DEU Bergisch Gladbach Waldspaziergang VIP am Kreishaus 15.09.26 mit Lutz Fähser, Entwickler des Lübecker Modells zur Waldbewirtschaftung Teilnehmende Thore Eggert, Stadtkämmerer

Der Bergische Naturschutzverein, die Klimafreunde und der BUND kritisieren das Leitbild der Stadt für den eigenen Wald: Es sei nach wie vor zu sehr von einer traditionellen, teuren und eingriffsintensiven Holzwirtschaft geprägt. Sie schlagen stattdessen vor, den Klimaschutz in den Vordergrund zu stellen und deutlich weniger Bäume zu fällen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Bergischen Naturschutzverein, der Klimafreunde Rhein-Berg und der BUND Gruppe Rhein-Berg

Grundsätzlich begrüßt die Allianz aus dem (Rheinisch) Bergischen Naturschutzverein (RBN), den Klimafreunden Rhein-Berg und der BUND Gruppe des Rheinisch Bergischen Kreises die Erstellung eines neuen Leitbildes zur nachhaltigen Bewirtschaftung der städtischen Waldflächen in Bergisch Gladbach, die in der Sitzung am 9.12.2025 beschlossen wurde. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit der Verbesserung des vorgelegten Leitbildes beschlossen, für die nun Vorschläge aufgenommen werden. 

Zu diesem Prozess haben wir am 15. September einen der führenden deutschen Experten für naturnahe Waldwirtschaft, Dr. Lutz Fähser, Diplom-Volkswirt und leitender Forstdirektor i.R. zu einem Vortrag mit Austausch zur naturnahen Waldentwicklung in das Kreishaus des Rheinisch-Bergischen Kreises eingeladen. 

Die im Leitbild der Stadt vorgelegte Vorstellung des Waldes als bewirtschaftetes Natur- und Kulturerbe ist nach unserer Ansicht zu stark von der traditionellen, teuren und eingriffsintensiven Holzwirtschaft geprägt. Sie berücksichtigt die für uns alle spürbaren Klimaveränderungen nicht in angemessener Weise. 

Im Einzelnen sollten folgende Punkte im Leitbild verändert bzw. aufgenommen werden:

1. Grundlage für das kommunale Leitbild für Bergisch Gladbach ist die klare Unterscheidung durch das Bundesverfassungsgericht zwischen der Bewirtschaftung von öffentlichem und privatem Wald, unter anderem:

„Die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes dient der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung einer dauernden und nachhaltigen Holzerzeugung.“ (Urteil Bundesverfassungsgericht 1990).

2. Das Kriterium für die Auswahl der zu schlagenden Bäume, die „Hiebreife“, stammt aus einer  Orientierung am Ertrag. Für die sinnvolle Entnahme von Stämmen sollte dieses Kriterium nicht mehr herangezogen werden. Dies auch deswegen, weil das Nachwachsen der Baumbestände in den kommenden Jahren von mehr Hitze und Trockenheit nachweislich keineswegs mehr so gewährleistet werden kann wie in den letzten Jahrzehnten. 

Das Argument, die Durchforstung diene der Pflege und Entwicklung des Waldbestandes, führt aus unserer Sicht eher zu einer Schwächung des Waldes und seiner Leistungen. Erst die weitgehende Geschlossenheit des Kronendaches gewährt dem Wald die Bewahrung von Feuchtigkeit, Kühle und Widerstandskraft, die gerade beim Lerbacher Wald z.B. im Sommer die abendliche Abkühlung der nahe gelegenen Stadtteile ermöglicht. 

Es erscheint uns daher sinnvoll, den Umfang der möglichen Fällungen deutlich zu reduzieren bzw. eine zeitweise Pause der Baumfällungen zur Ermöglichung der Verdichtung des Kronendaches zu planen.

3. Die geplante Waldbewirtschaftung ist mit Fällungen, Jungwuchspflege und Durchforstung sehr kostenintensiv und nicht kostendeckend. Finanziell dürfte es in Zeiten enger Haushalte günstig sein, die Kosten derzeit weitgehend auf die Verkehrsicherungsmaßnahmen zu begrenzen und den Wald im Sinne von Punkt 2 regenerieren zu lassen.

Auch sollten Art und Umfang der geplanten Verkehrssicherungsmaßnahmen kritisch im Einzelnen geprüft werden. Es ist zu klären, in welchen Bereichen die Sicherungspflicht nach geltendem Recht durch die Selbstverantwortung der Waldbesuchenden ersetzt werden kann.

Gerne stehen wir für Gespräche mit den Verantwortlichen bereit.

Die „Klimafreunde Rhein-Berg“, 2019 als Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sind seit 2021 ein gemeinnütziger Verein. Gemäß dem Grundsatz „Global denken – lokal handeln“ wollen die Mitglieder vor Ort möglichst viele Menschen für das drängende Thema Klimaschutz sensibilisieren und fürs...

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