Einst war er der erste Hof von Odenthal, heute ist er der zentrale Treffpunkt im Herzen der Gemeinde. Seit 2021 betreiben die Brüder Wilbrand das Wirtshaus Herzogenhof, seither gibt es dort gutbürgerliche Küche mit regionalem Touch und der ein oder anderen Überraschung.

Ein schönes, bergisches Fachwerkhaus mitten in Odenthal. Der große Biergarten hat bereits geschlossen, vor dem Eingang steht eine herbstliche Installation aus Heuballen und verschiedenen bunten Kürbissen. Mein sechsjähriges Kind ist damit schon gewonnen.

Wir sind spontan in den Herzogenhof gekommen. Eigentlich wollten wir in Bensberg Mittagessen gehen. Aber der Hunger ist groß. Und als wir durch den zentralen Kreisverkehr in Odenthal fahren, strahlt uns die weiße Fassade des Gasthofs im Sonnenschein an, als wollte sie uns fragen: Warum in die Ferne schweifen, wenn es auch hier Essen gibt?

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Wir erhören den Ruf. Es ist Samstag, früher Nachmittag. Ein paar Paare und kleinere Gruppen sitzen in den Räumen des Gasthofs, der seit seiner Sanierung 2021 im modernen Industrial-Flair daherkommt: offene Decke mit dicken silbernen Lüftungsrohren, grobe Metallampen in Schwarz und Silber, Tische aus hellem Holz, dunkelgraue Stühle.

Das Kind will an einem der hohen Tische gegenüber der Bar sitzen. Wenn man klein ist, ist es vermutlich cool, mal von oben herunterblicken zu können. Es bekommt direkt etwas zu malen, findet aber auch die Bilder an der Wand spannend: Alte Werbeplakate verschiedener Biersorten und historische Fotos des Gasthauses.

Vom Hof zum Wirtshaus

Der Herzogenhof blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Kurzfassung: Vermutlich entstand er im Mittelalter als erster landwirtschaftlicher Hof Odenthals. 1527 wird er zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Um 1900 ist aus dem Kuhstallanbau ein Gastsaal geworden, er trägt den Namen „Zum Schwalbenheim“. Dort feiern die Odenthaler zusammen mit Studierenden aus Köln und Bonn. Bald darauf wird aus dem ganzen Herzogenhof das „Gasthaus Herzogenhof“, ein beliebtes Ausflugsziel der Städter.

1966 wird das Haupthaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Der traditionsreiche Name bleibt erhalten – auch nach der Übernahme und Sanierung durch die Brüder Alejandro und Christopher Wilbrand im Jahr 2021.

Gutbürgerliche Küche mit Twist

Die Brüder Wilbrand stehen auch hinter dem Odenthaler Restaurant Zur Post, das seit 2003 einen Michelin-Stern trägt. Nun, so viel gleich vorab: Gourmetküche braucht man im Herzogenhof nicht zu erwarten.

Dafür aber eine solide, gutbürgerliche und regional geprägte Küche, vom „Rheinischen Zwiebelmett“ mit roten Zwiebeln, Gürkchen und Herzogenhofbrot (10,50 Euro) über Landschweinschnitzel mit Steinpilz-Champignonrahm, hausgemachten Knöpfle und kleinem Salat (24,50 Euro) bis hin zu Bergischen Waffeln, die täglich von 15 bis 17 Uhr gebacken werden (ab 6 Euro).

Herzogenhof Odenthal
Altenberger-Dom-Straße 36
51519 Odenthal
02202 9211755
info@herzogenhof-odenthal.de
Webseite

Dienstag bis Samstag von 11.30 bis 24 Uhr geöffnet, Sonn- und Feiertags von 11.30 Uhr bis 22.30 Uhr.

Ein paar Gerichte stechen aber doch hervor. Einen Brauhausburger mit würzig mariniertem Pulled Pork zum Beispiel findet man sicher nicht in der Karte eines jeden Wirtshauses.

Das wirklich köstliche gezupfte Fleisch vom Landschwein kommt mit Smokey-BBQ-Sauce, Cole Slaw, Meerrettich, Tomaten und Kräuterschmand im Brioche-Bun vom Schildgener Bäcker Pieper – meiner Meinung nach der einzig akzeptable Burger-Bun. Wirtshaus-Pommes gibt es auch noch dazu (24,50 Euro).

Aktuell gibt es auch einen Wildburger (mit Cole Slaw, Birne, Brie, Preiselbeeren und Pommes, 23,50 Euro).

Vegetarier finden ebenfalls einen Burger auf der Karte (19,50 Euro), außerdem zwei weitere Gerichte (hausgemachte Spinatknödel und Pasta mit Steinpilzen und Lauch, 19,50 bzw. 20,50 Euro).

„Ich weiß nicht“ und „Mag ich nicht“

Für Erheiterung sorgt bei uns die Kinderkarte mit Gerichten wie „Ich weiß nicht“ (Chicken Nuggets mit Wirtshaus Pommes, 11,50 Euro) über „Ist mir egal“ (Fischstäbchen mit Rahmblattspinat und Kartoffelstampf, 8,50 Euro) bis zu „Mag ich nicht“ (Nudeln in Spinatcremesauce mit Parmesan, 9,50 Euro).

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Der Sechsjährige entscheidet sich für „Irgendwas“ (Kinderschnitzel mit Wirtshaus-Pommes, 12 Euro), bekommt sein Essen sehr schnell und isst den Teller bis zum letzten Bissen leer. Dass er zwischendurch Pausen macht und die besagten Bilder an der Wand begutachtet oder in den Hohlraum unter der Bank kriecht, auf der wir sitzen, wird von den Servicekräften entspannt aufgenommen.

Ich wähle eine Ungarische Gulaschsuppe (8,50 Euro), die auf der aktuellen Karte durch eine Rinderkraftbrühe mit Maultasche und feiner Gemüseeinlage ersetzt wurde, und bin damit ganz zufrieden. Den Burger finde ich allerdings interessanter.

Wer lieber leichter isst, wird vielleicht mit dem Wirtshausalat aus knackigen Blattsalaten, Gurke, Strauchtomaten, Avocado, Paprika, Kräutern, Croûtons und gerösteten Kernen glücklich (14,50 Euro, wahlweise mit asiatisch gewürzter Hähnchenbrust oder Bio-Kräuterseitlingen, jeweils 20,50 Euro).

Viel Fleisch, wenig Fisch

Fleischliebhaber haben noch eine ganze Reihe weiterer Speisen zur Auswahl, vom Paprikarahmschnitzel (22,50 Euro) bis zu geschmorten Schweinebäckchen (28,50 Euro).

Die Fischkarte ist mit zwei Gerichten übersichtlich (Kibbeling vom Seelachsfilet mit hausgemachter Remoulade und Kartoffel-Gurkensalat, 19,50 Euro, sowie hausgemachter Stip vom Holländischen Matjes mit Apfel-Dillsahne, Rotebeete und Bratkartoffeln, 22,50 Euro).

Das Dessertangebot ist interessant, vom karamellisierten Bergischen Milchreis für 8,50 Euro bis zur Zitronen-Thymian Crème Brûlée mit Organgeneis für 10 Euro.

Wir bestellen einen Kaiserschmarrn mit Zimt-Apfelragout und Vanilleeis (14,50 Euro), der sehr buttrig und uns allen zu stark gezuckert ist. Der Sechsjährige löffelt dafür das Zimt-Apfelragout weg.

Fazit

Alles in allem eine gute Option für Familien, die gutbürgerliche Küche mit einem Twist mögen und bereit sind, für die hochwertigen Zutaten (so mein Eindruck) etwas mehr zu bezahlen als in anderen Wirtshäusern. Günstiger ist der täglich wechselnde Mittagstisch, dienstags bis freitags von 11.30 Uhr bis 14 Uhr, für 16 Euro inklusive einem Glas Mineralwasser oder einem Espresso.

Im Nebenraum kann man sich prima mit größeren Gruppen treffen. Und im Sommer macht es natürlich auch Spaß, einfach im großen Biergarten zu sitzen und etwas zu trinken.


Hinweis der Redaktion: Wir testen die Restaurants anonym. Falls für die Geschichte erforderlich, geben wir uns nach dem Bezahlen zu erkennen. Die Rechnung zahlen wir selbst.

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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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  1. Von der Qualität her wirklich meist in Ordnung, leider preislich grenzwertig und wenig Veränderungen in der Karte. Die Brötchen der Burger haben öfter etwas viel an “Röstaromen”. Klasse ist das Augustiner vom Fass.

  2. Gute Restaurantkritik, Frau Geyer. „Wo Wilbrand draufsteht, ist auch Wilband drin….“, immer sehr gut….