Der Bergisch Gladbacher Verein ist in Nir Oz immer wieder mit Helfer:innen vor Ort. Foto: Ganey-Tikva-Verein

Die Künstlerin Salomé Stern versteigert eine einzigartige Collage zugunsten des Wiederaufbaus des Kibbuz Nir Oz. Nicht zufällig in Bergisch Gladbach – denn hier wurde der Solidaritätsverein für den am 7. Oktober 2023 zerstörten Kibbuz in Israel gegründet.

Wir veröffentlichen einen Beitrag aus dem Nir Oz-Verein. Autor: Tomás M. Santillán

„Zu viel für ein einzelnes Bild, zu viel für ein einzelnes Herz.“ Mit diesen Worten beschreibt die Künstlerin Salomé Stern den Ausgangspunkt ihres Werkes „Vergissmeinnicht“. Eine außergewöhnliche Collage, entstanden aus Erinnerungen an einen Ort, an dem sie als freiwillige Helferin gearbeitet hat – und nun selbst zu einem Zeichen der Hoffnung werden soll.

Das 120 × 90 Zentimeter große Unikat wird zugunsten des israelischen Kibbuz Nir Oz versteigert. Der gesamte Erlös soll den Menschen dort zugutekommen, insbesondere den Waisenkindern sowie Projekten des Wiederaufbaus, welches ein besonderes Anliegen vieler engagierter Menschen aus Bergisch Gladbach ist.

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Gebote können bis zum 30. November 2026 abgegeben werden. Damit ist die Versteigerung mehr als der Verkauf eines besonderen Kunstwerks: Sie bietet die Möglichkeit, mit dem Erwerb des Bildes ganz konkret den Wiederaufbau eines Ortes zu unterstützen, dessen Bewohnerinnen und Bewohner am 7. Oktober 2023 unvorstellbares Leid erfahren haben.

Ein Bild, das nicht vergessen will

Salomé Stern war mehrfach als Freiwillige in Nir Oz. Sie arbeitete dort beim Wiederaufbau, sammelte Materialien und erlebte einen Ort, dessen Geschichte sich tief in ihre Erinnerungen eingeschrieben hat. In einem Schutzraum, der am 7. Oktober 2023 vielen Menschen Schutz vor Raketen bieten sollte und für andere zur tödlichen Falle wurde, entdeckte sie gemalte Blumen.

Diese Blumen wurden für sie zu einem wichtigen Moment. Wenn nachts Explosionen aus Richtung Gaza zu hören waren und Angst aufkam, gaben sie ihr Ruhe. Zugleich waren da die Stimmen der Geiseln, deren Schicksal bis heute mit Nir Oz verbunden ist: „Bring them home now.“

Eine Mahnwache zum 3. Jahrestag des 7. Oktober 2023 findet heute (6.10.2026) um 18 Uhr auf dem Konrad-Adenauer-Platz statt.

So wurden die Blumen zum zentralen Motiv ihrer Collage. Sie wachsen zwischen den Spuren der Zerstörung, manche scheinbar sogar aus Einschusslöchern heraus. Sie stehen für Erinnerung und Verletzlichkeit – aber ebenso für die Möglichkeit, dass nach der Zerstörung wieder etwas wächst. Genau darin liegt die besondere Kraft von „Vergissmeinnicht“.

Nir Oz liegt im nordwestlichen Negev, unmittelbar in der Nähe der Grenze zu Gaza. Seit seiner Gründung haben die Menschen dort in einer trockenen, kargen Landschaft eine landwirtschaftliche Gemeinschaft aufgebaut. Sie pflanzten Bäume, legten Gärten und Felder an und schufen einen Ort, an dem Familien leben und Kinder aufwachsen konnten.

Aus Wüste wurde Leben.

Der 7. Oktober 2023 zerstörte dieses Leben in einem Ausmaß, das kaum vorstellbar ist. Häuser wurden niedergebrannt, Familien auseinandergerissen, Menschen ermordet und verschleppt. Nir Oz gehört zu den am schwersten getroffenen Orten des Hamas-Terrors.

Dabei traf die Gewalt Menschen unterschiedlicher Herkunft. Neben den Bewohnerinnen und Bewohnern des Kibbuz wurden auch ausländische Arbeitskräfte Opfer des Angriffs; unter ihnen waren zahlreiche thailändische Arbeiter. Auch der Beduine Samer Talalka, der in Nir Oz arbeitete, wurde am 7. Oktober entführt. 

Die Versteigerung
Salomé Stern: „Vergissmeinnicht“
Unikat, 120 × 90 cm

Der gesamte Erlös geht zugunsten des Kibbuz Nir Oz, insbesondere für die Unterstützung von Waisenkindern und Wiederaufbauprojekte.

Gebote können bis zum 30. November 2026 per E-Mail an anmeldung@ganey-tikva-verein.de abgegeben werden.

Der Terror richtete sich damit gegen Menschen und gegen eine Lebensform: gegen Familien, gegen Gemeinschaft und gegen den Versuch, mitten in einer schwierigen Region ein friedliches, lebenswertes Zuhause zu schaffen.

Und genau deshalb ist das Motiv der Blumen in Salomé Sterns Collage so stark: Wo Leben zerstört wurde, soll wieder Leben entstehen.

Zwischen Musik, Wüste und Erinnerung

Auch die unmittelbare Umgebung von Nir Oz erzählt von diesem Kontrast. Nur wenige Kilometer entfernt lag das Gelände des Nova-Festivals, auf dem am 7. Oktober ebenfalls hunderte Menschen ermordet wurden.

Hier wie dort traf der Terror Menschen, die ihr Leben leben wollten: junge Menschen, die gemeinsam Musik hörten und feierten, ebenso wie Familien, Kinder, ältere Menschen und Beschäftigte eines Kibbuz, die in ihrer Gemeinschaft lebten.

„Vergissmeinnicht“ setzt dieser Zerstörung etwas entgegen. Das Bild erinnert nicht nur an das, was verloren ging. Es fragt zugleich, was aus diesem Verlust entstehen kann.

Eine Verbindung, die von Bergisch Gladbach nach Nir Oz reicht

Dass dieses Kunstwerk nun in Bergisch Gladbach versteigert wird, ist kein Zufall. Bergisch Gladbach ist seit vielen Jahren eng mit Israel verbunden. Die Städtepartnerschaft mit Ganey Tikva bildet einen wichtigen Teil dieser Verbindung. Aus dieser langjährigen deutsch-israelischen Freundschaft heraus entstand nach dem 7. Oktober eine ganz konkrete Solidarität mit Nir Oz.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Petra Hemming, Vorsitzende des Tika Ganey-Tikva-Verein (Verein zu Förderung der Staätepartneschaft Ganey Bergisch Gladbach e.V.) und eine der prägenden Initiatorinnen der Solidarität mit Nir Oz.

Hinweis der Redaktion: In Bergisch Gladbach gibt es zwei „Ganey-Tikva-Vereine“, die nach der Partnerstadt Ganey Tikva in Israel benannt sind. Von der Stadt Bergisch Gladbach offiziell mit der Partnerschaft betraut ist der „Städtepartnerschaft Ganey Tikva – GL e.V.“ Der „Verein zur Förderung der StädtepartnerschaftGaney Tikva-Bergisch Gladbach e.V.“ von Petra Hemming ist der ältere Verein; die Stadt hatte im das Mandat für die Betreuung der Partnerschaft 2018 nach einem längeren Streit entzogen.

Gemeinsam mit Dr. Roman Salyutov, Pianist, Dirigent und Kulturmanager aus Bergisch Gladbach bilden sie ein entschlossenen Team. Salyutov hat über Jahre hinweg musikalische Verbindungen nach Israel aufgebaut und bereits vor dem 7. Oktober enge Kontakte nach Ganey Tikva gepflegt. Gemeinsam mit Petra Hemming und weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründete er die Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e. V.

Roman Salyutov und Petra Hemming. Foto: Ganey-Tikva-Verein

Seitdem ist aus Solidarität konkrete Hilfe geworden

Hemming und Salyutov waren mehrfach  mit Freiwilligengruppen in Nir Oz. Es wurden Hilfsprojekte organisiert, Benefizveranstaltungen durchgeführt, Spenden gesammelt und Freiwilligengruppen beim Wiederaufbau unterstützt. Menschen aus Bergisch Gladbach und der Region fahren nach Israel, arbeiten in Gärten und auf Feldern, helfen beim Aufräumen, Bauen und tragen dazu bei, dass die Gemeinschaft von Nir Oz wieder eine Zukunft bekommt. 

Es geht dabei um weit mehr als um finanzielle Unterstützung. Es geht um die Botschaft: Ihr seid nicht vergessen. Wir stehen an eurer Seite. Und wir glauben daran, dass ihr zurückkehren und euer Leben wieder aufbauen könnt.

„Diese Collage ist die Stimme meiner Erinnerungen“

Für Salomé Stern ist die Kunst ihre eigene Sprache. „Ich bin nicht gut im Beten. Schreiben fällt mir schwer, die Worte gehen mir oft abhanden.“ Aber sie kann putzen. Sie kann malen. Und sie kann Collagen gestalten. Deshalb sind in „Vergissmeinnicht“ nicht nur Farben und Formen verarbeitet. Die Künstlerin hat Materialien verwendet, die sie während ihrer Arbeit in Nir Oz gesammelt hat. Es sind keine privaten Gegenstände aus den zerstörten Häusern, sondern Materialien aus der Gartenarbeit, die ihr die Verantwortlichen des Kibbuz überlassen haben.

Für Stern tragen sie dennoch etwas von der Seele dieses Ortes in sich. Die kräftigen Farben sind bewusst gewählt. Sie stehen gegen die Schwere der Erinnerungen. Farben überlagern sich, brechen auf, vermischen sich. So, wie sich Gedanken und Gefühle nach einem traumatischen Erlebnis nicht einfach ordentlich sortieren lassen.

Und mittendrin: die Vergissmeinnicht. Kleine Blumen, die an Erinnerung erinnern. Aber auch daran, dass Erinnerung nicht nur zurückblicken muss. Sie kann ein Auftrag für die Zukunft sein. 

Aus Erinnerung soll Zukunft werden

Vielleicht liegt genau darin die besondere Bedeutung dieser Versteigerung. Wer „Vergissmeinnicht“ ersteigert, erwirbt nicht einfach ein außergewöhnliches Unikat. Das Bild erzählt von einem konkreten Ort, von Menschen, die dort gelebt haben, von Zerstörung und Verlust – aber vor allem von der Kraft, weiterzumachen.

Der Erlös hilft dabei, den Wiederaufbau von Nir Oz zu unterstützen und damit eine Gemeinschaft, die schwer getroffen wurde, auf ihrem Weg zurück ins Leben zu begleiten.

Die Menschen in Nir Oz wollen nicht, dass ihr Kibbuz nur ein Ort der Erinnerung an den 7. Oktober bleibt. Sie wollen dort wieder leben. Häuser bauen. Gärten anlegen. Kinder großziehen. Gemeinschaft erleben.

Aus Wüste soll wieder Leben werden. Und vielleicht ist das die stärkste Antwort auf die Zerstörung: nicht zu vergessen, aber sich auch nicht von der Zerstörung bestimmen zu lassen.

Ein Gebot für das Leben

Deshalb ist diese Versteigerung auch eine Einladung an Menschen in Bergisch Gladbach und darüber hinaus: 

Bieten Sie auf „Vergissmeinnicht“. Unterstützen Sie damit die Menschen von Nir Oz. Helfen Sie, aus Erinnerung konkrete Hilfe werden zu lassen. Und setzen Sie gemeinsam mit der Künstlerin, mit der Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e. V., dem Ganey-Tikva-Verein und vielen anderen ein Zeichen dafür, dass Terror und Zerstörung nicht das letzte Wort haben sollen.

Denn die Blumen in Salomé Sterns Bild wachsen nicht zufällig zwischen den Spuren der Gewalt. Sie stehen für das, was bleiben soll: Erinnerung. Leben. Hoffnung. Zukunft. Und der Wunsch nach Frieden.

Wer dieses Bild ersteigert, kauft nicht nur ein Stück Kunst, sondern stärkt damit den Wunsche und Willen nach Frieden.  Er oder sie hilft mit, dass aus den Erinnerungen an einen zerstörten Ort wieder eine Zukunft entstehen kann.

Siehe auch: https://www.bgl-niroz.de

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