Langfristig leerstehende Häuser zwangsversteigern, Orte der Begegnung schaffen und mehr Mitspracherecht für Bürger:innen schaffen. Diese Ziele nennt die Linke als Antworten auf die neun Kernfragen, die wir den Parteien vorgelegt hatten. Als Leuchtturmprojekt schlägt sie vor, die Innenstadt mit Hopfen-Dächern zu begrünen, deren Ernte zur Herstellung des lokalen Getränks „Schäbbisch-Gläbbisch“ genutzt werden könnte.
Der Ortsverband der Linken hofft auf ein starkes Comeback in der Kommunalpolitik: Nach internen Krisen war die Partei zur Kommunalwahl 2020 gar nicht angetreten. Nach dem starken Abschneiden bei der Bundestagswahl auch im Rheinisch-Bergischen Kreis hat sich der Ortsverband reorganisiert.
Die Linke tritt mit Aylin Aydogan mit einer eigenen Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Bergisch Gladbach an. Für den Landratsposten des Rheinisch-Bergischen Kreises bewirbt sich Conny Swillus-Knöchel.
Für den Stadtrat hat die Linke für alle 26 Wahlkreise Direktkandidat:innen aufgestellt. Dabei setzt die Partei auf eine Mischung auf neue, junge Mitglieder als auch auf erfahrene Kommunalpolitiker:innen.
Die Reserveliste führt die 29-jährige Mara Häuser an, gefolgt von Tomás M. Santillán, der die Linke bereits bis 2020 im Stadtrat vertrat.
Die Antworten der Partei auf die neun Fragen des Bürgerportals geben einen guten Überblick über das Programm, für das die Linken in Bergisch Gladbach stehen. Los geht’s:
1. Was sind Ihre Ansatzpunkte, die Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen?
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) muss deutlich ausgebaut, stärker priorisiert und Vorhaben müssen schneller umgesetzt werden, um eine echte Alternative zum Auto zu schaffen. Zusätzlich soll der ÖPNV günstiger oder im besten Fall sogar kostenfrei nutzbar sein, damit alle Menschen unabhängig vom Einkommen mobil bleiben können.
Fahrradwege müssen verkehrssicher und lückenlos sein, nicht nur aufgemalte Alibi-Streifen, sondern baulich getrennte, sichere Wege, die auch bestehende fehlerhafte oder unübersichtliche Ausschilderungen korrigieren. Die Nutzung von ÖPNV, Fahrrad und Fußwegen soll insgesamt attraktiver werden. Dafür braucht es sichere Querungspunkte an stark befahrenen Straßen, mehr Zebrastreifen und Ampeln, die auf Fuß- und Radverkehr ausgerichtet sind.
Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche müssen flächendeckend ausgeweitet werden, um die Sicherheit der autofreien Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Das Ziel ist es, die Notwendigkeit eines Autos im Alltag weitestgehend zu reduzieren, um den motorisierten Individualverkehr zu verringern, Emissionen zu senken und Städte lebenswerter zu machen.
Gleichzeitig darf dabei nicht vergessen werden, dass es Menschen gibt, die weiterhin auf ein Auto angewiesen sind, sei es aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund mangelnder Anbindung oder beruflicher Notwendigkeit. Für diese Menschen müssen ausreichende Parkmöglichkeiten erhalten bleiben, insbesondere in Wohngebieten, damit niemand benachteiligt wird.
Insgesamt braucht es ein faires Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und eine nachhaltige Verkehrswende, die Mobilität für alle sicher, bezahlbar und umweltfreundlich gestaltet.
Hintergrund: In der Umfrage „Deine Stimme, Deine Themen“ hatten wir gefragt, welche Themen Ihnen bei der Kommunalwahl am 14. September wichtig sind und auf welche Fragen Sie Antworten von der lokalen Politik verlangen. 711 Personen hatten sich beteiligt und mehr als 1000 Fragen eingereicht. Zu den Topthemen haben wir neun Fragen formuliert, die die Kernanliegen der Teilnehmer:innen am besten widerspiegeln – und sie den Parteien vorgelegt, die für den Stadtrat antreten.
Die Auswertung
Verkehr und mehr: Bergisch Gladbachs WahlAgenda
Nicht die Parteien geben die Themen in diesem Wahlkampf vor, sondern die Wählerinnen und Wähler selbst: In der Umfrage „Deine Stimme, Deine Themen“ hatten wir gefragt, welche Themen Ihnen bei der Kommunalwahl am 14. September besonders wichtig sind und auf welche Fragen sie Antworten von der lokalen Politik verlangen. Daraus ergibt sich diese WahlAgenda für Bergisch Gladbach.
2. Wie wollen Sie die Leistung der Verwaltung als bürgernahe Dienstleisterin stärken?
Barrieren müssen auf allen Ebenen abgebaut werden, damit eine Verwaltung entsteht, die wirklich für alle Menschen zugänglich ist. Dabei geht es nicht nur um den Abbau räumlicher Hindernisse, wie Treppen oder unübersichtliche Gebäudezugänge, sondern auch um sprachliche, psychische und kognitive Barrieren.
Eine bürger*innenfreundliche Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle: Digitale Dienste und Angebote müssen so gestaltet sein, dass sie für alle leicht verständlich und intuitiv nutzbar sind – unabhängig von Alter, Bildungsgrad oder technischen Vorkenntnissen. Kommunikative Barrierefreiheit bedeutet außerdem, dass Informationen in einfacher Sprache oder in mehreren Sprachen bereitgestellt werden. Persönliche Beratung muss leicht erreichbar sein, auch digital über barrierefreie Webseiten oder Apps.
Ein Beispiel, wie sehr selbst kleine Hindernisse Menschen verzweifeln lassen können, zeigt sich am Bürgerbüro: Dort führen drei verschiedene Eingänge oft zu Verwirrung. Die Beschilderung ist unklar, Wege sind schlecht markiert und wichtige Ämter wie das Jugendamt sind sogar in einem ganz anderen Gebäude untergebracht, als die Schilder vermuten lassen. Solche scheinbaren Kleinigkeiten können für Menschen mit Behinderungen, für ältere Menschen, für Familien mit Kindern oder Menschen, die sich sowieso schon schwer orientieren können, zu echten Hürden werden.
Deshalb müssen Verwaltung und öffentliche Gebäude nicht nur barrierefrei im baulichen Sinn sein, sondern auch in ihrer Ausschilderung, in ihrer Orientierungshilfe und im digitalen Zugang gut funktionieren. Ziel ist eine Verwaltung, die niemanden ausschließt, sondern alle Bürger*innen willkommen heißt und unterstützt, egal ob vor Ort oder online.
3. Was tun Sie zur Aufwertung des Stadtbildes, gegen Vermüllung und Leerstand?
Wohnraum darf nicht ungenutzt leer stehen, während Menschen bezahlbaren Wohnraum suchen. Deshalb soll es künftig möglich sein, Wohnhäuser, die länger als sechs Monate leer stehen, zwangsversteigern zu lassen. So können leerstehende Gebäude wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden, anstatt Spekulationsobjekt zu bleiben. Gleichzeitig soll die Stadt gezielt aktiv werden, indem sie leerstehende Räumlichkeiten aufkauft.
Mithilfe von regelmäßigen Marktanalysen und Bürgerentscheiden soll ermittelt werden, welche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt nicht ausreichend abgedeckt sind. So kann leerstehender Raum flexibel genutzt werden, etwa für soziale Einrichtungen, Kulturangebote, Treffpunkte oder kleine Läden, die die Nahversorgung sichern. Neubau soll nur dann stattfinden, wenn keine sinnvolle Nutzung bestehender Gebäude möglich ist. Vorrang hat immer die Revitalisierung des Bestands, um Flächenversiegelung zu vermeiden und den ökologischen Fußabdruck zu verringern.
Begrünung von Fassaden, Dächern und Innenhöfen spielt dabei eine doppelte Rolle: Sie verschönert das Stadtbild als Eyecatcher und trägt gleichzeitig aktiv zur Klimaregulierung bei, indem sie Hitzeinseln reduziert, Luftqualität verbessert und Lebensraum für Insekten schafft. So wird die Stadt nicht nur lebenswerter, sondern auch widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels.
Mit klaren Regeln, städtischem Engagement und der Einbeziehung der Bürger:innen können wir den Wohnraum sichern, die Stadt grüner machen und dabei nachhaltig mit unseren Flächen umgehen.
4. Wie kann man den Klimaschutz schneller vorantreiben?
Um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen, müssen wir unsere Ressourcen schonen und nachhaltiger mit unserer gebauten Umwelt umgehen. Deshalb sollte die Entsiegelung von Flächen vorangetrieben werden, um versiegelte Böden wieder in natürliche oder grüne Flächen zurückzuverwandeln, die das Stadtklima verbessern und Wasser versickern lassen.
Statt Abriss gilt es, bestehende Gebäude umzubauen und zu sanieren, um Materialverschwendung zu vermeiden und den Charakter von Stadtvierteln zu bewahren.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Rückführung der öffentlichen Energieversorgung in kommunale Hand. So bekommen Bürgerinnen und Bürger mehr Mitspracherecht und Kontrolle über ihre Energieversorgung, was zu mehr Transparenz, sozialer Verantwortung und einer stärkeren Orientierung an den Klimazielen führt. Klimaschutzprogramme müssen zwingend an sozialen Kriterien ausgerichtet sein, damit niemand durch notwendige Sanierungsmaßnahmen aus seiner Wohnung verdrängt wird. Der Schutz bezahlbaren Wohnraums ist ein zentrales Element der sozial gerechten Klimapolitik.
Klimagerechtigkeit bedeutet zudem, dass die finanziellen Lasten gerecht verteilt werden: Die wohlhabenderen Schichten tragen den Großteil der Kosten, während die Mehrheit der Bevölkerung von den Maßnahmen profitiert und nicht zusätzlich belastet wird. Nur durch eine solche Balance zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Fairness kann eine breite Akzeptanz für den Klimaschutz entstehen. So sichern wir nicht nur eine lebenswerte Umwelt für kommende Generationen, sondern auch den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

5. Wie wollen Sie Sanierung und Ausbau von Kita, OGS und Schulen beschleunigen?
Die Stadt steht in den kommenden Jahren vor großen Aufgaben im Bereich Bildung und Betreuung. Dringend notwendig ist der Ausbau eigener Kindertagesstätten, die mit städtisch ausgebildeten Erzieher*innen betrieben werden. So können sowohl verlässliche Betreuungsplätze geschaffen als auch pädagogisch hochwertige Angebote gesichert werden. Eine starke frühkindliche Bildung ist die Grundlage für faire Chancen und eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Damit diese Ziele erreicht werden können, braucht die Kommune ausreichende finanzielle Spielräume. Eine verbindliche Regelung zur Entlastung der Altschulden ist daher unerlässlich. Nur wenn die finanzielle Basis stimmt, lassen sich die dringend erforderlichen Investitionen in Kitas, Schulen und Infrastruktur stemmen, ohne dass es zu schmerzhaften Kürzungen an anderer Stelle kommt.
Besonders im Bereich der Grundschulen zeigt sich der akute Handlungsdruck. Nach den aktuellen Planungen sollen in den nächsten drei Jahren lediglich zwei Grundschulen in BGL ohne umfassende Sanierungsmaßnahmen geöffnet bleiben dürfen. Für viele Familien bedeutet das: Unterricht in Übergangslösungen. Damit diese Phase nicht zur Belastung wird, braucht es klare und tragfähige Konzepte.
Das sagen die anderen parteien
Eine komplette Grundschulzeit in Containern ist dabei keine akzeptable Lösung. Kinder benötigen Räume, die Sicherheit, Lernfreude und Struktur bieten. Übergangsbauten können dabei nur kurzfristig helfen, nicht aber dauerhaft eine kindgerechte Umgebung ersetzen. Deshalb ist es entscheidend, Eltern frühzeitig einzubinden, ihre Perspektiven ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die mehr sind als reine Notlösungen.
Die kommenden Jahre werden damit zu einer Bewährungsprobe für die Stadt: Es gilt, Bildung und Betreuung als Priorität zu setzen, die finanzielle Basis durch eine gerechte Altschuldenregelung zu sichern und gleichzeitig verlässliche Übergangsmodelle für den Grundschulbereich zu schaffen. Nur so können Familien unterstützt und den Kindern die bestmöglichen Bedingungen für ihre Entwicklung geboten werden.
6. Welche Wege sehen Sie, Angebote für Senior:innen und die Jugend zu sichern?
Die Förderung sogenannter „Dritter Orte“ ist eine zentrale Aufgabe, wenn es darum geht, das gesellschaftliche Miteinander zu stärken. Gemeint sind öffentliche Räume, die für alle Altersgruppen offenstehen und nicht an Konsumzwang oder feste Institutionen gebunden sind. Solche Orte schaffen Gelegenheiten für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben – unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund.
Damit diese Orte wirklich für alle funktionieren, ist es notwendig, die Perspektiven der verschiedenen Generationen einzubeziehen. Besonders Senior:innen und Jugendliche müssen aktiv an den Entscheidungen beteiligt werden. Gremien wie ein Seniorenbeirat oder ein Jugendrat sind hierfür geeignete Instrumente, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse dieser Gruppen ernst genommen und in die Planung integriert werden. Nur wenn unterschiedliche Stimmen gehört werden, entstehen Räume, die auch tatsächlich angenommen und belebt werden.
Von besonderer Bedeutung sind dabei gut erreichbare Plätze des Zusammenkommens. Sie sollten barrierearm, offen und ohne „Türschwellen“ gestaltet sein, sodass sie ohne Hemmnisse genutzt werden können. Wichtig ist außerdem, dass diese Orte auch ohne Auto gut erreichbar sind. Gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Klimaschutz immer mehr Gewicht erhalten, müssen Treffpunkte so geplant werden, dass sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar sind.
Beispiele dafür sind Sportplätze, Mehrgenerationenplätze oder frei zugängliche Gemeinschaftsflächen. Solche Orte fördern nicht nur die körperliche Bewegung und Gesundheit, sondern auch das soziale Miteinander. Sie bieten Raum für spontane Begegnungen, gemeinschaftliche Aktivitäten und stärken damit das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Dritte Orte sind damit weit mehr als bloße Freizeitangebote. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil einer lebendigen Stadtgesellschaft, in der sich Menschen aller Generationen begegnen, austauschen und voneinander lernen können. Ihre Förderung ist deshalb ein entscheidender Beitrag zu Teilhabe, Demokratie und sozialem Zusammenhalt.
7. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass Wohnen für alle Menschen bezahlbar ist?
Die Stadtpolitik im Bereich Wohnen und Boden verlangt dringende Maßnahmen, um bezahlbaren Wohnraum dauerhaft zu sichern. Eine radikale Bodenpolitik wird als zentraler Ansatz diskutiert: Städtische Flächen sollen vergesellschaftet und Privatisierungen konsequent gestoppt werden. Nur so lassen sich Entscheidungen über Nutzung, Bauvorhaben und Vergabe unabhängig von kurzfristiger Profitlogik treffen und die Stadtentwicklung nachhaltig gestalten.
Ein konkretes Ziel ist die Schaffung von 2.500 neuen, gemeinwohlorientierten Wohnungen bis 2030. Diese Projekte sollen ohne Gewinnabsicht geplant werden, um echte soziale Wirkung zu entfalten. Gleichzeitig wird der Schutz bestehender Mieter:innen verstärkt: Grundsteuer C und Milieuschutzsatzungen dienen dazu, Spekulationen mit Wohnraum einzudämmen und Verdrängung zu verhindern.
Alle Bewerber für das Amt des Bürgermeisters können Sie beim „Kandidaten-Karussell“ des Bürgerportals kennenlernen, am 8. September ab 18 Uhr in der Redaktion des Bürgerportals. Hier sichern Sie sich einen Platz.
Am 3. September diskutieren die Favoriten Marcel Kreutz und Alexander Felschmit Elternvertretungen über das Thema Schule, bereits am 29. August geht es im THEAS Theater um die Kulturpolitik.
Dauerhaft leerstehende Immobilien stellen eine besondere Herausforderung dar. Wenn Wohnungen oder Häuser über längere Zeit ungenutzt bleiben, sollen sie zwangsweise an die Stadt verkauft werden. Dadurch wird verhindert, dass wertvoller Wohnraum brachliegt, während die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen weiter steigt.
Darüber hinaus ist eine Sozialquote bei Neubauprojekten geplant: In allen Stadtteilen sollen 50 % der neuen Wohnungen sozial orientiert sein. Diese Maßnahme stellt sicher, dass sozial gemischte Quartiere entstehen und das Ziel bezahlbaren Wohnraums für alle erreicht wird.
Insgesamt geht es darum, Wohnraum nicht als Ware, sondern als Gemeingut zu verstehen. Durch konsequente Bodenpolitik, soziale Neubauprojekte und Maßnahmen gegen Leerstand und Spekulation kann die Stadt die Grundlage für eine gerechte, nachhaltige und vielfältige Wohnraumversorgung schaffen. So werden sowohl die Interessen der Mieter:innen als auch das langfristige Wohl der Stadtgesellschaft berücksichtigt.

8. Wie wollen Sie Migration und Integration so gestalten, dass unser Gemeinwesen nicht überfordert wird?
Eine gelingende Integrationspolitik setzt voraus, dass nicht über, sondern mit den betroffenen Menschen gesprochen wird. Nur im direkten Austausch lassen sich Bedürfnisse, Sorgen und Ideen erkennen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein Prozess, der Teilhabe, Respekt und Mitbestimmung erfordert.
Ein zentrales Instrument ist dabei der Integrationsrat. Seine Arbeit muss gestärkt werden, sowohl organisatorisch als auch finanziell. Er bildet die Brücke zwischen migrantischen Communities, Politik und Verwaltung und sorgt dafür, dass Anliegen Gehör finden. Darüber hinaus gilt es, Strukturen zu schaffen und zu festigen, die echte Integration ermöglichen. Das bedeutet: Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnraum und politischer Teilhabe – auf Augenhöhe und ohne unnötige Hürden.
Wichtig ist auch die Förderung migrantischer Selbstorganisation. Wenn Menschen Räume, finanzielle Mittel und echte Mitbestimmungsrechte erhalten, können sie ihre Interessen sichtbar machen und selbstbestimmt vertreten. Diese Form der Teilhabe stärkt nicht nur die migrantischen Communities, sondern die gesamte Stadtgesellschaft.
Ein weiterer Baustein ist der Umbau der Stadtverwaltung in antirassistischer Perspektive. Dazu gehören vielfältigeres Personal, diskriminierungsfreie Sprache und barrierearme Zugänge. Eine Verwaltung, die diese Prinzipien ernst nimmt, sendet ein klares Signal: Vielfalt ist normal und willkommen.
Damit Integration im Alltag gelingt, braucht es zudem Begegnungspunkte. Offene, gut erreichbare Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft selbstverständlich zusammenkommen, helfen, Vorurteile abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Begegnung vor Ort ist einer der wirksamsten Wege, um Distanz und Unsicherheit zu überwinden.
Nicht zuletzt sind Verbesserungen beim Asylbewerberleistungsgesetz erforderlich. Der Schwerpunkt muss auf Integration liegen: auf Sprachförderung, schneller Anerkennung von Qualifikationen und einer zeitnahen Arbeitsaufnahme. Wer die Chance hat, früh Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen, wird nicht nur unterstützt, sondern trägt aktiv zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
Integration ist damit kein Randthema, sondern eine Kernaufgabe moderner Stadtpolitik – sie stärkt Demokratie, Vielfalt und das gemeinsame Miteinander.
9. Was ist Ihr Leuchtturmprojekt für die nächsten fünf Jahre?
Idee 1: Zanders-Gelände als Begegnungsraum:
Das Zanders-Gelände soll zu einem vielfältigen, offenen Begegnungsraum für alle Altersgruppen und Interessen werden. Geplant sind Angebote für Jugendliche, wie ein Jugendtreffpunkt (Q1 und Qvadis) und Pfadfindergruppen, aber auch ein Seniorencaféoder -treff, das älteren Menschen einen festen Anlaufpunkt bietet. Für Kreative sollen Ateliers und Werkstätten entstehen, in denen Künstler:innen und Handwerker:innen arbeiten, präsentieren und sich vernetzen können.
Darüber hinaus sollen Sport- und Freizeitmöglichkeiten integriert werden, etwa Kletter- oder Boulderhallen, eine Skateranlage und ein großzügiger, kindgerechter Spielplatz. Die Stadtbibliothek kann hier ebenfalls einen zentralen Standort erhalten, um Wissen und Kultur für alle zugänglich zu machen. Gemeinschaftsgärten für Schulen und Kindergärten, sowie Projektbereiche für GaLa-Auszubildende, bieten pädagogische und praktische Lernmöglichkeiten. Ergänzt wird das Angebot durch temporäre Veranstaltungen wie Flohmärkte, Food- und Kulturfestivals, die das Gelände beleben und als Treffpunkt der Stadtgesellschaft dienen. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Schutzräumen für diskriminierte Personengruppen sowie Räumlichkeiten für einen städtischen Kindergarten, sodass das Gelände generationsübergreifend genutzt werden kann. Ziel ist ein offener, inklusiver Raum, der Kreativität, Begegnung und gemeinschaftliche Nutzung verbindet.
Idee 2: Begrünung und Klimaregulierung der Innenstadt:
Die Innenstadt soll durch innovative Begrünungsmaßnahmen klimaangepasst und lebenswerter gestaltet werden. Zwischen den Häusern der Hauptstraße könnten Stahlseile als „Dach“ dienen, an denen Hopfen und schnell rankende Pflanzen wachsen. Die Ernte könnte für die Herstellung lokaler Getränke wie „Schäbbisch-Gläbbisch“ genutzt werden. Der Verkauf oder Verbrauch dieser Produkte finanziert gleichzeitig die Pflege der Begrünung.
Zusätzlich sollen Gerüste über dem Marktplatz als Rankhilfen dienen, wodurch städtische Plätze beschattet, die Luftqualität verbessert und die Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert werden kann. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern schaffen gleichzeitig attraktive Orte für die Stadtgesellschaft, erhöhen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und fördern lokale Traditionen und Initiativen.
Beide Projekte zeigen, wie städtische Räume multifunktional gestaltet werden können: das Zanders-Gelände als Begegnungs- und Kulturort, die Innenstadt als grüner, klimatisch regulierter Lebensraum. Zusammen stärken sie das soziale Miteinander, fördern Bildung, Kreativität und Gesundheit und tragen zu einer nachhaltigeren Stadtentwicklung bei.
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