Fritz Roth (r.) mit Reiner M. Sowa im November 2012. Foto: Reiner M. Sowa

Ich kann den Toten nicht Gutes mehr tun, aber den Angehörigen kann ich in ihrer Trauer helfen“,

sagte mir Fritz Roth im Februar 1990 in seinem Bestattungshaus, das damals noch seinen Sitz in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone hatte. Mein Vater war verstorben, und ich war auf der Suche nach einem Bestatter. Als Kriminalhauptkommissar hatte ich bisher nur beruflich mit Bestattern Kontakt gehabt, nun ging es aber um meine Familie und mich. Es ging um unsere Trauer.

Jetzt ist Fritz Roth tot.

Und ich muss an diesen Satz denken, der seine Bestattungsphilosophie klar beschreibt:

Wir können ihm nichts Gutes mehr tun. Wir können lediglich seine Angehörigen in ihrer Trauer begleiten.

Trotzdem trifft mich die Nachricht seine Todes hart. Mir stockt der Atem.

22 Jahre sind seit unserer ersten Begegnung vergangen. 22 Jahre, in denen ich seinen Weg als Bestatter intensiv verfolgt habe. Eigentlich sollte ich seinen Tod gelassen nehmen. Hatte er nicht selbst immer wieder postuliert:

Der Tod gehört zum Leben.

Es ist etwas ganz Normales geschehen: Fritz Roth ist tot. Ihn hat das getroffen, was wir alle noch vor uns haben werden.

Dennoch bleibt mir die Spucke weg. Wann habe ich ihn zuletzt getroffen?

Unser letztes Gespräch haben wir im November geführt. Ich habe ihm aus dem aktuellen Manuskript meines Bestatter-Romans vorgelesen.

Als mein Romanheld Ulrich Schwartz über die Zeit philosophierte, zeigte sich Tränenglanz in Fritz Roths Augen. Er hatte bereits gewusst, dass er bald sterben würde. Auch sein Thema war die Zeit gewesen. Er hatte mir über seine Pläne und Wünsche berichtet. Es war – wie immer – ein offenes und herzliches Gespräch ohne Tabus gewesen.

Auch das war Fritz Roth: Offen und herzlich. Und er resignierte nie! Das Leben bot so viel. Er hatte es genutzt. Jeden Augenblick.

Fritz Roth hat den Menschen in ihrer Trauer so viel geschenkt und hätte dies auch weitergemacht, wenn nicht dieser grässliche Krebs gewesen wäre.

Nun ist er tot.

Ich erinnere mich an seine Worte:

„Der Tod eines Menschen, mit dem man tief verbunden ist, beendet unwiederbringlich einen Teil der Existenz. Es wird nicht mehr so sein, wie es vorher war, das Leben.“

Wie wahr!

Seiner Familie wird im Leben der Vater und Ehemann fehlen. Meine Gedanken sind bei Inge Roth und ihren Kindern Hanna und David.

Auch Bergisch Gladbach wird ohne Fritz Roth nicht mehr so sein, wie es vorher war. Das Zugpferd, das unserer Stadt immer wieder neue Impulse gab, wird fehlen.

Ich wünsche Dir immer viel Farbe im Leben, helle und dunkle, in Freud und Leid!“

hatte er mir als Widmung in sein jüngstes Buch „Das letzte Hemd ist bunt“ geschrieben.

Wie soll ich einen so großartigen Menschen huldigen? Ich mache es ganz einfach: DANKE FRITZ!  Lieber Fritz – ich denke an Dich – in höchster Verehrung und tiefer Trauer

Weitere Nachrufe und Informationen:

Reiner M. Sowa

siehe 26 Fragen an Reiner M. Sowa: https://in-gl.de/?p=5466

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3 Kommentare

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  1. Der Tod hatte schon vor einiger Zeit bei Fritz Roth angeklopft, aber dass er so schnell eintreten würde, hat niemand geahnt, nicht ahnen können bei dieser Kämpfernatur, bei diesem Optimisten und Mutmacher bis zum Schluss.

    Mein Theater stand mit ihm seit rund 20 Jahren in guter, enger Verbindung – eine Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Vertrauen und großer Anerkennung getragen wurde und nicht zuletzt von Fritz Roths Zuneigung zu unserer Kunstform, mit der man so wundervoll sanft die Menschenseele berühren kann. Viele Jahre lang gestalteten wir – erst meine Vorgängerin Heide Hamann, zwischendurch und zuletzt dann ich – die Kinderseminare in der Villa Trauerbunt, dem Kinderhaus am Rande der Gärten der Bestattung: eine wertvolle, auch für uns Theaterleute gewinnbringende und bereichernde Aufgabe. Damit gehören wir Bensberger Puppenspieler zu der riesigen Gruppe von Künstlerinnen und Künstler, die von Fritz Roth inspiriert und gefördert wurden.

    Ganz persönlich habe ich Fritz Roth einen neuen, veränderten Blick auf das Thema Sterben, Abschied und Trauer zu verdanken – einen Blick, der viel weiter und freier ist als all das “Verklebte”, was man uns im Priesterseminar einzutrichtern versucht hat: Dass ich nach meiner Seminarzeit (2004 bis 2007) den Sprung zurück in meinen alten Theaterberuf so gut geschafft habe und in Bergisch Gladbach sehr schnell eine wirkliche neue Heimat finden durfte, hat mit einigen ganz konkreten Menschen zu tun, und einer dieser Menschen war Fritz Roth mit seiner Offenheit, seinem Humor und seiner unglaublichen Herzenswärme.

    Ich verneige mich vor einem großen Mann: DANKE, Fritz Roth! Kraft, Trost und Segen seiner ganzen Familie, allen voran seiner Frau Inge und seinen Kindern David und Hanna.

  2. Ohne Fritz Roth kann ich mir Bergisch Gladbach noch überhaupt nicht vorstellen.
    Er war ein unermüdlicher Förderer von Kunst und Künstlern, von Kultur und Kulturschaffenden. Stets war er auf der Seite jener, die kreative Ideen hatten und etwas bewegen wollten.
    Und ich glaube, so wird er auch über sein Leben hinaus wirksam bleiben.
    Ich bin sehr traurig, aber auch froh, mit ihm zu tun gehabt zu haben…