Kein Ausschuss tagt häufiger als der Ausschuss für Schulen und Gebäudewirtschaft. Kein Wunder, denn in kaum einem anderen Bereich der Kommunalpolitik ist der Handlungsdruck größer als bei den Schulen. An diesem Dienstag ging es um ein Musterraumprogramm, eine wahnsinnig teure Brücke und ein paar Erweiterungsbauten.

Wir fassen die wichtigsten Debatten und Entscheidungen so knapp wie möglich in einem ad-hoc-Protokoll zusammen.

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Vorab: Anfang Mai gibt es eine Sondersitzung des ohnehin häufig tagenden Ausschusses für Schulen und Gebäudewirtschaft, dann soll es vor allem um die Machbarkeitsstudie zum (wahrscheinlichen) Abriss der Integrierten Gesamtschule Paffrath gehen.

Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung befasste sich der Ausschuss mit dem Ankauf von Grundstücken in der Innenstadt und in Herkenrath – die offenbar für den (Aus-)Bau von Schulen benötigt werden.

Konkret und flexibel: Das Musterraumprogramm

Ganz konkret ging es an diesem Dienstag um eine planerische Basis für die vielen Schulbauprojekte, die in der Stadt anstehen, in Form von Erweiterungen, Sanierungen oder auch Neubauten. Damit die Abteilung Hochbau und die Schulbaugesellschaft dabei schneller voran kommen, hatte die Verwaltung ein „Musterraumprogramm“ erarbeitet. Darin steht zum Beispiel, dass Klassenzimmer künftig 85 Quadratmeter groß sein sollen.

Im Ausschuss konstatierte die FWG, dass das Raumprogramm sehr konkret gefasst sei, stellte dann aber in Frage, ob es so konkret sein müsste. Die Verwaltung und vor allem SPD-Ratsherr Andreas Ebert stellte jedoch klar, dass es sich bei dem Musterbauprogramm tatsächlich nur um ein Muster handele. Es sei vor allem ausgerichtet auf Neubauprojekte auf der grünen Wiese.

Im konkreten Fall, und vor allem bei Sanierungen im Bestand, müsse man aber immer wieder entscheiden, was tatsächlich machbar sei, sagte Alexandra Meuthen, Fachbereichsleiterin für den Hochbau.

Eine Verabschiedung des Programms sei jedoch sehr wichtig, damit es eine Grundlage für Kostenberechnungen und eine schnelle Umsetzung der Projekte gebe.

Mit diesen Klarstellungen stimmte der Ausschuss ohne Gegenstimme zu. Mehr Infos im Ratsinformationssystem.

Die prekäre Lage im Offenen Ganztag

… wurde von der Verwaltung in einer Mitteilungsvorlage schriftlich vorgestellt. Im Ausschuss gab es dazu keine Wortmeldung, keine Debatte.

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Interimsgebäude für AMG und in Herkenrath

Dem von der Stadt vorgeschlagenen Erweiterungsgebäude für die Rückkehr zu G9 am AMG und Gymnasium Herkenrath stimmte der Ausschuss ebenfalls einstimmig zu.

Beim AMG in Bensberg machte die Verwaltung auf Rückfrage der Grünen deutlich, dass es sich hier tatsächlich nur um ein Interimsgebäude handele, dass sich bei dem ohnehin anstehenden „großen Projekt AMG“ (Sanierung, Abriss und/oder Neubau) einordnen müsse. Der aktuelle Neubau entstehe in Modulbauweise und könne später an diesem oder auch einem anderen Standort weiter verwendet werden.

In Sachen Gymnasium Herkenrath gab es keine Wortmeldung.

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Keine Brücke am DBG

Zu einer längeren Debatte kam es bei der Frage, wie das neue Klassenhaus am DBG (ebenfalls für die Unterbringung der zusätzlichen G9-Jahrgangsstufe) an das Schulgelände angebunden werden soll.

Ursprünglich hatten die Pläne vorgesehen, den Weg über eine neue Brücke über den kleinen Scheidtbach zwischen Schulgelände und dem angrenzenden Sportgelände des SV Jan Wellem zu führen, wo das neue Klassenhaus gebaut werden soll.

Doch der Bau einer Brücke, das erläuterte Sebastian Rolko, Leiter der Schulbaugesellschaft, ist in Deutschland ein aufwendiges Megaprojekt. Oder gar „ein völliger Wahnsinn“, wie CDU-Mann Kraus sagte.

Tatsächlich hatten die beauftragten Ingenieure ein imposanten Brückenbauwerk mit einer Spannweite von zehn Metern über den schmalen Bach entworfen – mit Kosten von mindestens 700.000 Euro.

Das war der Verwaltung dann doch zu viel. Und fand eine Lösung für ein Drittel der Kosten. Statt über eine neue Brücke gehen die Schüler:innen jetzt einfach über den Bürgersteig an der Straße Am Rübezahlwald (die der Bach ohnehin durch eine Röhre unterquert) zum neuen Gebäude, wo eine flache Treppe und eine Rampe den barrierefreien Zugang zum neuen Gebäude ermögliche.

Zwar stellte CDU-Mann Kraus die Sicherheit der Schüler:innen bei dieser Lösung zunächst in Frage. Er ließ sich durch eine Darstellung der Wegeführung sowie der Tatsache, dass der Weg nur von Oberstufenschüler:innen zu bewältigen sei, überzeugen.

Der Ausschuss stimmte der neuen Wegeführung einstimmig zu, mehr Infos im Ratsinformationssystem.

Welche Schule ist wie beliebt?

Eine längere Debatte gab es dann noch in der Frage, wie sich die Anmeldezahlen bei den weiterführenden Schulen entwickeln, und ob die Zahlen überhaupt veröffentlich werden sollen – dazu mehr in diesem Beitrag:

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  1. Wie einfach lassen sich doch mal soeben Mondpreise für ein Phantasieprojekt in Höhe von 700.000 € einsparen, ohne einen Finger krumm gemacht zu haben. Super Entscheidungsfindung! Mit den Begriffen “Megaprojekt” und “absoluter Wahnsinn”, welche ja in der Sprachwelt der großen und der kleinen Politik die gut durchdachten und rationell nachvollziehbaren Argumente – welche für Menschen mit schwach ausgebildeten Denkstrukturen bereits seit Menschengedenken ein ärgerliches Hindernis darstellen -, lässt sich das ach so schlimme Bürokratiemonster trefflich gut am Leben halten. Schließlich gilt es ja, nicht menschennahe Lösungen herbei zu führen, sondern den politischen Willen durch zu drücken – nach der schlichten Formel: “starkes Durchsetzungsvermögen = starke Politikkompetenz”. Dass die vom Steuerzahler und deren Nachfolgern, wie z.B. Schülern, erwarteten Interessen auf der Strecke bleiben, sollte auf keinen Fall ein Hindernis darstellen…

    Zurück zur Brücke. Es gibt sehr schöne, einfache in die Natur eingefügte Brückenbauwerke – weltweit. Die müssen weder teuer noch unsicher sein, wenn auf Qualität geachtet wird. Dafür braucht es auf jeden Fall so etwas wie Ingenieurskunst. Menschen die gern Verreisen und dabei in der Natur und an Flüssen unterwegs sind, wissen und Bestaunen das immer wieder.

    Der „Brückenbau“ hat in seiner verbindenden Symbolik jedenfalls einen unermesslichen Wert im zwischenmenschlichen Bereich (Nach 50 Jahren Ehe kann ich diese Erfahrung gern weitergeben). Und, mit welchen einfachen anderen Mitteln ließe sich das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft besser verhindern? Pädagogik zum Anfassen und Drüberklettern so zu sagen… Wenn dieser Ansatz sich einmal durchgesetzt haben wird, finden sich eines Tages auf allen Schulgeländen z.B. kleine schöne Holzbrücken wieder, quasi als Lehrerersatz. I.d.S. Ihr “Brückenbauer” ++ Dieter Richter, Bergisch Gladbach ++

  2. Die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) hat die Erarbeitung eines Raumprogramms durch die Verwaltung gelobt, die Konkretisierung – in Bezug auf ihre Funktionalität – allerdings in Frage gestellt. Der Sachverhalt ist an dieser Stelle nicht richtig dargestellt.