Raumgreifende Installationen am Boden und an der Decke, Zeichnungen und Dokumentationen der „LandArt“: Die Galerie Partout zeigt eine umfassende Werksschau der Künstlerin Veronika Moos. Im Gespräch schildert sie ihre Faszination für handwerkliche Techniken und was das mit ihrer Inspiration zu tun hat.
„Es war an der Zeit“, sagt die Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum. Die aktuelle Ausstellung sei von langer Hand geplant; es sei viel passiert, viel Neues entstanden seit der letzten Einzelausstellung 2020 von Veronika Moos in der Herkenrather Kunstkabinett Partout. 2025 hatte sie eine große Einzelausstellung in der Villa Zanders – eines ihrer Werke wurde angekauft.
Nun freut sich Moos auf die Ausstellung im Partout, denn sie kann ganz neue Installationen umsetzen und bisher unveröffentlichte Werke zeigen. Es wird einen Workshop geben, verrät sie.
Experimentelle Anfänge

Der Titel klingt lyrisch – wie auch die meisten Titel der Werke – typisch für die poetisch arbeitende Künstlerin, die überwiegend Naturmaterialien verarbeitet. „Vierzig Schatten von Weiß“ steht für vierzig Kunstjahre, verschiedene Lebens- und Arbeitsphasen, für einen ganzen Zyklus, sagt Veronika Moos.
1988 hat sie ihr Examen in freier bildender Kunst an der Universität Mainz abgeschlossen. Damals gab es richtige Werkklassen – Schmuck, Keramik, Grafik –, es gab ein großes Angebot für Studierende.
Obwohl es damals schon als altmodisch galt: sehr technisch, handwerklich, im Gegensatz zum vergleichsweise freien Studienangebot in Düsseldorf. Es war eine Zeit, in der es als fortschrittlich galt, dass der Künstler plant und von anderen ausführen lässt.
In der Uni in Mainz galt hingegen damals noch: „Das Tun und der handwerkliche Prozess gehen Hand in Hand“ – ganz in der Tradition des Bauhauses, erklärt Moos. Auch Bildhauerei war damals ganz klassisch mit Stein- und Metallbearbeitung.
Veronika Moos geboren in Bensberg
1982 – 1988 Studium an der Akademie für Bildende Künste, Mainz Diplom bei Frau Prof. Knoche-Wendel Studium der Philosophie und Germanistik. Seither freischaffende Künstlerin Lehraufträge/ Workshops verschiedene Lehraufträge und Workshops im In- und Ausland, u.a. Universitäten Köln, Mainz und Osnabrück.
Pädagogische Erfahrungen in Gymnasien, Grund- und Sonderschulen.
Auslandaufenthalte/ Artist in Residence 2016 Frankreich, Bretagne, Residence 2014 Island, Studienreise 2013 St. Gilles/Croix de Vie, Frankreich, Residence 2006 Karachi, Pakistan (Goethe Institut, Indus Valley School of Art) 2008 Paris/Lyon, Musee du quai Branly/Universität Lyon 2005 Japan, Studienreise 2004 Liverpool, Hope University 2000 Island, Studienreise Auszeichnungen 2019 Staatspreis Manu Factum, NRW 2003 Stipendium der Jakob Eschweiler Stiftung 1989 Förderpreis “ausgezeichnet”, Rheinland-Pfalz Promotion Universität zu Köln, 2007: Die Unschärfe der Wahrheit – Transparenz der Verhüllung. Eine Studie zur Sinnlichkeit von textilem Material in der Kunst am Beispiel alter und neuer Hungertücher
Zur Person
Parallel hat sie mit ihren Geschwistern Volkshochschulkurse besucht, einfach um viele Techniken zu lernen: „Das, was man über das Zeichnen und Malen hinaus machen kann.“ In den Jahren habe sie ein ganzes Leben damit verbracht – es gab viele Einflüsse.
Eine Technik ist auch Inspiration.Veronika moos
Anders als im Design spielen Nutzen und Funktionalität einer Technik für sie als Künstlerin eine untergeordnete Rolle. Es müsse kein Gebrauchsgegenstand daraus werden, kein Produkt. Sie könne die Technik jederzeit nutzen, um eine Atmosphäre zu erzeugen.

Für Moos gehört Technik zu den menschlichen Gesten, sie ist „philosophisch aufgeladen“, weil sie Bedeutungsebenen hat. „Einen Knoten machen, Faden spannen.“ Sie beschäftigt sich mit Sprachbildern, die Zustände und Empfindungen beschreiben. „Sie kommen aus dem, was wir mit unseren Händen tun können, was in unseren Erfahrungen ist.“
Schon die Bewegung habe Ausdruck, sagt sie – zeigt sie, während sie Fäden in der Luft zieht. In ihrer Arbeit geht es ihr um die Wiederholung einer körperlichen Erfahrung, die wir aus der Sprache kennen, und um die Wiederholung als solche – das Repetitive im Tun.
Schön zu beobachten im Objekt „Sommerregen“ aus Papiergarn und Pulpe, dem Rohstoff aus der Papierherstellung. Ein Objekt, das nach einem handwerklichen System, einem bestimmten Muster hergestellt wurde, innerhalb einer sich wiederholenden Handlung. Dabei spielen Intuition und minimale Veränderungen eine entscheidende, kreative Rolle.

Wiederholung und Variation
Sie gibt sich selbst einen Rahmen, in dem sie die bestimmte Wiederholung einer bestimmten Technik ausspielt. Das Material reagiert mal so und mal so, und so variieren die Ergebnisse; es gibt kleine Veränderungen. „Die Pusteblumen sehen von weitem alle gleich aus. Aber jede ist doch ein bisschen anders,“ sagt Moos. Weil der Bausatz der gleiche sei und je nachdem, was sie für Nahrung hat, wie der Wind steht, gebe es diese kleinen Varianten.

Auswahl von Einzel- und Gruppenausstellungen
Mehr Infos auf der Künstlerseite der Galerie Partout.
Es sei die Beobachtung von Prozessen und feinen Unterschieden. Davon sei die Arbeit „Artgenossen“ inspiriert: immer gleiche Ausgangsmaterialien, weißes Papiergarn, unterschiedliche Stoffe. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die kleinen Unterschiede, erklärt sie.
Weiß und Farbe
Moos hat lange nur in Weiß gearbeitet. Weiß kann am Anfang sein und am Ende – sinnbildlich ist das weiße Blatt. Ein Beispiel ist die Installation im Eingangsraum: Löwenzahnblüten, die im Frühling gelb blühen und dann weiß werden. Sie hat einen Vorhang aus aufgefädelten Pusteblumen installiert. „Fragil und vergänglich“ schweben einzelne Schirmchen durch die Atmosphäre.
„Flüchtiges Weiß“, dazu gehört auch das Aufmacherfoto ganz oben. Fotos: Thomas Merkenich
„Flüchtiges Weiß“ hat sie die Arbeit genannt. Die aufgefädelten Blüten erinnern nicht zufällig an Blumenkränze, die viele aus der Kindheit kennen; auch hier geht es der Künstlerin um die Technik, „die Geste, die wir alle haben“, die sich in der Kunst wiederholt.
In Werken wie „Blau“ oder „Abend“ mit Papiergarn ist die Farbe hinzugekommen, dabei bleibt ein Teil weiß. Um das zu erreichen, benutzt sie die Textilfärbetechnik Itajime Shibori, eine alte asiatische Falt- und Abbindetechnik.

Veronika Moos – Vierzig Schatten von Weiß
25.7.-24.10.2026
Vernissage: 25.7., 17 Uhr
Kunsthistorische Einführung: Dr. Petra Oelschlägel
6.9.2026 – Begegnungen mit Veronika Moos
- 11 Uhr – Gespräch und Rundgang durch die Ausstellung
- 14 Uhr – Workshop, Anmeldung bis 16.8. per Mail oder telefonisch (0157 3553 2907) erforderlich
Finissage: 24.10., 17 Uhr mit Perfomance der Künstlerin sowie Kunst & Kuchen mit Choco Lounge
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
Website – Künstlerseite
Bei „over the rainbow“ kann man die Installation und ihre kleinen Unterschiede in der Färbetechnik räumlich wahrnehmen – schon durch den unterschiedlichen Lichteinfall der Stoffe, etwa abends. „Es hat immer eine Logik“, sagt Moos.
„Plainair-Studien“ von 1985: Reisestudien aus Griechenland, urbane, farbenfrohe Ansichten, gemalt in Ölkreide, die sie bisher noch nicht ausgestellt hatte. Sie sind Ausgang für eine Arbeit: Gegenüber hängen scheinbar abstrakte Schraffuren, Strukturen. Hier hat sie sich aus der jeweils gleichen Palette Farben bedient, um damit eine Art atmosphärischen Teppich zu weben – eine Farbübertragung, die nur eine farbliche Struktur und keine gegenständliche Darstellung wiedergibt.
Als Künstler ist man Forscher.Veronika moos
Die Ausstellung zeigt außerdem gesammelte Schätze, teils lange verwahrt, die nun eine Bestimmung gefunden haben, wie „Posidonia“ – Neptunbälle vom Mittelmeer, Gras vom Meeresgrund, das durch Meeresbewegung gefilzt und angespült wird.



Bild links: Over the Rainbow, rechts oben: Posidonia, rechts unten: Plainair Studien
Oder die Installation mit Herzseeigeln – alles Objekte, die sie interessieren, weil sie die Ästhetik mag, weil sie die Geschichte und ihr Warum und Weshalb interessieren, weil sie gern Meeresforscherin wäre, weil sie findet, dass das Meer so wichtig ist. „In der Ausstellung geht es um diese Geschichte. Man fängt mal an. Wo man landet, weiß man nicht. Es passiert.“

Auf dem Boden der Galerie hat sie ein Stück Sandstrand simuliert, es zeigt, wie sie am Meer arbeitet. Das wird sie in einem Workshop mit einbeziehen. Es wird etwas geben, das sie einzeln, und etwas, das sie gemeinsam mit dem Publikum macht. Man darf anfassen, machen und ausprobieren.
Weitere Fotos zur Ausstellung
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