Das Kickehäuschen in Refrath ist seit 1913 eines der festen Ausflugsziele der Bergisch Gladbacher gewesen, mit einem Ruf weit über die Stadtgrenzen hinweg. Um so trauriger war der schleichende Niedergang dieser Perle, die nach kulinarischen Glanzzeiten unter der Familie Klaus Kuhn und einem griechischen Intermezzo unter dem Namen “Ikos” eine ganze Weile leer gestanden hat.

Aber damit ist es nun vorbei, ein neuer Pächter hat das Kickehäuschen zu neuem Leben erweckt – und plötzlich brummen Restaurant wie Biergarten wieder kräftig. Und zwar unter dem etwas geheimnisvollen Namen “12 Apostel im Kickehäuschen”.

Tatsächlich verlangt es einigen Spürsinn, um der Nationalität des Pächters auf die Spur zu kommen. Mit der Berliner Kette “12 Apostel” und ihrer italienischen Küche haben die Refrather auf jeden Fall nichts zu tun. Die Speisekarte ist lang – und reicht von Pizza und Pasta über traditionelle gutbürgerliche Spezialitäten, Waffeln, Pfannkuchen und einiges mehr, bis hin zu mediteranen Vorspeisen und Grillgerichten.  Doch dann führen ein Sondergericht auf der Tafel (“Hacksteak mit Feta gefüllt”) und die besonderer Qualität bestimmter Vorspeisen auf die richtige Spur: der Pächter Evangelos Michail ist Grieche, mit den “12 Apostel in der Waldschenke Hilden” gibt es bereits ein Restaurant nach identischem Muster.

Restaurant, Küche, Karte und Personal sind bunt gemischt. Ein Rezept für Geschmacksverirrungen, aber hier nicht.

An diesem eher kühlen Spätsommerabend ist zwar das Restaurant menschenleer, aber der wunderbare Biergarten unter den alten Bäumen brechend voll. Mittelalte Cliquen, Familien, ältere Paare bilden eine bunte Mischung, die sehr lokal geprägt ist. Viele der Gäste kennen sich, man unterhält sich von Tisch zu Tisch, wandert rund um den kleinen Springbrunnen in der Mitte umher. Ganz eindeutig – die Refrahther sind froh, das ihr Kickehäuschen von den Toten auferstanden ist.

Aber genug der Vorrede, zur Sache.

Die Getränkekarte ist eher konventionell, die üblichen Biersorten (Früh und mehr), aber ein ziemlich dürres Weinangebot. Das Modegetränkt der Saison, Aperol Spritz, wird geführt.

Bei den Vorspeisen gibt es eine bunte Mischung aus italienischen, griechischen und nicht lokalisierbaren Gerichten. Wir versuchen die Babysepia mit Aioli und die gegrillten Champignons – und landen zwei Haupttreffer. Sehr gut gewürzt, frisch, köstlich – und reichlich.

Postkarten erinnern an die lange Tradition

Interessant wird es bei den Salaten – den hier macht der Name des Restaurants plötzlich Sinn. Es sind zwar nicht die Apostel, aber die weiblichen Nachfolger von Jesus Christi, die hier als Namensgeber fungieren – wie etwa beim Salat Magdalena. In einer Tortillaschüssel gibt es einen Riesenberg von Eisbergsalat und anderem frischen Grünzeug, gekrönt von einer großzügigen Portion Rumpsteak-Stücken.

Die Pasta-Gerichte erscheinen uns konventionell klassisch, werden also übersprungen. Aber bei den Pizzen tauchen dann die Apostel selbst auf – von Thomas bis Johannes. Dabei wurden nicht einfach Margarita in Paul oder Quatro Staggione in Markus umbenannt. Nein, die Pizzen überraschen allesamt durch ungewöhnliche Kombinationen. Hier gibt es rustikalen Speck und Hackfleisch, aber auch Auberginen und Parmaschinken. Wir wählen die Pizza Philippus, die mit einer Kombi von Kochschinken, Champignons und Feta mit recht dünnem Teich überzeugt.

Richtig klasse sind die Spareribs: gegarrt bis zum Verfallsdatum, mürbe und würzig unter einer satten Schicht BBQ-Sauce – und das für unter zehn Euro. Die Spareribs scheinen eine Spezialität des Hauses zu sein, Donnerstags gibt es sie auch im All-you-can-eat-Angebot.

Interessant auch der herzhafte Pfannekuchen: gefüllt mit Champignon, Lauch und Käse.

Klar, die Karte führt auch die üblichen Fleischgerichte, sogar eine ganze Seite mit Fischspezialitäten, aber die sparen wir uns für einen späteren Besuch auf. Ebenso wie das Kuchenangebot (nur bis 18 Uhr) und die riesige Eiskarte – die aber genau das ist, was den Biergarten auch am Nachmittag füllen kann.

Das Restaurant verfügt über eine sehr großen Speisesaal, einem mittleren Nebenraum und ganz vorne über einen Kneipenraum mit altmodischer Theke, alles stilsicher eingerichtet – und dank der Variationsbreite wohl für fast jeden Anlass geeignet.

Über mangelnde Nachfrage können sich die 12 Aposten wenige Wochen nach der Neueröffnung nicht beklagen, die Refrather laufen ihnen die Bude ein. Manche kämen Tag für Tag, berichtet unsere Bedienung. Die war übrigens – trotz erkennbarer Überlastung – ausgesprochen freundlich. Sonderwünsche wurden bereitwillig angenommen und ausgeführt, auch ein Glas Wein in der 0,1-Miniportion ist kein Problem.

Am Ende bezahlen wir für zwei Vorspeisen, drei Hauptgerichte und Getränke unter 70 Euro, ein faires Angebot.

Fazit: Ein gewaltiger Gewinn für Refrath, ein tolles neues/altes Ausflugsziel für die ganze Region.

Weitere Informationen:

Gastronom

Mich interessiert, wo im Bergischen man gut Essen und Trinken kann. Darüber schreibe ich positiv kritisch, das andere verschweige ich. Tipps sind willkommen, bei den Kommentaren.

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5 Kommentare

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  1. Adresse? Tatsächlich, die fehlt: Kicke 18 in Bergisch Gladbach-Refrath. Wenn man aus Gladbach kommt, gleich nach dem Ortseingang rechts rein. Aber das sieht man ja auch auf der Karte ganz gut.