Zur Wahl des Stadtrats waren sie gemeinsam angetreten, Mara Häuser (5.v.r.) und Lea Vollmer (r.) bringen ihre Mandate in eine Gruppe ein, Tomás Santillán (4.v.r) bleibt als Einzelratsmitglied außen vor. Foto: Linke

Der Kreisvorstand der Linken zieht eine positive Bilanz mit einem Wiederaufbau der Strukturen vor Ort, einem starken Mitgliederwachstum und zwei Wahlerfolgen. Bei der anstehenden Neuwahl wollen Sylke Heisterhagen, Tomás M. Santillán und Hale Bagherzadeh allerdings nicht mehr antreten. Santillàn spricht auch von erheblichen Meinungsverschiedenheiten, die der neue Vorstand jetzt lösen müsse.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Linken Rhein-Berg

Die Linke im Rheinisch-Bergischen Kreis lädt zur turnusgemäßen Mitgliederversammlung am Samstag, 4. Oktober 2025 ein. Im Mittelpunkt steht die Neuwahl des Kreisvorstands. Neben den Vorstandswahlen werden zentrale Themen der Kreis- und Kommunalpolitik diskutiert.

+ Anzeige +

Die amtierenden Kreissprecher:innen Sylke Heisterhagen und Tomás M. Santillán sowie die Beisitzerin Hale Bagherzadeh werden nicht erneut kandidieren. Alle drei wollen sich künftig auf ihre kommunalpolitischen Mandate in den Stadträten bzw. im Integrationsrat konzentrieren. In der Mitgliederversammlung werden Heisterhagen und Santillán zudem den Antrag stellen, Mandat und Amt klar zu trennen, um politische Verantwortung transparent auf mehrere Schultern zu verteilen.

Die vergangenen zwei Jahre waren für die Partei schwierig und geprägt von den Auswirkung Krisen im Ortsverband Bergisch Gladbach, und den Folgen der COVID19-Pandemie auf die Parteien, bundesweit von der innerparteilichen Auseinandersetzung um strukturellen Sexismus und der Abspaltung des BSW.

Personelle und finanzielle Ressourcen schrumpften auf ein Minimum bis Null, bis Anfang 2025 waren nur wenige Mitglieder aktiv, und der Europawahlkampf musste von lediglich vier Mitgliedern im gesamten Kreisverband getragen werden. In dieser schwierigen Lage gelang es dennoch dem Kreisvorstand, den Kreisverband am Leben zu halten, neu zu formieren und handlungsfähig zu machen, um ein positives Bundestags- und Kommunalwahlergebnis zu erreichen.

Unter dem Vorsitz von Heisterhagen und Santillán wuchs die Mitgliederzahl von rund 100 auf mehr als 260 Mitglieder. Viele neue und junge Mitglieder wurden in den Ortsverbänden in Verantwortung gebracht und aktiv in die Parteiarbeit eingebunden, auch wenn dies mit Widersprüchen und Problemen verbunden war. Der Mitgliedzuwachs ermöglichte, die Aufgaben des Kreisvorstands demokratischer und transparenter auf mehrere Schultern zu verteilen und neue Strukturen aufzubauen.

15 Mandate in sechs Kommunen gewonnen

Dieser politische Aufbau zeigte Wirkung: Konnte Die Linke im Kreis 2020 noch 7 Mandate in 5 Kommunen erringen, so stieg die Zahl 2025 auf 15 Mandate in 6 Kommunen – mehr als eine Verdoppelung. Maßgeblich dafür war die 

Reaktivierung der Ortsverbände, in denen viele neue Mitglieder aktiv zum Wahlkampf beitrugen. Erstmals seit ihrer Gründung 2007 konnte Die Linke RBK in sechs Kommunen mit Landrätin, Bürgermeisterinnen und zum Integrationsrat zur Wahl antreten.

Auch wenn das Ergebnis der Kommunalwahl 2025 nicht an das sehr starke Bundestagswahlergebnis im Bergischen Land heranreichte – bei dem Die Linke RBK erstmals die FDP überholte – bleibt es ein wichtiger Erfolg für die Arbeit des Kreisvorstands.

Mehr zum Thema

Liveblog: Marcel Kreutz gewinnt Bürgermeister-Wahl – Landrat geht an CDU

Bei der Bürgermeisterwahl hat Marcel Kreutz (SPD/Grüne) einen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel gerettet und gewinnt mit 50,41 Prozent der Stimmen gegen Alexander Felsch (CDU/FDP) . Die CDU räumt ihre Niederlage ein. Bei der Stichwahl um das Amt des Landrats des Rheinisch-Bergischen Kreises setzt sich Arne von Boetticher (CDU) klar gegen Robert Winkels (SPD) durch. Wir berichten live.

Sylke Heisterhagen sieht eine gute Zukunft für den Kreisverband: „Eine zentrale Herausforderung für den Kreisverband wird sein, die breite Teilhabe und Transparenz für alle Mitglieder sicherzustellen, gerade bei der Einführung digitaler Kommunikationsstrukturen, die insbesondere Frauen und ältere Mitglieder ausgrenzen können. Ich bin sicher, dass dies gelingen wird und die Partei dadurch gestärkt wird.“

Erhebliche Meinungsverschiedenheiten

Tomás M. Santillán geht sehr selbstkritisch mit seiner Rolle um und sieht auch Fehler: „Wir müssen die Intransparenz der Finanzen der letzten Jahre kritisch betrachten. Auch die geringe Beteiligung von linken Migrant:innen an der politischen Teilhabe in der Partei. Tatsächlich hat Die Linke deren Einbindung sträflich vernachlässigt. Dies gilt es künftig zu ändern, um eine antirassistische Migrationspolitik und inklusive Parteiarbeit umzusetzen. Gerade in den letzten Wochen hat dies zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten geführt, die der neue Vorstand nun solidarisch lösen muss. ich werde meinen Teil dazu beitragen, um diese Gräben auch wieder zu schließen.“

Mit dem Ausscheiden von Hale Bagherzadeh und Tomás M. Santillán gehen zwei wichtige linke migrantische Stimmen aus dem Kreisvorstand verloren. Alle drei hatten schon Ende 2024 angekündigt, dass sie nach der Kommunalwahl 2025 nicht wieder für den kreisvorstand kandidieren werden. 

Sylke Heisterhagen zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir haben uns Aufgabe sehr erfolgreich erfüllt und sogar besser als wir Ende 2024 noch gehofft hatten. Ich bin überzeugt, dass unsere Aufgaben künftig durch Vertreter:innen ausgefüllt werden, die die Interessen aller Mitglieder wirkungsvoll einbringen und weiter entwickeln. Die Partei wird sich verändern und verbessern. Das wird nicht leicht, ist aber notwendig, und wir machen Platz dafür. Wir schaffen das als Die Linke!“

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

11

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Es bleibt festzustellen, dass bei Konflikten mit Vertretern der LINKEN meistens das Thema nachgewiesene oder vermutete Fakekommentare bzw. Fakeaccounts eine Rolle spielt.
    Es wäre ein Fortschritt, wenn die “neuen” LINKEN dieses traurige Kapitel abschließen könnten.

  2. Wir haben hier zwei Kommentare, die angeblich von Aylin Aydogan veröffentlicht wurden, sowie die sich darauf beziehenden Kommentare gelöscht.

    Diese beiden Kommentare waren durch eine Mailadresse, die Frau Aydogan früher verwendet hatte, legitimiert. Dennoch hatten wir sie um eine Bestätigung gebeten, auf die sie jetzt reagiert hat. Und klargestellt hat, dass sie diese Angelegenheit nicht kommentiert hat.

    Wir verzichten hier auf eine Klarnamenpflicht, gehen aber hart gegen alle Versuche vor, eine fremde Identität vorzutäuschen oder gar eine fremde Identität zu missbrauchen. Daher bitten wir um Verständnis, dass wir die Moderation von Kommentaren zu diesem Thema strikter handhaben.

    1. Ist auszuschließen, dass es ihr einfach nur nachträglich peinlich war oder sie mit weniger Gegenwind gerechnet hatte?

      1. Nein, das können wir nicht völlig ausschließen. Es spricht aus unserer Sicht aber auch nichts dagegen, ihrer mehrfachen Versicherung zu vertrauen.

  3. Die Wortwahl innerhalb der Partei Die Linke gibt zu denken, wenn Geschäftsführer Reuschel-Schwitalla eigene Mitglieder im Kölner Stadt-Anzeiger als „Laus“ bezeichnet. Bei dieser „Meinungsverschiedenheit“ scheint es um mehr als um Transparenz oder Sachfragen zu gehen – die Wortwahl von Herrn Koltai wirkt irritierend und vermittelt ein abwertendes Bild, das dem Anspruch dieser Partei nicht gerecht wird.

    1. Sie zitieren Reuschel-Schwitalla verkürzt. Die vollständige Passage im KSTA lautet:

      Auch die Auseinandersetzung mit der Bergisch Gladbacher Wählervereinigung Bürgerpartei GL, die 2020 mit zur Zwangsauflösung der Linken in Bergisch Gladbach durch den Kreisverband der Linken geführt hatte, scheint weiter zu schwelen: „Einer von denen, will bei uns Schatzmeister werden, aber das wird nicht gelingen“, sagt Reuschel-Schwitalla über anstehenden Kandidaturen beim Parteitag: „Wir setzen uns doch keine Laus in den Pelz.“

  4. Ja, es ist wirklich erstaunlich, wie hier die schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit gewaschen wird. Man ist wirklich versucht, daraus den Zustand dieser Partei und die Haltung ihrer Mitglieder und Funktionäre zu schlussfolgern.

  5. Zu Herrn Koltai: Offensichtlich wurde die Linke Pressemitteilung von drei Personen aus dem Vorstand der Linken verfasst. Dabei fällt der Anti-Kommentar von David Koltai auf, der einen sexistischen Unterton erkennen lässt: Während er Herrn Santillán noch „zwei Augen“ zuschreibt, bezeichnet er Frau Heisterhagen und Frau Bagherzadeh hingegen als „blinde Vorstandsmitglieder“. Solche Zuschreibungen greifen auf bekannte patriarchale Muster zurück – Männern wird Wahrnehmung und Kompetenz zugesprochen, Frauen dagegen werden pauschal abgewertet. Auch wenn dies möglicherweise nicht bewusst intendiert war, verstärken solche Formulierungen stereotype Rollenbilder und tragen dazu bei, dass Frauen in politischen Debatten weniger ernst genommen werden.

  6. Schön, dass Tomas Santillan eigenmächtig, ohne weitere Absprachen im Namen der Linken, einen Antrag öffentlich ankündigt, den er nur stellt, da er weiß, dass er keinerlei Chance hat in irgendeinen Vorstandsposten wiedergewählt zu werden.
    Ich bitte darum diese Pressemitteilung nicht als offizielle Pressemitteilung der Linken, sondern nur eines Einzelmitglieds zu sehen. Nicht zuletzt da anscheinend seit Mitte Mai vergessen wurde wie man ein 6 Augen Prinzip zu interpretieren hat. Glasmurmeln zählen, so sollte man glauben, selbstverständlich nicht.

    _______________
    Hinweis der Redaktion: David Koltai ist stellvertretender Sprecher des Ortsverbands der Linken.

    1. Eigentlich trägt man so einen Streit ja nicht öffentlich aus. Ich gehe mal eben Popcorn holen …

  7. Wenn es um die „Finanzen“ geht, dann kracht es auch mal. Was ist da bei der „sauberen Linke“ passiert, dass ausgerechnet Santillán sich zurückzieht? Upps…