Wer Augen hat zu sehen und Ohren hat zu hören, kann in unserer Innenstadt nicht nur einkaufen, sondern auch Menschen begegnen. Manchmal Menschen, die einer ganz anderen Seite unserer Gesellschaft angehören als der, in der man selber lebt. Die man vielleicht sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Hier aber kann man direkt mit ihnen sprechen. Und dabei gegenseitige Vorurteile abbauen. Wenn man es denn will.
Fotografieren lassen wollten sich nur 2 von ihnen, obwohl sie insgesamt 15 waren. Warum? Weil sie Angst hatten? Angst vor wem? Auf jeden Fall konnte man sich nett mit ihnen unterhalten.

Sie treffen sich im sogenannten Rondellchen, werden von manchen Leuten gefürchtet, von anderen verachtet. Aber warum eigentlich?

Weil sie Zeit haben, die vielen von uns fehlt? Dabei ist es doch so: Sie hätten gerne weniger Zeit, wenn sie dafür Arbeit hätten. Und sie würden sich gerne wie viele von uns lieber im eigenen Garten treffen, wenn sie denn einen hätten.

„Mit einem von den Polizisten, die hier manchmal auftauchen, verstehen wir uns gut. Der hat Verständnis für uns.“

„Wissen Sie eigentlich, dass wir hier den Platz immer sauber halten? Wir säubern ihn zusätzlich zu der städtischen Reinigung.“

„Es wäre schön, wenn bei der Neugestaltung der Innenstadt ein Dach über dieser schönen Bank errichtet würde, ein einfaches Dach. Aber an so etwas denken wohl moderne Architekten nicht.“

Hier findet die Kommunikation statt, die an vielen Stellen in unserer Gesellschaft fehlt. Noch haben sie ja auch eine Bank, eine halbkreisförmige, bei der sie sich beim Reden gegenseitig in die Augen schauen können, eine kommunikative Bank sozusagen.

Aber wie lange noch? Im Zuge der Geradlinigkeit und Offenheit, die die Prinzipien der Neugestaltung der Stadt sind, werden vielleicht auch diese Menschen mit ihrer Bank aus unserer Innenstadt verschwinden, nicht nur die vielerlei Arten von Bäumen, die wir hatten. Es sei denn, wir wollen es anders. Und setzen es durch.

Weitere Informationen:

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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1 Kommentar

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  1. Bereit sein ist viel,
    warten können ist mehr,
    aber erst den rechten Augenblick erkennen, ist alles!