Die Ateliergemeinschaft der Grube Weiß präsentiert ihre jährliche Gruppenausstellung – diesmal mit einem gemeinsamen konzeptuellen Thema. „Spielraum“ steht für Kunst, die mit dem Raum spielt und ihn zum Mitspieler macht. 13 Künstlerinnen und Künstler laden an diesem Wochenende zum gedanklichen Mitspielen nach allen Regeln der Kunst ein

Oliver Vogt, Bauunternehmer, Investor, Eigentümer, aber auch Technikversierter und Ansprechperson, bedient das Technikpult im „Magazin“ der Grube Weiß. Die letzten Lampen werden auf die Kunstwerke ausgerichtet. Die Künstler staunen: Manches erscheint im richtigen Licht eine ganz andere Aussage zu bekommen.

Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass es eine Ausstellung zum Entdecken ist, sagt Beatrix Rey, die mit Fundstücken arbeitet und eine der Künstlerinnen ist. Die Künstler des Atelierhauses haben zur Jahresausstellung einen konzeptuellen Rahmen gewählt: Es geht um „das Magazin“, die große Ausstellungshalle und ehemaliges Lager der Grube Weiß. Sie ist Form und Inhalt des gemeinsamen Themas.

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Die Künstler haben sich ganz unterschiedlich auf dieses Spiel mit dem Raum eingelassen, sagt Rey. Keine einfache Aufgabe, denn außerhalb der Ausstellungen fungiert der Raum als nobler Veranstaltungsort mit industriellem Flair. Viele Eigenheiten des alten Lagers sind restauratorisch behutsam instandgesetzt und teils originalbelassen. Für Künstler gibt es wenig Möglichkeiten einer klassischen Kunstpräsentation im Sinne von: Leinwand an die Wand gehängt.

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Der Bauunternehmer und Investor Oliver Vogt hat die Industriebrache Grube Weiß im Alleingang in einen modernen Kulturort verwandelt: Mit 20 Ateliers und einer großen Eventhalle – dem Magazin. Künstler:innen finden in Moitzfeld jetzt optimale Bedingungen für ihre Arbeit. Aber auch Musik, Theater, Kabarett, Feiern und Gesellschaften haben damit eine neue Adresse – im lässig-rustikalen Industrie-Design.

Doch die Künstler lieben das Ambiente. Sie haben sich arrangiert – mehr noch: „Spielraum“ ist auch eine Art Liebeserklärung an diesen Ort und an die Gemeinschaft, wie man hier von den Künstlern immer wieder hört.

Wimmelnde Zitate

In der Grube Weiß gibt es überall dekorative Hingucker-Objekte, die Oliver Vogt sammelt und geschickt ins Interieur integriert hat – wie beispielsweise die leeren Flaschen, die die Bar in ein blaues Lichtspiel hüllen.

Christine Burlon, die Grafikerin, die auch im Ausstellungsflyer traditionell gern mit kleinen Details spielt, greift diese spielerischen Akzente auf: Sie zeichnet die Flaschen immer wieder und verteilt die Blätter dezent im Raum – als würden die Besucher in ein Wimmelbild gesogen, das zum Selber-Suchen anregt.

Kathrin Raschke hat sich von den eigenwilligen Lampen zu einem Wandobjekt aus weißen Textilien inspirieren lassen.

Wer sich einmal auf das Memory einlässt, erkennt viele Objekte und scheinbar Vertrautes wieder: Beatrix Rey hat die Wendeltreppe in einer Papierspirale gespiegelt. Die in einem rostigen Wandkasten vorgefundenen, originalen Grubenhelme hat die Objektkünstlerin um rostige Drahtkugeln am Boden erweitert – als gehörten sie ganz selbstverständlich zusammen.

Birgit Voss-Kaufmann spielt gekonnt mit Imitation. Vorgefundene Rohre hat sie reproduziert und sogar die Patina imitiert. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt Details, die nicht ins Industrieidyll passen wollen …

Foto: Thomas Merkenich

Gelenkte Aufmerksamkeit

Rosemarie Bruchhausen hat die Illusion in eine Art Mimikri überspitzt. Sie hat dem Raum dezent etwas hinzugefügt: kleine Keramiken, die sich als erhabene Wandstruktur tarnen. Eine Maske aus Keramik ist vor dem rostigen Pfeiler fast unsichtbar; eine Marmorskulptur wirkt so massiv, als sei sie in Metall gegossen.

Verena Kupper hat sich von den abstrakt-zerfurchten Wandstrukturen zu einer zarten, halbtransparenten Installation inspirieren lassen.

Foto: Thomas Merkenich

Gisela Eich-Brands hat eine solche Struktur weitergesponnen und zu einem comicähnlichen Bild verdichtet, das zum Weiterspinnen einlädt.

Für den Maler Wolfgang Buyna ist eine unscheinbare Wandstruktur sprichwörtlich bildgeworden: Sie setzt sich fort in minimalistischer Farbe und konstruktivistischen Formen auf Leinwand.

Heike Peppler hat den Raum haptisch erforscht und neben anderen großen Installationen auf Papier ein mehrlagiges Wandobjekt geschaffen.

Mechthild Kober, die sonst vor allem malt, hat eigens für diese konzeptuelle Gruppenausstellung eine raumgreifende Installation auf Papier geschaffen.

Raum für Metamorphosen und Statements

Marijan Dadic malt altmeisterlich, und sein Sujet kommt aus der religiösen Bilderwelt. Für die Gruppenausstellung erstellt er eine provokante Installation: Er fügt dem gemalten Christus eine Bodeninstallation aus Papptellern hinzu, die wohl nicht zufällig an das Abendmahl erinnert.

Foto: Thomas Merkenich
Foto: Thomas Merkenich

Christiane Klapdors künstlerische Phase kann man aktuell nur mit „Frauenbilder“ überschreiben. Nur konsequent, dass diese sich nicht brav ins Sujet einordnen: Sie sind aus massivem Holz geschnitzt und als Relief gedruckt – bunt, wild und frei.

Teilhemende Künstler und Künstlerinnen: Rosemarie Bruchhausen, Christine Burlon, Wolfgang Buyna, Marijan Dadic, Gisela Eich-Brands, Christiane Klapdor, Mechthild Kober, Verena Kupper, Heike Peppler, Kathrin Raschke, Beatrix Rey, Margret Schopka, Birgit Voos-Kaufmann.

Margret Schopka zeigt eine Galionsfigur, die wie ein Naturgeist über allem schwebt. Direkt daneben inszeniert sie ein zartes Schiff in einem Glaskasten. In einigen Fenstern schweben Gedichte, deren Worte sie sorgsam in zarte Naturfasern gelegt hat.

Draußen leuchten Bäume im herbstlichen Gelb. Ganz aufmerksame Besucher werden die winzige Madonna im Hintergrund finden – eingebettet in eine kleine Grotte …

Foto: Thomas Merkenich

Wer gleich im kreativen Level mitspielen möchte, kann an einer der Taschenlampenführungen teilnehmen: am Freitag 13.11., 18 und 19 Uhr. Bringen Sie gern Ihre Lieblingstaschenlampe mit. Direkt nach der Vernissage können einige Ateliers besucht werden.

Atelierhaus Grube Weiß

Vernissage: Sonntag, 8.11.2026, 13 Uhr
Einführung: Vorstand Stadtverband Kultur GL
Musik: Sude & Benny, Max Bruch Musikschule
Geöffnet am Sonntag, 8. 11.2026, 13 – 16 Uhr
Samstag 14.11. und Sonntag (Finissage) 15.11. von 13 bis 16 Uhr, Musik: Lisianthus Trio, Max Bruch Musikschule
Das Atelierhaus hat keinen barrierefreien Zugang. Parkplätze sind vor dem Haus.

Grube Weiß 18, 51429 Bergisch Gladbach-Moitzfeld
atelierhaus.grubeweiss@web.de


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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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