Am 2. Februar berät der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Verkehr über die Freigabe der Fußgängerzone in der Stadtmitte für den Radverkehr.

Update: 
Der Ausschuss hat den Antrag abgelehnt. Mehr dazu in der Presseschau vom 4.2.2012

Warum kann eine solche Maßnahme sinnvoll sein und sogar zu einem besseren Verhältnis zwischen Fußgängern und Radfahrern führen?

Sicherlich kann man den Gedanken nachvollziehen, dass eine Fußgängerzone den Aufenthalt für Fußgänger so angenehm wie möglich gestallten soll. Andererseits ist sie auch ein Verkehrsraum, der ein bequemes Erreichen der dort vorzufindenden Geschäfte ermöglichen soll. Oftmals befinden sich deshalb auch Abstellanlagen für Fahrräder unmittelbar vor diesen Läden, wie z.B. auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Welcher Bürger steigt daher schon gern vor erreichen des Abstellplatzes vom Rad um dann dieses bis an die entsprechende Stelle zu schieben? Mit dem KFZ ist man es ja schließlich auch gewohnt dass man seinen Parkplatz hindernissfrei in unmittelbarer Nähe des Ladens direkt anfahren kann, wie z.B. in den Tiefgaragen und Parkplätzen der neu erstellten Einkaufszenter.

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Ist ein umsichtiger Radfahrer in der Fußgängerzone ein Problem?

  • Nein, denn ein schiebender Radfahrer nimmt mehr Fläche ein als ein gemächlich fahrender; daher behindert man schiebend sogar eher und mehr als beim Fahren.
  • Lieferverkehr behindert und gefährdet hingegen Fußgänger in weit größerem Maße, wird aber als notwendiges Übel in Kauf genommen.
  • Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern treten in Fußgängerzonen äußerst selten auf und haben in der Regel keine schweren Verletzungen zu Folge.
  • Auch rechtlich entstehen hier keine Unklarheiten, denn auch bei freigegebenen Fußgängerzonen ist jedweder sonstiger Verkehr den Fußgängern unterzuordnen.
  • Fast alle Radfahrer passen ihr Verhalten an die aktuelle Verkehrssituation an, unabhängig ob mit oder ohne Freigabe.
  • Radfahrer die sich nicht umsichtig verhalten, tun dies unabhängig ob das Fahren nun erlaubt oder verboten ist.

Da es also kaum objektive Gründe für ein Verbot des Radfahrens gibt, wird dieses oftmals als ungerecht empfunden und eine entsprechenden Ahndungen von Verstößen werden entsprechend misßbilligt. Auch sind aus Städten, die die Nutzung von Fußgängerzonen mit dem Rad freigegeben haben keine Erhöhungen der Konfliktpotentiale bekannt. Es wurde sogar berichtet, das sich nach Zulassung des Radverkehrs die Zustimmung und das Sicherheitsempfinden der Fußgänger erhöht hat. [1]

Besonderheiten in Bergisch Gladbach

In der Bergisch Gladbacher Stadtmitte stellt die Fußgängerzone zudem eine wichtige Verbindung zwischen dem Ostteil der Stadt und der S-Bahn Station dar, so dass diese gern und häufig von Radfahrern genutzt wird. Insbesondere Pendlern ist es schwer zu Vermitteln, warum sie diesen Weg nicht nutzen dürfen, zumal dies zumeist ausserhalb der gängigen Öffnungszeiten geschieht.

Wie sehen die Alternativen aus?

Die Stadtverwaltung verweist in ihrer Ablehnung zur Freigabe auf die ihrer Meinung nach gute Erreichbarkeit aller Geschäfte über die Radwege an der Gohrsmühle und über die Stationsstraße.

Sind diese Wege echte Alternativen?

Eine Tour vom Waatsack zur Post

Man schaue sich nun einmal eine Radtour vom Heiligenstock zur Postfiliale an:

Zunächst kann man die Hauptstraße noch gut befahren, da durch die Fahrbahnführung die dort möglichen Geschwindigkeiten gering und Fahrradverträglich sind. Selbst mit dem Lieferverkehr zum Strundepark gibt es keine Auffäligkeiten. Alle Verkehrsteilnehmer agrangieren sich mit dem dort nur knapp zur Verfügung stehenden Platz.

Ab dem Waatsack wird schon etwas mehr Aufmerksamkeit erforderlich, da nun der Verkehr der Odenthaler Straße hinzukommt und sich die Fahrbahn verbreitert und sich in beim Quirlsberg in zwei Fahrspuren aufteilt. Leider kommt man nun durch die Hauptstraße nur bis zum Forumspark und müsste von dort ca. 300m schieben.

Wer das nicht möchte muss nun auf der Schnabelsmühle weiterfahren, wo es nun schon etwas flotter zur Sache geht. Ab der Kreuzung zur Bensberger Straße wird man dann  auf einen als benutzungspflichtigen Radweg verwiesen (schon kurz vor der Ampel), welcher auf Grund von Zustand, Sichtverhältinissen und Breite noch nicht einmals als anderer Radweg freigegeben werden dürfte.

Je nach Fahrbahnphobie nutzt man also diese Radfahrergefährdungsanlage, oder bleibt einfach auf der Fahrbahn um dann in den Trotzenburgweg zur Post abzubiegen.

Wie schaut nun der Rückweg aus?

Man kann aus dem Trotzenburgweg nur in Richtung Westen abbiegen, da der Tunnel ein Überqueren der Gohrsmühle unmöglich macht. Entweder auf dem unzumutbaren Radweg, oder aber auf der 2-spurigen Fahrbahn. Bis zur Poststraße sollte man sich dann allerdings auf der linken (3.) Abbiegespur einsortiert haben um dort mittels U-Turn wieder in die richtige Richtung zu gelangen. Hier gibt es erneut einen Radweg, der allen Regeln der Kunst wiederspricht. Bei Nässe oder Dämmerung ist sein Verlauf an der alten Bushaltestelle noch nicht einmal mehr zu erkennen.

Wenn man nun die Bensberger Str. gequert hat, geht es noch ein wenig auf der Fahrbahn bis zur Ampel am Quirls – danach entspannt sich die Situation wieder.

In den Augen der Stadtverwaltung sieht so ein für Radfahrer gut erschlossener Bereich aus.

Wenn man wenigstens die schwach besuchte östliche Fußgängerzone befahren dürfte, so könnte man zumindest durch die Durchfahrt am Stadthaus bis zur Post gelangen. Auf dem Rückweg könnte man bis zur Kreuzung Schnabelsmühle fahren und die dortige Fußgängerampel mit 5m schieben als Querungshilfe erreichen.

Übringens Kinder unter 10 Jahren dürfen genau so fahren.

Nebenbei reicht die Räumzeit beim Linksabbiegen vom Konrad-Adenauer-Platz in Richtung Osten auch nicht aus. Mit einem vollbepackten Rad ist mit anfahrenden KFZ aus der Bensberger Straße zu rechnen! Selbst bei den Bussen kann man beobachten das die Autos aus Richtung Bensberg schon losfahren bevor diese die Kreuzung geräumt haben.

Fazit

Das Thema Fußgängerzone Bergisch Gladbach ist keines welches rein sachlich und emotionslos betrachtet wird.

Auch die von der Stadt hervorgehobene Begründung:

“Der Petent begehrt die Freigabe um die Fußgängerzone zu beleben”

ist in diesem Kontext zu sehen. Aber mit genau diesem Wortlaut wurde die Freigabe der Bensberger Fußgängerzone für den Kraftverkehr gefordert!

Ich selbst bin übrigens von dem Nutzungsverbot kaum betroffen, da ich kein Problem damit habe, mit dem Rad auf den Fahrbahnen der oben erwähnten Hauptverkehrsstraßen zu fahren, auch die Rampe am Marktkauf oder die Nutzung des Drischer Kreisel ist für mich kein großes Problem. Weniger geübten Radfahren können diese Orte das Radfahren in Bergisch Gladbach allerdings madig machen.

Gespannt bin ich, ob die Rampe auch für den Radverkehr gesperrt werden soll, da im KSTA-Artikel hierzu nichts erwähnt wurde.

Holger M.

Familienvater, Angestellter in Köln, seit 8 Jahren in GL. Passionierter Radfahrer

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