Fotos: Ivan Toscanelli

Fotografien des Bergisch Gladbacher Fotografen Ivan Toscanelli werden in der Ausstellung „The Japanese Tattoo“ in der renommierten Galerie Komiyama Tokyo G in Japan gezeigt. Damit kehrt ein wichtiger Komplex seiner Arbeit an ihren Ursprungsort zurück, die sich mit der Tätowierkunst des Landes.

Für Ivan Toscanelli ist diese Ausstellung weit mehr als die Präsentation einzelner Fotografien. Sie markiert die Rückkehr eines Werkkomplexes an seinen Ursprungsort – in jene Stadt, in der diese Arbeiten über viele Jahre entstanden sind.

Zwischen 2001 und 2021 lebte und arbeitete Ivan Toscanelli in Tokio. Während dieser Zeit entwickelte er zahlreiche langfristige fotografische Projekte, die sich mit Menschen, kulturellen Räumen und den oft verborgenen Ebenen des japanischen Alltags beschäftigen. Die traditionelle japanische Tätowierkunst nahm dabei über viele Jahre einen besonderen Platz ein.

Dabei verstand Toscanelli seine Arbeit nie als reine Dokumentation:

„Mich interessiert nicht das bloße Abbilden einer Kultur. Mich interessiert das eigentlich nicht Sichtbare – Vertrauen, Nähe, Atmosphäre und die Beziehungen zwischen Menschen. Die Fotografie beginnt für mich lange bevor ich die Kamera in die Hand nehme.“

Aus dieser Haltung heraus entstand über viele Jahre eine enge Zusammenarbeit mit dem Tätowiermeister Horicho II, einem der bedeutenden Vertreter der traditionellen japanischen Tätowierkunst. Was zunächst als fotografisches Projekt begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Zusammenarbeit und schließlich zu einer persönlichen Freundschaft.

Gerade dieses Vertrauen ermöglichte Einblicke in eine Welt, die Außenstehenden normalerweise verborgen bleibt. Die entstandenen Fotografien wollen diese Kultur jedoch nicht erklären oder dokumentieren. Sie sind vielmehr eine fotografische Interpretation – Bilder über Menschen, über Zeit, über Handwerk und über die stille Würde einer jahrhundertealten Tradition.

Drei Arbeiten in Tokio

Die drei in Tokio ausgestellten Arbeiten zeigen unterschiedliche Facetten dieser Annäherung.

Eine Fotografie entstand 2018 auf dem historischen Fischmarkt Tsukiji kurz vor dessen Schließung. Sie zeigt einen der legendären Marktarbeiter mit den Tätowierungen von Horicho II und ist Teil des Langzeitprojekts Tsukiji Pride.

Eine zweite Arbeit zeigt Horicho II während einer Tätowierung in seinem Atelier in Asakusa. Sie gewährt einen seltenen Blick auf den Entstehungsprozess traditioneller japanischer Tätowierungen.

Die dritte Fotografie konzentriert sich auf die fein ausgearbeiteten Details eines Tattoos und lenkt den Blick auf die handwerkliche Präzision und die künstlerische Sprache des klassischen Irezumi.

Dass diese Arbeiten heute ausgerechnet in Tokio präsentiert werden, besitzt für Toscanelli eine besondere Bedeutung:

„Diese Bilder sind dort entstanden. Sie kehren nun an den Ort zurück, an dem ihre Geschichte begonnen hat.“

Die Ausstellung versteht Toscanelli zugleich als Zeichen dafür, dass sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der traditionellen japanischen Tätowierkunst langsam verändert. Obwohl Tätowierungen in Japan bis heute mit gesellschaftlichen Vorurteilen verbunden sind, eröffnet die Ausstellung einen kulturellen Blick auf ihre Geschichte, ihre Ästhetik und ihre Bedeutung.

Für Toscanelli ist die Teilnahme deshalb nicht nur eine persönliche Freude, sondern auch eine Anerkennung eines Projekts, das ihn über viele Jahre begleitet hat.

Die in Tokio gezeigten Fotografien bilden jedoch nur einen kleinen Ausschnitt eines umfangreichen Archivs, das während zweier Jahrzehnte in Japan entstanden ist. Dieses Archiv umfasst zahllose weitere Arbeiten über Tätowierkunst, das Leben in Tokio sowie langfristige fotografische Projekte, die den Menschen stets in den Mittelpunkt stellen.

Über den Fotografen

Der in Bergisch Gladbach geborene Ivan Toscanelli ist Fotograf und Künstler. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen künstlerischer Fotografie, Porträt und visueller Erzählung. Im Zentrum seiner Arbeit stehen langfristige Projekte, die sich mit Erinnerung, Identität, Raum und den Beziehungen zwischen Menschen beschäftigen.

Von 2001 bis 2021 lebte und arbeitete er in Tokio. Heute lebt er in Deutschland und entwickelt internationale Ausstellungs- und Buchprojekte.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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