Mehr als  60 Familien haben sich zu einer Interessensgemeinschaft in Hand zusammengeschlossen, um gegen den angedachten Bau eines Kletterparks mit Hochseilbahn im Bereich des Spielplatzes an der Diepeschrather Mühle vorzugehen.

Von der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt ist die Planung für diese Anlage offenbar relativ weit fortgeschritten. Die “Interessensgemeinschaft Hochseilbahn/Kletterpark” legte eine Skizze vor, die Teil eines entsprechenden Bauantrages sei. Die Stadt, so warnt die IG, sei kurz davor, diesen Bauantrag zu genehmigen. Allerdings ist der Kletterpark bislang in keinem städtischen Gremium Thema gewesen. Ob eine Änderung des Bebauungsplans überhaupt notwendig ist, ist offen.

Die Anwohner führen eine Reihe von Argumenten gegen die Freizeitanlage “Phantasiapark Hand” in ihrer Nachbarschaft an:

  • Erhebliches zusätzliches Verkehrsaufkommen und Parkplatzsuchverkehr; man rechne pro Tag mit 400 zusätzlichen Besuchern bzw. Fahrzeugen
  • Lärmbelästigung durch Kletterer, Zuschauer und  v.a. dem Betrieb der mehrere hunderte Meter langen Seilbahn
  • Belastung für das Naturschutzgebiet durch Müll
  • Der derzeitige Abenteuerspielplatz und Park werde als Naherholungsraum zerstört
  • Wertverluste der Grundstücke aufgrund des Verlustes an Lebensqualität

Die Interessensgemeinschaft sei, so heißt es, nicht bereit, diese Verschlechterungen hinzunehmen.

Eine erste Informationsveranstaltung für die Anwohner hat bereits statt gefunden. Daran wollten auch Lokalpolitiker teilnehmen, was ihnen nach eigenen Angaben jedoch von dem Veranstalter verwehrt wurde.

UPDATE 1: Nach Auskunft von Stadtrat Lennart Höring  (CDU) ist das Grundstück dan der Diepeschrather Mühle städtisch. Die Stadt habe nicht vor, es zu verkaufen. Es könne jedoch an den Betreiber verpachtet werden. Ob ein solcher Pachtvertrag vom Verwaltungsrat des Stadtentwicklungsbetriebs oder von der Verwaltung abgeschlossen werden kann, hänge von der Pachthöhe ab. Es gebe zudem einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der Erholungs- und Spielplatzflächen zulasse – was wohl auch einen Hochseilgarten abdecke. Daher könne es sein, dass die politischen Gremien überhaupt nicht mit dem Fall befasst werden.

UPDATE 2 (14.12.2012): Stellungnahme der Stadtverwaltung

  • Es ist keine B-Plan-Änderung erforderlich, da die Flächen im B-Plan als Naherholungsgebiet ausgewiesen sind. Damit wäre eine Genehmigung normales Geschäft der Verwaltung. Trotzdem wollte man die Anwohner mit ins Boot holen.
  • Deswegen gab es verschiedene Treffen, der Investor hat sich mit den Anwohnern zusammengesetzt. Auch Herr Schmickler hat sich mehrfach mit Anwohnern getroffen.
  • Es liegen Schall-, Artenschutz- und Lärmuntersuchungen vor, die das Vorhaben alle als unproblematisch einstufen. Die Anlage liegt am nächsten Punkt deutlich über 100 Meter von der nächsten Bebauung weg.
  • Geparkt werden soll auf der Gastrasse, die ohnehin als Parkplatz ausgewiesen ist.
  • Es ist keine neue Gastronomie vorgehen, die eine größere Lärmquelle sein könnte, denn es gibt ja die Gastronomie in der Diepeschrather Mühle.
  • Trotz der positiven Untersuchungsergebnisse redet man mit dem Betreiber, da dieser sehr offen und gesprächsbereit ist. Ziel: den guten Plan noch etwas besser machen. So könnte die Seilbahn („Europarutsche“) am Ende noch ein Stück weiter von der Bebauung entfernt sein.
  • Einige Anwohner sprechen von 400 zusätzlichen Fahrzeugen bzw. Besuchern. Der Betreiber rechnet nach eigenen Angaben an durchschnittlichen Tagen mit 90 Besuchern und damit mit nicht mal einem Viertel dieser Zahlen. An Spitzentagen rechnet er mit gut 170 Besuchern. Von einem Schreckgespenst „Phantasialand Hand“ kann damit keine Rede sein.
  • Der Betreiber hat Erfahrung mit einem Klettergarten, da er bereits eine solche Anlage in Steinau in Hessen betreibt.
  • Alles in allem sieht die Verwaltung das Vorhaben auf einem guten Weg. In konstruktiven Gesprächen wurden Verbesserungen im Sinne der unmittelbaren Nachbarn über ein ohnehin schon genehmigungsfähiges Maß hinaus erreicht. Deswegen besteht die Hoffnung, in einer ruhigen Atmosphäre diesen Weg zu einem guten Ergebnis weiter beschreiten zu können. (Quelle: Stadtsprecher Stefan Kunze in der Facebook-Gruppe “Politik in Bergisch Gladbach“)

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4 Kommentare

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  1. Liebe Leserinnen und Leser,

    hier noch zwei Anmerkungen.

    1) Bei dem Beitrag „Anwohner gegen Phantasialand Hand“ kann der Eindruck entstehen, dass die geplante Kletteranlage den vorhanden Spielplatz und Park ersetzen soll. Dies ist nicht der Fall!
    2) Rund um den Oktober 2011 wurden die Planungspolitischen Sprecher aller im Rat vertretenen Parteien über die geplante Kletteranlage in Kenntnis gesetzt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

  2. Also wagen wir eine Zusammenfassung der Informationen aus Facebook und in-gl.de bzgl. des geplanten Kletterparks in Hand: Die Grünen wissen seit 2011 von dem Vorhaben und haben sich seinerzeit andeutungsweise kritisch geäußert (siehe in http://www.in-gl.de). Einige Anwohner haben auch vor Monaten erfahren, dass es Planungen für einen Kletterpark gibt und eine Interessengemeinschaft gegründet. Weitere Anwohner wurden gezielt angesprochen sich im Rahmen einer Veranstaltung zu informieren und ggf. auch zu engagieren. Die Veranstaltung sollte offensichtlich geschlossen sein, da auf „überregionale Werbung“ (sprich außerhalb Hands) und die Information der Medien (z.B. KStA) durch Pressemitteilung o. ä. verzichtet worden ist. Diese Veranstaltung schien aber auch für die Politiker der beiden großen Ratsfraktionen von großem Interesse gewesen zu sein, da man gerne teilgenommen hätte. Nun unterstellen wir diesen Politikern einmal, dass ihr Interesse an der Veranstaltung alleinig in der Informationsbeschaffung begründet ist und weniger die Nutzung als Bühne im Vordergrund stand. Man kann auch sicherlich darüber streiten, ob es guter Stil ist, Politiker, die nicht offiziell eingeladen worden sind, zu bitten den Raum zu verlassen. Aber zu Einem hat das Ganze doch geführt. Eben diese Politiker haben sich nun der sicherlich besten Informationsquellen bedient und zwar der in der Verwaltung. Nun sehen wir mal von dem kindlich anmutenden Facebook-Geplänkel zwischen zwei Vertretern der Großen ab, wer denn nun die bessere Informationsquelle in der Verwaltung mit dem dazu gehörigen Parteibuch habe, so ist eines erreicht: die Diskussion ist nun in Gang gekommen. Wir haben auch in der kurzen Zeit viel inzwischen gelernt über B-Plan, Planungsausschuss, wann welche Institution ab welchem Geldbetrag zuständig ist, aber noch habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass die offenen Fragen bzw. Bedenken der Bürger wirklich ernst genommen werden.
    Mein Vorschlag: die Politik macht sich bei der Verwaltung schlau, informiert öffentlich über den Stand der Dinge und lädt die Interessengemeinschaft zum Dialog ein. Ich denke, spätestens seit der Schulform bzw. –standortdiskussion in GL wissen wir, dass gefühlte Ignoranz gegenüber den Bürgern nichts bringt und dem ein oder anderen fast das Mandat kosten kann.
    Jetzt kann die Politik zeigen was besserer Stil ist und zum Dialog einladen.

    P.S. Ich bin gespannt, wann der KStA in die Berichterstattung einsteigt. Mit Kletterparks kennt man sich ja gut aus ;-)

  3. in paar kleine kurze Fakten: 1. Das Grundstück ist städtisch und die Stadt hat auch nicht vor, es zu verkaufen, sondern im Falle der Realisierung an den Betreiber zu verpachten gegen marktüblichen Pachtzins. Ob dieser Pachtvertrag im Verwaltungsrat des Stadtentwicklungsbetriebs beschlossen werden muss oder von der Verwaltung als Geschäft der laufenden Verwaltung abgeschlossen werden kann, hängt an der Höhe der Pacht ab, da gibt es gesetzliche Grenzen zwischen Geschäft der laufenden Verwaltung und politischen Beschlüssen. Im Zweifel im Vergaberecht nachschauen, da kenne ich mich nicht aus.
    2. Es gibt dort heute einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der dort Erholungsflächen und Spielplatzflächen zulässt und ausdrücklich erwünscht. Die Planung des Hochseilgartens entspricht weitestgehend der Zielsetzung des B-Planes. Eine Änderung ist dementsprechend wohl nicht notwendig, wird aber juristisch noch geprüft. Dementsprechend sind und werden im Zweifel auch keine politischen Gremien befasst.

  4. Liebe Leserinnen und Leser,

    zu diesem Thema möchte ich auf meinen Beitrag „Kletterwald im Naherholungsgebiet Diepeschrath“ vom 11.10.2011 im hiesigen Portal und auf meine öffentliche Anfrage im Planungsausschuss vom 04.10.2011 hinweisen.

    Bezüglich der Verkehrszunahme, der Parkplatzsituation und der Auswirkungen auf die Natur sowie die anliegende Wohnbebauung bestehen auch in unsere Fraktion Bedenken.

    Diese Bedenken haben wir auch schon gegenüber der Verwaltung, unter anderem im Planungsausschuss, angesprochen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen