Der AIUSO tagt und friert im Ratssaal. Sobald die marode Heizung hochgedreht wird, macht sie Krach. Foto: Redaktion

Der Infrastruktur-Ausschuss hat das Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) einstimmig gebilligt, mit einem Volumen von nun bereits 427 Millionen Euro. Darüber hinaus ging es in der Sitzung um Schlaglöcher, den schon wieder beschädigten Strundetalweg, die zahnlose Baumschutzsatzung und ein ungewöhnliches Abstimmverhalten.

Wir fassen die wichtigsten Debatten und Entscheidungen der Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO) von Dienstagabend in einem ad-hoc-Protokoll zusammen.

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Das Thema Schlaglöcher treibt auch die Verwaltung seit Wochen um, berichtete der Beigeordnete Ragnar Migenda – und gab ein kurzes Uupdate. Rund 3500 Löcher hätten die drei Bautrupps der Stadt bereits gefüllt. Doch täglich würden von Bürger:innen und auch der Polizei neue gemeldet; alleine am Montag seien es 74 gewesen.

Um das Problem endlich in den Griff zu bekommen, würden die eigenen drei Einheiten jetzt durch eine vierte externe Truppe ergänzt, die Stadt sei auch auf der Suche nach einer Firma, die eine fünfte Truppe stellen könne – was nicht so leicht sei, denn ganz Deutschland kämpfe mit Schlaglöchern. Der häufige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter habe überall die Straßen ruiniert, erläuterte Migenda.

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Bautrupps der Stadt flicken jeden Tag mehr als 50 Schlaglöcher

Die Straßen Bergisch Gladbachs sind generell in einem miesen Zustand, der Frost reißt weitere, zum Teil tiefe Löcher. Der Bauhof der Stadt ist zwar auch bei Minustemperaturen mit drei Teams unterwegs, kommt aber nicht nach. Die Stadt bittet um Geduld, Vorsicht und Mithilfe.

Die Konzentration auf die Straßenschäden, so Migenda weiter, habe dazu geführt, dass der Bauhof noch nicht – wie angekündigt – die neuen Fahrradbügel in der Fußgängerzone installieren konnte. Sie sollen als Ersatz für die Baumschutzeisen dienen, die nach der Vergrößerung der Baumscheiben nicht mehr zum Anschließen von Rädern genutzt und demontiert werden sollen.

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Fußgängerzone: Das wundersame Verschwinden der Stolperfallen

Gut zwölf Jahre nach der Umgestaltung der Gladbacher Fußgängerzone wagt die Stadt zum ersten Mal einen deutlichen Eingriff: Drei Viertel der Bäume wurden aus ihren viel zu kleinen Einfassungen befreit und erhalten großzügige Beete. Damit ist ein großer Teil der Stolperfallen verschwunden. Aber auch die Möglichkeit, sein Rad anzuschließen.

Die Reparatur des Strundetalwegs, die zuletzt vom ADFC angemahnt worden war, ist ein komplexes Unterfangen, erläuterte Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen. Der Weg zwischen Papiermuseum und Herrenstrunden verläuft auf dem Mühlendamm und wird immer wieder unterspült.

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Strundeweg dicht: Wann wird der Mühlengraben saniert?

Seit einem Jahr ist der beliebte Strundeweg beschädigt, seit dem Herbst sogar komplett gesperrt. Je länger die Stadt nichts unternimmt, desto größer wird der Schaden am Damm des Mühlengrabens, warnt der ADFC.

Anstatt ein weiteres Mal nur die Löcher zu stopfen, plane die Stadt eine gründliche Reparatur. Die könne aber schnell einen sechsstelligen Betrag erfordern. Daher erarbeite die Verwaltung einen Maßnahmenbeschluss mit einer teuren technischen und einer preiswerten „organisatorischen“ Lösung als Alternativen – zwischen denen sich der Ausschuss bei der nächsten Sitzung entscheiden soll.

427 Millionen für sauberes Wasser

Über das neue Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) hatte der Ausschuss auch in der vergangenen Sitzung im Dezember lange diskutiert. Alle Fraktionen hatten akzeptiert, dass die Stadt in den kommenden zehn Jahren rund 400 Millionen Euro (inzwischen stehen sogar 427 Millionen im Beschluss) verbuddeln muss, um das Abwassersystem auf den gesetzlich vorgeschriebenen Standard zu bringen – und sicher zu stellen, dass das Trinkwasser sauber bleibt.

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Stadt will und muss 390 Millionen Euro in Abwasser investieren

Beim Versuch, ein einigermaßen schlankes Konzept für die Abwasserbeseitigung aufzustellen, war Bergisch Gladbach gescheitert. Nun nimmt die Verwaltung einen neuen Anlauf. Weil die rechtlichen Anforderungen in der Zwischenzeit weiter gestiegen sind, rechnet sie bis 2037 mit Ausgaben von 390 Millionen Euro. Ohne ein Konzept drohen jedoch rechtliche, finanzielle und planerische Konsequenzen – bis hin zum Stopp für neue Baugebiete.

Nun stand der Beschluss über die erste Etappe an, mit 140 Maßnahmen von 2027 bis 2032 für 210 Millionen Euro (s.a. Dokumentation unten).

Die CDU drückte noch eine Änderung in den Beschluss, wonach die Stadt bei jeder einzelnen Maßnahme (die Schritt für Schritt beschlossen werden) immer auch die wirtschaftlich günstigste Variante darstellen müsse. Genau das mache sie ohnehin, stellten Migenda und Fachbereichsleiter Martin Wagner klar. Ihnen sei sehr bewusst, dass man den Bürger:innen, die am Ende mit ihren Gebühren alles bezahlen, nur das absolut Notwendige abverlangen können. „Wir bauen keine goldenen Kathedralen unter der Erde“, sagte Migenda.

Wie stark sich die Gebühren denn tatsächlich in den nächsten Jahren erhöhen, wollte Jörg Laschet (FWG/Volt) wissen – etwa weiterhin zweistellig, so wie in diesem Jahr? Eine solche Schätzung oder gar Prognose könne man erst auf der Basis des jetzt zu treffenden Beschlusses anstellen, erklärte Wagner.

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Gebühren für Müll, Wasser und Straßenreinigung steigen deutlich

In diesen Tagen verschickt die Stadt Bergisch Gladbach nicht nur die Abrechnungen der Grundsteuer, sondern auch 27.200 Bescheide für die Gebühren der Müllabfuhr, der Straßenreinigung und des Winterdiensts. Die Abwasser-Rechnungen folgen. Nahezu alle Gebühren klettern kräftig.

Die tatsächlichen Kosten werde man ohnehin nur ansatzweise berechnen können – denn wie schnell und in welchem Umfang die bis 2028 insgesamt 200 Maßnahmen des ABK umgesetzt werden, ist offen. Weil jede Maßnahme von der Bezirksregierung geprüft und genehmigt werden müsse. Und weil die Stadt trotz einer Aufstockung der Zahl der Abwasseringenieure von 14 auf 20 zu wenig Personal für die Mammutaufgabe habe. Weitere Leute einzustellen scheitere schon daran, dass der Markt leergefegt sei. Das Abwasserwerk prüfe aber bereits, ob und welche Aufgaben an die neue stadteigene Infrastrukturgesellschaft IGBL ausgelagert werden können.

Der Beschluss über das ABK 2027 – 2038 wurde einstimmig gefasst.

Wer setzt die Baumschutzsatzung durch?

Auf die Frage von Friedrich Bacmeister (Grüne), wieviel Geld an Bußgeldern aufgrund von Verstößen gegen die 2022 verabschiedeten Baumschutzsatzung eingenommen worden sind, gab Christian Nollen, Leiter von StadtGrün, eine kurze Antwort und eine längere Begründung.

Eingenommen wurden Null Euro, weil auch Null Bußgeldbescheide erlassen wurden. Denn die dafür vorgesehene halbe Stelle habe erst Anfang 2025 besetzt werden können. Die entsprechende Person habe dann Grundlagen erarbeitet, sich krankgemeldet und eine Weile später die Stadtverwaltung verlassen. Erst nach mehreren Anläufen habe die Stadt die Stelle zum 1.6.2026 neu besetzen können.

Aufgrund der Personalsituationen hätten sich einige Verfahren inzwischen verjährt, räumte die Verwaltung ein. Wieviele es waren, können sie erst feststellen, wenn die Stelle wieder besetzt ist.

Einstimmige Enthaltungen

Wie alle Fachausschüsse muss sich auch der Ausschusss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung mit dem Haushaltsentwurf für 2026 befassen. Und eigentlich für die Bereiche, für die er zuständig ist, eine Beschlussempfehlung abgeben.

Dem verweigerte sich der Ausschuss jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise. Alle Fraktionen, von SPD und Grünen über CDU und FWG/Volt bis zu AfD und Bürgerpartei enthielten sich. Insgesamt fünfmal stellte der Ausschussvorsitzende Josef Wagner eine „einstimmige Enthaltung“ fest.

Dieses Verhalten soll nun zur Gewohnheit werden – offenbar wollen die Fraktionen das in allen Fachausschüssen so handhaben und erst im Finanzausschuss zur Sache kommen. Weil einige Fraktionen – nicht zuletzt die CDU – ihre internen Beratungen noch nicht abgeschlossen haben.

Weitere Themen im Ausschuss

Der erste Abschnitt der Neugestaltung des Nordeingangs des Refrather Friedhofs wurde einstimmig bei einigen Enthaltungen bei der CDU angenommen. Die CDU hatte zuvor infrage gestellt, ob ein Spielpunkt für Kinder und Bienenstöcke tatsächlich zu einem Friedhof passen; eine ausführliche Debatte dazu wurde vertagt.

Alle Tagesordnungspunkte und Vorlagen finden Sie im Ratsinformationssystem.

Vor den Gefahren der Asiatischen Hornisse warnte Markus Bollen (Grüne) und regte an, dass die Nester bei der Stadt zentral gemeldet werden. Zum Thema soll die Abteilung Umweltschutz ein Konzept entwickeln.

Die Möglichkeit, statt der großen 240-Liter-Gelben Tonne auch eine 120-Liter-Tonne anzubieten will die Verwaltung prüfen, sagte sie auf Anfrage der AfD zu.

Die CDU fragte, warum die geplante Videoüberwachung von Altkleider-Containern nun doch rechtlich möglich sei, obwohl die Verwaltung das zuvor verneint hatte. Und was das Projekt kosten werde. Antworten will die Verwaltung schriftlich liefern.

Mit dem Spielplatz am Theodor-Fliedner-Platz wird zum zweiten Mal (nach dem Kolping-Platz) ein Spielplatz in Hand saniert. Die Häufung sei jedoch Zufall und keine Benachteiligung anderer Stadtteile, so die Verwaltung. Die nächste Sanierung stehe in Paffrath an. Parallel arbeitet die Stadt weiterhin an einem Spielplatzentwicklungsplan sowie einem Spielplatz- und Grünflächen-Kataster.

Dokumentation

Der Erläuterungsbericht 2027 – 2032

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. 427 Millionen nach Stand heute. Bei 12 Jahren Laufzeit, den Teuerungen und Baukomplikationen muss man mind. 100% aufschlagen. Wenn 854 Mio auf 56.000 Wohnungen in GL umgelegt werden, errechnen sich Zusatzkosten von über 100€ pro Monat und Mieter/Eigentümer. Die Nebenkosten knallen hoch, Wohnen wird nochmal teurer.
    Noch gar nicht berücksichtigt sind die steigenden CO2-Kosten, das Steuerloch, wo evtl. die Mehrwertsteuer erhöht werden muss, steigende Sozialausgaben, Krankenkasse, Pflege usw. Zusätzlich werden sich Leute überlegen, ob Arbeit sich noch lohnt. Laut DIW werden wir auch kein Wirtschaftswachstum wie früher mehr erleben.
    Eine solche Situation findet sich nicht nur in GL, sondern flächendeckend. Verrohung der Gesellschaft, Recht des Stärkeren, steigende Kriminalität in best. Bereichen, Schwarzarbeit, sinkendes Bildungsniveau, Kriegsgefahren usw. laufen parallel. Es kommen spannende Jahre auf uns zu…

    1. Die Frage wäre, wieviel an der Aussage:
      “und sicher zu stellen, dass das Trinkwasser sauber bleibt.” dran ist. Bedeutet dies, dass das Trinkwasser heute eigentlich nicht “sauber” ist oder dass der gesetzliche Standard sich angepasst hat und wir im vorauseilendem Gehorsam die Linie umsetzen wollen?

      Ich habe als Laie verstanden, dass es verschiedene Ausbaustufen der Abwasserreinigung gibt und umso höher die Stufe, umso mehr kann man aus dem Abwasser herausfiltern.
      Versuchen wir gerade auch die aller letzte Verunreinigung zu beseitigen wären andere EU-Länder noch damit beschäftigt sind, nicht die Abwässer ins Meer versickern zu lassen?

      Oder versuchen wir mit dem Kanalnetz auch ein Jahrhundert-Ereignis abzudecken, diese ganzen Differenzierungen fehlen mir aber ich hoffe, dass dies zumindest ein paar Politiker auf dem Schirm haben.

      1. Die Stadt betont immer wieder, nur genau das zu machen, was gesetzlich vorgeschrieben ist, „nicht mehr und nicht weniger“ sagte Migenda gestern. Was das genau bedeutet steht u.a. in dem Dokument, das wir unten im Beitrag eingebunden haben. Ein Auszug:

        „Die Abwasserentsorgung ist ein wesentlicher Grundstein der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung und des ansässigen Gewerbes einer Stadt. Die gesetzlichen Grundlagen der Abwasserentsorgung sind die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), kommunale Abwasserrichtlinie (KARL), das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das Landeswassergesetz (LWG) sowie unterschiedlichste Verordnungen, Runderlässe und erteilte Genehmigungen.

        Die Aufgabe der Abwasserentsorgung unterliegt den genannten Rechtsvorschriften, welche sich aktuell im Wandel befinden. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen der Abwasserentsorgung immer umfangreicher geworden und neue Aspekte wurden in die Betrachtung aufgenommen, wie z. B. die Berücksichtigung von Starkregen oder die Klimafolgenanpassung.

        Um sich der sehr komplexen Aufgabe zu stellen, bedarf es der stetigen Anpassung und Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes, der Hinterfragung und Weiterentwicklung von Standards und nicht zuletzt den Willen der Stadt Bergisch Gladbach Maßnahmen umzusetzen.“