Foto: Thomas Merkenich

Maik Außendorf sitzt für die Grünen im Bundestag und bewirbt sich für eine neue Amtszeit. Im Bürgerclub stellt er sich den Fragen der Leser:innen zu Klima, Wohnungsbau und Wirtschaft. Auch in der Migrationsdebatte bemüht er sich um sachliche und versöhnliche Töne – überrascht aber auch mit mancher harten Ansage. Sie können das Gespräch auch im Video anschauen.

Die Sorge um die Demokratie ist immer präsent. Sie treibt Maik Außendorf seit zwei Wochen um, seit im Deutschen Bundestag erstmals eine Mehrheit mit AfD-Beteiligung zustande gekommen ist. Seitdem scheint es zwei verhärtete Lager in der Mitte der Gesellschaft zu geben, nicht nur in der Migrationsdebatte. 

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Es ist diese Sorge, die mitschwingt mit, bei Außendorf selbst, aber auch bei den Gästen, die an diesem Abend zum Bürgerclub in die Redaktion des Bürgerportals gekommen sind. 

Der Tonfall ist allerdings ein anderer als er in diesen Tagen und Wochen in vielen Talkshows, Debatten und Kommentaren in den Sozialen Netzwerken herrscht. Das Gespräch ist ruhig, die Diskussion sachlich. 

Außendorf tritt anders auf als noch bei der WahlArena in der RheinBerg-Galerie und bei der Wahlveranstaltung in der Integrierten Gesamtschule Paffrath am 24. Januar: Das war der Tag, als die ersten Meldungen aufkamen zu möglichen gemeinsamen Abstimmungen der CDU mit der AfD. Außendorf selbst sprach an diesem Tag davon, dass die Brandmauer zur AfD „bröckelt“, kritisierte CDU-Chef Friedrich Merz scharf, aber auch Caroline Bosbachs Haltung zu Merz‘ Aussagen.

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Inhaltlich scheint sich daran nicht viel geändert zu haben. Auch im Bürgerclub bekräftigt Außendorf jetzt, dass das Vertrauen in Merz „arg beschädigt“ sei: Er könne nicht ausschließen, dass Merz möglicherweise auch eine Minderheitsregierung mit AfD-Duldung oder gar eine Koalition mit der AfD eingehen würde, sagt er auf Nachfrage. Dennoch stellt der 53-Jährige unmissverständlich klar, dass trotz allem eine Koalition der Grünen mit Merz und der CDU möglich bleibe. 

Maik Außendorf sitzt seit 2021 für die Grünen im Bundestag, er wurde über die Landesliste gewählt. Im Bundestag wurde er zum digitalpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion bestimmt. Er ist Mitglied im Ausschuss für Digitalisierung sowie im Wirtschaftsausschuss. Zuvor war Außendorf über zehn Jahre lang in der Kommunalpolitik in Bergisch Gladbach aktiv.

Foto: Thomas Merkenich

Mit dem Fahrrad unterwegs

Zum Bürgerclub kommt Außendorf – ganz der Klischee-Grüne – mit dem Fahrrad. In seiner Wahl-Heimatstadt Bergisch Gladbach ist der gebürtige Münsteraner fast immer mit dem Rad unterwegs. Den neongelben Helm noch in der Hand, die Wangen von der Fahrt gerötet, betritt Außendorf 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung die Redaktion des Bürgerportals. 

Im Gespräch mit den Leserinnen und Lesern tritt der Grünen-Politiker gut vorbereitet und unaufgeregt auf. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass er schon mehrere Male im Bürgerclub zu Gast war. Bei Fragen schaut er sein Gegenüber aufmerksam durch die randlose Brille an, hört geduldig zu, antwortet überlegt und strukturiert.

Außendorf ist es wichtig zu betonen, dass nicht die Migration das Problem einer „fürchterlichen“ Tat wie in Aschaffenburg sei: Über Messerattacken in Siegen, Recklinghausen oder Stralsund werde bundesweit nicht oder kaum berichtet – „denn diese Täter hatten keinen Migrationshintergrund“. Sie seien psychisch krank oder drogenabhängig und teils polizeibekannt gewesen.

Vielmehr gehe es darum, psychisch Kranken schnellere und bessere Hilfsmöglichkeiten zukommen zu lassen und bei Straftätern Haftbefehle auch tatsächlich zu vollstrecken. Außendorf kritisierte, dass es immer noch zu lange dauere, bis Zugewanderte Sprachkurse belegen und integriert werden könnten, auch in den Arbeitsmarkt. „Da sind die eigentlichen Baustellen.“ 

Abschiebungen lehnt der Bundestagsabgeordnete nicht grundsätzlich ab, etwa dann, wenn jemand komme, der nicht arbeiten und sich nicht integrieren wolle oder keinen Fluchtgrund habe.

Blick auf die Errungenschaften

Als eine Errungenschaft der Ampelregierung hob Außendorf die Einigung auf das Gemeinsame Europäischen Asylsystems (GEAS) hervor, das die Verteilung der Geflüchteten in Europa regeln soll. Handlungsbedarf sieht er hingegen bei den Lagern an den Außengrenzen: „Das sind gefängnisähnliche Einrichtungen, in denen auch Familien mit Kindern untergebracht sind.“ 

Das Thema Migration ist in dem 90 Minuten dauernden Gespräch, das Georg Watzlawek moderiert, nur eines von mehreren. Außendorf weist bei der Diskussion über die Klimakrise, die Wohnungsnot und die schwache Wirtschaft immer wieder auf die Dinge hin, die die Grünen beziehungsweise die Ampelregierung in den vergangenen drei Jahren erreicht haben, etwa in Sachen erneuerbaren Energien oder im Bereich Verkehr mit der Einführung des Deutschlandtickets. 

Allein in der vergangenen Woche habe der Bundestag 21 Gesetze verabschiedet, darunter eines, das Frauen besser vor Gewalt schützen soll. Außendorf beklagt, dass vieles davon in der Berichterstattung untergehe und dafür der Streit um die Asylpolitik die Öffentlichkeit dominiere. 

Klimaschutz bleibt Kernthema

Egal, wie die Wahl ausgehe: Um das Thema Klimaschutz – seit jeher Kernthema der Grünen und nicht erst im Wahlkampf – werde keine künftige Bundesregierung herumkommen. „Da können wir uns keine Rückschritte erlauben“, sagt Außendorf. 

Nach möglichen Koalitionskonstellationen und damit einhergehenden Schwierigkeiten gefragt, stellt er klar, dass die Grünen nichts wieder rückgängig machen wollen von den Dingen, „die wir auf den Weg gebracht haben“. Im Gegenteil: Es müsse weitergehen, etwa im Verkehrsbereich. ÖPNV und die Radinfrastruktur müssten ausgebaut, der Autoverkehr elektrifiziert werden. 

Außendorf konzentriert sich auf das, was machbar ist statt auf mögliche Hindernisse, die Vorhaben zum Scheitern bringen könnten. Ob nicht das Stromnetz überlastet wäre, wenn nun alle E-Autos führen und Wärmepumpen hätten, fragt eine Besucherin. Diese Probleme seien zu lösen, etwa durch dezentrale Speicher. Andere Länder wie Norwegen hätten gezeigt, „dass es geht“, sagt Außendorf. 

Genossenschaftliche Wohnformen fördern

Beim Thema Wohnungsnot spricht der Abgeordnete sich für eine starke Regulierung und für die Mietpreisbremse aus – obwohl er ein Freund der Marktwirtschaft sei. „Der Markt regelt das schon“ gelte in dem Fall nicht. Außerdem müssten genossenschaftliche Wohnformen ausgebaut und gefördert werden. 

Im Laufe des Abends lässt Außendorf immer wieder persönliche Anekdoten einfließen. Er berichtet davon, dass es wegen verschiedener Auflagen über ein halbes Jahr gedauert habe, bis er seine 50 Jahre alte Garage abreißen und neu aufbauen konnte.

Seine erwachsenen Kinder seien inzwischen ausgezogen, nun wohne allein mit seiner Frau in einem Haus, in das man keine Einliegerwohnung bauen könne. Es müssten Möglichkeiten geschaffen werden, für diejenigen, die sich verkleinern möchten und so Wohnraum etwa für junge Familien schaffen.

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Beim Thema Wirtschaft bezeichnet Außendorf den Fachkräftemangel als „größtes Problem, an dem wir arbeiten müssen“. Er sei es, der die deutsche Wirtschaft „bremst“. Ein Lösungsansatz sei das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Außerdem müsse die Kinderbetreuung so ausgebaut werden, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gelinge. Insbesondere bei Frauen gebe es noch ein „riesiges Potenzial“, die Erwerbsquote liege zehn Prozentpunkte unter der von Männern. 

Nach dem konstruktiven Austausch zwischen Bürger:innen und einem Berufspolitiker sendet der eine klare Botschaft, die für einen Grünen-Abgeordneten in diesen hitzigen Wahlkampfzeiten ungewöhnlich anmutet: „Wir brauchen eine verlässliche CDU. Ohne die geht es nicht im Parteienspektrum.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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