Mitglieder des Solidaritätsvereins in Nir Oz. Foto: Roman Salyutov

Bei Terrorangriff der Hamas auf Israel ist der Kibbuz Nir Oz weitgehend zerstört worden, doch fast von Anfang an kam Hilfe aus Deutschland, die von Bergisch Gladbach aus organisiert wird. Für den Solidaritätsverein bilanziert Roman Salyutov, was bereits geleistet wurde – und welche Pläne für Wiederaufbau, Ausbau und auch Austausch bestehen.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Vereins „Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz“

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Der barbarische Angriff der palästinensischen Terroristen und ihrer Mitläufer auf Israel am 7. Oktober 2023 hat eine immense Zäsur in der zeitgenössischen Weltgeschichte gesetzt. Seit diesem Ereignis lebt der Jüdische Staat schon über ein Jahr lang im Kriegsmodus und muss sich an mehreren Fronten gleichzeitig verteidigen.

Dabei kann er sich nicht auf sonderlich viel Solidarität von außerhalb verlassen, denn für die modernen Antisemiten aller Couleur, getarnt durch die sogenannte „Israelkritik“, von der breite Teile der Gesellschaft beinahe besessen zu sein scheinen, ist die bloße Existenz des einzigen Jüdischen Staates ein großer Dorn im Auge. Und die Überflutung der europäischen Straßen mit Antisemitismus aller Facetten stellt für die Zivillisiertheit unserer Gesellschaft schon längst eine existenzielle Bedrohung dar, sagt Roman Salyutov, Ko-Vorsitzender des „Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e. V.“

Dennoch sind in diesem abendländischen Chor auch andere Stimme zu hören – und nicht zu überhören: Stimmen von Solidarität, Beistand und Unterstützung.  Zu solchen Akteuren in der israelfreundlichen Szene zählt auch der um den Jahreswechsel 2023/24 in Bergisch Gladbach gegründete Solidaritätsverein Nir Oz, den Salyutov zusammen mit Petra Hemming, die zugleich auch Vorsitzende des originalen Ganey-Tikva-Vereins e. V. ist, sowie Dr. Andrea Valin aus Bergisch Gladbach führt.

Mahnwache: Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Ganey Tikva – Bergisch Gladbach veranstaltet jeden Dienstag um 18 Uhr eine Kundgebung auf dem Trotzenburgplatz (Fußgängerzone Gladbach), um an Israels Geiseln zu erinnern.

Der Verein setzt sich für den Kibbuz Nir Oz, der zu den schwerst betroffenen Orten zählt, in verschiedenen Belangen tatkräftig ein. Nur 6 von insgesamt 220 Häusern des Kibbuz blieben am 7.10.23 unversehrt und noch immer sind unter den 100 Geiseln im Gazastreifen 29 Bewohner des Kibbuz Nir Oz.

Diese Bündelung von Kräften, Kapazitäten und Netzwerken hat dem jungen Verein ermöglicht, nur nach einem Jahr beachtliche Resultate zu erzielen. Wichtigen politischen Rückhalt erfahren sie dabei sowohl von der deutschen, als auch von der israelischen Seite:

Zu ihren Unterstützern zählen beispielsweise der Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises Stephan Santelmann, der Leiter des NRW-Büros in Tel Aviv Dr. Gil Yaron, der deutsche Botschafter in Israel Steffen Seibert wie auch der israelische Botschafter in der Bundesrepublik Ron Prosor. Auch der Bundestagsabgeordnete des RBK Dr. Hermann-Josef Tebroke wie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Volker Beck haben dem Verein ihre Unterstützung zugesagt.

Roman Salyutov und Petra Hemming mit Helfern vor Ort.

Vor Ort Brücken bauen

Seit dem 7. Oktober 2023 waren Petra Hemming und Roman Salyutov bereits vier Mal in in Nir Oz, u. a. noch im Frühjahr 2023, als die israelischen Ortschaften direkt am Gazastreifen ein militärisches Sperrgebiet waren. Vom ersten Tag an bzw. sogar noch vor dem ersten Besuch vor Ort haben sich mehrere Brücken zu konkreten Menschen gebaut. 

Die Unterstützung des Kibbuzes Nir Oz verläuft kontinuierlich auf verschiedenen Ebenen und wird genäht durch ununterbrochene Aktivitäten des Vereins in Deutschland, wodurch insgesamt eine gewichtige finanzielle Hilfe zusammenkommen – das Gesamtvolumen an eingenommenen Mitteln beläuft sich nur nach einem Jahr auf ca. 100.000 EUR.

Spenden kommen aus verschiedenen Richtungen: Aus Benefizkonzerten und sonstigen Kulturaktivitäten, die Roman Salyutov mit seinen Künstlerkollegen regelmäßig gibt – bis jetzt bereits über 20 Auftritte bundesweit wie auch in Bergisch Gladbachs Partnerstädten Marijampole (Litauen) und Ganey Tikva (Israel).

Aus Spendenaktionen bei verschiedenen Veranstaltungen, die Petra Hemming organisiert – Kundgebungen, Mahnwachen, Vorträge usw.. Aus der Geschäftsszene, von Privatpersonen wie auch durch Förderanträge bei entsprechenden Behörden. Es vergehen buchstäblich keine zwei oder drei Tage, ohne dass auf das Vereinskonto neue Spenden eingehen.

Konkrete Projekte

Das Geld liegt nicht auf dem Konto, sondern wird immer wieder für konkrete Projekte und Aktionen verwendet. Zu solchen bereits umgesetzten bzw. laufenden Projekten zählen: 

  • Regelmäßige direkte finanzielle Unterstützung der Kinder aus dem Kibbuz Nir Oz, die infolge des Massakers Waisen wurden; 
  • Beihilfe bei der Anschaffung der landwirtschaftlichen Technik, die am 7.10.2023 von den Terroristen fast komplett zerstört wurde. Diese Beihilfe beläuft sich auf fünfstellige Summen, wobei alle Entscheidungen über die eine oder die andere Überweisung nach Nir Oz sehr unbürokratisch und nach kurzen Absprachen binnen Minuten getroffen werden; 
  • Übernahme der kompletten Einrichtung einer neuen Kibbuz-Verwaltung, die kurz nach dem Jahreswechsel 2024/25 schnell umgesetzt wird – inkl. vor allem Mobiliar und PC-Technik für bis zu 20 Personen. 
  • Errichtung eines besonderen Gartens in Carmei Gat, dem Ortsteil der Stadt Kiryat Gat, wo die Überlebenden aus Nir Oz derzeit wohnen. In diesem Garten werden sie ihre durch jahrzehntelanges Leben im Kibbuz landwirtschaftlich geprägte Tätigkeit fortsetzen, solange sich der Kibbuz im Wiederaufbauprozess befindet;  
  • Regelmäßige Entsendung von Volontärgruppen für eine bis drei Wochen, die Petra Hemming und Roman Salyutov persönlich leiten. Der Verein trägt dabei einen wesentlichen Anteil der entstehenden Kosten und organisiert die ganze Logistik vor Ort. Bis haben die beiden Vorsitzenden zwei solcher Gruppe nach Nir Oz gebracht – für drei Wochen im August und für zwei Wochen gerade im Dezember. Eine dritte Volontärreise ist bereits für die erste Hälfte April fest eingeplant. Teilnehmer dieser Gruppen kommen aus verschiedenen Städten, teils sogar aus dem Ausland, und aus allen Altersgruppen. Es wird ganz unterschiedliche Arbeit erledigt – Gärten und Straßen pflegen, Bäume schneiden und fällen, Trümmer aufräumen, technische Hilfe in der Werkstatt leisten, Ernte sammeln. Durch die Hände der Mithelfer geht in diesen Tagen eine Vielzahl von Gerätschaften – von Gartenscheren über Kettensägen bis zu Traktoren und anderer Technik.  

Pläne für Wiederaufbau und Ausbau

Die oben erwähnten Projekte und Aktionen sind diejenigen, die bereits konkrete Form und Zeitplan haben, aber darüber hinaus gibt es mehrere weitere Ideen, über die regelmäßig ausgetauscht wird.

Denn die Überlebenden haben eindeutig beschlossen, ihr Kibbuz nicht nur wiederherzustellen, sondern auch fast doppelt so groß aufzubauen. Ende 2026 soll der Wiederaufbau zu Ende sein, und es gibt auf diesem Wege noch sehr viele Aufgaben, bei deren Lösung der Bergisch Gladbacher Verein einen wichtigen Beitrag leisten kann und wird.

Und auch natürlich über den Wiederaufbau hinaus – denn diese Freundschaft, die aus der tiefsten Not, gepaart mit der felsenfesten Israelsolidarität, entstanden ist, wird sich unaufhaltsam weiterentwickeln, und es wird auch die Zeit kommen, zu der die Menschen aus Nir Oz als Gäste nach Rhein-Berg kommen, und ein intensiver Austausch betrieben wird. Nach einem solch fruchtvollen ersten Jahr des neuen Vereins hat der Vorstand alle Gründe, optimistisch zu sein.    

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