Blick in das Direktwahlbüro im Zanders-Verwaltungsgebäude. Foto: Stolzenbach

Durch die vorgezogene Bundestagswahl sind die Fristen für die Briefwahl verkürzt. Wahlbüroleiter Frank Bodengesser sieht sich und sein Team trotzdem gut vorbereitet. Er macht sich aber etwas Sorgen um die Wahlbeteiligung. Seit Montag sind die Briefwahlunterlagen unterwegs und ist das Direktwahlbüro auf dem Zanders-Areal geöffnet. Wir haben uns angeschaut, wie die Wahl dort abläuft und was Wähler:innen mitbringen müssen.

Der Andrang ist enorm: Eine knappe Stunde, bevor das Direktwahlbüro auf dem Zanders-Gelände öffnet, stehen die Menschen schon Schlange. „Um kurz nach 9 haben wir die Tür geöffnet und die Ersten durften wählen“, sagt Bruno Heider. Er ist einer von fünf Mitarbeitenden, die Wähler:innen ihre Unterlagen aushändigen und nach der Wahl bei Bedarf helfen, die Stimmzettel richtig einzutüten.

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Seit Montag ist das Direktwahlbüro geöffnet. Schilder und ein Banner an der Fassade des historischen Zanders-Verwaltungsgebäude weisen den Weg zur Stimmabgabe. Ein Sicherheitsmitarbeiter weist den Wartenden freundlich einen freien Platz zu: „Sie dürfen. Hier entlang bitte.“ Es gibt fünf Wahlkabinen, verteilt auf zwei Räume.

„Am ersten Tag ist der Andrang immer besonders groß“, sagt Heider, während er einem älteren Herrn den Stimmzettel überreicht. Dieser geht in die Wahlkabine und zieht den grauen Vorhang hinter sich zu. „Wie im Kaufhaus“, sagt er und lacht. 

Wie eine Briefwahl vor Ort

Die Direktwahl funktioniert in den meisten Fällen schnell und problemlos: Einige Wähler:innen bringen ihre Wahlbenachrichtigung mit. Andere kommen nur mit Personalausweis. Auch das ist kein Problem, dann füllen die Wähler:innen einen Blanko-Antrag aus. 

Bruno Heider und seine Kolleg:innen geben die Daten der Wähler:innen in den Computer ein und drucken die Briefwahlunterlagen aus. „Die Direktwahl ist wie eine Briefwahl. Statt zu Hause wählen die Bürger:innen hier vor Ort und statt in einen Briefkasten werfen sie den Stimmzettel in eine Urne“, erklärt Frank Bodengesser, Leiter des Wahlbüros.

Wahlkabine mit Urne. Foto: Stolzenbach

Das Prozedere der Direktwahl: Nachdem die Wähler ihre zwei Kreuze gemacht haben, falten sie den Stimmzettel und legen ihn in einen Briefumschlag, der zugeklebt wird. Den geben sie den Mitarbeitenden, die ihn in einen rosafarbenen Umschlag stecken und ebenfalls zukleben. Erst dann werfen die Wähler ihn in eine der aufgestellten Urnen.

Die Urnen des Direktwahlbüros werden jeden Abend geleert und im Wahlamt sicher verwahrt. Erst am Wahlabend werden alle Umschläge im Briefwahlzzentrum in der Integrierten Gesamtschule Paffrath geöffnet und gezählt – nach den 59 Wahlbezirken aufgeteilt. 

23.000 Briefwahlunterlagen sind in alle Welt unterwegs

Bislang läuft Bodengesser zufolge alles reibungslos – trotz der verkürzten Vorbereitungszeit wegen der vorgezogenen Bundestagswahl. Die Stimmzettel sind pünktlich am Freitag von der Druckerei geliefert worden. Am Samstag und Sonntag haben Bodengesser und das Wahlbüro-Team 23.000 Briefwahlunterlagen vorbereitet, „die in die Länder auf der ganzen Welt und innerhalb Bergisch Gladbachs verschickt werden“, sagt Bodengesser. 

„Ich mache mir etwas Sorgen um die Wahlbeteiligung“, sagt Bodengesser. Bei der letzten Bundestagswahl gab es 41.111 Briefwähler:innen, etwa rund die Hälfte der Wahlberechtigen. Bis zum Montagmittag lag die Zahl bei 24.700. „Ich hoffe, viele kommen noch ins Direktwahlbüro oder am Wahltag ins Wahllokal.“ 

Hier können Sie die Briefwahl noch bis zum 19. Februar online beantragen.

Bodengesser rechnet mit insgesamt rund 5000 Menschen, die das Direktwahlbüro zur Stimmabgabe nutzen, und mit etwa 500 bis 600 pro Tag. Einer von ihnen ist gleich am ersten Tag Horst Heinz Becker. „Mir ist schon lange klar, wen ich wähle. Und was erledigt ist, ist aus dem Kopf“, sagt der Rentner. 

Öffnungszeiten Direktwahlbüro:
An der Gohrsmühle 25
Dienstag, 11. Februar: 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch, 12. Februar: 10 – 18 Uhr
Donnerstag, 13. Februar: 10 – 18 Uhr
Freitag, 14. Februar: 10 – 18 Uhr
Samstag, 15. Februar: 10 – 15 Uhr

Montag, 17. Februar: 10 – 18 Uhr
Dienstag, 18. Februar: 10 – 18 Uhr
Mittwoch, 19. Februar: 10 – 18 Uhr
Donnerstag, 20. Februar: 10 – 18 Uhr
Freitag, 21. Februar: 10 – 15 Uhr

Auch Gaby Schreiber und ihr Mann nutzen die Direktwahl. „Wir fliegen morgen nach Andalusien. Wir hatten Sorge, dass die Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig kommen“, sagt Gaby Schreiber – erleichtert über die Möglichkeit, ihre Stimme vor der Reise abgeben zu können. 

In den beiden Wahlräumen herrscht gute Stimmung. Die Mitarbeitenden scherzen mit den Wähler:innen, helfen bei Unklarheiten. „Wo kommt der Umschlag jetzt rein? Ist neben „Welches Datum ist heute?“ die häufigste Frage, die Bruno Heider und seine Kolleg:innen beantworten müssen.

Heider ist zum fünften Mal bei einer Wahl dabei. „Dieses Mal ist unser Job einfach, es gibt ja nur einen Stimmzettel. Wir hatten aber auch schon mal eine Kommunalwahl, bei der es vier Stimmzettel gab“, erinnert Heider sich. 

Warten auf die Wahlunterlagen

Einen Mann muss Heider wieder wegschicken: „Sie haben die Briefwahlunterlagen bereits beantragt. Die werden in den nächsten Tagen bei Ihnen ankommen.“ Wahlleiter Bodengesser erklärt: „Diejenigen, die den Wahlschein schon beantragt haben, müssen sich gedulden. Die Post hat mir versichert, dass Wahlunterlagen nicht vom Streik betroffen sind.“ 

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Bei dieser Wahl ist das Direktwahlbüro auf dem Zanders-Areal stadtweit das einzige – in Bensberg und Refrath werden keine Direktwahlbüros angeboten. Noch bis Freitag, 21. Februar, 15 Uhr ist die Stimmabgabe auf Zanders möglich. Wer „klassisch“ per Briefwahl wählt, muss den rosafarbenen Wahlbrief spätestens bis Donnerstag, 20. Februar, in einen Briefkasten der Post werfen. Die städtischen Briefkästen am Stadthaus und den Rathäusern werden am Wahltag noch bis 18 Uhr geleert. 


Bei Fragen hilft das Wahlbüro der Stadt Bergisch Gladbach weiter:
Telefon: 02202 – 14 2888
E-Mail: wahlbuero@stadt-gl.de


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Bei der letzten Bundestagswahl gab es einen erheblichen Corona-Sondereffekt bei der Briefwahlquote. Insofern würde ich eher die Briefwahlquote der vorletzten Bundestagswahl zum Vergleich heranziehen und mir deswegen keine Sorgen wegen einer schwachen Wahlbeteiligung machen. Ganz im Gegenteil. Vielleicht treten ja noch wichtige Ereignisse ein, die Wähler bei einer Urnenwahl noch berücksichtigen können und Briefwähler mit der frühen Stimmabgabe hadern lassen.

    Was ich nicht verstehe ist, wie die Wahlbriefe auf die 59 Wahlbezirke aufgeteilt werden können. Bisher gab es meines Wissens nach reine Briefwahlbezirke und eine Zuordnung von Briefwahlstimmen zu einem Bezirk vor Ort war nicht möglich. Hat sich da was geändert? Oder gibt es 59 Briefwahlbezirke?

  2. Die Stadt fürchtet um eine geringere Wahlbeteiligung, stellt aber nur ein Direktwahlbüro zur Verfügung. Erklärt wird das wahrscheinlich einmal wieder mit Personalmangel, Krankheitsausfällen und weiß der Deubel was. Der Öffentliche Dienst bedarf dringend einer Grundrenovierung, aber mit welcher Partei bei den vielen Beamtinnen und Beamten in den Parteien?