Am Sonntag geht es in der Stichwahl nicht nur um Bergisch Gladbachs nächsten Bürgermeister, sondern auch um den neuen Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises. Die beiden Kandidaten, Arne von Boetticher (CDU) und Robert Winkels (SPD) haben zwar unterschiedliche Ausgangsbedingungen, sehen aber beide ein offenes Rennen um das wichtige Amt.

Den ersten Wahlgang hatte Arne von Boetticher für die CDU mit großem Vorsprung gewonnen, die erforderlichen 50 Prozent aber deutlich verfehlt. Im zweiten Wahlgang am 28. September tritt er nun gegen den SPD-Mann Robert Winkels an. Um noch zu gewinnen müsste Winkels zwar theoretisch alle Stimmen, die bislang an die Grünen und die Linke gegangen sind, sowie den größten Teil der AfD-Stimmen, auf sich ziehen. Aber beide Kandidaten betonen, dass das Rennen noch nicht gelaufen ist.

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„Mit der Stichwahl haben alle Bürger – auch die, die im ersten Wahlgang jemand anderen gewählt haben, die Möglichkeit, sich neu zu entscheiden. Damit ist für die Stichwahl das Rennen neu gestartet“, sagt Winkels.

Und auch von Boetticher betont, dass in einer Stichwahlen alles möglich sei: „Es ist noch nichts entschieden. Deswegen kommt es auf jede einzelne Stimme an.“

Zur Sache: Die Aufgaben des Landrats

Der Landrat ist in NRW zugleich kommunaler Spitzenbeamter und Verwaltungschef, politischer Repräsentant und Vorsitzender des Kreistages und staatlicher Repräsentant im Kreis mit wichtigen Ordnungs- und Aufsichtsaufgaben. Er wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Die Aufgaben im Detail:

1. Verwaltungsleitung

  • Chef der Kreisverwaltung: Er ist oberster Beamter und führt die Geschäfte des Kreises.
  • Dienstherr der rund 1300 Mitarbeiter:innen der Kreisverwaltung 
  • Verantwortung für den Haushaltsvollzug: Umsetzung des vom Kreistag beschlossenen Haushalts.
  • Umsetzung von Kreistagsbeschlüssen in konkrete Verwaltungsmaßnahmen.

2. Politische Aufgaben

  • Der Landrat ist Vertretungsorgan des Kreises nach außen (vergleichbar mit einem Bürgermeister).
  • Er führt den Vorsitz im Kreistag.
  • Er wirkt an der politischen Willensbildung im Kreis mit.

3. Staatliche Aufgaben im Auftrag des Landes

  • Genehmigungen und Kontrollen (Umweltrecht, Bauaufsicht in kreisangehörigen Gemeinden ohne eigene Bauverwaltung).
  • Polizei- und Ordnungsaufgaben (z. B. Katastrophenschutz, Versammlungsrecht, Waffenrecht). Der Landrat ist auch Chef der Kreispolizei.
  • Wahlleitung bei Landtags-, Bundestags- und Europawahlen im Kreis.
  • Aufsicht über die kreisangehörigen Städte und Gemeinden (Kommunalaufsicht).

Tatsächlich hängt der Wahlausgang auch entscheidend von der Wahlbeteiligung ab, welcher Kandidat am besten für die Stichwahl mobilisieren kann. Im ersten Wahlgang lag die Beteiligung bei 61,9 Prozent. Im zweiten Wahlgang könnte es aber (deutlich weniger) werden, weil die Wahlen der Stadträte (und in den meisten Gemeinden in Rhein-Berg auch die der Bürgermeister) bereits entschieden sind.

Robert Winkels beim Demokratiefestival des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Mann der Wirtschaft, lokal vernetzt

Robert Winkels macht im Wahlkampf der letzten Tage vor allem darauf aufmerksam, dass er seit Jahrzehnten im Kreis lebt und über 20 Jahre Erfahrung im Kreistag mitbringt. Das gebe den Wählerinnen und Wählern „die Sicherheit, dass ich weiß, wie unser Kreis funktioniert und wo wir ansetzen müssen“.

Zur Person: Robert Gordon Winkels

Der 63-jährige Jurist war vor gut 30 Jahren des Berufs wegens nach Bergisch Gladbach gekommen. 1993 hatte der Jurist in der Rechtsabteilung von Zanders angefangen, damals noch Tochter des US Konzerns International Paper. Später wurde er Leiter der Rechtsabteilung, wechselte dann in die deutsche Holding von International Paper und noch später zum Metsä Konzern, wo er auch heute noch Justiziar und Prokurist ist.

Dem Kreistag gehört Winkels seit mehr als 20 Jahren an.Robert Winkels ist ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreutz (DRK) für das Kreisauskunftsbüro tätig, er sitzt im Vorstand des Fußballvereins SC27 und ist Mitglied der KG Schlader Botze. Er ist seit 39 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel.

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21 Fragen an Robert Winkels

Der Jurist Robert Winkels bewirbt sich mit einem Mandat der SPD für die Stelle des Landrats des Rheinisch-Bergischen Kreises. Winkels hat sehr lange für die Papierfabrik Zanders in leitender Position gearbeitet, in Bergisch Gladbach und im Kreis ist er vielfach engagiert. In unserem Fragebogen stellt sich der Kandidat persönlich vor.

Bei den Inhalten hält der Bergisch Gladbacher an seinen Kernthemen fest. Er komme aus der Wirtschaft und wolle die Wirtschaft und den Erhalt von Arbeitsplätzen im Kreis zur Chefsache machen – durch die Bekämpfung des Fachkräftemangels, durch die aktive Förderung kleiner und mittelständischer Betriebe sowie die Errichtung des Campus berufliche Bildung auf dem Zanders-Areal. Darüber hinaus wollen er die Kreisverwaltung modernisieren und sich um die Schaffung von preiswertem Wohnraum kümmern.

Arne von Boetticher beim Demokratiefestival des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Experte für Sicherheit, mit gutem Draht nach Düsseldorf

Arne von Boetticher setzt seine Schwerpunktthemen dagegen in den Bereichen Sicherheit, Bildung und Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung. Sicherheit und ein gutes Krisenmanagement seien wichtig für die Lebensqualität, daher will der Leichlinger „dass sich die Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis sicher fühlen und ihnen in Schadensfällen schnelle Hilfe zukommt“. Zur Zeit arbeitet von Boetticher für Ministerpräsident Hendrik Wüst, der ihn bei einem Wahlkampfauftritt als seinen Berater in allen Fragen der Sicherheit hoch gelobt hat.

Zur Person: Arne von Boetticher

Der 42-jährige Jurist ist aufgewachsen in Oberforstbach, einem Vorort von Aachen. Er hat sich zum Rettungsassistent ausbilden lassen und in Bonn Jura studiert, wo er in die CDU eintrat. Zwei Jahre lang hat er als Rechtsanwalt in einer Wirtschaftskanzlei in Köln gearbeitet und war dann für acht Jahre Staatsanwalt mit dem Schwerpunkt Wirtschaftskriminalität in Köln. 

Von dort wechselt er im vergangenen Jahr nach Düsseldorf, wo er stellvertretender Referatsleiter „Ressortkoordination Inneres und Justiz“ in der Staatskanzlei ist. In seiner Kölner Zeit war von Boetticher zudem Geschäftsführer der von Wolfgang Bosbach geleiteten  Regierungskommission „Mehr Sicherheit für NRW“. 

Von Boetticher ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren, die Familie wohnt in Leichlingen. Dort ist er seit 2022 Beisitzer im CDU-Stadtverband und seit 2024 Sachkundiger Bürger im Stadtrat.

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21 Fragen an Arne von Boetticher

Bei der Wahl des neuen Landrats für den Rheinisch-Bergischen Kreis tritt Arne von Boetticher für die CDU an. Bei seiner Bewerbung hat sich der Mann aus Leichlingen als „Christdemokrat, Jurist, Rheinländer und Familienvater“ präsentiert – und ein fast einstimmiges Votum erhalten. In unserem Fragebogen stellt er sich persönlich vor.

Die Verwaltung müsse mit Ihren Dienstleistungen für die Menschen sicher und verlässlich funktionieren. Daher sei im die Verbesserung der Wartezeiten bei den Ämtern der Kreisverwaltung – insbesondere bei der Kfz-Zulassung – wichtig, betont von Boetticher.

Angebote (auch) an die Grünen

Von Boetticher wirbt um die Stimmen aller Wähler:innen, Winkels schränkt seine Zielgruppe auf die „Anhängern aller demokratischer Parteien“ ein.

Der CDU-Kandidat ist überzeugt, dass sein umfassendes Programm auch für Anhänger:innen der Grünen interessant sein kann. „Ich glaube, dass die inhaltlichen und ideologischen Unterschiede auf der kommunalen Ebene gar nicht so groß sind. Es braucht pragmatische „Macher“, die frischen Wind reinbringen und etwas voranbringen können“, sagt von Boetticher.

Im bisherigen Kreistag hatten CDU und Grüne kooperiert; die Wahlergebnisse würden eine Fortsetzung des Bündnisses hergeben. Im neuen Kreistag kommen CDU und Grüne auf zusammen 40 der insgesamt 72 Mandate. Aber auch eine Kooperation von CDU und SPD (41 Sitze) ist möglich.

Ich halte unverändert an meinen wesentlichen Zielen fest, die da sind:

Auch Winkels hat die Grünen im Blick. Im Wahlkampf habe sich seine Annahme bestätigt, dass noch mehr in den Katastrophen- und vor allem Hochwassersschutz investiert werden müsse, um sich auf den Klimawandel einstellen zu können. Zudem müssten die Bürger:innen überzeugen werden, in nachhaltiges Heizen und E-Mobilität zu investieren – ohne sie finanziell zu überfordern.

Zu einem möglichen Wahlausgang äußert sich keiner der beiden Kandidaten, statt dessen appellieren beide an alle Wählerinnen und Wähler, sich an der Stichwahl zu beteiligen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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