Der Film „Reiche Bürger – arme Stadt“ über Bergisch Gladbach wurde korrigiert. Die neue Version wird am Montag, 30.4., 22.00 Uhr und am Donnerstag, 3.5., 14.15 Uhr gezeigt. In der ersten Version waren zum Beispiel ärgerliche Fehler beim Thema Gewerbesteuer.

Unter anderem wurde behauptet, dass Gladbacher Firmen ihre Bilanzen nicht veröffentlichen und weniger Gewerbesteuer zahlen, als richtig wäre. Diese falschen Behauptungen sollen nun richtiggestellt werden.Der WDR kündigt die überarbeitete Filmversion allerdings nicht als Richtigstellung an, sondern wie einen komplett neuen Film. Auf der Internetseite des WDR steht:

„Immer mehr Kommunen wirtschaften am Rand der Pleite. Mehr als 130 Kommunen allein in Nordrhein Westfalen regieren mit einem Nothaushalt. Ihre Ausgaben und Einnahmen sind streng reglementiert. Geld für Neuinvestitionen ist kaum vorhanden. Den Städten bleibt nur, den Mangel zu verwalten. Der Grund für die Pleiten seien dramatisch gewachsene Aufgaben, die der Bund den Gemeinden aufbürde – vor allem für Ausgaben im Sozialbereich. Doch haben auch die Kommunen selbst Schuld an der finanziellen Misere? Wie halten es zum Beispiel vermögende Bürger mit der Steuer? Autor Ingolf Gritschneder ist diesen Fragen am Beispiel der Stadt Bergisch Gladbach nachgegangen. Mit rund 110.000 Einwohnern ist Bergisch Gladbach eine der kleinsten Großstädte des Landes. Die Stadt am Rande des Bergischen Landes und der Kölner Bucht schiebt einen riesigen Schuldenberg vor sich her und muss mit einem Nothaushalt regieren. Dabei galt Bergisch Gladbach einst als eine der wohlhabendsten Städte im Lande. Noch heute leben hier viele schwerreiche Bürger. Zwei der berühmtesten Gourmet-Restaurants Deutschlands gibt es hier, eine weit über die Grenzen bekannte Wellness-Oase und einen der deutschlandweit schönsten Golf-Plätze. Trotzdem ist die Finanzlage desolat. Der Film fragt vor allem nach den Steuereinnahmen, die in der Stadt wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden. Warum kommt von den Milliarden-Umsätzen der Unternehmen so wenig im Stadtsäckel an? Eine Story von großen und kleinen Geschäften, von persönlichem Profit und öffentlicher Not.“

Der Satz über „Steuereinnahmen, die in der Stadt wie ein Staatsgeheimnis behandelt“ würden, suggeriert immer noch, Bergisch Gladbach müsse sich nicht an das Steuergeheimnis halten. Sollten auch in der neuen Filmversion immer noch ärgerliche Fehler sein, besteht die Möglichkeit, Kommentare im Story-Gästebuch zu hinterlassen.

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4 Kommentare

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  1. Einige Fehler wurden korrigiert, aber leider gab es wieder neue Fehler. 2012 haben wir nicht weniger Gewerbesteuer-Einnahmen, sondern mehr!

  2. Eine vergleichende Textanalyse ohne Anspruch der Vollständigkeit zeigt folgende Unterschiede zwischen dem ursprünglichen und jetzt ausgestrahltem Beitrag:
    —–
    15:20
    Alt: “Er [Anm.: Reddel] kann ungestört mit den Honoratioren der Stadt Golf spielen. 15.000 Euro kostet die Mitgliedschaft im Jahr.”
    Neu: “Ungestört kann der Investor mit den Honoratioren der Stadt Golf spielen. 15.000 Euro kostet die Aufnahme in den noblen Club.”

    25:55
    Alt: “Nach den Umsätzen müsste Krüger eigentlich der größte Steuerzahler der Stadt sein. Doch da lässt sich der Ehrenbürger nicht in die Karten schauen. Bilanzen veröffentlicht die Firma nicht. Und auch in der Stadt werden die Zahlen gehütet wie ein Staatsgeheimnis.”
    Neu: Entfernt: “Bilanzen veröffentlicht die Firma nicht.”

    26:35
    Alt: “Hier sind die Zahlen bekannt. Sitzung der Verwaltungskonferenz. Hier werden die Einzelheiten des neuen Haushalts erarbeitet. Hier wird gestrichen und gekürzt.”
    Neu: “Sitzung der Verwaltungskonferenz. Hier weiß man von dem Missverhältnis zwischen Umsatz und Gewinn. Denn nur auf den Gewinn wird die Gewerbesteuer erhoben.”

    31:55
    Alt: “Ganze 35 Millionen bekam die Stadt an Steuern. Wer also zahlt, und wieviel?”
    Neu: “Ganze 35 Millionen bekam die Stadt an Steuern. 2012 sollen es noch einmal 7 Millionen weniger werden.”

    32:05
    Alt: “2010 setzte Krüger 1,5 Milliarden um. Mehr erfährt man aus dem verschachtelten Firmenimperium nicht. Nach der letzten veröffentlichten Bilanz machte das Mediterana 10 Millionen Euro Umsatz. Keine 150.000 Euro zahlte die Firma davon Gewerbesteuer.”
    Neu: “2010 machte Krüger 1,5 Milliarden Umsatz. Einzelheiten zur Gewerbesteuer erfährt man aus dem verschachtelten Firmenimperium nicht. Das Wellnessbad Mediterana machte 2010 14 Millionen Euro Umsatz. Knapp 240.000 Euro zahlte die Firma an Gewerbesteuer.”
    ————-
    Wie gesagt, wir können nicht genau sagen, ob es nicht doch noch Unterschiede gibt. Ist Ihnen etwas aufgefallen?

  3. Die Richtigstellungen sind sachdienlich, denn viele Bürger glauben auch in Bergisch Gladbach, dass die Stadt an der unerfreulichen Sitruation was ändern könne, dass hier ansässige Großunternehmen keine oder nur verhältnismäßig geringe Gewerbesteuer zahlen. Es ist nachvollziehbar und nichts Neues, dass jedes Unternehmen und jede Privatperson darauf bedacht ist, so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Die moralische Keule deswegen zu schwingen wäre nicht zielführend
    Sponsoring von kulturellen und sozialen Einrichtungen ist im Gegensatz zu den USA in Deutschland eher unterentwickelt, findet zwar statt, könnte aber deutlich mehr sein.

    Die Bundessteuergesetzgebung macht es eben möglich, dass sich ortsansässige Unternehmen, je größer sie sind, die Möglichkeiten haben, sich der Gewerbesteuer legal zu entziehen. Einer Stadt bzw. Kommune sind da die Hände gebunden, sie sind die Leittragenden.

    Gleichwohl sollte man bedenken, dass In Bund, Land und Kommunen Politiker der gleichen großen Partien an den Schalthebeln der jeweiligen Mächte sitzen. Es wäre daher Aufgabe der jeweilgen Stadtverordneten, parteiintern auf Parteitagen ihre Parteien auf Kurs zu bringen und massiv den Aufstand zu proben. Denn ohne elementare Verbesserung der Kommunen mit Geld im Wege einer Umverteilung der Steuereinnahmen einerseits und Ausgabenlast andererseits bei weiter steigenden Sozialausgaben -man denke an die sich anbahnende große Altersarmut) müüsen die Städte und Kommunen langristig finanziell kollabieren, nicht nur Bergisch Gladbach.
    An diesem parteiinternen Mut mangelt es bei zu vielen vor allen einflussreicheren kommunalen Politkern mit Rücksicht auf ihre eigenen persönlichen parteiinternen Karrierepläne.
    Sich dann auch noch zusätzlich als Hofbaumeister in städtischen Großprojekten persönlich verwirklichen und Denkmäler setzen zu wollen, obwohl Stadt es sich nicht leisten kann, kommt dann noch als weiterer Turbolader städtischer Verschuldungen hinzu.

    Denen in Berlin gehört mächtig der Marsch geblasen. Wenn alle Bürgermeister des Landes sichtbare Massenproteste auch auf der Straße bundesweit gegen ihre Parteibonzen aus dem Bund abhalten und intitieren würden, wäre die breite Bevölkerung mit ihnen und nur so kann sich in Wirklichkeit was ändern. Nur über die Problematik in der Öffentlichkeit klug zu schwätzen zeigt zwar der Öffentlichkeit, wo es drückt, aber freiwillig lassen sich Bundepolitiker ihre finanziellen Spielräume nicht so ohne weiteres beschneiden. Sie müssen vielmehr fürchten, von der eigenen Basis mit öffentlichem Druck aus den Ämtern gejagt zu weden.