Tischtennisplatten als Forschungsobjeke? Wer Anibal Maximilian Kostka zuhört, wird in die eigene Kindheit und Jugend geschmettert. Danach wird man wohl nie wieder an einer Platte vorbeigehen, ohne genau hinzusehen. Die Ausstellungsreihe „Sideways“ ist ab sofort in der Galerie Partout in Herkenrath zu sehen.
In diesem Herbst hat die Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum den jungen Maler Anibal Maximilian Kostka in ihre Herkenrather Galerie Partout geladen – zu „Sideways“, dem Format für junge Kunst.
Clemens-Schierbaum berichtet von ungewöhnlich gegensätzlichen Techniken, die der in Kürten geborene Kostka verwendet – beispielsweise „von alter traditioneller Grafik einerseits und der Plottertechnik andererseits”, sagt sie begeistert.
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Kostka malt auch in Acryl, Öl und sprüht auch mal; das hat er nicht an der Akademie gelernt, dort werden im Grunde nur die theoretischen Inhalte besprochen, erzählt er. Nach dem Studium wollte er weg vom Gegenständlichen, einen Perspektivwechsel.
Anibal Maximilian Kostka; Foto: Thomas MerkenichZur Person
Geboren 1989 in Kürten. 2011-2018 Studium der Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf.
2017 Meisterschüler von Professor Eberhard Havekost. Seit 2018 freischaffender Künstler.
Lebt und arbeitet sowohl in Köln als auch in der Eifel.
Auswahl von Einzel- und Gruppenausstellungen
Auswahl an Einzelausstellungen (E) und Gruppenausstellungen (C)
2021 _Wanted: Woodcuts. Die neuen Holzschnitte für die Sammlung”, Kunstmuseum Reutlingen (G)
Das Sujet ist ungewöhnlich profan: Eine hautfarbene Sonnenliege, eine Schaukel, ein Stromkasten, Flip-Flops und mehrere Tischtennisplatten – Alltagsgegenstände sind es, die den Künstler interessieren. Aber aktuell sind es auch wieder Menschen, Figürliches und Porträts, erzählt er.
Wenn man das Bild eines unbeachteten Gegenstandes kippt und an die Wand hängt, hat man eine andere Wahrnehmung davon.Anibal Maximilian Kostka
An der Stirnseite hängt ein großes Gemälde mit drei Frauen, etwa lebensgroß und sehr naturalistisch gemalt; der Titel lautet „Laptop und Flipflop“.
Man möchte viel Typisches für diese Generationen wiedererkennen beziehungsweise hinein deuten: Das junge Mädchen, repräsentativ für die Generation Alpha stehend? Sie träumt, während sie am Smartphone spielt. Ihre Mutter (?) oder Generation X, grübelnd bei der Arbeit am Rechner. Und die Großmutter Ü60, die wissend, milde lächelnd zum Betrachter blickt.
Clemens-Schierbaum mag es besonders, dass man in diesem Gemälde sehr viel sehen kann. Es sei Geschichten erzählend, aber dennoch skizzenhaft; der Hintergrund ist weiß. „Kein unnötiges Beiwerk“, sagt der Maler.
Der Wert im Gebrauch
Alltagsgegenstände oder besser Gebrauchsgegenstände, die sich abnutzen, wo Ränder abgegriffen sind, wo irgendwann der Lack ab ist. Der Künstler sieht deren Wert im profanen Gebrauch, studiert deren individuelle, einzigartige Abnutzungsspuren: abgeblätterten Lack, der den unterliegenden Pressspan freilegt, porösen Beton, winzige Kratzer, abgerissene Plakate – alles minuziös skizziert, um es in Ölfarben zu malen – täuschend echt.
Jahrelang malt er Tischtennisplatten auf Leinwand, klassisch in Tannengrün oder Betonfarben. Eine druckt er im Holzschnittverfahren und versieht sie mit der originalen Kinderzeichnung. „Kinderzeichnungen kann man nicht imitieren, da war der Plotter eine gute Lösung für mich.“
Für ihn hat jede einzelne Platte einen Bezug zu einem bestimmten Ort, denn jeder hat seine eigenen Erinnerungen an eine Tischtennisplatte. Was mal eine Tischtennisplatte war, wird zur Karte, zu einem Raster, zu einer Satellitenaufnahme.
Bei Tischtennisplatten denke ich an Piet Mondrian, den man sofort mit Linien und Flächen assoziiert.Anibal Maximilian Kostka
Dabei geht er noch weiter: Er simuliert sogar das „Tag“ des Graffitisprayers, wohl für die meisten Menschen eine Schmiererei, eine schnelle, schwarz gesprayte Lackspur auf einer Tischtennisplatte im öffentlichen Raum, mit Moos bewachsen – sinnbildlich für einen Ort im öffentlichen Raum, an dem man unzählige Male vorbeiläuft.
Für Kosta ist es eine Muse, die ihm Geschichten erzählt, die er aus der Nachbarschaft kennt – zum Beispiel aus Weiden, Satzvey oder aus Düsseldorf – denn das Vertraute, das Unmittelbare ist ihm wichtig, das, was ihm nah ist, erzählt er.
Foto: Thomas Merkenich
Anibal Maximilian Kostka beim Signieren seiner Werke.
Foto: Thomas Merkenich
Foto: Thomas Merkenich
Foto: Thomas Merkenich
Foto: Thomas Merkenich
Foto: Thomas Merkenich
Anibal Maximilian Kostka beim Signieren seiner Werke.
Anibal Maximilian Kostka „Offenes Feld“ 19.9. bis 10.10. 2026 Vernissage: 19.9., 17 Uhr Einführung Dr. Ursula Clemens-Schierbaum im Gespräch mit dem Künstler Anibal Maximilian Kostka Finissage: 10.10., 17 Uhr
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h und nach Vereinbarung 02204 42 52 38 Instagram – Website – Künstlerseite
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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de
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