Mit Lutz Fähser im Lerbacher Wald. Foto: Markus Bollen

Lutz Fähser ist einer der führenden deutschen Experten für naturnahe Waldwirtschaft. Bei einem Besuch in Bergisch Gladbach hat er zwei Führungen durch den Lerbacher Wald begleitet und im Kreishaus einen Vortrag über sein Lübecker Modell gehalten – bei dem äußere Eingriffe in den Wald auf ein Minimum reduziert werden.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Regionalgruppe des BUND, Rheinisch Bergischer Naturschutzverein (RBN), Klimafreunde Rhein-Berg e.V.

In der vergangenen Woche folgten sowohl Fachleute aus lokaler Politik und Verwaltung, als auch Bürger und Bürgerinnen im voll besetztem großen Saal des Kreishauses einem Vortrag von Dr. Lutz Fähser. Als leitender Forstdirektor i.R. ist er einer der führenden deutschen Experten für naturnahe Waldwirtschaft.

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Seit den frühen neunziger Jahren konnte er im Lübecker Stadtwald das Konzept der naturnahen Waldbewirtschaftung unter wissenschaftlicher Begleitung entwickeln.

Dieses Konzept beruht im Wesentlichen auf der Einsicht, dass die Natur ihr Ökosystem Wald effizienter und anpassungsfähiger entwickelt, als dies mit unterschiedlichen forstwirtschaftlichen Konzepten möglich ist. Jeder menschliche Eingriff ist so gesehen eine Störung des Zusammenspiels von oberirdischen und den weit umfangreicheren unterirdischen Lebewesen.

Lutz Fähser. Foto: Markus Bollen

Das Lübecker Konzept reduziert äußere Eingriffe auf ein Minimum. In Folge verdichtet sich der Wald, hält das Wasser besser und wird resistenter gegen Hitze. Ein geringer Holzeinschlag in den ersten Jahren wird mittelfristig wirtschaftlich durch den Verkauf weniger, aber erheblich dickerer, gerader und gesunder Stämme mehr als ausgeglichen.

Genau das betont der Doktor der forstlichen Betriebswirtschaft: Im Gegensatz zu vielen Forstbetrieben wirft der Lübecker Wald Gewinn ab. 

Foto: Markus Bollen

Zeitgleich: Während GL sich über den Umgang mit unserem Stadtwald nach dem Lübecker Konzept informiert, beschließt der Umweltausschuss von Kaiserslautern, dieses Konzept und die Naturland-Zertifizierung für ihren Stadtwald einzuführen.

Man müsse, so der Hinweis an die Mitglieder der Verwaltung, Kosten und Nutzen aus rein forstbezogener Tätigkeit trennen von Dienstleistungen, die aus anderen Wünschen und Forderungen an den Wald gestellt würden.

In der anschließenden, sehr angeregten Diskussion zeigte sich das große öffentliche Interesse an dieser Thematik.

Die Teilnehmer des Waldspaziergangs. Foto: Markus Bollen

Beste Voraussetzungen für naturnahe Entwicklung

Im Laufe des Tages hatten Stakeholder die Gelegenheit zu zwei Begehungen des Lerbacher Waldes mit Dr. Fähser wahrgenommen. Es stellte sich heraus, dass hier bereits beste Voraussetzungen für eine naturnahe Entwicklung durch eine gute Durchmischung und Naturverjüngung gegeben sind.

Organisiert wurde der Tag gemeinsam von der Regionalgruppe des BUND, dem Rheinisch Bergischen Naturschutzverein (RBN) und den Klimafreunden Rhein-Berg.

Am Morgen nach der Veranstaltung teilte der Bürgermeister Kaiserslauterns Herrn Dr. Fähser den Entschluss des Umweltausschuss mit, das Lübecker Modell und die Naturland-Zertifizierung für ihren Stadtwald einzuführen.

Zuständig für den Bergisch Gladbacher Stadtwald ist der Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt, Sicherheit und Ordnung.

Die „Klimafreunde Rhein-Berg“, 2019 als Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sind seit 2021 ein gemeinnütziger Verein. Gemäß dem Grundsatz „Global denken – lokal handeln“ wollen die Mitglieder vor Ort möglichst viele Menschen für das drängende Thema Klimaschutz sensibilisieren und fürs...

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  1. Es war schon ein Highlight, einem derart hochkarätigen Forstwissenschaftler zuhören zu dürfen. Man darf nur hoffen, dass die nur spärlich anwesenden Vertreter aus der örtlichen Politik hier genau hingehört haben und daraus auch die richtigen Schlüsse für die notwendigen Informationen in den Forstbetriebsgemeinschaften gezogen haben. Insbesondere die Ausführungen von Herrn Dr. Fähser zu den klimatischen Herausforderungen für den Wald und die künftige Ausrichtung der
    forstfachlichen Entwicklung der Wälder im Zuge der Klimaveränderungen lassen aufmerken, da sie doch auch neue und beachtenswerte Erkenntnisse vermittelt haben. Mein Dank für das Zustandekommen dieser Veranstaltung geht an die Naturschutzorganisationen und die Klimafreunde.

  2. Vielen Dank für diesen Artikel! Der Wald gehört allen Bürgerinnen und Bürgern. Alle haben ein Mitspracherecht. Schön, dass sich die Naturschutzverbände zusammengetan haben und mit einer Stimme sprechen. Dr. Fähser hat eindrucksvoll belegt, dass die Bewirtschaftung der Wälder mit weniger Eingriffen auch ökonomisch sinnvoll ist. “Die Natur weiss es besser!”