“Willkommen in der Realität ” … lautete das Motto der Veranstaltung am Samstag, den 7.5.2011. veranstaltete die “Selbsthilfe Spina Bifida und Hydrocephalus in Nordrhein-Westfalen eV” einen Informationstag in Bergisch Gladbach. Leiter der Veranstaltung vor Ort war Andreas Fritsch, Moderator war Uli Weber von Rhein-Berg TV

Anlass für diese Veranstaltung waren die derzeitigen, kontrovers geführten Diskussionen über die Neugestaltung der Fußgängerzone in Bergisch Gladbach.

Der Treffpunkt vor dem Löwencenter wurde wegen der prallen Sonne nach gegenüber verlegt, unter die Schatten spendenden Bäume vor der Post. Dort standen etliche Rollstühle und Rollatoren zu Verfügung, dass jeder der wollte selbst ausprobieren konnte, wie sich das anfühlt, die Fußgängerzone mit diesen Hilfsmitteln befahren zu müssen. Diese Chance wurde eifrig genutzt. Es zeigte sich auch, dass eine bestimmte Gruppe Menschen bisher nie erwähnt wurde: Mütter mit Kinderwagen. Auch sie legen Wert darauf, dass das Pflaster barrierefrei nutzbar ist.

Leider war unser Bürgermeister Lutz Urbach aus familiären Gründen verhindert. Aber seine Stellvertreter Frau Ingrid Koshofer und Herr Josef Willnecker nutzen ebenso wie der 1. Vorsitzende der FDP, Herr Gerald Karich die Gunst der Stunde und probierten die Rollstühle aus.

Alle waren anschließend der Meinung, dass es auf keinen Fall so bleiben sollte, wie es ist. Sie waren – wie die meisten Rollitester – erstaunt, wie unsicher man sich in einem Rollstuhl fühlt, dass es eben nicht nur “reinsetzen und losfahren” ist. Wie sehr man sich anstrengen muss, wenn Rampen zu befahren sind oder Stufen zu überwinden zeige ich in einem separaten Beitrag.

Herr Waldschmidt, Fraktionsvorsitzender der SPD, gab einen kurzen Überblick darüber, welche Fragen nun “plötzlich” auftauchen bezüglich der neuen Pflasterung und wieviel Zeit man bereist hat verstreichen lassen, um diese Fragen zu klären und entsprechend in die Planungen einzubeziehen.

Durch die Redner wurde jedoch auch klar herausgestellt, dass alle ästhetischen Aspekte vor der barrierefreien Nutzung zurückstehen sollten. Auch behinderte Menschen sind Konsumenten, die den Geschäftsleuten zu einem großen Teil verlorengehen, weil sie nicht in die Geschäfte hineinkommen, oder erst gar nicht in die Fußgänerzone gehen, weil das Pflaster die kranken Gliedmaßen zu sehr durchschüttelt.

Herr Fritsch erzählte, dass er sich sein Mittagessen holen lassen muss, obwohl er die Geschäftsräume in der Laurentiusstraße hat, und sich sehr gut selbst versorgen könnte. Aber er muss sein Mittagessen dann auf den Knien zum Büro fahren. Das gelingt ihm nicht bei dieser Pflasterung. Er ist also abhängig von der Hilfe seiner Mitmenschen. Das ist erniedrigend.

Uli Weber als Moderator vertritt die Ansicht, dass es nach 30 Jahren des Stolperns nun genug sei und Bürger, Geschäftsleute und Behinderte nun eine bessere Lösung verdient hätten.

Für alle Redner gab es viel Applaus und Zustimmung. Alle sind gespannt, wie der Stadtrat am 16. Mai entscheidet. Es gab viele nette Gespräche anlässlich des sehr bunten Treibens während der Veranstaltung.

Noch mehr Fotos von Rillitestern und dem Geschehen drumherum gibt es im Bergisch Gladbach Blog.

PS: Ganz lieben Dank an Frau Annette Glamann für die Erlaubnis, ihre Fotos zu benutzen. Ich selbst hatte mal wieder nicht genug Akku dabei. :)

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Nach 6 Jahren Hartz IV genieße ich nun seit Herbst 2012 meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Daran, dass ich mehr Zeit als Geld habe, hat sich aber auch mit der Rente nichts geändert. Darum bin ich mit...

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2 Kommentare

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  1. Lieber Bergisch Gladbacher, finden Sie dieses Pseudonym nicht etwas anmaßend? Wir sind hier (fast) alle Bergisch Gladbacher, da können Sie nicht so einfach beanspruchen, für uns alle zu sprechen. Wenn Sie wollen, dass Sie und Ihre Meinung ernst genommen wird, dann sollten Sie in Zukunft unter Ihrem eigenen Namen kommentieren.

  2. schön und gut, aber man hätte die Innensadt auch so umgestalten können, dass der ursprüngliche Charakter erhalten bleibt. Stattdessen erhalten wir eine graue betonartige und glatte fläche. Alle Bäume wurde rausgerissen, sitzgeelgenheiten entfernt, spielgeräte weggeworfen und Figuren aussortiert. Was bleibt ist eine Stadt, die sich gegen kultur und zu dem Konsum bekennt. Alles beim Altern in einer Stadt, die seit ich denken kann CDU wählt!