Neben dem Gebäudeteil, den bislang die Realschule Herkenrath nutzt, entsteht der Neubau. Fotos: Redaktion

Am Schulzentrum Herkenrath entsteht ein Gebäude, das Platz für 18 Unterrichtsräume bietet. Obwohl die Realschule in den Neubau einziehen wird, profitiert auch das benachbarte Gymnasium unmittelbar davon. Gerade noch rechtzeitig, denn nach den Sommerferien muss ein zusätzlicher G9-Jahrgang aufgenommen werden.

Am Anfang war der Pessimismus groß. „Als wir erfahren haben, dass es am Schulzentrum neue Räume geben soll, hätten wir nicht für möglich gehalten, dass es so schnell geht“, sagte Julia Kleine, Schulleiterin der Realschule Herkenrath, beim Richtfest des neuen Klassenhauses. Im vergangenen Herbst sei das gewesen. Nicht einmal ein Jahr später, mit Beginn des nächsten Schuljahres, sollen die neuen Räume genutzt werden.

Es dürfte eine Punktlandung werden. Der Platzbedarf am Schulzentrum Herkenrath ist groß, der Zeitdruck ebenso. Denn durch die Rückkehr zu G9, also dem Abitur nach neun Schuljahren, verschärft sich die seit langem herrschende Raumnot des Gymnasiums. Im kommenden Schuljahr muss ein zusätzlicher Jahrgang untergebracht werden.

Realschule zieht in Neubau

Der Neubau soll Abhilfe schaffen – obwohl nicht das Gymnasium selbst, sondern ausschließlich die benachbarte Realschule diesen nutzen wird. Dazu muss man wissen: Realschule und Gymnasium teilen sich den Standort. 

Künftig soll es eine klarere räumliche Trennung beider Schulen geben. Der Neubau wurde auf einer bislang ungenutzten und unbebauten Fläche auf dem städtischen Grundstück des Schulzentrums errichtet –unmittelbar neben dem Gebäudeteil, den bislang die Realschule nutzt. 

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Neubau für Realschule schafft Platz für Gymnasium Herkenrath

Die Rückkehr zu G9 droht die schon bestehende Raumnot am Gymnasium Herkenrath zu vergrößern. Doch ein neues Klassenhaus soll ab dem Sommer für Entspannung sorgen. In den Neubau wird allerdings die benachbarte Realschule einziehen – sie gibt dadurch eine Etage für das Gymnasium frei. Die Schulbau GmbH stellte die Pläne jetzt vor.

„Unsere Schüler haben am Bau teilgenommen und von den Fenstern aus beobachtet, wie die Module aufgebaut und ihre neue Schule entstanden ist“, so Kleine. Die Schulleiterin lobt die reibungslosen Abstimmungen mit der Nachbarschule, mit der Verwaltung und der Schulbaugesellschaft. „Wir freuen uns jetzt riesig darauf einzuziehen.“

Gymnasium erhält freie Etage

Das Gebäude umfasst drei Etagen mit einer Bruttogeschossfläche von knapp 2000 Quadratmetern. Es entstehen zwölf Klassenräume, sechs Differenzierungsräume und ein Lehrerzimmer. Es wird unter anderem mit Gründach und einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. 

Wenn die Bauarbeiten an dem Gebäude abgeschlossen sind, wird der angrenzende und sanierungsbedürftige Schulhof der Realschule neu gestaltet.

Das Gymnasium erhält im Gegenzug die komplette dritte Etage des Hauptgebäudes. Die bisherigen Realschulräume sollen umfassend renoviert und die Flure künstlerisch gestaltet werden. Lediglich naturwissenschaftliche Räume und solche für den Kunst-Unterricht werden sich beide Schulen auch weiterhin im Hauptgebäude teilen.

Räumliche Trennung der beiden Schulen

„Natürlich hätten wir auch gern einen solchen Neubau“, gestand Romina Matthes, kommissarische Schulleiterin des Gymnasiums. Aber auch wenn die Realschule dort einziehe: „Wir sind trotzdem glücklich über das Klassenhaus und dass das Leben als Sardine damit für unsere Schüler vorbei sein wird.“ Bislang müssten die Kinder und Jugendlichen rotieren, nicht alle Klassen hätten feste Klassenräume. 

Besonders wichtig aus Sicht der Schulleiterin: „Die Oberstufenschüler bekommen wieder einen richtigen Aufenthaltsraum.“ Bisher stehen ihnen nur zwei kleine Räume zur Verfügung, die nicht für 400 Personen ausreichen. „Und wir sind zwar ein Schulzentrum, aber zwei verschiedene Schulformen mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten.“ Daher sei eine räumliche Trennung gut. 

„Ich freue mich darauf, dass wir mehr Räume bekommen und nicht mehr so beengt lernen müssen“, sagte Schülersprecher Jasper Küster. Der 17-Jährige hofft auf Entspannung für beide Schulen.

Bürgermeister Marcel Kreutz bezeichnete das Richtfest als „wichtigen Meilenstein“ für die beiden Schulen. Die 8,7 Millionen Euro für den funktionalen und modernen Neubau seien gut investiert, um Schüler:innen gutes Lernen zu ermöglichen. „Es macht mich extrem stolz, dass wir dafür eine Menge Geld in die Hand nehmen und das in dieser Geschwindigkeit geschafft haben.“ 

Sebastian Rolko, Geschäftsführer der städtischen Schulbaugesellschaft, betonte die Vorteile der modularen Bauweise: Die Raummodule (inklusive Beleuchtung) wurden im Werk der ausführenden Baufirma Kleusberg vorgefertigt und innerhalb von drei Wochen vor Ort aufgebaut. „Bei der Anlieferung der Module haben wir den Anwohnerinnen und Anwohnern der schmalen Anliegerstraßen ganz schön was zugemutet.“

Schulhof in schlechtem Zustand

Gelitten hat unter dem Schwerlastverkehr auch der Schulhof: „Der Unterstufenpausenhof war vorher schon in einem schlimmen Zustand. Das muss künftig dringend angegangen werden“, sagte Matthes. Letztlich profitiere die Realschule vom „G9-Bau“. Die Schulleiterin wolle keine Neiddebatte führen. „Aber ich kann der Elternschaft nicht verkaufen, dass die Realschule ein neues Gebäude und einen neuen Schulhof bekommt und das Gymnasium geht leer aus.“

Das Gebäude sei mittlerweile 52 Jahre alt und „in entsprechendem Zustand“. Matthes verlasse sich darauf, dass rechtzeitig mit Beginn des neuen Schuljahres alles fertig, die Renovierung des Realschultraktes abgeschlossen sein werde und entstandene Schäden auf dem Schulhof behoben sein werden. „Aber ich bin optimistisch, dass sich auch für das Gymnasium Dinge positiv verändern.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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