Der “eigenartige Brunnen in Form einer wippenden Platte”

Der Titel ist nicht schlecht, denn hier wird gleich klar, dass sich Jakob Strobel y Serra tatsächlich an die gastronomische Basisversorgung Bergisch Gladbachs herangetastet hat: Die ganze Wahrheit kennt  nur der Wurstseppel”.

Der Autor der FAZ sollte für den Reiseteil offenbar über das ” Festival der Meisterköche” auf Schloss Bensberg berichten – und staunte so sehr über die Tatsache, dass eine Stadt wie Bergisch Gladbach über zwei Restaurants mit jeweils drei Sternen verfügt: das sei ja mehr, als es in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München zusammen gebe. Weltberühmt sei die Stadt daher. Aber warum, in Gottes Namen, mache Bergisch Gladbach denn aus diesem internationalen Ruhm nicht mehr?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen schlendert Strobel durch die in Kennerkreisen nicht weniger berühmte Fußgängerzone, redet mit vielen Leuten und spricht sogar im Rathaus vor. Nur gut, dass ihm niemand etwas über den Streit über die Pflasterung der Fußgängerzone erzählt hat – sein Bericht fällt auch so schon niederschmetternd genug aus.

Ein paar Kostproben:

“Der deutsche Sündenfall heißt Bergisch Gladbach. In dieser unschuldigen Stadt (…) wurden alle architektonischen, urbanistischen und ästhetischen Verbrechen der Nachrkiegszeit mit einer Kaltblütigkeit begangen, dass man die Geschundene am liebsten in den Arm nehmen möchte. Erschüttert, fassungslos, zorngepeinigt stehen wir in der Fußgängerzone und ballen die Faust: Wo sind die Schuldigen für all diese Schandtaten – für Eternitexzesse, Flachdachfiaskos, Waschbetonwahn, Mietkasernenmonster, Klinkerfratzenfassaden, Kreissparkassentyrannei.”

“Wir müssen uns setzen. Und sitzen jetzt mit hängenden Schultern zwischen Bierflaschen, depressiven Bäumen, freundlosen Tauben und der auch nicht eben vergnügt dreinschauenden Bronzeskultur “Bergische Bäuerin”. Sie wurde vom örtlichen Verschönerungsverein gestiftet, eine Verzweiflungstat, ein Schrei nach Gerechtigkeit. Verschönerungsverein! Allein die Existenz dieses Wortes sagt mehr als tausend Worte.”

“Diese Stadt hat alle Sünden für uns auf sich genommen. Sie ist kein Aschenputtel und kein Prinz wird jemals mit seiner Kutsche auf den Marktplatz fahren, der öd und leer ist wie die Welt am ersten Schöpfungstag.”

Allsdann testet der Stadttester, ob denn die Bürger der 6-Sterne-Stadt diesen Ruhm auch zu würdigen wissen.  Mit starkem kölschen Släng zitiert er Passanten, die natürlich nicht den geringsten Schimmer haben, dass die Stadt die Meisterköche Joachim Wissler und Nils Henkel beherbergt. Bis er beim Wurstseppel landet, wo er endlich kompetente und korrekte Auskunft erhält.

Das “tapfer historisierende Rathaus”

Zunächst aber bekommen noch ein paar Sehenswürdigkeiten ihr Fett weg. Kostproben:

  • “ein tapfer historisierendes Rathaus”
  • “eine düstere neoromanische Kirche”
  • “ein eigenartiger Brunnen in Form einer wippenden Platte”
  • “ein Brunnen in Schneckenform, sieht eher aus wie eine Beule im Straßenbelag”

Ganz der faire Journalist gibt der Autor natürlich Vertretern der Stadt, die er namentlich nicht nennt, die Gelegenheit, das schiefe Bild zurecht zu rücken, was aber halbherzig rüber kommt und daher nicht gelingt. Man habe das “Pittoreske ein wenig vernachlässigt”, wird ein Sprecher der Stadtverwaltung zititert.

Für ein wenig Name-Dropping reicht es auch noch. Heidi Klum wird pflichtschuldigst genannt, Dieter Müller, und erneut mit Quelle Stadtverwaltung, auch der “progessive Bestatter Fritz Roth“, der “Instant-Cappuchino-König” Willibert Krüger und das Mediterana.

Erst dann fährt Strobel  hinauf nach Bensberg, was ihn (und seine anonyme Begleiter) zwar nicht städtebaulich, aber immerhin gastronomisch befriedigt.

“Unser Herz fängt an zu hüpfen, als wir uns dem Hügel nähern, auf dem Schloss Bensberg thront. Doch man sieht es kaum, weil ihm keine aristokratische Bannmeile Schutz gewährt, sondern die Stadt dem Schloss mit lauter 70er-Jahre-Scheußlichkeiten auf die Pelle rückt, terrassierter Beton in seiner scheußlichsten Form, das Grauen in Grau. Wer sich heute sowas zu bauen traute würde gerädert und gevierteilt. (…) Jetzt hilft nur noch ein: man muss sich glücklich essen.”

Aus plebejischer Niederung auf den gastronomischen Olymp

Nun wird klar, was hier läuft. Strobel y Serra (der übrigens in Bonn (!) geboren wurde) und sich in der FAZ normalerweise um spanischsprachige Länder kümmert, hatte zunächst unten im plebejischen Bergisch Gladbach die “Sünden” aufgesammelt und sich mit Sprachgenuß im Pfuhl gesuhlt, bevor er nun den kulinarischen Olymp besteigt – und besingt. Ein paar Häppchen gefällig?

  • “es trifft sich gut, dass in Schloss Bensberg eine Art Althoff-Familienfeier stattfindet, bei der Joachim Wissler und Nils Henkel gemeinsam mit anderthalb Dutzend Spitzenköchen und ein paar hundert Gourmets ein Sinnesfreundenfest feiern”
  • “wir sind demütig dabei, schreiten mit zitternden Knieen durch das Tor wie Alice ins Wunderland und treten in dem spätbarocken Flügelbau ein wie in eine andere Welt, der der das ganze große glück auf einen kleinen Teller passt”
  • “bei Maitre Wissmann gibt es eine zabaionezarte Rehhaxenminiatur, confiert in Wachholderbutter und garniert mit Seamcreme, Granatapfelsalat und Peccannuüsse, wahlweise mit schneeflockenweichen Felchen in Sauce Verjus du Perigor, dargeboten mit Pfifferlingen und Orchideenblüten ….”
  • “Kollege Henkel hat einen mild geräucherten, zärtlich pochierten Polarunsaibling mit Holderkapern-Vinaigrette, Kressecreme und Saiblingskaviar”
  • “eine Gaumen-Götterdämmerung “

Soweit, so schlecht. Klar, man erkennt Bergisch Gladbach durchaus wieder in dieser Beschreibung. Aber genauso gut erkennt man das Bemühen des Autors, die Stadt Bergisch Gladbach gegen ihre Spitzenköche auszuspielen, ganz in schwarz-weiß.

Schlimmer noch ist, dass er dabei versucht, die beiden zugezogenen Bergisch Gladbacher Wissler und Henkel zu vereinnahmen – und gegen ihre neue Heimatstadt zu positionieren. Zwar kann er ihnen keine Kritik entlocken, aber dennoch wird betont, dass Wissler das Bergische nicht als seine Heimat versteht, es Henkel eigentlich in den Norden zieht.

Aber darum geht es schon gar nicht mehr. Sondern um Stellung zu beziehen. Daher bekommt am Ende, ohne jeden Zusammenhang, auch noch Heidi Klum ihr Fett weg, die mal schnell als “Volksvulgärfoltergouvernante” bezeichnet wird.

Ist ja schon gut. Aber rechtfertigt es soviel Sprachverliebtheit tatsächlich, eine ganze Stadt und ihre Bewohner lächerlich zu machen? Und ja, es gibt viel zu viele Bausünden und Schmuddelecken – aber sieht es bei uns wirklich so schlimm aus? Hier ist Ihre Position gefragt, stimmen Sie mit ab oder nutzen Sie unten das Kommentarfeld!

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Der stellvertretender Pressesprecher der Stadt, Dominik Martin, hat sich auf Anfrage bereits geäußert:

“Wir sind schon über die Sichtweise von FAZ-Autor Jakob Strobel y Serra enttäucht. Wir können aber nicht die Bausünden der vergangenen Jahrzehnte ausradieren. Dennoch hatten wir gehofft, dass die positiven Seiten unserer Stadt mehr betont würden und die negativen weniger“.

Weitere Reaktionen und Kommentare:

Günter Henne (Leserbrief FAZ 14.9.):  Zu “Die ganze Wahrheit kennt nur der Wurstseppel” von Jakob Strobel y Serra (F.A.Z.-Reiseblatt vom 8. September): Für die detaillierten humorvoll-ironischen Ausführungen des Autors über die “Gourmetstadt” Bergisch Gladbach mein Kompliment. Stilistisch erinnern sie an die großartigen Theaterkritiken von Gerhard Stadelmaier. Bei allen liebevoll und zu Recht kritisch beobachteten architektonischen Sünden dieser Stadt hat Strobel y Serra doch wohl ein wichtiges Bauwerk im Zentrum von Bergisch Gladbach übersehen: Es liegt direkt gegenüber dem Rathaus und dem Bergischen Löwen – vielleicht ein wenig zu versteckt in einer Insel von grünen Bäumen und Sträuchern, zudem (erbaut 1873/74) architektonisch recht präsentabel: die Villa Zanders, der eigentliche Wohnsitz der Fabrikantenfamilie Zanders bis 1928, heute Sitz der Städtischen Galerie Villa Zanders mit ihrer einzigartigen Sammlung von Papierkunst.  Vermutlich ist dieses attraktive Museum vielen Bürgern des Ortes neben den beiden Sternetiara-gekrönten “Küchengöttern” ebenfalls weniger bekannt als das “Dreigestirn der örtlichen Prominenz”, der “Instant-Cappuccino-König” und der ideenreiche “Bestattungsunternehmer”.

Patrick Esser (via faz.net): Wie wahr – wie wahr! Ich musste schon die eine oder andere Träne bei ihrem sarkastischen Bericht über meine geliebte Heimatstadt verdrücken.  Ich konnte im Kopf genau ihren Weg durch die Bergisch Gladbacher Architektur und Geschäfte der Innenstadt folgen und weiß, was Sie meinen. Aber glauben Sie mir eins, Bergisch Gladbach ist der schönste Platz zum Leben.  Die Menschen hier haben Sie ja schon als herrlich unkonventionell beschrieben.  Wir blicken von unseren Hügeln aus der Stadt auf die Metropole Köln hinab, mit ihren unerschöpflichen Möglichkeiten an kulturellen Angeboten. Folgt man dem Weg hinter unserem Haus, landet man umgehend in der zauberhaften und fasst unberührten Weite des Bergischen Landes.  Wir haben die schönsten Frauen des Landes, und wenn es einem doch nicht reicht – wie gesagt, dann fährt man nach Köln. Ach ja! Und gut essen kann man bei uns natürlich auch. Aber glauben Sie mir eins, für die kölschen Tapas, Flöns im Röggelchen, der Brauhaus Pfanne oder einen Halven Hahn mit einem leckeren Kölsch im Brauhaus am Bock mit unseren Liebsten, lassen wir hier in Bergisch Gladbach jede Gänsestopfleber links liegen. Ich liebe diese Stadt, für immer!

Benedikt Bräunlich (via “Politik in Bergisch Gladbach”/Facebook): Eine Unverschämtheit ist die Veräppelung der Menschen, die “befragt” wurden. (übergewichtiger Junge und der Dialekt). Das Einzige, was ich an der Fußgängerzone auszusetzen hätte, wäre der Asphalt und einige “Rammschläden”. Letzteres wird ja bald der Vergangenheit angehören. Ansonsten ist die Fußgängerzone doch top!? Was wäre, wenn wir speziell nur die Gourmetrestaurants als Städtewerbung hervorheben? Natürlich ist dies Einzigartig in Deutschland und eine große Bereicherung für Bergisch Gladbach. Aber es würde doch nur ein spezielles Klientel (Feinschmecker) ansprechen. Und diese kennen doch auch ohne Werbung Henkel und Wissler!?

Daniel Halberkann (via faz.net): Ein herrlicher Artikel über “Schäbbisch Jläbbisch”. Treffende Darstellung der Innenstadt wie auch der Bewohner. Lange nicht mehr so gelacht.  Danke für diesen humoristischen Start in den Tag.  Jedoch: In GL-City jemanden nach einem Restaurant in Bensberg zu fragen, kann nur diffuse Antworten ergeben. Liegen doch zwischen diesen beiden “Stadtteilen” geradezu Welten. Da hat sich seit der Zwangsvereinigung in den 70ern nicht viel verändert.

Sebastian Paulussen (via faz.net): Herzlichen Dank für diesen Artikel über eine sehr schöne Ecke von Deutschland, die ich aber selber meine Heimat nenne! Bergisch Gladbach ist wirklich keine Schönheit, aber wie schon sehr treffend beschrieben ist Bensberg sehr einladend. Und die Mentalität ist an sich eigentlich schon eine Reise wert.  Ein kleine Korrektur sei aber erlaubt, denn ganz so radikalfeministisch ist das Bergische dann doch nicht. “Superjeilezick” liest sich nämlich nicht “Supergeile Zicke”. Sondern “Supergeile Zeit”. Damit ist das Rheinland ganz gut getroffen, würde ich sagen.

Arne Feldmann (via Politik in Bergisch Gladbach”Facebook”: Wahrheit tut halt weh, und wenn der Autor eben kleine McDonalds-Monster am Brunnen angetroffen hat, dann ist das eben so. Ansonsten kann ich dem Artikel viel abgewinnen, auch wenn ich weiß, dass die Veränderung ein Weg vieler kleiner Schritte sein wird…

Motorradhandel Bergisch Gladbach (via Facebook): Schade, daß es in GL nur “schwarz und weiß” gibt, soll heißen: “3 Sterne” und “Convenience Food” aus dem TKFach. Gutes, handwerklich gemachtes, gutbürgerliches Essen ist ja leider mittlerweile ausgestorben, ausgenommen “Die Schwäke” und vielleicht 3-4 andere…Zu 99% sieht’s doch leider so aus: Unterirdischer Service, Essen, welches den Namen nicht verdient und das alles noch zu teuer. Da wundert es doch niemanden, dass die Gastronomie kränkelt. Ich halte es so: Wenn ich gut essen will, koch ich selbst.

Johannes Nanz (via faz.net): Beim Lesen des Artikels hab ich mich weggeschmissen vor Lachen. Als gebürtiger Bergisch Gladbacher konnte ich jedem Detail der Beschreibung nachvollziehen, als ich mit dem geistigen Auge dem Reporter durch die Innenstadt gefolgt bin. Was mich bei der chronischen Geldknappheit der Stadt schon immer gewundert hat, ist dass die Bürger zu den Reichsten Deutschlands zählen, man sich beim Befahren der Straßen jedoch zuweilen in Bangladesch wähnt. Die meisten Bergisch Gladbacher haben in der Tat ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Stadt. Ich habe mich aus Scham vor den erwähnten architektonischen Schandtaten immer als Kölner ausgegeben, um später im Gespräch verschämt zuzugeben, aus Bergisch Gladbach zu kommen, welches ich dann schnell als “eigentlich nur große Vorstadt Kölns – praktisch ein Stadtteil” abgetan habe. Dennoch gibt es auch schönes in Bergisch Gladbach, und Schloss Bensberg und Lerbach gehören sicherlich dazu. Ich hatte einmal das Vergnügen im Lerbach zu speisen – noch unter Dieter Müller – und es war wirklich ein Erlebnis. Also vielen Dank für einen super unterhaltsamen Artikel der meinen Geburtsort in all seiner Hässlichkeit beschreibt, ohne den dennoch bestehenden (obgleich gut versteckten) Charme zu verkennen!

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UPDATE: Die FAZ hat jetzt den kompletten Beitrag online gestellt.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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10 Kommentare

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  1. Ich fand den Artikel über GL incl. Bensberg nicht amüsant oder lustig, sondern traurig.
    Als ich vor ca. 30 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Bensberg zog, war ich zwar entsetzt über die Bausünden die hier- vor allem in der Schlossstrasse begangen wurden, aber insgesamt empfand ich Bensberg mit seinen historischen Bauwerken (Schloss , Thomas Morus, Heimatmuseum, Malerwinkel etc) und der kleinen, aber feinen Fussgängerzone als Lebensumfeld sehr angenehm. Was ich allerdings nie verstanden habe ist, warum die “Verantwortlichen” das “Bensberger Schloss” ( ausser eine Strasse danach zu benennen,) .
    einfach bisher nicht genutzt haben um Bensberg auch für Touristen, Tagesgäste etc. interessant zu machen. Jedes Städtchen, das auch nur eine Miniburg oder Schlösschen hat, lockt damit mehr oder weniger geschickt Touristen ( und damit auch potentielle Kunden für Geschäfte und Gastronomie) in den Ort. ( Schloss Burg, Xanten, Siegburg, Bad Münstereifel…) warum Bensberg nicht??? Stattdessen, wurde in den letzten 30 Jahren die Schlossstrasse so verkommen, dass die wenigen Gäste aus dem Schloss- oder Malerwinkelhotel gar nicht erst die entsetzlich verdreckten Treppenabgänge zur inzwischen absolut unattraktiven “Innenstadt” überwinden, sondern entsetzt nach Alternativen in der Umgebung fragen. Das finde ich traurig!! Zur Zeit, wo Tag und Nacht permanenter Autoverkehr durch die eh schon enge Schlossstrasse rauscht, kaufe auch ich nun lieber woanders ein.

  2. Zum FAZ-Bericht über Berg.-Gladbach

    Herr Strobel ist, so scheint mir, ein journalistischer Wirrkopf mit starken Ausfallerscheinungen. Hat er vergessen wie das Erscheinungsbild seiner
    FAZ-Stadt Frankfurt international ist.”Potthäßlich”!
    Nur das Messegelände und der Flughafen sind einem ausländischem
    Nachbarn zu empfehlen. Da nützt auch die historische “Paulskirche”
    wenig.
    Eine Stadt und seine städtebauliche Entwicklung hat einen geschichtlichen Hintergrund.
    Diese Stadt Bergisch Gladbach ist ein grüner ansehnlicher Ort; entstanden aus vielen
    kleinen Orten bzw. Weilern.Die Nähe Kölns hat seinen besonderen Reiz.
    Wohnen, möchte ich aber lieber hier, und ich brauche kein Feinschmecker-Restaurant.
    Ich möchte auch nicht, in einer von mittelalterlichen Fassaden geprägten, miefigen,
    süddeutschen Stadt wohnen.
    Frei nach Wilhelm Busch möchte ich Hn. Strobel ein Zitat mit auf den Weg geben:
    Die Panzerkröte sprach zur Schnecke:
    Pfui! Schäme dich!
    Du kommst ja gar nicht recht vom Flecke!
    Da sieh mal mich!!
    Eine gewisse Fortbildung in Sachen deutsche Industriegeschichte, Städteplanung und
    Architektur möchte ich Hn.Strobel dringend empfehlen.
    H.Strobel, bleiben Sie in ihrem Hessen/Frankfurt und wir in unserem begehrten
    Rheinland.

  3. Wir sind letzten sommer nach gl gezogen. Als Neubürgern in dieser Stadt kann ich nur sagen: besonders auffällig war die extrem negative Einstellung der Einwohner selbst zu ihrer Stadt bis hin zu Mitarbeitern der Behörden.. Jedem , dem wir erzählten, dass wir freiwillig aus dem Süden deutschlands hierhergezogen sind , reagierte mit Entsetzen und Ungläubigkeit. Hier liegt doch eigentlich der Hase begraben. Wer von der Stadt, in der er lebt, nichts hält, sich nur im eigenen Umfeld einigelt und meint, das übrige ginge ihn nichts an, hat auch kein Interesse sich zu engagieren, was wiederum dem politischen Unvermögen den Weg bereitet.
    Sprich, wir die bürger sind gefordert mehr aus unserer stadt zu machen und uns politisch im Größen und Kleinen persönlich zu engagieren. Denn aUs den schönen Ecken der Stadt könnte man durchaus etwas machen!
    Ich fände es toll, wenn die Diskussion in dieser Stadt mal in diese Richtung ginge.

  4. Der Bericht von Hrn. Strobel y Serra spricht mir aus der Seele. Jedesmal, wenn ich in Bergisch Gladbach bin, überlege ich, wer dieses hässliche Stadtbild zulassen könnte. Klar, für die notwendige architektionische “Totaloperation” ist sicherlich kein Geld da, aber viele Kleinigkeiten könnten das Bild vielleicht schon etwas aufhellen. Ich habe bisher nur eine Stimme gelesen, die sich gegen diesen Bericht stellt. Ich glaube, den Gladbacher Bürgern ist doch auch bewusst, wie es um ihre Stadt steht, oder? Vielleicht tuts weh, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, aber objektiv kann man dem Bericht in vielen Punkten nur zustimmen.

  5. Der Mann hat ja so recht!! Mir kamen nach den ersten Sätzen des Berichtes fast die Tränen vor Rührung. Herr Strobel y Serra hat ja nicht voller Häme, sondern mit viel Rührung berichtet. Die von der Verwaltung erwähnte Geldknappheit trifft auch bei anderen Kommunen zu, aber in BergischGladbach/Bensberg fehlt der Blick für mögliche Verbesserungen, die wenig Geld kosten.
    Man fahre oder gehe einmal auf der Overrather Strasse in Richtung Centrum mit Schloß und altem Rathaus als Hintergrund. Man beachte die unzähligen Werbeplakate und unnötigen Verkehrsschilder und am Ende neben der großen Kreuzung die uralte Bauruine der Bibliothek, die seit kurzem mit bunten Bilderwänden eingezäunt ist wie ein Cirkusplatz. Das tut jedes mal weh!!! Weil eine der schönsten Kulissen in und um Köln herum so wenig liebevoll behandelt wird. Und dabei ist diese Einfahrt zu unserer Stadt für die meisten Besucher, die von der Autobahn Abfahrt Moitzfeld kommen, der erste Eindruck, den sie bekommen und der demnächst auch noch durch das schwarze Loch des Kinotunnells getoppt wird.
    Bitte nicht schimpfen über Jakob Strobel y Serra, sondern nachdenken.

  6. Schade, dass “Gebäude” wie Forum, Löwe, Arbeits- oder Finanzamt, Kreishaus, IGP und viele weitere nicht alt genug sind, so dass evtl. Asbestbelastung deren Abriss erforderte. Da bleibt mir nur auf eine nächtliche Sprengung mit islamistischem Hintergrund oder Fehler in der Statik zu hoffen. Gott sei Dank spricht heute niemand mehr über Herrn Böhm, den Hannibal Lecter der Architektur, am wenigsten die damaligen und heutigen Verantwortlichen der Stadt GL. Das lässt für die Zukunft hoffen.

  7. Ich denke, wenn die Entscheidungsträger für den Mist, den sie über Jahre verbocken, mit ihrem privaten Vermögen gerade stehen müssten, würde so ettwas auch in Bergisch Gladbach niemals gebaut worden sein.
    Aber das ist wie immer: Verantwortung für sein Handeln muss nur der Bürger tragen. Verantwortliche der Stadt, des Landes, des Bundes müssen das nicht. Ihre Verantwortung hat eine neue Qualität; nach Fehlentscheidungen übertragen sie die Verantwortung wieder zurück zum Bürge. Der weiss schliesslich, was Verantwortung ist

    Solche Paradoxe gibt es schliesslich deren viele. Ich denke da nur an die Hungernden in Afrika. …und an die Hilfe unserer Regierung. Da werden 5 Millionen für die hungernden Menschen in Afrika zur Verfügung gestellt und 500 Milliarden für die hungrigen Bänker.
    Eigentlich ist so etwas zum Erbrechen.

    Wer anderer Meinung ist, kann sie ja hier kund tun.

  8. Pfffff….. sach ich da nur und tipp mir an die Schläfe. Wem die ältesten Gebäude unserer Stadt nicht gefallen, der hat überhaupt gar keine Aufenthaltsgenehmigung in GL verdient. Soll er doch weg bleiben, mit zitternden Knien über Teppiche im Schloss rutschen und den Sterneköchen die Füße küssen oder sonst noch was.

    Ich ess lieber Pommes rot/weiß am Rand unseres “hässlichen” Brunnens mit der “Platte”. Davon werd ich wenigstens satt. Für 1,90€ übrigens. Allerdings sind die dann nicht vom Seppl seiner Wurstapotheke.

    Pffff…..

  9. ich finde nicht, dass der artikel bitterböse ist – wie sagt der wobo immer inner glotze “politik beginnt mit der betrachtung der wirklichkeit” – tja das hat der faz mann doch prima gemacht – und es stimmt doch einfach, dass alle bausünden begangen wurden, die fußgänger zone in bensberg ist einfach nur unter aller sau – und gladbach ist auch nicht gerade schön. man schaue sich nur mal das neue shoppingcenter an oder denke über den wahnsinn bahndamm nach – man scheint in gladbach immer noch zu glauben, dass man auto gerechte städte bauen könne!!! traurig ist eigentlich nur, dass erst einer aus frankfurt kommen muss um den menschen in gladbach zu zeigen, was sie in den letzten 40 jahren für eine scheiße gebaut haben – vielleicht fängt ja jetzt wenigstens mal der eine oder die andere an drüber nachzudenken, um es in zukunft besser zu machen