Zusammenarbeit beendet: Lutz Urbach (r.) und Petra Hemming bei der Übergabe der Jachad-Skulptur in Ganey Tikva.

Der Bürgermeister zieht seine Konsequenz aus der neuen Ausrichtung des Partnerschaftsvereins für die israelische Stadt Ganey Tikva: Er kündigt die Zusammenarbeit auf und holt die Aktivitäten ins eigene Büro zurück.

In einer Presseerklärung rekapituliert Lutz Urbach die Ereignisse der letzten Tage und Wochen und kommt zum Ergebnis, dass die Stadt nicht mehr mit der „derzeitigen Vereinsführung” – unter der Vorsitzenden Petra Hemming – zusammen arbeiten kann. Das Verhältnis sei nachhaltig gestört, daher hole er die Partnerschaftsaktivitäten ins Bürgermeisterbüro zurück.

Zur Begründung zitiert Urbach den Ratsbeschluss von 2012:

„Der Rat der Stadt verfolgt das Ziel, auf der Grundlage der bereits mit der Stadt Beit Jala/Palästina bestehenden und der mit der Stadt Ganey Tikva/Israel neu begründeten Partnerschaft eine trilaterale Beziehung aufzubauen. 

Mit diesem Ziel verbindet der Rat der Stadt Bergisch Gladbach auch den Wunsch, das bestehende bürgerschaftliche Engagement in Bergisch Gladbach für die Betreuung der Partnerschaften in Palästina und Israel zu bündeln.“

Dieser Auftrag, räumt Urbach ein, sei eine Herausforderung. Es habe aber immerhin einige Ansätze des Austauschs gegeben, zuletzt von Erich Bethe bei einem gemeinsamen Abendessen mit den Vorsitzenden. Inzwischen sei jedoch „in der Ausrichtung des Ganey-Tikva-Vereins eine deutliche Veränderung bis hin zur Konfrontation” zu beobachten.

Urbach bestätigt erneut, dass es nach einem Treffen der beiden Partnerschaftsvereine mit Michael Fürst (Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen) und Yazid Shammout (Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinde Hannover) eine „nachweislich einvernehmlich” abgestimmte Pressemitteilung gab – die von Hemming kurze Zeit später ohne Begründung abgelehnt wurde. Das habe sie eigenmächtig, ohne Beteiligung des Vereinsvorstandes, getan.

Zudem habe Hemming den beiden Experten sowie den Aktiven des Beit-Jala-Vereins antisemitische Tendenzen unterstellt. Diese neue Ausrichtung des Ganey-Tikva-Vereins habe zur Zerrüttung des Verhältnisses zum Beit-Jala-Verein geführt – und die Umsetzung des Ratsbeschlusses von 2012 unmöglich gemacht.

Nachdem Hemming zudem Urbach eine einseitige Parteinahme für den Beit-Jala-Verein unterstellt hatte sehe er das Verhältnis als nachhaltig gestört an.

Die Partner in der israelischen Partnerstadt seien bereits informiert worden, dass die Zusammenarbeit mit dem Ganey Tikva-Verein beendet wurde.

Die nächsten Schritte, um die Kooperation mit Ganey Tikva weiter zu führen, sind bereits vereinbart. Pfarrer Achim Dehmel werde wie ganz zu Anfang die Partnerschaftsaktivitäten mit der Evangelischen  Kirchengemeinde zum Heilsbrunnen unterstützen. Dehmel gehört zu den vier ehemaligen Vorstandsmitgliedern, die den Verein verlassen hatten.

Mit dieser neuen Entwicklung, so Urbach abschließen, gebe es  „Grund zur Hoffnung, nun das bürgerschaftliche Engagement für die Partnerstädte Beit Jala und Ganey Tikva dem Wunsch des Rates gemäß ein Stück weit zusammenzuführen”.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Jeder, der sich eingehender mit dem Thema Israel befasst, erkennt, dass es überall dasselbe ist: kaum spricht man über die Ungerechtigkeit in der Berichterstattung, die Einseitigkeit der Darstellung des Konfliktes (einseitig zugunsten der Aggressoren, nämlich der Araber), kaum kommt man vielleicht sogar mit Beweisen daher: Zack – wird man marginalisiert und als „unausgewogen“ tituliert. Die Tatsachen stehen hinter dem subjektiven Gefühl immer zurück. Die Armen, armen Palästinenser. Dass man hier sowieso nur erfährt, wenn Israel zurückschlägt, aber die hunderten und aberhunderten Attentate der Araber auf Zivilisten komplett ausgeblendet werden, dass ständig ein „Völkerrecht“ zitiert wird, das de facto in diesem Falle uneindeutig ist, dass die Araber bereits mehrere 2 Staaten-Angebote ausgeschlagen haben und immer wieder klar machen, dass sie es nicht unter „gar kein Israel“ machen werden – alles geschenkt! Hauptsache, man kann Israel verantwortlich machen, Hauptsache, die Juden sind wieder schuld. Es ist überall dasselbe. GEBILDET, FAKTENREICH – das muss man nicht sein. shame on you.

  2. Unsere Kommentare werden moderiert und im Zweifelsfall gelöscht. Vor allem dann, wenn sie anonym unter Pseudonym eingereicht werden und mit Nazi-Vergleichen hantieren. Gerade geschehen, im Fall eines Kommentars von „Dan Perman“.

  3. Gibt es wirklich keine andere Verteidigungsmöglichkeit für Israelis als den Vorwurf des Antisemitismus, wenn es auf die Behandlung der Palästinenser zu sprechen kommt? Greift der Vorwurf an Deutschland wegen der Verbrechen des 3. Reiches nicht mehr und muss es deshalb andere Schuldige geben? Sieht sich Amerika nicht mehr so ganz an der Seite Israels, sodass man selbst in kleinen Foren neu Gräben ausheben muss?
    Das Wirken der Vorsitzenden des Ganey Tikva Vereins muss dem auch nicht mehr so starken, von Bestechungs- und Bereicherungsvorwürfen verfolgten Mann in Israel Wasser auf die Mühlen sein. Die Erinnerung, irgendwann wären die Politiker in Israel auch mal für eine friedliche Lösung des Nah-Ost-Konflikts eingetreten, verblasst immer mehr.