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Beim „Internationalen Kochen“ versammeln sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern um Herd und Tisch in der VHS, um gemeinsam Spezialitäten aus verschiedenen Ländern zuzubereiten und zu essen. Die Begegnung und der Austausch stehen dabei im Vordergrund. Aber auch das Geschmackserlebnis.

Indien ist nicht weit von Deutschland entfernt, die Türkei liegt zwischen Polen und Frankreich. Zumindest an diesem Abend in der Lehrküche der Volkshochschule Bergisch Gladbach. 25 Menschen sind zum Internationalen Kochen in die VHS gekommen, um gemeinsam Gerichte aus den besagten Nationen zuzubereiten. Der Abend steht unter dem Motto „Die ganze Welt in unserer Stadt“.

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Die Idee dahinter: „In Bergisch Gladbach sind Menschen mit unterschiedlichen nationalen, kulturellen und religiösen Wurzeln zu Hause“, erklärt Klaus Farber, einer der Initiatoren. Gemeinsames Kochen verschiedener nationaler Gerichte bezeichnet der 86-Jährige als Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen, Verstehen und Begegnen von Deutschen und Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Das gemeinsame Kochen verbindet

Klaus Farber (Mitte) organisiert die Koch-Abende. Foto: Redaktion

Häufig sind Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund dabei. Farber ist unter anderem Gründer der Flüchtlingsinitiative Herwi und hat viele „Reisen gegen das Vergessen“ unter anderem nach Auschwitz organisiert.

Seit über 35 Jahren organisiert Farber die Koch-Abende, die im Laufe der Jahrzehnte an verschiedenen Schulen und von unterschiedlichen Institutionen veranstaltet wurden. Seit einiger Zeit richtet sie der Pszczyna-Verein aus, an diesem Abend in Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein Refrath. 

Nicht nur das gemeinsame Essen, auch das gemeinsame Kochen verbindet. Das wird an diesem Abend schon in den ersten Minuten spürbar. Einige kennen sich bereits von früheren Veranstaltungen oder aus den Vereinen, andere begegnen sich zum ersten Mal. Alle duzen sich sofort und sprechen sich mit dem Vornamen an. So halten wir es auch in diesem Artikel.

Gerichte aus fünf Nationen

In jeder Kochkoje gibt es eine Person, die im Vorhinein die Rezepte ausgewählt und die Zutaten eingekauft hat. Er oder sie hat sozusagen die Chef-Kochmütze auf. Die Teilnehmer:innen wählen aus, bei welcher Nationalität sie helfen und schnippeln möchten. Welche Länder auf dem Speiseplan stehen, ist für die meisten (abgesehen von den Chefköch:innen) eine Überraschung.

Karin ist an diesem Abend zum dritten Mal dabei – und erstmals als „Chefin“ für die indischen Speisen. Es gibt Murgh Makhani (Butter Chicken) und als Dessert Kardamom-Grieß mit Rosinen, Safran und Rosenöl. Das Fleisch hat sie schon mariniert und in Joghurt, Kreuzkümmel und Knoblauch eingelegt. 

In der Koje nebenan werden Äpfel und Kartoffeln geschält – für die deutschen Reibeplätzchen und das frische Apfelmus. Kadir schneidet die Äpfel klein. Er stammt aus der Türkei und nimmt zum ersten Mal teil. „Gemeinsames Kochen und Essen ist wie Musik“, sagt er und stimmt mit kräftiger Stimme ein türkisches Lied an. Kurz verstummen die Gespräche, alle lauschen und applaudieren, als Kadir fertig ist. 

Viele Teilnehmer:innen tragen Kochschürzen, so auch Jean-Louis, der aus dem Elsass stammt und für das französische Gericht Tartiflette zuständig ist – ein Kartoffelauflauf mit Reblochon-Käse und Speck. Neben ihm weint Sabine. Und reibt tapfer eine Zwiebel nach der anderen. 

Im Nebenraum decken und dekorieren einige Helfer:innen die Tische, stellen Blumenvasen auf und falten Servietten. Andere versorgen die Köch:innen und ihre Helfer:innen mit Getränken. So hat jede:r eine Aufgabe. 

Für die mit Feta und Lauch gefüllten Böreks hat Chefköchin Bedriye den frischen Yufka-Teig in Köln-Mülheim gekauft. Zum Nachtisch gibt es Künefe, das aus knusprigen Engelshaar-Teigfäden, Mozzarella und Sirup besteht. 

Man lernt ganz viel voneinander. Ingrid

„Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen“ oder „Es riecht so lecker“, heißt es zwischendurch. Hier und da wird auch einmal genascht. Zwischen Herd und Arbeitsplatte wird gequatscht. „Ich mag, dass das gemeinsame Kochen so kommunikativ ist. Man lernt ganz viel voneinander“, sagt Ingrid. 

Sie kommt aus Schlesien, ist im Pszczyna-Verein und fast jedes Mal beim Kochen dabei. „Häufig bin ich für polnische Gerichte zuständig“, sagt Ingrid. Heute bereitet sie mit ihren Helfer:innen Steinpilzsuppe und einen Salat mit gekochten Eiern, Brokkoli, Chicorée und Mandeln zu. Die Zutaten hat sie im polnischen Supermarkt besorgt.

Um 19 Uhr, zwei Stunden nach dem Start des Gemeinschaftsabends, ist das internationale Buffet vorbereitet. Der Reihe nach stellen die Chefköch:innen ihre kulinarischen Werke und ihre Küchenhelfer:innen vor.

Und dann darf endlich probiert werden. Auf den Tellern kommen sich die verschiedenen Länder noch näher, bilden neue Geschmackskompositionen.

„Das ist das beste Restaurant von Bergisch Gladbach“, sagt Karin und einige nicken mit vollem Mund. „Ich koche nicht gern, aber esse sehr gern.“

Bevor das Buffet für eine zweite Runde angesteuert wird, bittet Organisator Klaus Farber um Aufmerksamkeit: „Jetzt kommt der wichtigste Teil: die Vorstellungsrunde“.

Der Hausmeister isst mit

Der Reihe nach stellen sich alle Gäste vor. Viele von ihnen haben ausländische Wurzeln, stammen aus Tschechien, der Schweiz, Südafrika, England und der Türkei. „Es ist so schön mit Anderen und für Andere zu kochen“, sagt Harald. Auch der Hausmeister der VHS sitzt nun mit an der langen Tafel und lässt es sich schmecken. 

„Jedes Mal gibt es Köstlichkeiten und man entdeckt Gerichte, die man vorher noch nie probiert hat“, sagt eine Teilnehmerin. Einige der Chefköch:innen haben ihre Rezepte ausgelegt, damit die anderen sie abfotografieren können.

Klaus Farber hat eine lange Liste mit Menschen verschiedenster Herkunftsländer, die gerne kochen. China, Kasachstan, Syrien und Guinea sind beispielsweise darunter. Welche Nationen beim nächsten Mal auf und an den gemeinsamen Tisch kommen, bleibt am Ende des Abends noch ein Geheimnis. 


Wer Interesse hat, bei einem der künftigen Internationalen Koch-Abenden mitzumachen, kann sich bei Klaus Farber melden: kgfarber@t-online.de 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Welch berührender Bericht. Was für eine wunderbare, Grenzen überschreitende Initiative!
    Gemeinsam planen, zusammen kochen, an einer Tafel sitzen. Genießen, sich näher kommen und gedanklich austauschen.
    So könnte auch Politik funktionieren.

  2. Einzelne machen den (großen) Unterschied und wir können so froh sein, dass wir sie in UNSERER Stadt haben: Herr Klaus Faber ist einer von Ihnen und (nicht nur mir) ein großes Vorbild.
    Chapeau…wie der Rheinländer sagt.

  3. Es war wie immer ein schöner Abend, mit leckerem Essen, danke Klaus, bis zum nächsten Mal.