Das Quirls ist als (Jugend-)Kneipe und Kulturort eine Institution in der Innenstadt. Foto: Redaktion

Seit 1998 gehört das Quirls an der Gnadenkirche zum festen Kneipen- und Kulturangebot der Innenstadt. Es ist Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde und wird seit 19 Jahren von Alexander Voßler betrieben. Jetzt verkauft die Kirche das Gebäude an das EVK, der Pächter hat eine Kündigung erhalten.

Das Evangelische Krankenhaus (EVK) „beabsichtigt, das Gebäudeensemble rund um das Quirls von der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach zu übernehmen“, teilt ein Sprecher des EVK auf Anfrage mit. Das Quirls solle aber „als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Lebens erhalten bleiben“.

Da der Eigentumsübergang noch nicht offiziell abgeschlossen sei, so das EVK, könne über das Pachtverhältnis und über das künftige Betriebsmodell noch nichts gesagt werden.

Aktualisierung: Die Kirche verkauft weitere Grundstücke und Gebäude an das EVK. Nur die Gnadenkirche selbst, der Gemeindesaal und der Pfarrgarten bleiben im Besitz der Kirche. Alle Infos

Pfarrer Carsten Bierei, als Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach der Verkäufer, wird etwas konkreter. Er bezeichnet das EVK als „starken und verlässlichen Partner, der das Quirls weiterbetreiben wird“ – inklusive der Kulturangebote. Der Gemeindesaal „Engel am Dom“ bleibe im Besitz der Kirche.

Der Vertrag mit dem bisherigen Pächter des Quirls sei wegen „einer hohen Summe an Pachtrückständen gekündigt“ worden, bestätigt Bierei auf Anfrage.

Der Pächter Alexander Voßler, der das Quirls seit 2007 (und bis vor kurzem in enger Kooperation mit der Gnadenkirche sowie dem Quirl e.V.) als Gastronom betreibt, widerspricht der Darstellung der Kirche. Er geht gegen die Kündigung juristisch vor und verweist darauf, dass sein Vertrag bis 2032 gelte.

Nach Voßlers Angaben stehen den Rückständen bei der Pacht eigene hohe Schadensersatzansprüche an die Evangelische Kirchengemeinde entgegen. Diese seien nach einem Wasserschaden vor einigen Jahren nach und nach aufgelaufen und seit langem Gegenstand von Gerichtsverfahren zwischen Voßler und der Gemeinde.

Hintergrund: Die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach …

… umfasst die Gnadenkirche und die Kirche zum Frieden Gottes in Heidkamp (Bezirk 1 mit Pfarrer Tim Herzog) sowie die Heilig-Geist-Kirche in Hand und die Kirche zum Heilsbrunnen in Hebborn. Geleitet wird die Großgemeinde von Carsten Bierei, der zugleich Pfarrer in Hand ist.

Seit dem Ruhestand von Thomas Werner, dem langjährigen Pfarrer der Gnadenkirche, reduziert die Evangelische Kirche nach und nach ihre Aktivitäten auf dem Quirlsberg. Zuletzt hatte sie angekündigt, die Trägerschaft des Jugendzentrums Q1 nicht weiter zu übernehmen. Der in der Corona-Zeit zum Veranstaltungsort aufgewertete Kirchgarten wird nicht mehr genutzt und auch der Kindergarten auf dem Quirlsberg ging an das EVK über.

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EVK baut Campus rund um den Quirlsberg kräftig aus

Früher eine Klinik, bald ein kompletter Gesundheitscampus: Das Evangelische Krankenhaus weitet mitten in Bergisch Gladbach sein Netzwerk medizinischer Versorgung aus – von ambulanter Behandlung bis zur Pflege im Alter. Die nächsten Schritte stehen kurz bevor: Neue OP-Säle, ein zweites Parkhaus und ein Seniorenzentrum entstehen, eine Hausarztpraxis kommt, die Notaufnahme wird optimiert. Und das ist längst nicht alles.

Gleichzeitig expandiert das EVK im Rahmen seines „Gesundheitscampus Quirlsberg“. Gerade wird die Erweiterung des Parkhauses vorbereitet, anschließend wird ein Seniorenzentrum auf dem Gelände der Alten Feuerwache an der Hauptstraße gebaut. Dafür hatte das EVK bereits das Gebäude eines benachbarten Raumausstatters gekauft.

Das Quirls (rechts) und das „Haus Häuser“ bilden eine Einheit. Rechts schließt sich das Gelände der Gnadenkirche an, links liegt die Einfahrt zum Gelände der Alten Feuerwache – wo das Seniorenzentrum gebaut wird. Foto: Redaktion

Das künftige Seniorenzentrum wird direkt an das „Gebäudeensemble Quirls“ angrenzen, zu dem neben der Gaststätte auch das sogenannte Haus Häuser gehört, das seit vielen Jahren leer steht und baufällig ist. Daher ist es möglich, dass das EVK seine Pläne ausweitet und das jetzt anzukaufende Gebäude in das Gesamtprojekt integriert.

Bis auf weiteres geht es im Quirls aber weiter wie gewohnt. Am Karnevalssamstag feiert das Team mit den Gästen zum 19. Mal die legendäre „Quirl´s Birthday Party“.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. ….hauptsache es werden mal wieder die alten bedient. Die Jugend und Musikkultur ( Konzerte im Quirls waren und sind immer gut besucht und beliebt) ist dieser Stadt Scheissegal. Ich frage mich was unser neuer Bürgermeister gedenkt gegen diese Entwicklung zu machen. Ich denke das Zandersgelände bietet genug Potential.
    Wie man sieht ist das ja für die Karnevalisten ja auch möglich.
    Die haben natürlich auch eine Lobby im Gegensatz zur Jugend.

    1. Worauf stützen Sie Ihre Schlussfolgerung? Der neue Eigentümer betont in diesem Beitrag, dass das Quirls weiterhin ein Angebot für die Jugend sein soll und auch die Kulturangebote fortgeführt werden sollen.

      1. ….fundiert ist diese Schlussfolgerung nicht ^^
        Würde mich natürlich freuen wenn es käme wie “versprochen”

  2. Arno w spricht mir aus der Seele: Die Stadt hätte hier die Chance gehabt die Verkehrsführung zu verbessern. Ein Kreisel zur Odenthaler Straße wäre endlich möglich gewesen!

    1. Wer weis denn (ich nicht), ob die evangelische Kirche überhaupt bereit gewesen wäre, dieses Grundstück an die Stadt zu verkaufen?
      Meines wissens behalten die Kirchen meistens ihre Grundstücke und überlassen diese lediglich an einen Bauherrn für eine gewisse Zeit, z.B. 100 Jahre, zwecks Bebauung/Nutzung gegen eine jährlich zu zahlende Pacht.
      Wenn die 100 Jahre abgelaufen sind, endet dieses (Erb-)Pachtverhältnis für das Grundstück (einschließlich der Aufbauten und ggf. gegen “Entschädigungszahlung” für die noch vorhandenen Aufbauten).

      Die Kirche als Eigentümer kann/wird nach Ablauf des (Erb-)Pachtverhältnisses die vorhandenen Aufbauten entweder weiternutzen, abreißen, vermieten/verpachten oder verkaufen, je nachdem, was sie für sinnvoller erachtet.
      Aber in der Regel, glaube ich, behält die Kirche ihre Grundstücke.

  3. Es mag sein, dass diese Entwicklung nicht zu verhindern war- es ist und bleibt extrem schade, das Quirls sollte tunlichst erhalten bleiben, da es für die Jugend bereits jetzt zu wenig Angebote gibt. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass der Abschied von Thomas Werner eine riesengroße Lücke hinterlassen hat- befürchtet hatte ich es…

  4. Seniorenstadt Bergisch Gladbach – hier leitet Sie das “kirchliche” Krankenhauszentrum von der Wiege bis zur Bahre, vom Kindergarten über das Krankenhaus in das Seniorenheim und zum Abschluss auf den Friedhof.
    Weil Sie es uns wert sind!
    Grüß Gott

  5. Es wäre ein großer Verlust für Bergisch Gladbach, wenn das Quirls gezwungen wäre aufzugeben. Das Programm war jeden Besuch wert und der Biergarten toll! Unbedingt weitermachen!!!

  6. Sehr bedauerlich, dass die Stadt Bergisch Gladbach sich die Chance hat entgehen lassen, das Gebäude des Quirls, das eine Halbruine und abstoßend hässlich ist, zu kaufen. Es wäre die Chance für eine dringend notwendige Stadtentwicklung gewesen: Das Quirls-Haus hätte abgerissen werden können und die Straße, ein gefährlicher Engpass, auf die hinter dem Quirls liegende Fluchtlinie erweitert werden können. Mit breitem Radweg und Fußweg. Die Veranstaltungen der “Kulturkneipe Quirls” ließen sich ohne weiteres in den Engel am Dom verlegen. Das wäre viel schöner.

  7. Warum verkauft die Ev. Kirchengemeinde das Gebäude Gaststätte-Quirls ?? Der Artikel von G. Watzlawek nennt zwar den Expansionswunsch des EVK und den juristischen Streit zwischen Kirchengemeinde und Pächter. Keine ausreichenden Gründe!

    Vielmehr ist der Druck auf alle evangelischen (und bestimmt auch katholischen) Gemeinden groß: Die Leitungsgremien müssen aufgrund eines Beschlusses der Landessynode der Ev. Kirche im Rheinland alle (!!) Gebäude daraufhin prüfen, ob sie – bei kleiner werdenden Ressourcen – in Zukunft für die gemeindliche Arbeit notwendig sind und (!!) ob sie in Zukunft klimaneutral (!!) betrieben werden können. Es könnte also sein, dass in den kommenden Jahren noch mehr einschneidende, schmerzhafte Beschlüsse durch das Presbyterium und andere Leitungsorgane getroffen werden müssen. Wirklich keine leichte Aufgabe!

    1. Danke für die Hintergrundinfo. Wir hatten Pfarrer Bierei nach den Gründen gefragt, aber nur die im Beitrag zitierte Antwort erhalten.

  8. Sehr Schade. Und ein weiteres Zeichen der Geringschätzung des Standorts seitens der Gemeinde. So kann man sich eben auch abschaffen, Gemeinde und Jugendarbeit macht dann halt die KI.

  9. Schwer vorstellbar, dass in direkter Nähe zu Seniorenangeboten die so ziemlich einzige junge Kneipe in GL unter EVK-Regie weiter bestehen bleibt, Ort der Begegnung klingt eher nach Café für Senioren. Nichts gegen eine solche Einrichtung. Aber für die Stadtentwicklung scheint es mir fatal, wenn zentrale Orte der Innenstadt, die bislang eine andere Funktion hatten, alle umgewidmet werden in den Gesundheitscampus. Klappt das mit dem Campus nicht, stirbt dieser Teil der Innenstadt, bevor Zanders wieder aufersteht.

    Es ist erschütternd, wie die evangelische Kirche in diesen letzten Entwicklungen agiert. In der Gnadenkirche gehen buchstäblich die Lichter aus, in diesem Jahr reichte es nicht mal für symbolische Weihnachtsbeleuchtung, ganz abgesehen vom schrumpfenden Angebot und der Kommunikation mit den Gemeindemitgliedern. Ja, die Kirche muss sparen und Gemeinden zusammenlegen und vielleicht auch Angebote reduzieren.

    Aber schrottet man da zuerst diejenige Gemeinde mit gut zahlenden Mitgliedern, die auch innerhalb der Stadt eine kulturelle Bedeutung hat und aufgrund ihres Settings (Quirls, Kirchgarten, Engel am Dom, Jugendzentrum) und der vielfältigen Angebote (Konzerte, Afterworkparty, Fest der Religionen, Kabarett..,) auch jenseits rein religiöser Formate gut in der Stadtgemeinde vernetzt ist und auch solche Menschen erreicht, die sonst wenig mit Kirche am Hut haben?

    Ich dachte, das sei ein Modell der Zukunft. Unbegreiflich und ein Affront für die vielen Menschen, die sich in und für die Gnadenkirche engagiert haben.

  10. Wenn man sieht, mit welchen politischen Winden (Bund und Land), in den letzten Jahren an medizinischen Einrichtungen herumgedoktert wird, halte ich es für kritisch, dass eine so große Fläche und Gebäude (Zillertal, alte Feuerwehr, min. Hauptstr. 285) und bisher noch bestehende Einrichtungen (Quirls, Kulturhaus Zanders u.a.m.) alle zur Verwendung eines Unternehmens herhalten werden.

    Bitte nicht falsch verstehen, Herr Haeger vom EVK scheint sich dynamisch einzusetzen und das Gesamtkonzept hört sich gut an. Vielleicht kommt ja auch noch ein Mehrgenerationenhaus zur Senioreneinrichtung dazu?

    Aber die „größten Arbeitgeber bzw. Ausbilder in Bergisch Gladbach“ haben in den vergangenen Jahren gefühlt immer schneller gewechselt. Und die eingangs erwähnte politische Entscheidung über die Krankenhausstandorte hätte auch anders aussehen können. Was dann? Und so manches Krankenhaus soll in finanzielle Schieflage nur im „Kerngeschäft“ sein. Wollen wir das Beste hoffen!

  11. Sauber. Und wieder sieht es so aus, als wenn ein Stück der Kultur und Begegnung abhanden kommen wird. Dann wird Gladbach noch ruhiger.

    1. Hoffen wir mal, dass sich das Evangelische Krankenhaus nicht irgendwann übernimmt, derzeit kaufen die gefühlt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wäre Schade, wenn die Niedrigzinsphase irgendwann endet und das Evangelische Krankenhaus verkommt, weil alles für Zinszahlungen draufgeht.

      Zudem, was macht die Evangelische Kirche selbst, wenn das Silberbesteck irgendwann komplett verkauft wurde, die Kita gehört denen nicht mehr, nun das Quirls und das Q1 wollen die auch früher/später ans EVK verkaufen.

      1. 1.Von einer Niedrigzinsphase kann aktuell keine Rede sein.
        2.
        Zudem gibt es Unternehmen, die über ausreichendes Eigenkapital verfügen. Daran schonmal gedacht ;) ?

      2. Das ist eine Definitionsfrage und hängt davon ab, welchen Zeitraum Sie betrachten. Bei zehnjähriger Zinsbindung liegt der Zins für Baudarlehen derzeit bei 3,85% (lt. Statista), im langjährigen Durchschnitt dagegen bei etwas über 5% (mit Spitzen von bis zu 8,5% Anfang der 80er-Jahre). Die Zinsen sind also nicht so supergünstig wie 2015 bis 2022, aber immer noch deutlich unterdurchschnittlich.

    2. Also mein Eindruck ist, dass das EVK sehr engagiert ist und einen unheimlichen Aufschwung erlebt.
      Das Quirls soll fortgeführt werden und es soll ein Seniorenzentrum, sowie ein neues Parkhaus entstehen.
      Das kann man doch eigentlich nur befürworten.

      1. Hallo Herr Zapf, ich glaube halt nicht, das ein Biergarten, indem Konzerte Open Air stattfinden, neben einem Seniorenheim bestand haben wird. Es würde mich freuen, wenn dieser Ort der Kultur weiter leben könnte, mir fehlt da aber der Glaube.

        Ist wie beim Fußball, der Trainer hat den vollen Rückhalt des Vorstandes. Und dann ist er weg. Worte sind geduldig…

      2. Der Aufschwung des EVK kommt nicht zuletzt auch vom Verkauf des Klinikum Weyertal an die Uniklinik bzw. das Land NRW.
        Dort werden etliche Millionen geflossen sein. Immerhin wird das Geld wieder investiert.

      3. …wie soll das Quirls mit seinen jetzigen Angeboten, wie z.B. Konzerte, Fussballübertragungen und als einzige Lokation für unsere Jugend in Bergisch Gladbach direkt neben einem Seniorenheim bestehen? Bergisch Gladbach wird zusehends unattraktiver. Zu schade. Die Stadt hatte echt Potenzial.

      4. Klar dass die CDU wieder nur an Parkhäuser denkt und ihnen Kultur erstmal Schnurz ist. Und auch wieder eine Einrichtung für Senioren zu organisieren ist völlig überzogen. Wie viele soll es denn noch geben?

      5. Und wieso wird dem Betrieb gekündigt wenn er doch weiter fortgeführt werden soll? Das ergibt keinen Sinn und klingt nach Vorwand