Beim Strundetal-Fest am kommenden Wochenende feiert die AWO-Waldkita Dombach auf dem Gelände des Bestattungsunternehmens Pütz-Roth ihr zehnjähriges Bestehen. Was bei der Gründung manchen noch merkwürdig erschien hat sich längst zu einer lebendigen und viel beachteten Institution entwickelt.

Wie veröffentlichen einen Beitrag der AWO Rhein-Oberberg

„Oh, Legos“, bemerkt der Vierjährige aus der AWO-Waldkita Dombach entzückt. Während er sich am Wegrand zu den bunten Bausteinen hinunterbückt, erinnert er sich selbst an die Regeln: „Aber nicht anfassen und nicht mitnehmen!“

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Denn auf dem heutigen Spielgelände der Waldkita in Bergisch Gladbach schmücken die Legos eine Grabstelle in den „Gärten der Bestattung“ der Pütz-Roth Bestattungen und Trauerbegleitung oHG. Vielleicht hat der Verstorbene gerne mit ihnen gespielt? Oder die Bausteine bilden vielleicht eine wichtige Szene seines Lebens nach?

Darüber denken die Kinder und das Kita-Team auf ihrem Rückweg zum Kita-Bauwagen nach.

Im Jahr 2014 wurde die Kita des Kreisverbands Rhein-Oberberg der Arbeiterwohlfahrt auf dem Gelände der Bestattungsgärten eröffnet – jetzt wird ihr zehnjähriges Bestehen im Rahmen des Strundetal-Fests am 1. September 2024 gefeiert.

Besondere Regeln auf dem Friedhof

Kita-Leiter Richard Wetzka ist seit Beginn an dabei. Auch an diesem Morgen weist der Kita-Leiter die Kinder vor dem Spaziergang durch die „Gärten der Bestattung“ noch einmal auf die Regeln hin: „Wenn ihr hier Gitarren, Spielzeugautos oder kleine Engel entdeckt, dann sind die zur Erinnerung an einen Verstorbenen aufgestellt worden. Wir lassen also alles dort liegen.“

„Die Kinder begegnen dem Tod ja auch in ihrem eigenen Leben“, sagt Waldkita-Mitarbeiterin Sandy Siegel. Denn sie erlebten vielleicht mit, dass Oma, Opa oder ein Haustier versterben. Darüber sprechen zu können, sei dann bei solch einem Verlust eine große Hilfe.

Und wenn die Kinder den Friedhof besuchen, freuen sich darüber auch viele der Angehörigen an den Gräbern – als Zeichen dafür, dass das Leben weiterhin präsent ist. Dann begrüßen sie die Kinder mit „Hallo!“ und stellen dem Team interessierte Fragen zum Alltag der Waldkita.

Der Tod und noch viele andere Themen

„Die Kinder müssen sich hier natürlich nicht ständig mit dem Tod befassen. Aber sie können beiläufig erfahren, dass der Tod ein selbstverständlicher Teil des Lebens ist“, sagt David Roth, Geschäftsführer des Unternehmens Pütz-Roth.

Hintergrund: Kinder und Trauer

„Leben und Tod gehören untrennbar zusammen. Nur trauen wir uns nicht mehr hinzuschauen, den Tod zu betrachten und Trauer zuzulassen.

Kinder gehen mit diesen – für uns Erwachsene schwierigen Themen –  unbefangener um, wenn man sie lässt. Es geht nicht darum, Kinder zwanghaft mit dem Tod zu konfrontieren. Es geht auch nicht darum, dass die Kinder sich ständig mit dem Tod befassen und auf den Gräbern spielen.  Die Kinder erkunden den Wald und das Strundetal, sie entdecken ganz neue Spielorte und erstellen ihre eigene Karte der Umgebung. Auf den umliegenden Bauernhöfen können Tiere beobachtet werden. Freiflächen laden zum Rennen und Toben ein.

Der Tod ist Teil des Lebens. Je früher Kinder das lernen und begreifen, desto mehr gelingt es ihnen später, Sinn im Leben zu finden. Der Tod begrenzt unser Leben und damit wird jede Minute kostbar. Auch das können die Kinder bei uns im Waldkindergarten lernen.“ Quelle: Pütz-Roth

Zusammen mit der Stadt Bergisch Gladbach hatte David Pütz-Roth daher nach einem Täger für eine Kita auf seinem Gelände gesucht. Die AWO nahm damals dieses Angebot gerne an.

„Und das war eine gute Entscheidung“, blickt Vorständin Alwine Pfefferle vom AWO Kreisverband Rhein-Oberberg zurück. Sie freue sich über die gute und fruchtbare Kooperation mit dem Unternehmen Pütz-Roth, betont die Vorständin und Leiterin des Fachbereichs Kinder und Jugend: „Die Kinder finden auf dem Gelände viele perfekte Orte fürs Bewegen, Spielen und Lernen vor.“

Salamanderteich oder Hexenweg?

Und natürlich gibt es für die Kinder noch viele weitere Themen an ihren insgesamt 22 Spielorten. Bei ihrem Morgenkreis auf den Holzblöcken unter den Bäumen stimmen sie täglich über ihren Aufenthaltsort ab: Geht es zum Salamanderteich oder zur Kuhwiese, auf den Friedhof, zum Hexenweg, an den Steinbruch oder in die Lehmkuhle? Darüber entscheidet dann ganz im Sinne der Partizipation die Mehrheit.

An allen Orten gibt es reichlich zu erforschen und zu entdecken: Sind aus den Kaulquappen jetzt Frösche geworden? Stammt der Kot auf dem Weg von einem Fuchs oder von einem Wiesel? Und leben die Salamander noch im benachbarten Tümpel? Das sind einige der vielen Fragen, denen die Kinder auf den Grund gehen.

Gemeinsam die Natur entdecken

„In den vergangenen zehn Jahren haben viele Mitarbeitende, der Träger, die Kinder und Eltern den Waldkindergarten Dombach mitgestaltet und weiterentwickelt“, blickt Kita-Leiter Richard Wetzka zurück. Größtes gemeinsames Anliegen sei dabei, gemeinsam mit den Kindern und mit viel Freude die Natur zu entdecken. Er selbst freut sich über die gute Teamarbeit und das tolle Gemeinschaftsgefühl zwischen Kindern, Eltern und Team.

Manchmal möchten die Kinder nach ihrem Morgenkreis auch gerne an ihrem Bauwagen bleiben. Dann spielen sie dort im Sand, bauen ihr Museum mit den Fundstücken aus dem Wald weiter aus oder helfen der Ehrenamtlichen Annette Voigt beim Anlegen eines Gartens.

„Unsere letzten Pflanzen sind von Schnecken und Rehen abgefressen worden“, erzählt Annette Voigt. Die Kinder nehmen das ganz gelassen hin. Eben auch eine Erfahrung, die zum Leben dazugehört, meint Annette Voigt.

Das Strundetal-Fest wird am Sonntag, 1. September 2024, zwischen 11 und 18 Uhr gefeiert. Es findet an vielen Standorten im Strundetal statt, einer davon ist die AWO-Waldkita an der Dombach-Sander-Straße in Bergisch Gladbach. Hier gibt es bei Kaffee und Kuchen unter anderem einen Barfußpfad und einen Seil-Parcours.

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  1. Herzlichen Glückwunsch für 10 Jahre Waldkindergarten auf dem Bestattungswald von Pütz- Roth.
    Auf dem städtischen Begräbniswald in der Reuterstrasse besteht der Waldkindergarten schon über 20 Jahre. Zuerst gab’s den ersten Waldkindergarten in NRW auf dem Gelände und als dann die Stadt dort den ersten Begräbniswald in NRW begründete gab es in der Presse riesige Aufregung unter dem Motto: Kinder rennen über Gräber. Ich habe gegenüber der damaligen Bürgermeisteri Marie Theresia Opladen argumentiert, dass die Bürgerinnen und Bürger, die sich im Begräbniswald beerdigen lassen keine Probleme damit haben, dass Kinderfüsse über die Fläche laufen. Im Gegenteil, da schließt sich der Bogen des Lebens vom Sterben und neu geboren werden. Ich wünsche noch vielen Kindern eine gute Zeit im Waldkindergarten und schöne Naturerfahrungen.