Mit der Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ hatten wir neun Fragen herausgearbeitet, die für die Wählerinnen und Wähler in Bergisch Gladbach besonders wichtig sind. Nach den Parteien beantworten jetzt auch die Favoriten für das Bürgermeisteramt diese Fragen: Alexander Felsch (CDU/FDP) und Marcel Kreutz (SPD/Grüne) liegen in einigen Punkten erstaunlich nah beieinander, arbeiten aber auch ihre Differenzen heraus.

1 Was sind Ihre Ansatzpunkte, die Verkehrsprobleme der Stadt zu lösen? 

Alexander Felsch: Jeder soll frei wählen können, wie er unterwegs ist – ob mit dem Auto, ÖPNV, Rad oder zu Fuß. Dafür braucht es eine moderne, sichere und vor allem verlässliche Infrastruktur mit einer intelligenten Verkehrssteuerung. Die S11 und die Linie 1 müssen mit guter Taktung zuverlässig fahren – ich setze mich für ihren Ausbau und für Mobilitätsstationen ein, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander vernetzen. Meine Priorität: Bauen und gut sanieren! Obwohl jährlich 8,5 Mio. Euro für Straßen und Radwege bereitstanden, wurde weniger als die Hälfte davon verbaut. Das ändern wir – mit mehr Tempo, Pragmatismus und klarer Koordination.

Marcel Kreutz: Mobilität muss sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, und verlässlich sein. Zukünftige Entwicklungen bspw. auf Zanders müssen berücksichtigt werden. Daher benötigen wir einen anderen Mobilitätsmix durch besseren ÖPNV und bessere Radwege. Konkret heißt das:

  • ein Radwegenetz mit durchgängigen Verbindungen und einem Fokus auf sicheren Schulwegen.
  • den zweigleisigen Ausbau der S11 
  • eine Verlängerung der Linie 1, langfristig auch der Linien 4 und 18
  • Straßensanierungen beschleunigen und dabei die Prioritätenliste berücksichtigen

2 Wie wollen Sie die Leistung der Verwaltung als bürgernahe Dienstleisterin stärken?

Alexander Felsch: Mit klaren Zielen, digitalen Prozessen und effizienten Strukturen stärken wir die Verwaltung als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Die Bürgerbüros in Stadtmitte, Bensberg und Refrath müssen dauerhaft erreichbar sein und durch mobile Angebote für alle Stadtteile ergänzt werden. Die digitale Terminvergabe wird ebenso wie Anwendungen wie „Little Bird“ und die „CityKey App“ ausgebaut, um Service, Beteiligung und Erreichbarkeit zu verbessern.

Marcel Kreutz: Um die Verwaltung als bürgernahe Dienstleisterin zu stärken, setze ich auf nutzerfreundliche Digitalisierung. Eine kontinuierliche Überarbeitung der Prozesse und das Lernen von anderen Kommunen, die bereits gute Lösungen gefunden haben, wird uns dabei helfen.
Auch bei guter Digitalisierung brauchen viele Menschen für ihre Anliegen persönliche Ansprechpartner. Deshalb will ich die Stadtteilbüros in Refrath und Bensberg als wohnortnahe Anlaufstellen erhalten. 

3 Was tun Sie zur Aufwertung des Stadtbildes, gegen Vermüllung und Leerstand?

Alexander Felsch: Eine saubere Stadt ist kein Luxus, sondern Pflicht! Herumliegenden Müll und die Verwahrlosung des Stadtbildes werde ich nicht länger hinnehmen. Wir verstärken die Leerung der öffentlichen Mülleimer, Altglas- und Kleidercontainer und setzen auf konsequente Grünflächenpflege und Stadtreinigung. Zusätzliche Kräfte bei der Stadtreinigung und eine Stärkung des Ordnungsamtes sorgen für mehr Sauberkeit und ein gepflegtes Stadtbild. 

Marcel Kreutz: Eine Belebung der Innenstädte durch eine bessere Aufenthaltsqualität ist das beste Mittel zu Bekämpfung von Leerstand. Städtebauliche Entwicklungsprojekte wie mit dem Integrierten Handlungskonzept Bensberg leisten einen wichtigen Beitrag. Unerlaubte Müllentsorgung und Umweltverschmutzung müssen härter geahndet werden.Die nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung des Stadtbildes ist die Stärkung der Nachbarschaften: weil Menschen sich verantwortlich fühlen, wenn es ihr Zuhause ist.

4 Wie kann man den Klimaschutz schneller vorantreiben?

Alexander Felsch: Für mehr Tempo beim Klimaschutz, muss pragmatisch und technologieoffen und nicht über Einschränkungen, Ver- und Gebote gehandelt werden. Ich setze mich für grüne Dächer und Fassaden ein, die das Stadtklima positiv beeinflussen. Städtische Gebäude müssen einen Vorbildcharakter haben, z.B. durch die Umwandlung von Asphalt-Pausenhöfen in Schulgärten oder den Ausbau von Photovoltaik auf Gebäuden. Um unsere Stadt widerstandsfähiger gegen Starkregen und Hitzeperioden zu machen, werden wir das Schwammstadt-Prinzip umsetzen. Wir setzen auf grüne Kraftstoffe wie HVO100 und stärken nachhaltige Mobilität.

Marcel Kreutz: Klimaschutz kann schneller vorangetrieben werden, wenn die Bürgerschaft mitgenommen wird und der Bürgermeister dieses Thema prioritär angeht. Die Stadt hat mit dem Klimaschutzkonzept das Ziel bekräftigt, bis spätestens 2045 treibhausgasneutral zu sein. Ich halte uneingeschränkt an diesem Ziel und den beschlossenen Maßnahmen fest. Beispielsweise kann der Ausbau der Photovoltaik durch Beratungsangebote und in Zusammenarbeit mit genossenschaftlichen Initiativen und Handwerk einen wichtigen Beitrag leisten.

5 Wie wollen Sie Sanierung und Ausbau von Kita, OGS und Schulen beschleunigen?

Alexander Felsch: Durch modulare Bauweise, den Ausbau der Schulbaugesellschaft, beschleunigte Planung und bessere Vergabeverfahren erreichen wir ein höheres Tempo beim Bau von Schulen und Kitas. Um noch schneller zu werden, beziehen wir Bauträger und Investoren in den Schulbau mit ein. Um die Zeit bis zur Sanierung zu überbrücken, führen wir das Sofortprogramm Schule ein. Für die OGS nutzen wir Räume flexibler, mieten bei Bedarf extern an und berücksichtigen OGS-Bedarf im Neubau. In Kitas setzen wir auf Vertretungspools und Wohnraum für Fachkräfte.

Marcel Kreutz: Indem wir die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen bereitstellen. Die Schulbaugesellschaft und der städtische Hochbau brauchen die Mittel, die nötig sind, um den Sanierungsstau der letzten Jahrzehnte schnellstmöglich aufzulösen. Bergisch Gladbachs Haushalt muss ein Schulhaushalt sein. Eine transparente und klare Prioritätenliste zeigt dabei auf, was wann abgearbeitet werden kann. Und was mir besonders wichtig ist: Dabei brauchen wir transparente Kommunikations- und Entscheidungsprozesse zwischen allen Beteiligten.

6 Welche Wege sehen Sie, Angebote für Senior:innen und die Jugend zu sichern? 

Alexander Felsch: Kinder- und Jugendabteilungen sind die Herzstücke unserer Vereine. Um Kindern und Jugendlichen einen guten Zugang zum Sport zu ermöglichen, werden wir die Jugendförderung für Vereine ab dem Haushaltsjahr 2026 verdreifachen. Wir unterstützen und fördern die Jugendarbeit städtischer und ehrenamtlicher Organisationen und setzen uns dafür ein, sie auch in Zukunft weiter zu stärken. Ich setze mich dafür ein, die Selbstständigkeit im Alter zu erhalten, z. B. durch digitale Assistenz, flexible Mobilität und wohnortnahe Treffpunkte und die Seniorenbegegnungsstätten.

Marcel Kreutz: Durch verlässliche Politik, die klar macht: Auch wenn es finanziell eng wird, kürzen wir nicht beim sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt. Wer hier den Rotstift ansetzt gefährdet den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und letzten Endes auch die Demokratie. 

Vielmehr müssen wir diese Angebote langfristig sichern und durch eine gute Zusammenarbeit von hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen stärken. Das freiwillige Engagement der Bürger:innen muss in vielfältiger Weise möglich sein und professionell unterstützt werden.

7 Wie wollen Sie dafür sorgen, dass Wohnen für alle Menschen bezahlbar ist?

Alexander Felsch: Wir schaffen bezahlbaren Wohnraum durch schnellere Bauverfahren: Bauanträge sollen auch mithilfe digitaler Möglichkeiten bearbeitet und innerhalb von drei Monaten entschieden werden. Mit dem „Bürgerservice Bauen“ bieten wir verbindliche Beratung. Ich setze mich dafür ein, dass jährlich mindestens 350 neue Wohnungen durch Neubau und Aktivierung von Brachflächen geschaffen werden. Innenverdichtung nutzen wir maßvoll, indem wir neue Gebäude in zweiter Reihe errichten und bestehende aufstocken – dabei achten wir auf Infrastrukturgrenzen wie Kitas und Schulen.

Marcel Kreutz: Der Bürgermeister muss sich dafür einsetzen, dass die Stadt bezahlbar bleibt. Ich will den Runden Tisch Wohnen zu einem echten Bündnis für bezahlbares Wohnraum ausbauen. Zudem will ich Verwaltungsabläufe beschleunigen und dabei den Wohnungsbau priorisieren. Die Stadt soll vermehrt ihr Vorkaufsrecht nutzen und bei der Flächenvergabe gemeinwohlorientierte Träger besonders berücksichtigen. 

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8 Wie wollen Sie Migration und Integration so gestalten, dass unser Gemeinwesen nicht überfordert wird?

Alexander Felsch: Wir setzen auf eine realistische Migrations- und Integrationspolitik. Zuweisungen erfolgen durch das Land. Unsere Aufgabe ist es, Wohnraum bereitzustellen und die örtliche Integration zu ermöglichen. Wer hier lebt, soll teilhaben können – durch Sprache, Bildung und Arbeit. Die Bezahlkarte halten wir für die gezielte finanzielle Zuwendung an Geflüchtete für sinnvoll. Integration ist kein Sprint sondern ein Marathon – wir brauchen Mut für innovative Ideen, die Vernetzung sämtlicher Akteure und eine gute Kommunikation mit der Stadtgesellschaft.

Marcel Kreutz: Kommunen brauchen genug finanzielle Mittel von Bund und Land, um eine ernsthafte Integrationsarbeit zu gewährleisten. Dafür arbeite ich bereits heute in einem kommunalen Spitzenverband und werde das auch als Bürgermeister tun. 
Vor Ort werde ich den Integrationsrat und die vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen in ihrer Arbeit unterstützen. Eine gute Abstimmung zwischen Verwaltung und Initiativen ist wichtig. 
Wichtig ist auch, dass die neuen Mitbürger:innen Möglichkeiten zum Engagement in Bergisch Gladbach nutzen.

9 Was ist Ihr Leuchtturmprojekt für die nächsten fünf Jahre?

Alexander Felsch: Mein Leuchtturmprojekt ist, dass der Alltag in unserer Stadt wieder reibungslos funktioniert und die Stadt immer dann als Dienstleister da ist, wenn die Bürgerinnen und Bürger sie brauchen. Mein besonderer Fokus liegt auf den Schulen, daher erhält jede Grundschule ein Budget von 100.000 €, jede weiterführende Schule 200.000 € – unbürokratisch, zur freien Verwendung für Reparaturen und Investitionen in genau die Dinge, die vor Ort gebraucht werden. Das hilft allen Schulen, um die drängendsten Probleme im schulischen Alltag zu lösen – unbürokratisch, schnell, selbstbestimmt. 

Marcel Kreutz: Wir werden die Prozesse der Verwaltung laufend verbessern und die Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung weiter entwickeln, damit wir insbesondere beim Schul-, Straßen- und Kitabau erfolgreich sind. 

Mein persönliches Leuchtturmprojekt liegt in der Stärkung des Miteinanders in den Nachbarschaften unserer Stadt. Ich werde Initiativen ergreifen, die eine frühzeitige Bürgerbeteiligung zur Stärkung unserer demokratischen Strukturen unterstützen, das Ehrenamt fördern und dafür Fördermittel erschließen.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Sehr geehrte Herren Felsch und Kreutz, als Vorsitzender der Seniorenbegegnungsstätte des PROgymnasium Bensberg e.V. und der Senioren-Union im Stadtverband Bergisch Gladbach bin ich sehr erfreut über Ihre Aussagen zur Seniorenpolitik in Bergisch Gladbach.

    Wir haben mit großer Kraftanstrengung in den letzten Jahren für den Erhalt der Seniorenbegegnungsstätten erfolgreich gekämpft. Nun geht es darum, neue Schritte zu gehen, um weitere Aktivitäten zu starten und auszubauen.

    Ich nehme Ihre Botschaften ernst und werde nach der Wahl auf Ihre positive Bereitschaft setzen, neue wohnortnahe Treffpunkte zu schaffen, vorhandene Seniorenbegegnungsstätten auszubauen, keine Kürzungen bei entsprechenden sozialen Einrichtungen vorzunehmen und vor allem freiwilliges Engagement in diesem Bereich professionell zu unterstützen.

    Die Sorgen kleinerer gemeinnütziger Einrichtungen dürfen nicht nur ernst genommen werden, sondern ein aktives Handeln ist seitens der Stadtverwaltung und des Rates erforderlich. Und da kann die Verwaltung in der Tat professionell helfen, indem von der Verwaltungsspitze bis zur Sachbearbeiter Ebene dieses Denken und Handeln unterstützt wird.

    Beispiel: Scanarbeiten durch unsere Behinderteneinrichtung PRO Media in Teilbereichen für die Stadt weiterhin und verstärkt durchführen zu lassen und hierfür lösungsorientierte Rahmenbedingungen gemeinsam zu entwickeln, um auch diesem Personenkreis in Zukunft ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

    Wir vertrauen auf Ihr Wort.