Löwenbrunnen im Frühling

Der Löwenbrunnen am Markt

Der Löwenkopf befremdet speit
den Strahl, der nur mit Zagen
in das Becken fällt, das breit
wie ein massiver Götterwagen
bereit sich hält, das Nass zu tragen.

Das Haupt von Üppigkeit gesäumt,
von Blättern, die mit Birnen prunken,
er nun von fernem Adel träumt,
von Zeiten, die schon längst versunken,
als goldne Becher er getrunken.

Heut adelt ihn das Frühlingswetter,
und die sich teilen vor dem Strahl,
die tausend rosa Blütenblätter,
die in dem Trog wie einem Saal
versammeln sich zum Festtagsmahl.

Ganz sanft sie von den Bäumen fielen
wie aus Fernost ein milder Regen
von Japanblüten, feinen Stielen,
die fruchtlos abwärts sich bewegen,
nur uns zur Freude und zum Segen,

so dass nur Adel sich verleiht,
was heilt und Menschensinn erbaut,
und Balsam schenkt und und Heiterkeit
sich auch mal an das Fremde traut
und nicht nur eng nach Eignem schaut.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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