. Fotos: Thomas Merkenich

Wilfried Förster, Architekt und sachkundiger Bürger im Zanders- und Planungsausschuss: „Die Stadthäuser sind prägend für Bergisch Gladbach, das lässt sich nicht bezweifeln.“ Deshalb bedarf es einer umfassenden Prüfung, für welche Nutzung sie in Frage kommen könnten. Das ist inzwischen auch Auffassung der Zanders-Projektgruppe.

Ohne Sanierung geht natürlich nichts. Das ist klar. Frage ist aber, welche Standards gelten müssen. Je nach Nutzungszweck entstehen möglicherweise viel geringere Kosten als bei einer Bürogebäudesanierung.

Die FWG greift deshalb den in verschiedenen Diskussionen geäußerten Vorschlag auf, das Gebäudeensemble für Wohnzwecke zu verwenden und bringt hier eine neue Variante ins Gespräch.

Im Rahmen der Errichtung eines Berufsschul-Campus auf Zanders könnten die Stadthäuser für die Unterbringung auswärtiger Auszubildenden genutzt werden. Auch eine Verbindung zu anderen Ausbildungseinrichtungen ist denkbar.

Wenn Bergisch Gladbach als Zentrum des Rheinisch-Bergischen Kreises als moderner Standort für ein duales, digitales Ausbildungssystem Anziehungskraft erzeugen will, wäre mit der Umfunktionierung der Stadthäuser eine Option gegeben.

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Beide Berufskollegs sollen auf das Zanders-Areal umziehen

Auch die Gebäude der beiden Berufsschulen in Heidkamp sind so desolat, dass der Kreis einen Umsiedlung auf das Zanders-Gelände anstrebt. In Schritten, aber mit einem ersten großen Schritt so schnell wie möglich. Der Standort auf dem Areal ist bereits ausgeguckt – und soll den Kern eines künftigen „Campus für berufliche Bildung“ bilden.

Vor dem Hintergrund akuten Mangels an Auszubildenden könnten Unternehmen damit zusätzliche Anreize schaffen. Das wäre aber nur eine von mehreren Möglichkeiten. Auch Appartements für Single-Haushalte sind denkbar.

Damit würde es auch gelingen, die Innenstadt zu beleben, denn Bürogebäude und ihre Umgebung sind in den Abendstunden verwaist. Wohnungen eben nicht.

Natürlich muss alles finanziell darstellbar sein. Deshalb will die FWG eine seriöse Untersuchung, ob sich eine Sanierung der im städtischen Besitz befindlichen Stadthäuser mit der Zweckbestimmung Wohnappartements rechnen kann.

Das bestehende Gebäudeensemble lässt sich im Übrigen sehr gut in eine anzustrebende Randbebauung der Nordseite der Straße „An der Gohrsmühle“ einfügen. Alt und Neu können sich architektonisch reizvoll ergänzen. Der Dreiklang Villa Zanders, Stadthäuser und eine sich anschließende moderne Architektur haben das Zeug, in hohem Maße identitätsstiftend für Bergisch Gladbach zu sein.

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  1. Der Vorschlag scheint gut. Die Umsetzung und anschließendes Betreiben sollte in private Hände gegeben werden. Sonst wird es zu teuer, zu kompliziert, zu langwierig und irgendwann wieder ein Sanierungsfall. Die Stadt darf sich bei mir melden.

  2. Der Vorschlag der FWG klingt für mich gut.
    Ob ein Umbau zu Wohnhäusern tatsächlich billiger ist als eine Sanierung als Bürohäuser, müssen Sachverständige klären. Beides ist jedenfalls ressourcensparender und damit ökologischer als Abriss und Neubau. Und “Belebung der Innenstadt” ist ein nicht zu unterschätzendes Argument!

    Hübsch oder hässlich… von oben (MKH) betrachtet wird deutlich, dass (wenn überhaupt) nicht die Stadthäuser ein “Schandfleck” am Marktplatz sind, sondern das danebenliegende Gebäude am Eingang zur Fußgängerzone mit seiner “Plastikfassade”. Die Stadthäuser passen sich gut ins Stadtbild ein, nicht zuletzt dank der umgebenden Bäume. Bei einer Sanierung sollte es (auch) das Ziel sein, mehr Grün und weniger Parkplätze im Stadtzentrum zu schaffen!

    1. Ein erster Schritt könnten ein bis drei weitere Etagen auf dem Parkplatz Schnabelsmühle sein. Damit könnte man viel innerstädtischen Parkverkehr reduzieren und wäre dennoch schnell fußläufig an allen wichtigen Punkten.

  3. Im derzeitigen Zustand sind die Stadthäuser tatsächlich in Bergisch Gladbach ganz weit vorne im Ranking der häßlichsten Gebäude. Aber ähnliche Bauten habe ich in anderen Städten saniert gesehen und sie waren sehr hübsch anzusehen. Die waren schöner als so manches neue und moderne Gebäude.
    Ich glaube, dass man an die Stadthäuser besser zwei Häuser angebaut (auf/über dem Parkplatz) und die Altteile dann im Anschluß saniert hätte. Dann gäbe es nun ein zentral gelegenes modernes Stadthaus mit viel Fläche.

  4. Natürlich ist das Stadthaus nicht besonders schön; doch wurde es seinerzeit vom Bergischen Geschichtsverein vorgestellt und die schönen Seiten hervorgehoben. Der Vorschlag der FWG ist eine gute Idee!

    1. Ich finde die Häuser offen gesagt auch potthässlich, aber wenn sich darin mit vertretbarem Aufwand Wohnraum schaffen lässt – warum nicht?

    2. Mich würde es nun persönlich wundern, dass die Anforderungen an Wohnungen geringer sind als an Büroräume aber die Idee sollte man definitiv verfolgen. Eventuell kann man auch noch einige Seniorenwohnungen einrichten auf Erdgeschossebene.

      1. Das ist allerdings richtig. Die Sanitäranlagen müssten komplett neu installiert, die Elektrik in kleine Einheiten getrennt werden – und die Brandschutzvorschriften sind im Wohnungsbau auch andere als in Bürogebäuden.